Monthly Archive for Februar, 2010

Mazatlán bis San Miguel de Allende 12.1.10 – 4.2.10

Von Mazatlán aus änderte sich die Landschaft schon auf den ersten 70 km drastisch – immer hügeliger und immer interessanter wird die Umgebung, durch die wir radeln – entlang der Straße wachsen tropische Bäume und die Vögel die von den Ästen pfeifen hören sich an wie Papageien.

Wir waren eigentlich auf einen anstrengenden Anstieg gefasst, von dem wir am ersten Tag der Strecke nach Durango noch verschont bleiben. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen in Copala zu übernachten, überlegten aber an der Abzweigung der Straße, ob wir wirklich die steile gepflasterte Straße Richtung Copala hinunter nehmen oder doch besser weiterfahren sollten, nachdem wir erst 70 km gefahren waren und es noch relativ früh war.

Von Copala aus kam uns ein vollbesetztes Auto entgegen und der Fahrer fragte uns zu unserer Überraschung in gutem Englisch, ob wir nach Argentinien unterwegs wären und in Alaska gestartet seien. Wir tratschten kurz mit ihm und als wir ihn fragten, ob es in Copala ein Hotel gäbe, meinte er wir sollten doch einfach in seinem Haus schlafen, da er ohnehin über Nacht nicht zuhause wäre weil er gerade nach Mazatlán unterwegs sei.

Er gab uns seinen Hausschlüssel und die Anweisung, am Hauptplatz einfach irgendwen zu fragen: „¿Donde vive Luis?“ – Wo wohnt Luis – was sich als nicht so einfach herausstellte, wie er vielleicht geglaubt hatte, da natürlich im Ort jeder wusste, dass Luis gerade nach Mazatlán unterwegs war und wir mit unserem noch recht dürftigen Spanisch gewisse Schwierigkeiten hatten, den Leuten zu erklären, dass wir trotzdem sein Haus finden und dort schlafen wollten.

Glücklicherweise passte der Schlüssel aber beim ersten Tor, das wir probierten und wir mussten nur drei Leute fragen, bevor wir „zuhause“ waren. Luis‘ Haus ist sehr nett eingerichtet und wir fühlten uns sofort wohl darin. Als wir gerade dabei waren, unser Abendessen zu kochen bekamen wir auch noch Besuch von einigen Leuten, die offenbar auch einen Schlüssel hatten und begannen, im Garten zu arbeiten. Was genau sie machten fanden wir allerdings nicht heraus und ließen uns auch nicht weiter vom wohlverdienten Abendessen abhalten. Nach ca. einer Stunde waren sie ohnehin wieder verschwunden.

Am nächsten Morgen als wir gerade aufbrechen wollten kam Luis nachhause und wir hatten noch eine kurze aber nette Unterhaltung mit ihm. Er hatte Kunst studiert und ein kleines Geschäft in Copala, wo er die Ledermasken verkauft, die wir bei ihm zuhause gesehen hatten, wo sie zum Trocknen am Küchenboden aufgelegt waren.

Nachdem der Vortag mit knapp über 1017 Höhenmetern und 74 km noch mäßig anstrengend war, brachen wir am Tag darauf unseren bisherigen Tageshöhenmeterrekord auf der Strecke von Copala nach El Palmito – 2123 hm laut HAC5, laut GPS sogar über 2400 hm – was wirklich genauer ist wissen wir leider nicht. Jedenfalls wars anstrengend und eigentlich wollten wir schon einige km vor El Palmito campen, nachdem uns aber dort eine Wirtin sagte, dass es zum nächsten Hotel in El Palmito nur mehr 10 km wären und die Strecke flach sei, beschlossen wir, doch noch weiterzufahren. Aus den 10 km wurden 15 und die Strecke war flach genug um nochmal 300 hm zurückzulegen. Dementsprechend froh waren wir über die heiße Dusche und das gemütliche Bett in El Palmito, wo wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit ankamen.

Ab der Grenze zwischen Sinaloa und Durango wird die Landschaft wirklich spektakulär – die Straße ist in teilweise senkrechte Felswände gehauen und an den Hängen wachsen Agaven. Auf einer Seehöhe von über 2000 m war es nun wieder deutlich kühler als zuvor am Strand in Mazatlán. Auf 2700 m setzte am Nachmittag ein mäßig angenehmer Graupelschauer ein der die Fahrbahn in kurzer Zeit in einen Rutschbahn verwandelte und uns zwang, uns schon in La Ciudad ein Zimmer zu nehmen. Wesentlich wärmer war‘s leider im Hotel auch nicht, denn Heizung oder Warmwasser gab‘s hier nicht obwohl wir uns noch immer auf über 2500 m befanden.

Am nächsten Morgen sahen wir, dass es offenbar in der Nacht wieder geschneit hatte. Die Straße war von einer ca. 5 cm dicken Schneeschicht bedeckt, die Temperatur lag bei -6°C und bei allen anderen Häusern kam dicker Rauch aus den Rauchfängen. Nachdems im Hotel auch nicht recht gemütlich war brachen wir trotzdem relativ früh auf und fuhren die ersten 22 km auf fast ununterbrochener Schneefahrbahn bis zum Pass von El Salto auf 2802 m Höhe. Auf der anderen Seite war glücklicherweise der Schnee schon größtenteils geschmolzen, so dass die Abfahrt nicht sonderlich problematisch war. Jedoch ließ uns unser erneut unbeheiztes Hotel in Llano Grande am Abend beinahe schon daran zweifeln, dass wir die richtige Route gewählt hatten.

Auch der nächste Tag begann mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und dichter Bewölkung, die sich allerdings bis zu Mittag deutlich lichtete und bis zu unserer Ankunft in Durango völlig verschwunden war. Trotzdem wir wieder nur eine relativ kurze Distanz bis Durango zurücklegten, war die Strecke erneut anstrengend, denn das Zentralplateau Mexikos ist nicht flach, wie man dem Namen nach vermuten würde, sondern in dieser Gegend mindestens so hügelig wie das Waldviertel. Von Mazatlán bis Durango hatten wir insgesamt 6765 Höhenmeter auf 337 km zurückgelegt. 1700 hm mehr als wir nach den Angaben in anderen Blogs erwartet hatten – die barometrischen Höhenmesser weichen bei den Messwerten anscheinend ganz deutlich voneinander ab.

Dafür wurden wir in Durango sehr freundlich empfangen und bei der Suche nach einem Hotel von Ismael, den wir nach dem Weg zum Zentrum fragten, nicht nur in die richtige Straße geführt sondern auch noch auf einen Oxxo Kaffee eingeladen – Eine ganz lustige Erfahrung, denn er sprach trotzdem er zwei Jahre in Texas gelebt hatte kein Englisch und wir „unterhielten“ uns ausschließlich auf Spanisch.

Nach der anstrengenden Fahrt von Mazatlán gönnten wir uns ein ausgiebiges Abendessen im Restaurant mit Burritos, Tortas, Sincronizadas, Frijoles und Tacos con carne al pastor – wir probierten einfach alles, was es auf der Karte zu bestellen gab ohne genau zu wissen was uns erwartete und waren größtenteils begeistert J.

Nachdem die Methode am Vorabend so gut funktioniert hatte war ich auch beim Frühstück zu Experimenten aufgelegt und sah in der Karte, dass es „Menudo“ zum Frühstück nur am Sonntag gab, was mich neugierig werden ließ. Unser begrenztes Spanisch erlaubte uns zwar noch, die Kellnerin zu fragen was denn „Menudo“ eigentlich sei, der Antwort waren wir allerdings nicht gewachsen. Bestellt haben wir es trotzdem und waren relativ überrascht über das was wir dann aufgetischt bekamen – offenbar eine mexikanische Mischung aus Fleck- und Klachlsuppe (mit Kutteln und Rindshaxen statt Schweinshaxen) mit viel Chile – nicht ganz mein Geschmack fürs sonntägliche Frühstück.

Bis auf die Frühstückserfahrung ist Durango aber eine schöne Stadt mit einigen großen Plätzen, die von schönen Kolonialbauten umgeben sind und zahlreichen alten Kirchen. In der Fußgängerzone flanieren am Samstagabend offenbar engagierte Pärchen in Kolonialtracht auf und ab und vor den Hotels spielen Mariachis.

Unsere weiteren Stops von Durango nach Zacatecas waren Nombre de Dios, Sombrerete und Fresnillo, wovon die ersten beiden wieder ganz nette Kolonialstädtchen sind. Von Fresnillo sahen wir nur die Außenbezirke, die wenig ansprechend sind.

Auf fast der gesamten Strecke hatten wir mit böigem, unangenehmem Seitenwind zu kämpfen – gerade auf den engen und stark befahrenen Stadteinfahrten war das besonders unangenehm. Die letzte Steigung auf der Nordeinfahrt von Zacatecas wurde so zu einem der unangenehmsten Streckenabschnitte der gesamten Reise.

Belohnt wurden wir dafür mit einer unglaublich bunten Stadt die sich auf 2500 m zwischen die Berghänge zwängt und einen ganz besonderen Reiz hat. Kein Wunder, dass sie auch zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Wir genossen zwei Tage die engen Gässchen der Altstadt und den wunderschönen Ausblick von der Dachterrasse des Hostal Las Margaritas. Durch den Wind, der auch in Zacatecas nicht nachließ, konnten wir leider nicht mit der Seilbahn über die Stadt auf den Hausberg fahren – diese stellt nämlich den Betrieb bei Wind ab 65 km/h ein.

Von Zacatecas bis Aguascalientes legten wir noch einen Stop in Rincón de Romos ein und erreichten dadurch relativ früh am nächsten Tag unsere Unterkunft in Aguascalientes, wo wir zum ersten Mal in Mexico couchsurften. Unsere Hosts Nathalie und Marie aus der Schweiz und aus Frankreich unterrichten Französisch als Fremdsprache in Aguascalientes. Nathalie (http://nathauxameriques.blogspot.com/) blieb auf der Durchreise von Montréal nach Feuerland hier hängen während Marie zum Arbeiten hierher gekommen war.

Obwohl wir ziemlich müde waren ließen wir uns dazu überreden, mit den beiden und Damian, einem Freund und Kollegen der beiden noch auszugehen. In der Innenstadt gibt’s nah am Hauptplatz eine Bar, wo man zwar für die Getränke etwas mehr zahlt als woanders, dafür aber kleine Antojitos gratis serviert bekommt und das in Mengen, an denen man sich mehr als sattessen kann. Außerdem bekamen wir zusätzlich eine Runde Bier und zwei Runden Tequila gratis serviert, was in Kombination mit der Flasche Wein, die wir schon zuhause getrunken hatten und den restlichen Getränken zu ausgelassener Stimmung sowie einem ordentlichen Kater am nächsten Tag führte, der uns zu einem ungeplanten Pausentag zwang. Dass wir seit 7 Monaten fast keinen Alkohol getrunken hatten machte sich jedenfalls ziemlich bemerkbar. Vor allem im Vergleich zu den beiden Mädels, die erstaunlich fit waren obwohl sie noch 2-3 Stunden länger unterwegs waren nachdem wir uns um 3 verabschiedet hatten, machte ich wohl einen relativ schlechten Eindruck.

Am weiteren Weg nach León mussten wir zum ersten Mal feststellen wie ungenau bzw. falsch unsere ITMB Karte von Mexiko ist. Während auf der Karte die Autopista von Auguascalientes über San Francisco del Rincón nach León führt verläuft sie tatsächlich zuerst über León und von dort nach San Francisco – blöd, wenn man plant, kurz vor León in San Francisco zu übernachten. Bis León wars uns nämlich zu weit und auch die Abzweigung nach Lagos de Moreno hatten wir laut Karte schon weit hinter uns, wodurch uns nichts anderes übrig blieb als wieder mal zu zelten – zum großen Leidwesen Manus, die dadurch Grays Anatomy im Fernsehen versäumte, das hier jeden Montag auf AXN läuft ;-)

Am nächsten Tag fanden wir heraus, dass wir die Abzweigung nach Lagos de Moreno noch vor uns hatten, da diese sich nicht wie auf der Karte eingezeichnet bei Encarnación de Díaz sondern ca. 30 km weiter südlich bei San Jorge befindet.

In Leon gab‘s wieder einiges zu sehen – die Altstadt ist schön restauriert und wesentlich attraktiver als die Vororte, wo wir einige Kilometer auf unasphaltierten und extrem holprigen Straßen dahin radelten, weil wir die richtige Autobahnausfahrt verpasst hatten nachdem León in 3 verschiedenen Richtungen angeschrieben war.

Im Zentrum von León stehen mitten am Hauptplatz mehrere unitades dentales moviles – Mobile Zahnbehandlungswägen, vor denen die Leute teilweise Schlange stehen. Auch die außen angeschlagene Preisliste (natürlich in mexikanischen Pesos) ist interessant:DSC_0447 edit

Als wir gerade Richtung Guanajuato aufbrachen wurden wir wieder einmal ausführlich über unsere Reise befragt und fotografiert. Was wir jedoch noch nicht erlebt hatten war, dass der Neugierige ein Notizbuch herausholte und begann unsere Antworten aufzuschreiben. Es stellte sich heraus, dass er ein Journalist der Periodico a.m. León war und einen Beitrag über uns schreiben wollte. Die Fragerei war somit unser erstes Zeitungsinterview auf Spanisch und führte zu folgendem Ergebnis: Zeitungsartikel in der a.m.

Nachdem unser Spanisch noch relativ dürftig ist sah sich der Reporter offenbar gezwungen die spärlichen Informationen die er erhalten hatte noch etwas auszuschmücken und erfand einfach einige Details dazu, wie zB. dass wir ein Buch schreiben würden.

Wir versuchten am nächsten Tag in Guanajuato eine Ausgabe der a.m. zu bekommen, leider gab’s dort aber nur die lokale Auflage für Guanajuato und nicht die für León.

Guanajuato ist etwas kleiner als Zacatecas, sonst sieht‘s aber recht ähnlich aus und hat auch wieder ein nettes Hostal mit Dachterrasse, von der der Ausblick allerdings nicht ganz so gut ist wie in Zacatecas. Interessant sind in Guanajuato die zahlreichen verwirrenden Tunnel, die die ganze Stadt unterwühlen und durch die früher der Rio Guanajuato rann bevor er durch einen Damm umgeleitet wurde. Heute werden die Tunnel für den Verkehr genutzt und sogar für einige Parkplätze ist da unten genug Platz.

Von Guanajuato, das auf ca. 1980 m liegt führt die Ausfahrt Richtung Dolores Hidalgo zunächst kurz bergauf so dass man nach nicht viel mehr als 10 km den 2613 m hohen Pass vor Dolores Hidalgo erreicht. Wir waren zwar auf eine anstrengende Etappe vorbereitet aber die Steigung hatte es trotzdem in sich, zumal uns auch das warme Wetter ziemlich ins Schwitzen brachte.

Dolores Hidalgo (voller Name: Dolores Hidalgo Cuna de la Independencia Nacional) hat zwar eine große Bedeutung in der mexikanischen Geschichte und ca. 55000 Einwohner, ist aber auf unserer Karte trotzdem nicht eingezeichnet – schon das zweite Mal, dass uns ein relativ gravierender Mangel an der ITMB Karte auffällt.

Die Strecke nach San Miguel de Allende, wo wir wieder bei einem Couchsurfer wohnen war glücklicherweise weniger anstrengend und nur 44 km lang. Wir kamen hier am 29.1. an und hatten uns vorgenommen 1-2 Tage Pause einzulegen. Mittlerweile sind wir nun eine Woche hier, weils die letzten 5 Tage ununterbrochen regnete, was allerdings nicht so tragisch ist, da wir bei Erssel gut untergebracht sind und auch von Anfang an nette Gesellschaft hatten. Gleichzeitig mit uns waren am Freitag Yojana und Akasha, zwei Mexikanerinnen zum Couchsurfen bei Erssel angekommen, die hier in San Miguel einen Bauchtanz-Workshop besuchten.

Am Dienstag fanden wir heraus, dass noch ein anderes Radlerpaar gerade in der Stadt war und trafen die beiden am Abend in der Stadt. Roland und Belinda Hinmueller (Cycling with Sally) – sie aus Neuseeland, er aus Kanada, sind ebenfalls am Rad, allerdings am Tandem, von Alaska nach Feuerland unterwegs und machen gerade einen Spanischkurs hier in San Miguel. Gefunden haben sie uns über die panam-riders Google Gruppe, in der wahrscheinlich die meisten Panamerikana Radler, die derzeit gerade unterwegs sind, registriert sind. Die beiden bleiben noch eine Woche hier und brechen dann zunächst nach Guanajuato auf, wollen aber wie wir danach nach Oaxaca, San Cristobal, Yucatan und anschließend nach Belize fahren und wir hoffen uns dort wieder zu treffen um gemeinsam nach Guatemala radeln zu können. Heute Abend treffen wir die beiden wieder und werden genauere Pläne schmieden.