Chiapa de Corzo (Mexiko) bis Danli (Honduras) – 13.3.2010 bis 30.4.2010

Die Steigung nach San Cristobal war wie erwartet hart, aber sehr gleichmäßig mit ca. 5% auf 42 km. 2200 Höhenmeter hatten wir erwartet, wurden aber durch das plötzliche Ende des Berges herb enttäuscht, da offenbar Google wiedermal nicht berücksichtigt hatte, dass die Autobahn durch einige Hügel gesprengt worden war. Daher gab’s auch keinen neuen Rekord sondern nur magere 1975 Höhenmeter und eine relativ frühe Ankunft in San Cristobal.

Im Backpackers Hostel dort trafen wir auch gleich Matt, mit dem wir schon einige Tage zuvor Emailkontakt aufgenommen hatten und verabredeten uns zum Erfahrungsaustausch für den Abend.

Matt war ebenfalls in Alaska gestartet und nach Feuerland unterwegs und wir hatten schon einige Male ganz nützliche Informationen aus seinem Blog (www.pedalpanam.com) bezogen. Am Abend nachdem wir unsere Räder ins Hotel gebracht hatten trafen wir uns in der Innenstadt und genossen Mojitos um 10 Pesos pro Stück, waren allerding durch die lange Steigung doch relativ müde und machten uns daher schon recht früh auf den Weg zurück ins Hotel.

Matt hatte geplant, von San Cristobal direkt Richtung Guatemala aufzubrechen, während wir noch die Yucatan Halbinsel abfahren wollten, weshalb wir leider nicht die Gelegenheit hatten, ein Stück gemeinsam zu radeln.

San Cristobal war seit längerer Zeit die erste richtig touristische Stadt durch die wir kamen. In den Fußgängerzonen des Zentrums reihen sich Bars und Souvenirläden aneinander und man sieht beinahe mehr Touristen als Mexikaner. Trotzdem gefiel es uns dort recht gut und wir blieben zwei Tage um die engen Gassen und Märkte etwas genauer zu erkunden. Viele der Bewohner von San Cristobal und fast alle Einwohner der benachbarten kleinen Dörfer sind Indianer, die noch ihre eigene Sprache sprechen und die traditionelle Kleidung ihrer Stämme tragen. Spanisch hört man auf den Märkten eher selten.

Die Kinder, die uns auf der Strecke zwischen San Cristobal und Ocosingo begegneten fingen schon von weitem an uns „Gringo, Gringo!“ entgegenzurufen, winkten aber dabei und schienen „Gringo“ nicht als beleidigend zu verstehen. Irritierend war das Geschrei allerdings anfänglich trotzdem.

Noch irritierender ist es allerdings, wenn Kinder vor uns auf die Straße springen und uns den Weg absperren, um Maiskolben zu verkaufen, was auf den steilen Abfahrten zu abenteuerlichen Bremsmanövern führte.

Während wir bis Ocosingo noch sehr angenehmes Wetter mit radfahrerfreundlichen Temperaturen hatten und durch sehr schöne Landschaft fuhren, wurden die weiteren Hügel bis Palenque durch extrem hohe Luftfeuchtigkeit ziemlich mühsam, obwohl die Temperatur nicht allzu sehr anstieg.

In Palenque besuchten wir die ersten Maya Ruinen unserer Reise und waren trotz Regen und Kälte sehr beeindruckt. Es ist unvorstellbar, dass die mächtigen Bauwerke dort alle komplett ohne eiserne Werkzeuge und ohne Kenntnis des Rades erschaffen worden waren. Zufällig trafen wir bei den Ruinen auch Lisa und Eric wieder, die wir schon zuvor in Oaxaca kennengelernt hatten, verloren uns allerdings bald wieder, da wir nach zwei Stunden genug vom strömenden Regen hatten und zurück ins Hotel fuhren.

Zwei Tage später sollten wir die beiden auf der Straße zwischen El Aguacatal und Escárcega wieder treffen, wo wir allerdings wieder nicht lange gemeinsam unterwegs waren, da Eric an diesem Tag vier Patschen flicken musste. In Escárcega hätten sich unsere Wege aber ohnehin wieder getrennt, da wir Richtung Campeche und Mérida weiterfuhren, während Eric und Lisa direkt nach Chetumal wollten.

In Escárcega hatten wir uns vorgenommen, Campeche in einem Tag zu erreichen, da wir am Weg dorthin flaches Terrain vermuteten, hatten letztendlich aber trotzdem über 700 Höhenmeter auf 155 km zu bewältigen – unsere bisher längste Tagesetappe.

In Campeche nahmen wir uns dafür zwei Tage Zeit und machten einen Ausflug nach Edzna, um die Ruinen dort zu besichtigen, die zwar sehr gut erhalten sind, aber trotzdem nicht ganz mit Palenque mithalten konnten.

Campeche selbst ist beinahe zu perfekt restauriert – die bunten Häuschen sind frisch gestrichen und selten sieht man irgendwo den Putz von den Wänden bröckeln – ungewohnt für Mexiko. Die Stadt ist trotzdem sehr schön, wenngleich leider das Meer nicht mehr bis an die Stadtmauern mit ihren Baluartes reicht, da die flachen Küstengewässer für Industrie und Hotels trocken gelegt wurden. Man hat dadurch nicht mehr den Eindruck, sich in einer Hafenstadt zu befinden, wie zB. in Mazatlán.

Bis Mérida hatten wir wieder mit Gegenwind zu kämpfen, der uns mittlerweile wesentlich unangenehmer ist als alle Berge. Auch die Landschaft war nicht recht spektakulär und Mérida selbst war nicht ganz so schön, wie wir erwartet hatten – zu viel Lärm und Verkehr, wenn auch die Kolonialbauten im Zentrum sehr schön sind. Campeche ist trotzdem wesentlich attraktiver.

Auch in Mérida ließen wir uns wieder etwas Zeit und besuchten per Bus die Ruinen von Uxmal, die zwar nicht von Urwald umgeben sind wie jene in Palenque, sondern in einem relativ trockenen Buschgebiet liegen, und wahrscheinlich deshalb wesentlich besser erhalten sind und von unzähligen Iguanas bewohnt werden, die sich alle paar Meter auf den Steinen sonnen und sich nur widerwillig vertreiben lassen, wenn man beim Fotografieren zu nahe kommt. Auch nachdem wir nun die Ruinen von Tulum und Tikal gesehen haben gehört Uxmal noch immer zu unseren Favoriten.

Nach Mérida machten wir uns auf nach Tulum, einen Ort auf den wir uns schon lange gefreut hatten. Wir hatten schon oft beeindruckende Bilder von den Cenotes dort gesehen und uns bereits im Vorfeld per Internet bei verschiedenen Tauchbasen nach guten Angeboten erkundigt. So landeten wir schließlich bei Marco und Min von H2OProdiving direkt in Tulum und gönnten uns zum ersten Mal auf unserer Reise für sechs Tage ein richtig schönes Hotel – das direkt an der Tauchbasis angeschlossene H2O Villas, für das wir einen sehr guten Preis ausverhandeln konnten.

Einige der Tauchgänge in den Cenotes gehören zu den schönsten, die ich bisher gemacht habe. Das klare Wasser mit Sichtweiten bis 140m ist atemberaubend und der Blick aus den Höhlen durch die Stalaktiten und Stalakmiten Richtung Eingangsbereich, wo das Sonnenlicht einfällt, ist noch viel beeindruckender als die ohnehin schon außergewöhnlichen Fotos, die man öfter in Tauchzeitschriften sieht. Unsere Lieblingsplätze von den neun Tauchgängen waren Dos Ojos, Bat Cave und Calavera. Die Tauchgänge dort machten uns Lust auf einen vollen Höhlentauchkurs denn was man beim sogenannten Cavern Diving sieht ist nur der Bereich bis 60m vom Eingang, während die eigentlichen Höhlensysteme gigantische Ausmaße haben. So sind zB. Im Sistema Sac Actun, das man von der Grand Cenote aus erreicht bereits über 175 km an unterirdischen Passagen erforscht und kartographiert. Das Sistema Ox bel Ha ist mit über 180 km Länge das längste Unterwasserhöhlensystem der Welt.

Die Ruinen von Tulum waren die überlaufensten, die wir bisher gesehen hatten. Während wir in Uxmal für die ersten 1 ½ Stunden das gesamte Gelände fast für uns allein hatten, drängten sich in Tulum die Massen auf den engen Wegen zwischen den abgesperrten Ruinen und wir waren froh, dass wir Chichen Itza, das noch stärker besucht sein soll, ausgelassen hatten. Die kleinen Bauten in Tulum sind nichts Besonderes, die Lage der Ruinen direkt am Karibikstrand mit Palmen, türkisem Meer und weißem Sand ist dafür einzigartig.

Am Tag unserer Abreise von Tulum begann der Ostertourismus der Semana Santa, die in Mittelamerika groß gefeiert wird. Am Freitagabend bekamen wir in Felipe Carillo Puerto noch ein Quartier, am Samstag in Bacalar waren jedoch alle Hotels völlig ausgebucht, und wir mussten trotz unangenehm heißem Wetter auf einem Campingplatz im Zelt übernachten.

Kurz nach Bacalar verließen wir nach etwas über drei Monaten Mexiko und radelten ohne viel Aufwand über die mexikanische Grenze nach Belize.

Der Unterschied zwischen Belize und Mexiko war gewaltig. Während wir erwartet hatten, Belize wäre vielleicht etwas fortschrittlicher, da wir von den hohen Preisen dort gehört hatten und daher annahmen, dass auch die Bevölkerung etwas wohlhabender wäre, fanden wir bald heraus, dass das genaue Gegenteil zutraf. Man fühlt sich, wenn man von Mexiko einreist plötzlich um 20-30 Jahre zurückversetzt. Es gibt keine Supermärkte, keine Oxxo Läden oder ähnliches, die in Mexiko allgegenwärtig waren und leider auch keine Fruterias, wo man frisches Obst und Gemüse bekommen könnte. Die kleinen Geschäfte, die fast ausschließlich von Chinesen geführt werden sind teuer und die Auswahl ist mager. Auch Trinkwasser, das wir in Mexiko meist um 10-15 Pesos für 20 l bekommen hatten kostete hier plötzlich 5 bis 6 Belize Dollar (31-37 Pesos).

Obst war fast nur auf Märkten zu bekommen, Bäckereien hatten zwar ganz gute Mehlspeisen aber kein brauchbares Brot sondern nur Hamburger-Weckerl und Hotdogs mit McDonalds-Konsistenz. MacDonalds gibt’s übrigens auch noch nicht in Belize – nicht dass er uns gefehlt hätte, aber die Tatsache seiner Abwesenheit ist interessant. Hotelzimmer mit mexikanischem Preisniveau sind zwar zu finden, dann aber meist unkomfortabler als in Mexiko. Unsere Route führte uns über Corozal nach Orange Walk und Belize City. Die Landschaft auf dieser Strecke ist flach und wenig interessant. Zuckerrohrfelder säumen den Weg und wir sehen zum ersten Mal, dass Frauen die Wäsche händisch in nicht gerade sauberen Bächen waschen.

Belize City hatten wir uns schlimmer vorgestellt als es war – schon zuvor waren wir von mehreren Radlern gewarnt worden, die Stadt sei unattraktiv und gefährlich. Zu sehen gab‘s wirklich nicht recht viel aber die Leute die wir trafen waren alle sehr freundlich. Mehrmals sprachen uns Einheimische an und fragten, ob sie uns den Weg erklären sollten.

Chicken Chow Mein in den zahlreichen Chinesischen Restaurants gehört zum günstigsten Essen, das man in Belize bekommen kann – oft so günstig, dass man für selbstgekochte Spaghetti mit Gemüsetomatensauce mehr bezahlen müsste.

Am Weg von Belize City nach San Ignacio kamen wir nach Belmopan erstmals in ein ansprechenderes und hügeliges Gebiet. Es gibt hier viele nette, bunt bemalte Holzhäuschen. Unter den Kokos- und Ölpalmen grasen Rinder und wo das Land nicht bewirtschaftet wird wächst dichter Dschungel.

Von San Ignacio, wo wir bei einer kreolischen Familie im Gästezimmer unterkamen, machten wir ohne Räder einen Ausflug nach Tikal zu den schönsten Maya-Ruinen die wir bisher gesehen hatten. Die Tempel dort sind so hoch, dass sie selbst die höchsten Bäume des umgebenden Regenwaldes fast ums Doppelte überragen. Leider sind die Stiegenaufgänge, die immer in der Mitte des Tempels bis zur obersten begehbaren Etage führen, alle gesperrt, seit es vor wenigen Jahren zwei Todesopfer gab, die über die Stiegen hinunter gepurzelt waren.

Ob die hölzernen Leitern, die nun an den Seiten der Tempel nach oben führen, so viel sicherer sind, wage ich zu bezweifeln – nachdem sie seitlich hinauf führen sind sie noch wesentlich steiler als die Haupttreppe und in den flacheren Bereichen haben die ca. 15 cm breiten Stufen einen horizontalen Abstand von bis zu 50 cm – man muss also ziemlich aufpassen, dass man nicht durch die Treppe fällt.

Vom Templo II hat man einen guten Ausblick über den Gran Plaza, Templo I und die Acrópolis del Norte. Templo IV und V stehen eher isoliert im Wald. Man sieht von ihnen aus endlosen Dschungel, aus dem die Spitzen der anderen Tempel emporragen.

Sehr beeindruckend ist auch die Tierwelt von Tikal. Kurz nach dem Eingang schon kam uns eine Gruppe von ca. 20 Coatis entgegen. In der Nähe von Tempel V turnten Spinnenaffen in den Bäumen, denen wir uns bis auf wenige Meter nähern konnten. Petén Truthähne, die eher einem Pfau als einem Truthahn ähneln spazieren auf dem Gran Plaza herum und über uns sahen wir Tukane, die mit ihrem überdimensionalen Schnabel die Früchte von den Bäumen zupften.

Am Weg auf den Tempel IV sprachen uns zwei Burschen an und fragten ob wir Tourenradler wären – sie hatten meine Lenkertasche gesehen und erkannt und es stellte sich heraus, dass die beiden ebenfalls am Rad durch Mittelamerika unterwegs waren. Sie waren beide in den USA gestartet und gerade unterwegs von Guatemala nach Belize. Wir unterhielten uns einige Zeit mit ihnen und fanden heraus, dass wir gemeinsame radelnde Bekannte hatten. Pete (www.crazyguyonabike.com/worldroamer) und Dylan hatten in San Cristobal sowohl Roland und Belinda getroffen, die wir schon in San Miguel de Allende kennengelernt hatten als auch Scott, dem wir in der Nähe von Whitehorse begegnet waren.

Zurück in San Ignacio trafen wir noch Eric und Lisa (zum 4. Mal) und Hanna aus Schweden (www.hannamijakobson.com), die die letzten paar Tage mit den beiden gemeinsam unterwegs war. Fünf Reiseradler an einem Tag hatten wir schon seit Oregon nicht mehr getroffen – die Welt wird wieder kleiner in Mittelamerika!

Nach zwei Nächten in San Ignacio machten wir uns auf den Weg nach Dangriga. Frühmorgens trafen wir noch einmal Hanna, Lisa und Eric, die weiter Richtung Guatemala fuhren vor einer Bäckerei, verabschiedeten uns wohl diesmal für längere Zeit und erreichten bald Belmopan – die Hauptstadt von Belize, die allerdings nur einen Bruchteil der Einwohner von Belize City hat und 1962 künstlich erschaffen wurde, da Belize City von einem Hurrikan verwüstet worden war.

In Belmopan beginnt der Hummingbird Highway, der seit der Strecke von San Cristobal nach Palenque unser schönster Reiseabschnitt war. Es ist hier im Vergleich zum nördlichen Belize relativ hügelig und zwischen Abschnitten mit dichtem Regenwald gibt’s immer wieder Kokos-, Bananen- und Orangenplantagen.

Die Kokosnüsse direkt von der Palme sind zwar sehr erfrischend, jedoch dauert die Bearbeitung mit dem Taschenmesser einige Zeit bis man die Kokosmilch endlich genießen kann. Wie beschlossen daher, uns demnächst eine kleine Machete zuzulegen.

Dangriga erreichten wir nach einem harten aber schönen Tag und 126 km durch die Hügel der Maya Mountains. Am nächsten Tag wollten wir nach Placencia, kamen aber ca. 7 km vor unserem Ziel in Seine Bight an einem Restaurant vorbei, das außergewöhnlich war für Belize – Danube Austrian Restaurant – Eat Drink Relax war auf dem Schild zu lesen und Herbert aus Wien war gerade mit dem Gießen der Kokospalmen im Garten beschäftigt.

Die Gelegenheit konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und bekamen so zum ersten Mal seit über 10 Monaten wieder mal österreichisches Essen serviert. Sowohl Wienerschnitzel mit Erdäpfelsalat als auch die Topfenknödel waren ausgezeichnet, wenngleich der Preis für die Delikatessen ca. 5x so hoch war wie für unser übliches Chicken Chow Mein, das man übrigens hier jeden Tag essen kann, ohne dass es jemals fad wird, da die Zutaten und der Geschmack bei jedem Restaurant das wir probierten völlig verschieden waren.

Wir tratschten lange mit Simone und Herbert, die seit zwei Jahren hier in Belize wohnten nachdem sie zuvor in Sydney als Tauchlehrer gearbeitet hatten. Die Beiden waren offenbar ebenso froh wie wir, wieder einmal Österreicher mit gemeinsamen Interessen zu treffen. Netterweise durften wir bei ihnen Im Restaurant auf der Veranda unsere Isomatten auflegen und mussten uns nicht noch in Placencia ein Hotel suchen.

Von Placencia gibt es glücklicherweise ein Wassertaxi ans Festland, denn die Straße entlang der schmalen Halbinsel war gerade in Arbeit und der grobe Schotter, der uns für ca. 20 km gequält hatte machte uns keine Lust, den gleichen Weg wieder zurückzufahren.

Nach einem weiteren schönen Tag am Southern Highway erreichten wir schließlich Punta Gorda – unseren letzten Stop in Belize bevor wir nach Puerto Barrios in Guatemala übersetzten. Die einstündige Überfahrt war unkompliziert und die See relativ glatt.

In Guatemala fühlten wir uns sofort wohl – die Sprache und das bunte Treiben auf den Straßen waren uns noch von Mexiko vertraut. Die Geschäfte haben wieder offene Türen statt Gittern, durch die man die Waren hinausgereicht bekommt nachdem man mühsam klar gemacht hat, was man aus dem hintersten Regal kaufen will. Auch die Landschaft gefiel uns hier besser als in vielen Teilen Mexikos und Belizes.

Leider blieben wir nur wenige Stunden in diesem schönen Land, denn die Grenze zu Honduras ist nur ca. 35 km von Puerto Barrios entfernt. Glücklicherweise endete die attraktive Landschaft nicht an der Grenze sondern setzte sich in Honduras fort. Alles um uns herum war sattgrün und zum ersten Mal seit Oregon gab es wieder klare Bäche, die zum Baden einluden und aus denen man problemlos Trinkwasser hätte filtern können, was in Mexiko nahezu völlig unmöglich gewesen wäre.

Von anderen Radlern hatten wir gehört, die Menschen in Honduras wären Touristen nicht gewohnt und daher misstrauisch, was wir allerdings nicht bestätigen können. Alle unsere bisherigen Kontakte waren sehr freundlich, wenngleich man in kleinen Dörfern mit zwei vollbepackten Tourenrädern und einer blonden Gringa natürlich die Blicke auf sich zieht.

In Omoa fanden wir endlich in einer Eisenwarenhandlung eine Machete, die kürzer als ein Meter war und waren seither ständig auf der Suche nach kleinen Kokospalmen. Ein bis zweimal am Tag gibt’s seither frische Kokosmilch.

Je näher wir San Pedro Sula – der zweitgrößten Stadt Honduras‘, kamen desto weniger fühlten wir uns auf der Straße wohl. Schon weit außerhalb begannen sehr heruntergekommene Siedlungen und der Verkehr nahm ständig zu. Wir beschlossen daher, nicht in San Pedro zu übernachten sondern nach La Lima weiterzufahren. Wir hatten vermutet, es sollte in einer Stadt mit 60000 Einwohnern zumindest einige günstige Hotels geben, wurden aber bei der Ankunft von allen Leuten die wir fragten immer nur ins Banana Inn geschickt, dessen Preis ganz und gar nicht honduranischen Verhältnissen entsprach. Nach über einer Stunde des Suchens und Herumfragens fanden wir letztendlich doch noch ein normales Hotel zu einem Siebentel des Preises und waren heilfroh, nach fast 130 km am Rad nicht noch weiter suchen zu müssen.

Die nächsten beiden Tage bis La Ceiba hatten wieder schönere Aussichten als die Umgebung von San Pedro zu bieten. Wir radelten durch Ölpalmen- und Bananenplantagen sowie durch Ananasfelder zwischen den Ausläufern der küstennahen Berge dahin und konnten ab und zu auch kurze Abstecher an schöne Karibikstrände machen.

Von La Ceiba nahmen wir die Fähre nach Utila, worauf wir uns schon lange gefreut hatten. Schon mehrere Reisende hatten uns die Tauchbasis Captain Morgan’s auf Pigeon Cay, einer kleinen Insel südwestlich von Utila, empfohlen, die wir auch problemlos per Tauchboot erreichten.

Während die Insel und das Hotel Kayla, das zur Tauchbasis gehört sehr nett sind, waren die ersten beiden Tauchgänge eher abschreckend. Nachdem wir erst am Morgen kurz vor Abfahrt zu den Tauchgängen auf die Insel kamen, war sämtliches neueres Equipment bereits vergeben. Wir mussten beide erst zwei Regler probieren bevor wir einen dichten fanden und Tauchcomputer gab’s prinzipiell nicht für Gäste zu mieten.

Beim ersten Tauchgang wurde eine Gruppe von 12 Tauchern von Divemaster Libby angeführt durchs Riff getrieben, beim zweiten fanden sich alle 12 an einem unspektakulären kleinen Wrack zum kurzen 30 minütigen Rudeltauchen zusammen und wir überlegten, ob wir nicht noch am selben Nachmittag mit dem Tauchboot zurück nach Utila fahren und uns eine bessere Tauchbasis suchen sollten.

Glücklicherweise wurden die nächsten Tauchgänge besser organisiert und es gab nur mehr deutlich angenehmere Fünfergruppen, wenn auch das Ausrüstungsproblem trotzdem recht unangenehm war.

Wir bekamen hier nicht, wie bei vielen Tauchbasen üblich, einen Satz Ausrüstung, den man dann für die Dauer des Aufenthalts verwendet, zugewiesen sondern mussten uns jeden Tag die Ausrüstung neu zusammensuchen – jeden Tag andere Regler und wen man Pech hat andere Anzüge und Jackets.

Speziell die Regler hätten bessere Wartung dringen nötig gehabt, denn die Atemwiderstände, die zwei Mal so hoch waren, dass ich auf den Oktopus wechseln musste weil der Hauptregler unangenehm anstrengend zu verwenden war, sind für die große Zahl an Anfängern, die hier zum Tauchen herkommt sicher nicht ganz optimal.

DSC_6949 editWas uns dazu bewegte trotzdem bei Captain Morgan zu bleiben, war die Tatsache, dass die anderen Tauchbasen, die alle direkt im Ort Utila stationiert sind mit dem Boot eine ca. 20 Minuten längere Anfahrtszeit zur Nordseite der Insel mit ihren Steilwänden, Canyons und der Chance auf Walhaie haben und daher hauptsächlich auf der Südseite tauchen, sowie das schöne und günstige Hotel direkt am Wasser mit nettem überdachtem Dock, wo man in Hängematten oder Liegestühlen die kühlende Briese am Meer genießen konnte.

Nach drei Tagen auf der Insel gab’s unseren zweiten Krankheitsfall auf der Reise – Diesmal hatte Manu mit Fieber und Durchfall zu kämpfen. Nachdem uns der Reisemediziner in Österreich empfohlen hatte, bei jedem Fieber über 38°C in Malariagebieten mit der Einnahme von Malarone zu beginnen, wenn nicht innerhalb von 24 h eine Malaria durch Blutausstrich auszuschließen ist, machten wir uns mit dem ersten Boot am Morgen auf den Weg nach Utila zu Dr. John – dem amerikanischen Arzt im Ort, der uns schon zuvor als echter „Charakter“ beschrieben worden war.

Dr. John McVay sollte uns nicht enttäuschen – schon allein Dr. John’s Eardrops für Taucher, die er in der Praxis verkauft und deren Verpackung sein Konterfei ziert sind sehenswert. Sein Auftritt, der zuverlässig, wie von anderen Arztbesuchern prognostiziert ca. 4 ½ Stunden nach Beginn der Öffnungszeit der Praxis erfolgte, rief bei uns beiden ein unterdrücktes Lachen hervor.

Knallrote Kunststoffsonnenbrille, Hawaiihemd, Quicksilver Badehose und Camouflage-Kapperl verliehen ihm zusammen mit dem Stethoskop um den Hals und den Schulterlangen Locken ein recht belustigendes Aussehen.

Seiner Meinung nach handelte es sich bei Manus Erkrankung um einen gewöhnlichen Reisedurchfall, was wir zwar vermutet hatten, aber trotzdem überprüfen lassen wollten, da wir in den Lehrbüchern der Inneren Medizin, die wir am Computer mithaben, gelesen hatten, dass die ersten Symptome einer Malaria auch denen einer gastrointestinalen Infektion gleichen können.

Auf spätere Anfrage beim Traveldoc in Wien, den wir zuvor nicht erreicht hatten da ihm die Vulkanaschewolke über Europa einen verlängerten Urlaub in Delhi beschert hatte, erhielten wir die Auskunft, dass man eigentlich bei 38° Fieber trotzdem mit der Malarone Behandlung beginnen sollte, auch wenn ein Arzt vor Ort, ohne geeignete Diagnostik gemacht zu haben, meint, es handle sich nicht um Malaria, da das nicht anhand der klinischen Untersuchung auszuschließen wäre.

Glücklicherweise war Manu nach Antibiotikaeinnahme bald wieder so fit, dass sie zumindest zum Schnorcheln mit aufs Tauchboot kommen konnte, denn gerade am Tag nach unserem Arztbesuch tauchten die Walhaie auf. Unser Captain Luis bewies großes Geschick im Finden der Boils – der Stellen, wo Tunfischschwärme angelockt durch kleinere Fische, die planktonreichen Strömungen folgen, die Wasseroberfläche zum Kochen bringen indem sie bei der Jagd wild aus dem Wasser springen. In den Boils finden sich nach kurzer Zeit auch die Walhaie ein, die kleine Fische und Plankton filtern und wahrscheinlich vom Lärm der Tunfische angelockt werden.

Wir hatten das Glück an nur einem Tag zuerst mit ca. 50 Delfinen zu schnorcheln und anschließend durch Luis‘ scharfe Augen insgesamt 9 Walhaibegegnungen zu erleben, von denen wir bei acht die Walhaie tatsächlich beim Schnorcheln mit einem Abstand von teilweise nur 1-2 Metern sahen. Es handelte sich dabei um mindestens drei verschiedene Fische, die wir jeweils mehrere Male sahen und anhand der Markierungen, die sie wohl von der Walhaiforschungsstation auf Utila bekommen hatten, unterscheiden konnten. Am nächsten Tag hatten wir weniger Glück und konnten „nur“ drei Mal mit Walhaien schnorcheln.

Auch einige interessante Leute trafen wir auf der Tauchbasis – Dan aus Kanada, der gerade sein Divemaster-Training abgeschlossen hatte, bescherte uns einen ganz speziellen Tauchgang – seinen einhundertsten, den er traditionsgemäß nackt absolvierte. Außerdem war er 2008 von San Diego nach Panama geradelt (www.dancorbett.ca).

DSC_3995Auch eine weitere Radlerin war im Hotel Kayla zu Gast – die Schweizerin Daya hatte auf ihrer letzten Radtour mit zwei Freundinnen vier Monate in Zentralasien verbracht und war nun mit Seth auf der Suche nach den Walhaien.

Seth war der einzige Taucher, der auch eine Kamera mit Unterwassergehäuse dabei hatte und war so nett, uns seine Fotos für unseren Blog zur Verfügung zu stellen. Dass ich selbst keine Kamera beim Tauchen dabei hatte war nicht nur ungewohnt sondern nun schon zum zweiten Mal sehr ärgerlich, denn sowohl die Cenotes als auch die Walhaie hätten sehr gute Motive abgegeben. Ein Grund, Mittelamerika später nochmal den einen oder anderen Besuch abzustatten!

Auch mit den zahlreichen Divemaster Trainees hatten wir viel Spaß. Die Argentinierin Lula lud uns sogar ein, sie in Buenos Aires zu besuchen und auch nach London und Israel konnten wir neue Kontakte mit Aviad, Yair und Matan knüpfen.

DSC_4024Nachdem Manu wieder einigermaßen fit war brachen wir vom Pigeon Cay wieder ans Festland auf. Wir hatten geplant von La Ceiba eine kleine Straße über die Berge nach Olanchito zu nehmen. Die Strecke stellte sich als schwieriger heraus, als wir vermutet hatten und wir kamen bis zum Abend nur bis Yaruca, wo wir für eine Nacht bei einer sehr netten Familie eingeladen wurden als wir gerade auf der Suche nach der Polizeistation waren, neben der man angeblich campen konnte. Wir bekamen ein gesamtes Stockwerk des Hauses für uns und sogar noch ausgezeichnete Baleadas zum Abendessen. DSC_4025 editDen ganzen Tag waren wir bis Yaruca durch ein wunderschönes Flusstal erst am Rio Canarejal und später am Rio Yaruca entlanggefahren und waren überzeugt, eines der schönsten Gebiete Honduras‘ gefunden zu haben. Umso mehr ärgerten wir uns, als wir am Tag darauf im nächsten Ort gleich von mehreren Leuten angesprochen und gewarnt wurden, nicht Richtung Olanchito weiterzufahren, da die Gegend rund um den Pass der einige Kilometer vor uns lag als sehr gefährlich galt.

Widerwillig beschlossen wir also, unsere gesamte Reiseplanung für die nächsten Wochen zu verwerfen und die angeblich sicherere Route über El Progresso und Comayagua zu wählen.

Nachdem wir zumindest nicht allzu viel Zeit verlieren wollten und die Strecke zurück schon kannten, da wir sie bereits am Weg nach La Ceiba gefahren waren, beschlossen wir, bis El Progresso den Bus zu nehmen, mit dem wir in die gesamte Strecke, für die wir am Hinweg über drei Tage gebraucht hatten, in einem Nachmittag zurücklegten.

Von El Progresso schafften wir es – nun wieder am Rad – nur bis Yojoa, da Manu noch etwas geschwächt war und die Hitze ihr noch zusätzlich zu schaffen machte. Tags darauf ging’s schon wesentlich besser bis Siguatepeque, wo wir nach langer Zeit zum ersten Mal wieder in die Berge kamen und die schöne Landschaft genießen konnten. In der Nacht im Hotel gab’s eine unerwartete Dusche, denn es regnete wie schon am Tag davor relativ heftig und die Stelle, an der das Dach undicht war befand sich dummerweise genau über dem Bett, das noch dazu einbetoniert uns somit nicht verschieblich war.

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Von Siguatepeque nach Comayagua, das wieder ca. 600 m tiefer liegt gab’s eine ganz nette Abfahrt, nur um am Gegenhang wieder 900 m bergauf zu radeln, bevor wir Zambrano erreichten, wo wir kurz vor Tegucigalpa – Honduras‘ Hauptstadt – übernachteten.

Auch nach Tegucigalpa hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus ging‘s hügelig weiter wobei es uns aber nicht störte, dass wir in den letzten paar Tagen immer um die 1200-1400 Höhenmeter geradelt waren, denn wir merkten einmal mehr, dass uns die schönen Aussichten in den Bergen wesentlich besser gefallen als die meisten flachen Abschnitte.

In Tegucigalpa hielten wir uns nur kurz für einen größeren Lebensmitteleinkauf auf und waren froh, die Stadt relativ schnell durchqueren zu können, denn obwohl sie einen wesentlich netteren Eindruck als San Pedro Sula machte hat sie angeblich ein großes Kriminalitätsproblem. Das scheint allerdings auf weite Teile Honduras‘ zuzutreffen und wurde uns von Einheimischen immer wieder gesagt. „En mi pais la vida vale nada.“ Haben wir zB. zu hören bekommen – in meinem Land ist das Leben nichts wert. Auf die Frage ob die Polizei nichts dagegen unternähme wurde uns erklärt, dass diese korrupt und auch selbst in den Drogenhandel verstrickt wäre.

Wir haben uns zwar bisher noch nie direkt bedroht gefühlt, haben aber trotzdem Hemmungen auf offener Straße zB. Die Kamera herauszuholen wenn Leute in der Nähe sind. Auch die Einheimischen sind auf der Hut, so haben wir schon in Tela gesehen, dass um 20:00 sämtliche Geschäfte schließen und fast niemand mehr auf der Straße ist, während in Mexiko bis weit in die Nacht noch reges Treiben herrscht. Auch die vergitterten Lebensmittelgeschäfte, die man als Kunde gar nicht betreten kann und die uns zum ersten Mal in Belize aufgefallen waren gibt es hier wieder häufig.

Trotzdem haben wir keinen negativen Eindruck von Honduras denn abgesehen von den beschriebenen Problemen ist das Land sehr schön und die Leute hier mindestens so freundlich wie in Mexiko. Wir sind überzeugt, dass das Land großes touristisches Potential hat sobald es die hohe Kriminalität in den Griff bekommt.

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