Monthly Archive for Januar, 2010

Las Cruces/New Mexico bis Mazatlán/Sinaloa 18.12.09 – 11.1.10

FotoAus der geplanten Übernachtung in Las Cruces bei Lee und Cindy wurden wieder mal zwei weil wir so nett aufgenommen und hervorragend verköstigt wurden.

Von Las Cruces sind es noch ca. 90 km bis zum White Sands National Monument. Auf dem Weg dorthin kamen wir in Organ bei dem Post Office vorbei, auf das wir uns noch einige Pakete hatten schicken lassen und tatsächlich bekamen wir diesmal alle vier erwarteten Packerl – in dem winzigen Post Office Container in Organ ist es offenbar nicht so leicht etwas zu verschlampen wie im Main Post Office in Flagstaff . Meine Taucherbrille, die offenbar schon in Flagstaff verschwunden ist, ist leider nicht mehr aufgetaucht und daher auch nicht nach Organ weitergeleitet worden.

FotoDa das White Sands Natl. Mon. mitten in der White Sands Missile Range liegt campten wir kurz vor Beginn der Missile Range, da wir spät aufgebrochen waren und nicht in der Dunkelheit im Natl. Mon. ankommen wollten. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, da es weder in der Missile Range noch im Natl. Mon. selbst eine Möglichkeit zum Campen gibt. So erreichten wir das National Monument am Frühen Nachmittag und hatten bis zum Abend Zeit, in der riesigen Sandkiste zu spielen J. Der weiße Sand, der ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern bedeckt besteht aus Gips, der vom Regen aus den benachbarten Bergen gelöst und ins Tal gespült wird, wo die Flüsse in kleinen Seen enden, die keinen Abfluss haben. FotoDer gelöste Gips kristallisiert wenn die Seen im Sommer austrocknen und wird vom Wind zu Dünen aufgehäuft, die schneeweiß sind. Dazwischen wachsen Yuccas und kleinere Sträucher.

FotoDie Straße des Natl. Mon. führt 8 Meilen weit mitten ins Dünenfeld, wo es kaum mehr Vegetation gibt, weil die Dünen zu schnell wandern. In den rein weißen Sandhaufen, die ca. 5-10 m hoch sind fühlt man sich wie in einer anderen Welt – sehr eindrucksvoll!

FotoAm östlichen Ende der Missile Range gibt es in der dort gelegenen Holloman Airforce Base eine Wildlife Viewing Area, wo man auch Campen darf. Von dort fuhren wir am nächsten Tag wieder zurück nach Las Cruces wo wir bereits zum Abendessen mit Lee, Cindy und einigen Bekannten der beiden erwartet wurden. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, dass es In Puerto Palomas – an dem Grenzübergang, den wir zu benutzen geplant hatten in letzter Zeit einige Entführungen gegeben hatte. Auf Anfrage bei der Österreichischen Botschaft in Mexico erhielten wir die beruhigende Auskunft, dass keiner der Grenzübergänge zu den USA momentan sicher wäre, jedoch keinen Tipp, welchen Grenzübergang wir wählen sollten. Nachdem wir von den Entführungen in Columbus gehört hatten entschieden wir uns, nach Arizona zurückzufahren und die bei Douglas die Grenze nach Mexico zu überqueren, da es zwischen dort und Columbus bei Antelope Wells zwar noch einen Grenzübergang, aber keine mexikanischen Einreisebehörden gibt.

Lee und Cindy halfen uns noch, unsere Ausstattung für Mexiko zu komplettieren und wir fanden sogar noch ein Tauchgeschäft, das innerhalb eines Tages eine Taucherbrille mit passenden Korrekturgläsern für mich auftreiben konnte.

FotoDurch die Wartezeit auf die Taucherbrille und den darauffolgenden Regentag verlängerte sich unser Aufenthalt wieder ungeplant aber nicht unwillkommen bis zum 24.12., wodurch wir noch „gemeinsam“ mit unseren Eltern über Skype Weihnachten feiern konnten ;-) . Den eigentlichen Weihnachtsabend verbrachten wir nahe El Paso wieder im Zelt und hatten morgens darauf wieder mal kühle minus 9°C zu verzeichnen – Zeit also, so schnell wie möglich nach Mexiko aufzubrechen. FotoDie Landschaft am Highway 9 entlang der Grenze ab Columbus westwärts und speziell das Gebiet unmittelbar östlich der Chiricahua Mountains waren abgesehen von White Sands die schönste Gegend New Mexicos, die wir sahen. In den Bergen hier lag teilweise neben der Straße noch etwas Schnee zwischen den typischen Wüstenpflanzen wie Mesquitesträuchern und Yuccas.

FotoKurz vor Douglas begegneten wir dem ersten Reiseradler seit langer Zeit. Der arme war in San Diego aufgebrochen und hatte kein Zelt sondern nur einen Biwak Sack zum Campen – Sicher nicht recht angenehm bei den Temperaturen hier in der Nacht. Zudem erzählte er uns, dass er fast jede Nacht von der Border Patrol aufgeweckt wurde, die ihn für einen illegalen Einwanderer hielt. Diese Erfahrung war uns glücklicherweise erspart geblieben. Entweder wissen wir mittlerweile, wie man sich beim Campen besser versteckt oder die Border Patrol hat uns einfach mit Zelt und Rädern für zu gut ausgestattet gehalten, um uns für illegale Grenzgänger zu halten.

FotoIn Douglas angekommen, gönnten wir uns noch ein letztes Mal eine Nacht in einem RV-Park um nochmal Wäsche zu waschen und uns auf Mexiko vorzubereiten und brachen am nächsten Tag frühmorgens zur Grenze auf.

Diesmal war es kein Problem, den Ausreisestempel für die USA zu erhalten und auch der mexikanische Einreise-Beamte gab uns nach kurzer Verhandlung für je 24 US$ eine 180 Tage Aufenthaltsgenehmigung – mehr als wir erwartet hatten und viel mehr als wir hoffentlich für Mexiko brauchen werden.

Der Weg durch Agua Prieta begann abenteuerlich. Wir hatten zwar herausgefunden, dass man auf http://www.bing.com/maps/ auch für Mexiko, Mittel- und Südamerika Routen planen kann, was auf Google Maps bisher nicht möglich ist, jedoch war in unserer Routenplanung nicht vermerkt, dass die Avenida Ferrocarril (Bahngasse), die uns aus der Stadt führen sollte nicht asphaltiert ist, auf weiten Strecken eher einer Müllhalde ähnelt als einer Straße und zudem eine Furt durch einen kleinen Bach beinhaltet. Trotzdem gelangten wir relativ schnell auf die MEX 2 und von dort auf die MEX 17 und waren froh, die Grenzstadt relativ schnell verlassen zu können.

Die erste Überraschung in Mexiko war, dass die Autofahrer bisher größtenteils recht rücksichtsvoll sind, uns oft zuwinken und beim Überholen ausreichend Abstand halten bzw. so lange hinter uns herfahren bis sie sicher überholen können.

Am ersten Tag in Mexiko fuhren wir bis Esqueda, wo wir uns im ersten Motel einquartierten, das wir fanden und von dem wir ebenso positiv überrascht wurden. Nach fast sieben Monaten im Zelt war der Komfort von eigenem Badezimmer, richtigem (und sogar sauberem) Bett und Fernseher für umgerechnet ca. 16€ zu zweit durchaus willkommen.

Von Esqueda ging’s weiter durch die hügelige Wüstengegend des nördlichen Sonora nach Cumpas. Auffallend ist hier, dass die Landschaft im Vergleich zu New Mexico und Arizona wesentlich grüner ist. Die Mesquitesträucher haben hier wieder Blätter und man findet auch immer mehr andere Vegetation. Auch in Cumpas fanden wir ein nettes und günstiges Hotel und wurden bei unserer Ankunft auch gleich auf Kaffee (aus echten Bohnen und mit echter Milch) und Tamales eingeladen. Die Mexikaner stellen sich zunehmend als sehr freundlich heraus und der Eindruck, den man in den USA aus den Medien und von Erzählungen verängstigter Amerikaner, die noch nie hier waren, bekommt, scheint bislang in keinster Weise zuzutreffen.

Nachdem’s von Cumpas aus über Moctezuma richtig in die Berge geht war der 31.12. ein recht anstrengender Tag, und unsere Silvesterfeier in Mazocahui fiel recht sparsam aus. Dafür waren wir am 1. aber gut in Form und schafften die 127 km bis Hermosillo noch vor 17:00.

FotoAb Hermosillo begann leider ein weit weniger interessantes Stück Straße – auf der Mex 15 ist relativ viel Verkehr und die Landschaft ist sozusagen brettl-eben – und das bis La Cruz mit ein paar Ausnahmehügeln vor Culiacán. In Guaymas sahen wir zum ersten Mal seit Big Sur den Pazifik – oder besser gesagt den Golf von Kalifornien – wieder. Das letzte Mal ist ja nun auch schon wieder ca. 5000 km her. Zum Baden lud die Gegend allerdings nicht wirklich ein. Das werden wir wohl bis etwas später verschieben müssen, da wir den Umweg nach San Carlos, wo’s schön sein soll nicht in Kauf nehmen wollten.

FotoNachdem die Strecke so flach war kamen wir wenigstens ganz gut voran und erreichten Mazatlán am 10.1. – 1371 km seit wir in am 29.12. in Agua Prieta nach Mexico geradelt sind in 13 Tagen also. Die Landschaft war dabei nur am Anfang vor Hermosillo in den Bergen und kurz vor Mazatlán interessant. In Sonora radelt man auf der Mex 15 parallel zur Küste in einiger Entfernung zu dieser ab Empalme in einem Großteils flachen Wüstengebiet durch Ciudad Obregon und Navojoa bis man ein Stück vor Los Mochis die Grenze nach Sinaloa überschreitet, wo plötzlich die Straße etwas breiter wird und einen schmalen Seitenstreifen hat und die Wüste in bewässertes Ackerland übergeht. Die Highlights dieser Strecke sind also quasi die Quesadillas und Tacos von den Asaderos am Straßenrand, die Abende in den Motels vor dem Fernseher (die man tatsächlich genießen kann, wenn man die letzten 7 Monate fast ausschließlich im Zelt geschlafen hat) und die tägliche Dusche, für die wir oft viel gegeben hätten als wir noch in den einsameren Gegenden der USA und Kanadas unterwegs waren.

Kurz vor Mazatlán überquerten wir den Wendekreis des Krebses – den Breitenkreis, an dem die Sonne zur Sommersonnenwende am Zenit steht und haben somit ca. 6 Monate nach dem nördlichsten Punkt unserer Reise in Fairbanks, wo wir nur 313 km vom Polarkreis entfernt waren, die Tropen erreicht. Passenderweise sahen wir am Wendekreis zum ersten Mal ein freilebendes Krokodil in einem Bach neben der Straße – gute 2,5 m lang aber leider zu schnell wieder weg, um es zu fotografieren. Außerdem hatten wir zum ersten Mal die Gelegenheit, uns von einer der kleinen Palmen am Straßenrand ein paar Kokosnüsse zu pflücken und auszutrinken – lecker!

Mazatlán gefällt uns sehr gut und wir gönnen uns einen Tag Pause in einem netten Hotel am Strand in der Altstadt bevor wir morgen nach Durango in die Berge aufbrechen.

FotoDie Küste vor Mazatlán hat sich als heiß, schwül und hügelig herausgestellt und die Straße ist unangenehm zu fahren weil der Pannenstreifen schlecht asphaltiert ist. Der seltene Ausblick aufs Meer ändert daran leider nichts. Wir freuen uns, in den Bergen hoffentlich bald endlich wieder in schönere Landschaft zu kommen.

Fotos zu diesem Beitrag gibt’s unter Arizona, New Mexico und Mexiko.