San Miguel de Allende bis Chiapa de Corzo 05.02.10 – 13.03.10

Nach sieben Nächten in San Miguel de Allende freuten wir uns, endlich wieder auf die Straße zu kommen, wurden aber wie schon mehrere Male zuvor von einem der Patschen aufgehalten, die den Reifen bei längeren Aufenthalten in einer Stadt unbemerkt die Luft verlieren lassen und sich erst auf den ersten Metern auf der Straße bemerkbar machen. Nachdem die Strecke bis Querétaro zwar sehr verkehrsreich aber dafür nur mäßig hügelig war schafften wir es trotz spätem Aufbruch und Patschen noch bis zum Abend dorthin und waren froh, unseren Host Nacho nicht noch einmal versetzen zu müssen nachdem wir ihn ja wegen des schlechten Wetters schon seit vier Tagen täglich vertröstet hatten. Wir hielten uns diesmal nicht so lange auf und machten uns schon am nächsten Morgen nachdem wir uns noch kurz die Innenstadt von Querétaro angesehen hatten, auf den Weg Richtung Toluca.

Der weitere Streckenverlauf war sehr hügelig und verkehrsreich, manchmal hatten wir auf den engen Straßen ohne Seitenstreifen mit den LKW und Autos zu kämpfen, manchmal hatten wir dafür zwei Spuren der noch nicht fertiggestellten Autobahn komplett für uns alleine weil sie noch abgesperrt waren.

Kurz nach der Überquerung unseres bisher dritthöchsten Passes mit 2734m kamen wir unverhofft nach Acambay, einer weiteren 50000 Einwohner Stadt, die auf unserer Karte nicht eingezeichnet ist und waren froh, nicht mehr bis Atlacomulco weiterfahren zu müssen, das hinter einigen Bergen noch 30km entfernt lag.

In Toluca erwartete uns Miguel der uns netterweise unsere Räder in seiner Wohnung unterstellen ließ, was uns erlaubte, den Abstecher in die vermeintlich so versmoggte und chaotische Hauptstadt Mexicos per Bus zu machen. Fernando, bei dem wir in Mexico City oder nur „México“, wie es die Mexikaner nennen, unterkamen ist Journalist bei La Jornada – einer der größten Tageszeitungen Mexikos und ein weiterer sehr netter Couchsurfer, den wir kennenlernen durften.

Wir beide waren von México sehr positiv überrascht obwohl dort 22 Mio. Menschen leben. Wir hatten nach den Erzählungen und Beschreibungen vieler Leute (hauptsächlich Amerikaner) ein riesiges Verkehrschaos und beinahe unerträglich Smog erwartet, stattdessen fanden wir klare Luft mit gutem Ausblick auf Popocatépetl und Iztaccíhuatl sowie ein exzellentes U-Bahnsystem, von dem die meisten amerikanischen Städte nur träumen können.

Das historische Zentrum, das von den Spaniern zum Teil auf ungeeignetem Untergrund – einem trocken gelegten See – erbaut wurde hat einige beträchtlich schiefe Gebäude, ist aber trotzdem äußerst eindrucksvoll. Natürlich gibt es auch hier wieder unzählige Kirchen und Paläste aus der Kolonialzeit mit wundervollen Fassaden, jedoch wurden hier in jüngerer Zeit auch einige der Kolonialbauten wieder abgerissen um den aztekischen Tempel (Templo Mayor) mitten im Zentrum der Stadt freizulegen, der von den Spaniern einfach zugeschüttet worden war. Dieser Tempel befindet sich nach aztekischem Glauben exakt im Zentrum des Universums – der Stelle, an der die Azteken wie prophezeit einen Adler auf einem Kaktus mit einer Schlange im Schnabel vorfanden. Heute ist dieser Adler das Symbol Mexikos und ist auch in der mexikanischen Flagge zu sehen.

Ein weiteres Highlight in México ist das anthropologische Museum, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man hier vorbeikommt – wir verbrachten gute vier Stunden in dem riesigen Komplex und hatten als wir wieder aufbrachen noch lange nicht alles gesehen. Leider sind nur wenige wichtige Beschreibungen im Museum auf Englisch übersetzt, wodurch das Entziffern der Texte relativ zeitaufwändig und anstrengend war.

Nachdem das Museum im Bosque de Chapultepec liegt, schauten wir auch noch kurz im botanischen Garten vorbei und schlenderten ein wenig durch die Zona Rosa.

Ebenso interessant waren die Märkte Méxicos – der Mercado de la Merced – angeblich einer der größten Märkte Lateinamerikas hat nicht nur exzellentes und günstiges Essen zu bieten sondern auch kunstvoll aufgestapeltes Obst und Gemüse, wovon wir viele Dinge noch nie zuvor gesehen hatten. Wir probierten diesmal eine Chirimoya, eine Negro Zapote, und wieder eine Mamey – lecker!

In Coyoacán gibt’s einen Markt mit hervorragenden Tostadas mit Mole negro und jeder Menge anderen Geschmacksrichtungen und einen netten „Dorfplatz“ auf dem man glauben könnte man ist tatsächlich in einer Kleinstadt und nicht in México mit seinen 22 Millionen Einwohnern.

Zum Abschied lud uns Fernando noch aufs Dach des La Jornada-Gebäudes ein, von wo wir einen großartigen Blick über die ganze Stadt genießen konnten, die sich trotz des hohen Aussichtspunktes in fast allen Richtungen bis zum Horizont erstreckt.

Zurück in Toluca hatten wir nur eine kurze Nacht Zeit, uns vom Sightseeing in México zu erholen bevor wir mit Miguel und einigen anderen Couchsurfern aus Toluca aufbrachen um uns in Huejotzingo den Carnaval anzusehen – ein wahrlich verrücktes Spektakel bei dem’s hauptsächlich darum zu gehen scheint, mit speziell dafür gebauten Vorderladern möglichst viel Lärm zu machen und zweitens die Französische Invasion und die Schlacht in Puebla nachzuspielen. Ohne Ohrstöpsel ist der Carnaval akut gesundheitsgefährdend, mit Stöpsel aber eine ganz interessante Erfahrung.

Wir übernachteten bei Miguels Eltern in Puebla und bekamen am nächsten Tag noch eine kleine Stadtführung und ein sehr empfehlenswertes vegetarisches Frühstücksbuffet im La Zanahoria (die Karotte) bevor wir zurück nach Huejotzingo fuhren, um den Höhepunkt des Carnavals anzusehen – noch mehr Lärm!

Wieder mal über einen 2848 m Pass (den neuen zweithöchsten) erreichten wir am ersten Rad-Tag nach fast einer Woche Pause in Toluca und México Cuernavaca – Die Strecke war anfangs sehr stark befahren und nicht sonderlich attraktiv, änderte sich aber nach dem ersten Drittel und wurde fast verkehrsfrei und landschaftlich sehr nett mit einigen schönen Ausblicken auf den schneebedeckten Nevado de Toluca, der zwar der am einfachsten zugängliche Vulkan in Mexiko ist, da eine Straße bis zu den Kraterseen Luna und Sol führt, jedoch leider aufgrund des Schnees, der trotz seiner Höhe von 4680 m nicht ganzjährig dort zu finden ist, leider gesperrt war.

Unterwegs trafen wir Luis, einen mexikanischen Englischlehrer und Radtrainer, der uns sagte, er sollte eigentlich gerade einen Englischkurs halten, wäre aber auf seiner Radtour etwas zu weit gefahren, weshalb er etwas später nach Cuernavaca zurückkommen würde. Letztendlich begleitete er uns bis nach Cuernavaca, zeigte uns noch seine Wohnung und half uns, ein günstiges Hotel im Zentrum zu finden. Der Englischkurs entfiel daher… vielleicht wurde er aber auch nur auf mañana verschoben.

Die weitere Strecke bis Oaxaca ist zwar recht hügelig aber landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich, was für die Ortschaften unterwegs leider nicht gilt. In Acatlán legten wir ungewollt wegen des Mittags einsetzenden heftigen Regens eine halben Tag Pause ein und erreichten drei Tage später ohne weitere Höhepunkte Oaxaca, wo wir beim Couchsurfen leider diesmal wenig Glück hatten. Wir hatten zwar schon einige Tage zuvor zwei Zusagen bekommen, jedoch hatten beide Hosts auf weitere Emails nicht reagiert und wir mussten uns letztendlich ein Hostal zum Übernachten suchen. Nachdem wir Oaxaca am Vormittag erreichten, jedoch noch bis zum Abend warten wollten, ob wir vielleicht doch noch eine Antwort von einem der beiden Couchsurfer bekommen würden, ergab sich die ungünstige Situation, dass wir unsere Räder den ganzen Tag mit uns herumführen mussten, wodurch wir bei der Stadtbesichtigung erheblich beeinträchtigt waren.

In einem Internetcafé trafen wir die ersten anderen Reiseradler in Mexiko – Eric und Lisa, die von Yuma nach Ushuaia unterwegs sind (Yuma to Ushuaia), und verbrachten die nächsten zwei Tage gemeinsam mit ihnen. Bei der Suche nach einem guten Restaurant am Abend radelten uns noch Xeno und Marie über den Weg – ein weiteres amerikanisches Pärchen, unterwegs von Portland nach Buenos Aires, das allerdings bereits zwei Monate hier in Oaxaca mit Spanisch lernen verbracht hatte.

Die Beiden hatten ein Apartment in Xochimilco und luden uns ein, die nächste Nacht bei ihnen zu schlafen, wodurch wir einen weiteren netten Abend mit Eric, Lisa und Xeno verbringen konnten.

Marie war schon am Vormittag mit einem kurzen Familienbesuchszwischenstopp in Atlanta nach Kolumbien aufgebrochen, wo sie Xeno eine Woche später wieder treffen wollte um mit ihm weiter Richtung Süden zu radeln.

Bevor wir weiter Richtung Küste aufbrachen besichtigten wir noch den Arbol de Tule – den mit 14,06 m Durchmesser dicksten Baum der Welt und wunderten uns, wie die Bestimmung des Gewichtes des Baums auf ein kg genau auf 636,107 t wohl erfolgt war.

Die Maden und Heuschrecken, die in Oaxaca am Markt geröstet und gesalzen mit Limonen verkauft werden haben wir übrigens nicht probiert, dafür aber wieder einige seltsame Früchte, wie zB. die sehr leckere Guanabana, die mittlerweile neben Guaven zu meinen Favoriten hier zählt.

Eine Tagesetappe südlich von Oaxaca in Ejutla wurden wir schon wieder zu zwei Pausentagen gezwungen – offenbar war das Essen am Markt in Oaxaca nicht ganz einwandfrei, wodurch Montezumas Rache heraufbeschworen wurde und mich zwei Tage lahmlegte. Auch am ersten Tag als wir wieder weiterfuhren fühlte ich mich noch relativ schwach und wir kamen nur bis ins 45 km entfernte Miahuatlán, wo ich die nächsten zwei Pausentage wieder mit Pendeln zwischen Bett und WC verbrachte. Glücklicherweise gab‘s zumindest ein günstiges Hotelzimmer um 150 Pesos pro Nacht mit Kabelfernsehen und Internet inalámbrico.

Nachdem ich endlich wieder einigermaßen fit war nahmen wir die letzten beiden Etappen zur Küste in Angriff. Zuerst ging‘s nach San José del Pacifico – einem netten kleinen Bergdorf, das auf keiner Karte verzeichnet ist, von dem uns aber schon viele Leute vorgeschwärmt hatten. Dort hatten wir das Zimmer mit der wohl bisher besten Aussicht der Reise. Direkt vom Bett aus sieht man durch die großen Panoramafenster über die sattgrünen Täler zu Füßen des Hanges auf dem sich die Bungalows befinden. San José liegt auf ca. 2500 m Höhe, wodurch hier eine völlig andere Vegetation vorherrscht als im ca. 1000 m tiefer gelegenen Miahuatlán, das von einer eher trockenen Wüstenlandschaft umgeben ist.

Von San José geht’s zunächst nochmal bergauf bis auf 2761 m und danach über mehrere lange Abfahrten, wovon die längste ganze 24 km dauerte, mit mehreren steilen Gegenhängen bis hinunter zum Meer nach Puerto Angel. An diesem Tag verzeichneten wir mit 3820 m unseren bisherigen Rekord an abwärts-Höhenmetern und obwohl wir uns am Ende des Tages 2500 m tiefer befanden als zuvor in San José, legten wir auch überdurchschnittliche 1350 Höhenmeter bergauf zurück.

Von Puerto Angel waren wir zunächst nicht recht begeistert, und überlegten, ob wir gleich nach Mazunte weiterfahren sollten, wo wir Manus Freundin Denise treffen wollten, blieben aber dann nachdem wir erst relativ spät angekommen waren und es bereits zu dämmern begann doch dort.

Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, in Puerto Angel etwas zu tauchen, verwarfen diesen Plan aber am nächsten Morgen wieder, als wir erfuhren, dass der Preis dafür viermal so hoch war, wie er im Lonely Planet angegeben war. Zumindest konnten wir aber auf eine Schnorcheltour mitfahren, bei der sich herausstellte, dass das Tauchen vermutlich ohnehin unspektakulär gewesen wäre, da die Sichtweite im Wasser nur bei ca. 5-7 m lag. Beim Schnorcheln hatten wir zumindest vom Boot aus die Gelegenheit, einige Delphine bei ihren Kunststücken zu beobachten. Unter Wasser bekamen wir sie leider nicht zu Gesicht.

  Der Playa del Panteón, an dem sich die Tauchbasis befindet ist der attraktivste Teil Puerto Angels – Es gibt dort einen schönen sauberen und geschützten Sandstrand und einige Restaurants. Zwischen den Fischer- und Ausflugsbooten tummeln sich die Pelikane, die zu beobachten immer wieder interessant ist. Die wirklich schönen Abschnitte der Küste befinden sich allerdings ein Stück westlich von Puerto Angel in Zipolite und Mazunte.

Die Strecke von Puerto Angel Richtung Salina Cruz war wieder mal eine Herausforderung – obwohl wir nur ein einziges Mal eine absolute Höhe von 200 m erreichten hatten wir jeden Tag um die 1000 Höhenmeter zu bewältigen und das bei Temperaturen um die 38°C im Schatten. Zudem ist die Strecke landschaftlich nicht besonders ansprechend, da man vom Meer meistens so weit entfernt ist, dass man es nicht Mal sieht, geschweigen denn, sich irgendwo abkühlen könnte. In den Bergen, wo wir uns von kurz nach Mazatlán bis kurz vor Puerto Angel aufgehalten hatten war das Wetter wesentlich angenehmer zum Radfahren und wir sind froh, nicht die MEX 200 an der Küste entlang gefahren zu sein.

In der angeblich sehr windigen Gegend zwischen Salina Cruz und Santo Domingo, wo der Pazifik nur ca. 200 km vom Atlantik entfernt ist und am Isthmus von Tehuantepec nun endlich Mittelamerika beginnt, hatten wir offenbar großes Glück. Während andere Radler berichteten, dass sie vom böigen Seitenwind nur wenige Tage zuvor buchstäblich von der Straße geblasen wurden, hatten wir nur leichten Rückenwind der uns auf der ebenen Strecke recht gelegen kam. Ab Santo Domingo hatten wir zwar mit leichtem Gegenwind zu kämpfen, der aber bei weitem nicht zu den schlimmsten gehörte, die wir bisher schon erlebt hatten. Die Hitze in der Gegend machten uns in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit schon mehr zu schaffen.

Von San Pedro Tapanatepec aus ging‘s endlich wieder in die Berge nach Cintalapa und von dort über Tuxtla Gutierrez, der Hauptstadt von Chiapas, nach Chiapa de Corzo. Auf dieser Strecke war zum ersten Mal nach 16670 km ein Reifenwechsel an meinem Hinterrad fällig – Die Karkasse wurde an manchen Stellen unter dem Pannenschutzgürtel bereits sichtbar.

In Chiapa entschlossen wir uns kurzfristig, die Bootstour in den Cañon del Sumidero zu machen, nachdem uns mehrere andere Radler empfohlen hatten, uns diese nicht entgehen zu lassen. Obwohl die Tour für mexikanische Verhältnisse relativ teuer ist, war die zweistündige Bootsfahrt durch den bis zu 1000 m hohen Canyon den Preis und die investierte Zeit wert. Ca. 65 km weit führt die Runde von Chiapa bis zur Staumauer und wieder zurück. Unterwegs ist der Canyon an einigen Stellen weniger als 100m breit und die Felswände auf beiden Seiten mehrere hundert Meter hoch. An einigen flacheren Stellen sahen wir Krokodile faul am Ufer liegen oder an der Wasseroberfläche treiben. Von den Ausflugsbooten sind die Tiere offenbar nicht allzu beeindruckt – mehr als ein Augenzwinkern entlockten wir ihnen jedenfalls nicht.

Von Chiapa de Corzo aus erwartet uns eine lange Steigung, die uns von ca. 450 auf über 2300m Höhe und dann hinunter nach San Cristobal de las Casas auf 2100 m führt.

Neue Fotos gibt’s unter „Mexiko/Querétaro, Estado de México & Distrito Federal“ sowie „Mexiko/Puebla, Morelos Oaxaca & Chiapas“

1 Responses to “San Miguel de Allende bis Chiapa de Corzo 05.02.10 – 13.03.10”


  • Hi ihr 2!!

    wünsch euch weiterhin alles gute für eure reise. tolle bilder und geschichten, schmöker immer wieder gerne rein und krieg doch glatt reiselust :-)

    bussal,
    Simone

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