Shelton bis San Francisco – 7.9.09 – 8.10.09

Von Shelton aus verlief unsere Route Richtung Süden und führte uns über Washingtons Hauptstadt Olympia nach Portland. Die Strecke verlief wie schon vor Shelton Großteils durch Farmland und war wieder mal wenig aufregend. Wir hatten allerdings schon vor unserer Entscheidung, durchs Inland zu fahren damit gerechnet und hatten entschieden, diesen Umstand in Kauf zu nehmen um den Umweg an die Küste zu vermeiden.
Portland stellte sich als die bisher interessanteste Stadt unserer Reise heraus. Besonders beeindruckend ist die schier unheimliche Zahl an Radfahrern, die die Stadt bevölkern. An jeder Ecke gibt’s Radgeschäfte und die Vielfalt an unterschiedlichen Drahteseln auf den Straßen ist unermesslich. Zudem hat die Stadt ein riesiges Netz an Radwegen, und im Visitor Center und in vielen Radshops bekommt man gratis Rad-Karten und -Stadtführer.

Ein Quartier fanden wir – wieder mal über warmshowers – bei Phil und Brie – zwei jungen New Yorkern, die selbst erst seit einigen Monaten in Portland wohnen und vor einiger Zeit mit den Rädern von New York bis fast nach Portland gefahren waren.
Nach drei Tagen in Portland hatten wir Bewegung wieder dringend nötig – nicht zuletzt weil wir auf der Stadtausfahrt zum ersten Mal seit Fairbanks einem Fastfoodheißhunger verfallen waren, der durch ein außergewöhnlich gutes Angebot bei Burger King ausgelöst worden war.
In drei Tagen erreichten wir Lincoln City an der Küste Oregons und freuten uns, endlich wieder mal etwas Abwechslung entlang der Strecke zu haben – Der bekannte Highway 101 entlang des Pazifiks bietet tatsächlich beeindruckende Felsformationen und schöne Sandstrände, nur lässt die Wassertemperatur etwas zu wünschen übrig.
Auch das Campen ist am Highway 101 wieder angenehm günstig, da es jede Menge kleine State Parks gibt, deren Campgrounds mit Hiker/Biker Sites ausgestattet sind, die nur 4$ pro Person kosten.
Am zweiten Tag an der Küste trafen wir am berühmten Seal Rock in der Mittagspause Caro und Nils aus Deutschland, die ebenfalls in Anchorage gestartet waren und daher schon von Weitem an der schweren Beladung als Langstreckenradler von den hier zu Hauf anzutreffenden Zwei-Taschen-Wochenend-Radlern zu unterscheiden waren. Aufgrund der netten Unterhaltung und ob der Freude, endlich mal wieder jemand getroffen zu haben, der ähnlich viel Gepäck wie wir zu schleppen hatte, radelten wir den Rest des Tages gemeinsam zum Honeyman Campground, auf dem die beiden einen Freund treffen wollten, mit dem sie bereits auf Vancouver Island geradelt waren.
Am nächsten Tag setzten wir etwas verspätet am frühen Nachmittag (Regen 🙁 und langer Erfahrungsaustausch mit Nils und Caro :-)) unsere Reise fort und bogen in Reedsport wieder ins Inland ab, um zum Crater Lake zu fahren. Der Hwy 38 und 138 gefielen uns sehr und waren vor allem auch wesentlich weniger befahren als der 101 an der Küste, und wir waren schon bevor wir den Crater Lake erreicht hatten fest davon überzeugt, dass wir den interessanteren, wenn auch anstrengenderen Weg gewählt hatten.
Sobald wir den Nationalpark erreicht hatten war auch die Anstrengung des 2300-Höhenmeter-Anstieges vergessen. Über die Nordeinfahrt erreichten wir zuerst die beeindruckende Pumice Wüste, die entstand als bei der Explosion des Mt. Mazama vor 7700 Jahren ein Tal 30m hoch mit Asche aufgefüllt wurde. Die Nacht darauf verbrachten wir auf unserem bisher höchstgelegenen Zeltplatz auf 1935m Höhe. Wenig überaschenderweise war die Nacht auch unsere bisher kälteste mit -2°C in der Apsis. Auch das Frühstück auf 2300m am Grat des Kraters war eher kühl, doch wurden wir durch die grandiose Aussicht auf den dunkelblauen Kratersee und Wizard Island mehr als entschädigt. Nachdem uns die Landschaft so gefiel und auch die Fotomöglichkeiten zahlreich waren schafften wir am Crater Lake nur 27 km, die aber sicherlich zu den schönsten unserer bisherigen Reise gehören.
Ein fast ebenbürtiges Highlight war auch die Abfahrt vom Crater Lake Richtung Küste – auf über 30km geht’s über 900 Höhenmeter bergab mit einem einzigen, vielleicht 100m langen Stück, auf dem man kurz treten muss.
Sobald wir die Berge verlassen hatten wurde die etwas unangenehme Kälte von ziemlich unangenehmer Hitze abgelöst – 38° im Schatten ließen meinen Radcomputer mehrmals ausfallen und brachten Manu beinahe zu Verzweiflung.
Kaum an der Küste – diesmal schon in Kalifornien – angekommen empfing uns wieder Nebel und Kälte in den Sequoia Wäldern rund um Crescent City.
Zu unserer großen Überraschung kamen am Morgen nachdem wir wieder an der Küste angekommen waren als wir gerade auf einem Picknicktisch vor einem Campground frühstückten Nils und Caro aus ebenjenem geradelt. Das Frühstück dehnte sich dadurch wieder beträchtlich in die Länge und nachdem danach noch immer nicht alles besprochen war radelten wir gemeinsam weiter.
Zu viert zu radeln stellte sich als sehr unterhaltsam heraus und hatte zudem den Vorteil, dass wir uns die Campingplatzgebühren teilen konnten. So setzten wir auch am nächsten Tag unsere Tour gemeinsam fort und wollten uns eigentlich wieder einen Zeltplatz teilen, wurden aber am Abend sogleich eines besseren belehrt – ein hoher Preis und eine Beschränkung auf maximal zwei Personen pro Site am Campground veranlasste uns, uns gemeinsam einen Wildcampplatz zu suchen. Wenn wir allerdings vorher gewusst hätten, wieviel Bear Poo wir später rund um unseren Zeltplatz finden sollten, hätten wir vielleicht diese Entscheidung nochmals überdacht.
Caro und Nils begleiteten uns weiter durch die Avenue of the Giants, deren riesige Coast Redwoods, die oft über 100 m hoch sind und Stämme mit mehreren Metern Durchmesser haben, uns alle sehr beindruckten.

Entlang der sehr hügeligen kalifornischen Küste fuhren wir gemeinsam weiter bis Sausalito – nördlich von San Francisco – und wurden von tausenden rosa und pink gekleideten Frauen mit Wuschelschwänzen und Plüschquasten am Kopf empfangen, die uns bis über die Golden Gate Bridge nach San Francisco hinein begleiten sollten. Der San Francisco Bay Area Breast Cancer 3-Day Walk war gerade voll im Gange, als wir eintrafen.

Am nordende der Golden Gate Bridge gönnten wir uns allerding noch eine ausgiebige Mittagspause im Fort Baker Park mit Blick auf San Franciscos Skyline und die Golden Gate Bridge bevor wir uns auf den Weg durch das rosarote Getümmel in die Stadt machten.
Am Südende der Golden Gate Bridge wurden wir dann auch sogleich von einem einheimischen Radler in Beschlag genommen, der uns anbot, uns den besten Weg durch die Stadt nach Pacifica zu zeigen, wohin wir am Madrone Campground einige Tage zuvor etwas südlich der Avenue of the Giants von einem Ehepaar eingeladen worden waren.
Der Weg, den er mit uns einschlug wäre vielleicht unter normalen Umständen ganz schön gewesen, doch hatte sich am Nachmittag der kühle Wind zu einem richtigen Sturm ausgewachsen und machte uns insbesondere am langen Strand auf der Westseite San Franciscos gehörig zu schaffen. Der Strand wurde vom Sturm nämlich kurzerhand auf die Straße verfrachtet, auf der sich stellenweise richtige kleine Dünen bildeten. Wir hatten nicht die geringste Chance, dem Sand zu entkommen, der sich in allen Nischen der Ausrüstung sowie in Augen und Ohren ansammelte. So einen Sandsturm hätten wir vielleicht in einer der Wüsten im Inland erwartet, aber definitiv nicht in San Francisco.
Aufgrund des Sandsturms, der 1444 Höhenmeter, die wir an diesem Tag auf nur 70 km zurücklegten und natürlich auch wegen der vielen Fotopausen erreichten wir unsere Hosts in Pacifica erst gegen 20:00, wurden aber trotzdem sehr herzlich empfangen. Nach der dringend nötigen Dusche gab’s kalifornischen Rotwein zu vegetarischer Lasagne und sogar der Whirlpool, den wir letztendlich aber doch nicht mehr ausprobierten, war bereits vorgeheizt.
Leider bekamen Steve und Jaclyn am nächsten Tag anderen Besuch und wir mussten wieder aufbrechen – in der netten Umgebung hätte es sich durchaus noch einige Zeit aushalten lassen.
In letzter Minute fanden wir noch einen Couchsurfer, der Zeit hatte, uns zu hosten, nachdem wir bereits vor mehr als einer Woche begonnen hatten in San Francisco nach einer Unterkunft zu suchen, jedoch bisher keinen Erfolg gehabt hatten. Von Ted, unserem Gastgeber sollten wir später erfahren, dass er pro Tag 6-7 Anfragen über couchsurfing.com bekommt, was unsere Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden wohl erklärt.
Nach einem hervorragenden Frühstück bei Steve und Jacy sowie den letzten Internet-Erledigungen in Pacifica brachen wir mit Caro und Nils wieder Richtung San Francisco auf. Nachdem wir nicht wieder über den Freeway No.1 fahren wollten, wie bei unserer Ankunft in Pacifica hatten wir uns von unseren Gastgebern eine alternative Route über den Manor Drive beschreiben lassen, der sich als bisher wohl längster richtig steiler Abschnitt unserer Reise  herausstellte. Ca. 1 – 1 ½ km mit 17-19% Steigung (von knapp über Meeresspiegel bis auf 210m Höhe) trieben uns trotz kühlem Wetter schnell die Schweißperlen ins Gesicht.
Die weiteren Hügel, die wir bis nach Downtown San Francisco zu überwinden hatten waren glücklicherweise nicht mehr so anstrengend. Trotzdem hatten wir einige Male Gelegenheit, vom Portola Drive aus auf die Innenstadt hinunterzublicken.
Wir hatten mit Ted vereinbart, ihn in der Sutter Street im „White Horse“ – seinem Stammlokal zu treffen. Zuvor begleiteten wir noch Caro und Nils zu ihrem Hostel gleich in der Nähe unseres Treffpunktes und verabschiedeten uns. Die beiden erwarteten in San Francisco Besuch von Caros Familie, mit der sie in den nächsten Wochen per RV einige Nationalparks erkunden wollten. Wir sind schon sehr gespannt, ob sich unsere Wege weiter südlich zufällig wieder einmal kreuzen werden.
Als wir beim White Horse ankamen erwartete uns Ted schon. Wir führten unsere Räder ins Hinterzimmer des Pubs und wurden von Laury, der Barkeeperin auch gleich auf zwei Corona eingeladen, als wir von unserer Reise erzählten. Dazu gab‘s gratis Hotdogs, die allen Gästen im White Horse angeboten werden. Unser bisher stärkster Auftritt war wohl, als wir gegen ½ 11 das mittlerweile ziemlich gefüllte Pub wieder mit unseren voll bepackten Rädern verließen. Man könnte fast sagen wir erregten etwas Aufsehen. 🙂
Ted war mit dem Auto nach San Francisco gekommen und nahm uns mit den Rädern mit nach Berkeley, wo wir uns für die nächsten Tage bei ihm und seinen Mitbewohnern Brian und Ben einquartieren durften. Nachdem er gerade im Theater zwischen zwei Produktionen nichts zu tun hatte bekamen wir am nächsten Tag auch gleich eine San Francisco Stadtführung durch Embarcadero, Fisherman’s Wharf, Hyde Street Pier und Chinatown.
Wir hatten das Glück, dass einige Museen in San Francisco am ersten Dienstag im Monat gratis Eintritt haben und nahmen uns daher für Dienstag das Museum of Asian Arts und Das Museum of Modern Art vor, fanden aber leider im Asian Arts Museum heraus, dass der Gratistag auf Sonntag verlegt worden war, weshalb wir auf eine Besichtigung der City Hall auswichen.
Das Museum of Modern Art war definitiv eines der Highlights in San Francisco, wenngleich Ted der uns wieder mit dem Auto nach San Francisco gebracht hatte nach ca. 2 Stunden ziemlich verstört ins Museum kam und uns erzählte, dass sein Auto abgeschleppt worden war. Wir begleiteten ihn also per Bus zum Abschleppplatz um das Auto wieder auszulösen, was sich als etwas schwierig herausstellte, letztendlich aber doch funktionierte. Ted ließ sich durch die ganze Sache in seiner Gastfreundschaft jedoch nicht aus der Ruhe bringen und organisierte für den Abend noch gratis Kinokarten für Inglorious Basterds.
Nach dem etwas stressigen Vortag verbrachten wir den Mittwoch in Berkeley zuhause mit Blogschreiben, Routenplanung und damit, Teds Computer zu reparieren.
Am Donnerstag machten wir nochmal auf eigene Faust San Francisco unsicher und kamen genau rechtzeitig zum Training der Blue Angels für die Flugshow am nächsten Tag am Russian Hill an, von wo wir eine gute Aussicht auf die atemberaubenden Manöver genossen.
Abends besuchten wir noch das Nightlive Special der Academy of Science im Golden Gate Park – auch ein Highlight, das unbedingt zu empfehlen ist – Ein großes Aquarium (interessanter als das in Seattle), ein Planetarium, ein vierstöckiges Regenwaldhaus und ein naturhistorisches Museum können jeden Donnerstag Abend zwischen 6 und 10 in Clubatmosphäre mit DJ und zahlreichen Bars zum halben Tageseintrittspreis erkundet werden. Da könnten sich die Wiener Museen durchaus noch etwas abschauen!

Einziger Haken dabei: wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Sache wirklich so ein Nightlive Event ist und waren in unserer Radkleidung nicht gerade overdressed zwischen den tanzenden San Franciskanern – waren aber glücklicherweise nicht die einzigen, die mit Windstopperjacken und Rucksäcken unterwegs waren 🙂
Am Ende unseres San Francisco Aufenthaltes hatten wir noch Gelegenheit, unsere Ausrüstung etwas auszusortieren und wollten eigentlich einige Dinge, die wir bisher nicht oder selten gebraucht hatten nachhause schicken, was sich, nachdem es in den USA bei der Post seit einiger Zeit keine Bodentransport-Option mehr gibt allerdings als sehr teuer herausstellte – so teuer, dass es nicht viel teurer wäre die Dinge, die wir nicht mehr brauchen wegzuwerfen und zuhause neu zu kaufen. Als Ted davon erfuhr bot er uns sofort an, unsere Sachen dem nächsten österreichischen Couchsurfer mitzugeben – wir hoffen also, dass er in den nächsten 1-1 ½ Jahren mal einen zuverlässigen Österreicher hostet, der unsere Sachen mitnehmen kann.

Die Fotos zum aktuellen Bericht sind auf Washington, Oregon und Kalifornien aufgeteilt.

2 Responses to “Shelton bis San Francisco – 7.9.09 – 8.10.09”


  • bear poo??? shit??? around the tent? 🙁

  • Hi!

    Schön, wieder mal von euch zu lesen – weiter so – macht Spaß, euch ein Stück zu begleiten und somit die Zeit bis zum eigenen Aufbruch (Mai kommendes Jahr) zu überbrücken 😉
    LG

    Andy aus Steyr

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