El Progresso/Honduras bis Almirante/Panama 26.4.10 – 14.6.10

Auch die Strecke, die wir letztendlich durch Honduras nahmen hatte landschaftlich wesentlich mehr zu bieten, als wir von einer Hauptverkehrsverbindung erwartet hatten. Bis Yojoa hatten wir in der Tiefebene zwar mit hohen Temperaturen zu kämpfen, von dort ging‘s aber wieder in die Berge, und der Beginn der Regenzeit machte sich langsam bemerkbar – immer wieder gab’s unter Tags kurze Schauer und in der Nacht heftige Niederschläge. Tagsüber war der Regen eine willkommen Abkühlung und durch die angenehmen Temperaturen gut auszuhalten. Wir verzichteten sogar meistens darauf, unser Regengewand auszupacken, da man auf den bergigen Etappen auch mit Gore Tex durchs Schwitzen genau so nass wird, wie ohne durch den Regen. Atmungsaktive Regenbekleidung, die unseren Anforderungen gewachsen ist muss erst erfunden werden.

Nass wurden wir übrigens nicht nur beim Radeln sondern auch nachts, denn nur weil man aufs Campen verzichtet heißt das in Honduras noch lang nicht, dass man im Bett keinen Regen abbekommt.

Über Siguatepeque und Zambrano, wo wir jeweils eine Nacht verbrachten, gelangten wir nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, wo wir uns allerdings nur kurz für einige Einkäufe aufhielten, obwohl die Stadt einen wesentlich besseren Eindruck machte, als wir erwartet hatten. Auch in San Antonio del Occidente fanden wir wie in Zambrano eine kleine Hospedaje, obwohl in beiden Orten weder im Lonely Planet noch im Lateinamerika BikeBuch Hotels verzeichnet waren.  

Die gesamte Strecke von Yojoa bis zur Grenze zu Nicaragua ist mit Ausnahme der unmittelbaren Umgebung von Comayagua und Tegucigalpa sehr schön und auch ganz gut zum Radfahren geeignet.

Als wir kurz nach Danli die Grenze nach Nicaragua überquerten, waren wir trotzdem froh, Honduras hinter uns zu lassen. Wir hatten zwar in Honduras nie Probleme und fühlten uns auch nie bedroht, freuten uns aber doch, uns jetzt im angeblich sichersten Land Mittelamerikas zu befinden.

Mit der Grenze änderte sich unerwarteter weise auch die Landschaft – während in Honduras die Landwirtschaft dominierte, war das Gebiet nach der Grenze relativ dünn besiedelt und von tropischer Vegetation geprägt.

Die erhoffte 20km Abfahrt nach der Grenze, von der zwei andere Radler berichtet hatten, stellte sich als maßlose Übertreibung heraus – trotzdem kamen wir ganz gut voran und erreichten mit Stops in Ocotal, Esteli und Tipitapa bald Masaya – die Kunsthauptstadt Nicaraguas, wo wir uns einen Pausentag gönnten.

Unterwegs trafen wir zufällig John aus San Francisco – das einzige Warmshowers-Mitglied in Nicaragua, der uns einlud, ihn an der Pazifikküste in Playa Gigante in seinem Restaurant zu besuchen.

Dummerweise verlor ich zwischen Esteli und Sebaco irgendwo beim Fotografieren meinen GPS Receiver, den wir zum Geotagging unserer Fotos verwenden. Muss wohl unbemerkt aus der Tasche gefallen sein. Somit gingen auch die GPS Tracks von Utila bis Esteli verloren, die ich noch nicht auf den Computer geladen hatte, weshalb die Fotos zwischen Utila und Heredia nun auch keine GPS Koordinaten enthalten.

Die Besteigung oder besser Beradelung des Volcán Masaya war eines der Highlights in Nicaragua. Der aktive Vulkan war der erste, den wir auf unserer Reise besuchten und brachte uns, auch wenn die Anfahrt mit nur ca. 300 Höhenmetern recht leicht war, etwas außer Atem, denn die Schwefeldämpfe, die aus dem Krater aufsteigen sind bei falscher Windrichtung ziemlich unangenehm.

Am Kraterrand trafen wir auch den ersten Panamerikana-Reisenden in Mittelamerika – den Schweizer Markus, der allerdings am Motorrad unterwegs war und mit dem wir uns lange unterhielten. Er hatte uns schon in Honduras einmal vor Zambrano auf der Straße überholt und fast zur gleichen Zeit wie wir in Anchorage seine Reise begonnen. (www.planeshifterx.blogspot.com)

In Masaya deckte sich Manu noch mit Souvenirs vom Kunstmarkt ein – Hängematten, Ledergeldbörsen usw., die zur Heimreise mit Dani, die wir in Costa Rica erwarteten, bestimmt waren. Immerhin eine von wahrscheinlich nur zwei Chancen auf unserer Reise, ein wenig einzukaufen, ohne das zusätzliche Gewicht dann für tausende Kilometer am Rad herumführen zu müssen.

Masaya war seit Mexiko die erste ganz schöne Kolonialstadt, und gefiel uns recht gut, auch wenn es nicht mit den Städten in Mexiko mithalten konnte.

Granada war sogar noch etwas schöner dafür aber auch wesentlich touristischer – und wohl eine der meistbesuchten Städte Nicaraguas. Jedenfalls ist die Auswahl an Unterkünften groß und wir kamen gleich gegenüber vom Markt im Hostal Esfinge, einem der bisher nettesten Hostels unserer Reise unter.

Nachdem wir bereits in Masaya einen ungeplanten Pausentag eingelegt hatten verbrachten wir nur einen Nachmittag und Abend (mit happy hour Cocktails) in Granada und setzten am nächsten Tag von San Jorge aus auf die Isla de Ometepe über, die sich mit ihren zwei Vulkanen Concepción und Maderas bis auf 1610 m aus dem Lago de Nicaragua, dem größten See Mittelamerikas erhebt.

Der Lago de Nicaragua ist außerdem angeblich der einzige See der Welt in dem es eine eigenständige Population von Haien gibt. Es handelt sich dabei nicht um eine richtige Süßwasserspezies sondern um Bullenhaie, die aus der Karibik über den Rio San Juan hier her gekommen sind und sich offenbar im See so gut vermehren, dass während der Somoza Diktatur in Nicaragua bis zu 20000 Haie pro Jahr gefangen und exportiert werden konnten.

Auf der Isla de Ometepe legten wir wieder einen Pausentag ein, an dem wir den Volcán Concepción umrundeten, wobei wir nach genau 11 Monaten Reisezeit die 20.000 km Marke erreichten, was natürlich wieder mit Cocktails gefeiert wurde.

Die Besteigung des Vulkans mit seinen 1610 m Höhe, die uns zwar gereizt hätte, für die wir aber nicht wirklich vorbereitet waren, ließen wir im Hinblick auf weitere Vulkanwanderungen, die wir uns mit Dani in Costa Rica vorgenommen hatten aus, da wir konditionell zwar beim Radfahren recht fit sind, jedoch nur wenig Training beim Wandern haben, was die 1587 Höhenmeter rauf und runter in einem Tag, die die Besteigung beinhaltet hätte, sicherlich zur Tortur hätte werden lassen.

Zurück am Festland überquerten wir die schmale Engstelle zwischen Lago de Nicaragua und Pazifik und besuchten John, der und kurz vor Masaya eingeladen hatte, in Playa Gigante, einem winzigen Dorf mit großem einsamem Sandstrand und vielleicht 20 Häusern. Die wenigen Ausländer, die hier anzutreffen sind, sind Großteils Surfer aus den USA, die von der starken Brandung in der Nachbarbucht angelockt werden.

John war selbst 11 Monate am Rad in Asien unterwegs gewesen und nun schon seit einigen Jahren mit seiner spanischen Frau und Tochter in Playa Gigante, wo sie sich ein Restaurant aufgebaut haben, in dem wir übernachten durften. Die meisten Besucher des Restaurants waren natürlich auch amerikanische Surfer, mit denen wir nur wenig anfangen konnten, da sie für uns einfach zu cool und meistens bekifft waren.

Von Playa Gigante aus erreichten wir in einem Tag La Cruz in Costa Rica, dem achten Land unserer Reise. Schon wieder hatten wir nur 11 Tage im letzten Land verbracht und schon wieder war ab der Grenze alles anders. Der Grenzübergang ist zwar recht unübersichtlich, doch die erste große Überraschung waren die Geldwechsler, die es hier auch zu Hauf gibt, die aber Ausweise umgehängt hatten und uns auf Anhieb den Wechselkurs anboten, den wir am Tag zuvor im Internet ermittelt hatten. Noch an der Grenze von Honduras zu Nicaragua wurde uns bei der ersten Frage nach dem Umrechnungskurs von Lempira auf Cordoba ein Kurs mit 30% Wechselverlust angeboten und war nur mit Mühe auf einen Kurs mit 4% Verlust runterzuhandeln.

Die nächste Überraschung waren die Straßen in Costa Rica, die, trotzdem das Land als das reichste in Mittelamerika gilt, in wesentlich schlechterem Zustand waren als die, die wir in Nicaragua benutzt hatten. Seitenstreifen gibt es fast nirgends, die Straßen sind schmal und die Schlaglöcher tief. Dafür merkt man schon an den Häusern am Straßenrand, dass die Bevölkerung wohlhabender ist. Bettler gibt es zwar auch hier, aber bei weitem nicht so viele wie in Nicaragua.

Schon auf den ersten Kilometern in Costa Rica sahen wir im dichten Urwald am Straßenrand Affen herumspringen, die uns neugierig beobachteten und ankreischten – die bisher ersten, die uns nicht einfach ignorierten, wie die, die wir bisher gesehen hatten.

Die Lebensmittelpreise in den Supermärkten, die hier deutlich mehr Auswahl haben als in Belize, Honduras und Nicaragua, sind wie erwartet relativ hoch, dafür lassen sich ganz nette Unterkünfte auf mexikanischem Preisniveau finden.

In La Cruz fiel uns auch gleich zum ersten Mal eine Musmanni-Bäckerei auf – eine Franchise-Kette, die es in ganz Costa Rica in jedem größeren Dorf gibt und wo wir zum ersten Mal seit Mexiko wieder annehmbares Brot bekamen. Die Baguettes, die hier verkauft werden sind zwar nicht ganz so gut, wie die mexikanischen Bolillos aber doch um Längen besser als die Hamburger und Hotdog- (Perro Caliente) Laberl, die wir seit Belize essen mussten, wenn wir gerade keine Lust auf Tortillas hatten.

Wir entschieden uns, nicht die Panamericana, die CA1, nach San Jose zu nehmen, da wir von bösartigen Winden in der Gegend gelesen hatten und nicht gerade die am stärksten befahrene Straße wählen wollten. Stattdessen bogen wir kurz nach La Cruz auf die CR4 nach Osten ab, wo wir zwar anfangs auch mit starkem Wind kämpften, der aber glücklicherweise bald nachließ und uns erlaubte, uns wieder auf die schöne Landschaft zu konzentrieren. Wir radelten durch Orangen-, Ananas- und Kakaoplantagen über sanfte Hügel dahin und hatten oft Gelegenheit, die zahlreichen Vulkane der Cordillera Guanacaste und Cordillera de Tilaran zu sehen, an deren Nordseite wir entlangfuhren. Auch die Menschen waren in diesem wohl am wenigsten touristischen Teil Costa Ricas sehr freundlich und versorgten uns unterwegs mit frisch aufgeschnittener Ananas oder kamen uns mit einem Sessel zu Hilfe als sie sahen, dass wir Probleme hatten, die Kokosnüsse auf der Palme zu erreichen.

Kurz nach San Rafael de Guateso fiel uns auf einem Baum am Straßenrand ein Fellknäuel auf, das sich als Faultier entpuppte. Leider konnten wir nur wenige Fotos davon machen, da es, kurz nachdem wir das Tier entdeckt hatten, heftig zu regnen begann – ein Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Wochen noch erwartete, denn ab hier machte sich die beginnende Regenzeit immer mehr bemerkbar. Bis Heredia regnete es fast täglich für 1-2 Stunden. Auf der Bergetappe von Tanque nach Zarcero kam noch dichter Nebel hinzu, der die Sicht auf teilweise nur 10-15 m einschränkte.

vor ZarceroAuch die Berge in Costa Rica machten uns das Leben nicht ganz einfach, denn die Anstiege sind hier steiler als gewohnt und trotzdem relativ lang, so dass wir teilweise nur 27 km mit über 1500 Höhenmetern an einem Tag zurücklegten – Ein Glück, dass wir nun keine Eile mehr hatten.

Am Weg nach Heredia, wo wir bei der Gastfamilie meiner Schwester, die ein halbes Jahr in Costa Rica gelebt hatte, eingeladen waren, bemerkte ich, dass meine „neuen“ Felgen, die ich erst in Tucson/Arizona bekommen hatte schon wieder Risse bekamen. Eigentlich hatte ich bei den neuen Sun Ringlé MTX33 eine längere Lebensdauer als bei meinen alten DTSwiss EX5.1d erwartet, da sie mit 660 g immerhin um 160 g schwerer waren als die alten, was sich allerdings als Fehleinschätzung erwies. Die DT Swiss hatten trotz des geringeren Gewichts um immerhin 2100 km länger gehalten.

Auch bei Manus hinterer Felge konnten wir in Heredia nach 20500 km erstmals drei winzige Risse feststellen und machten uns daher auf die Suche nach neuen möglichst starken Downhillfelgen, was sich allerdings als schwierige Unternehmung herausstellte. Es gibt in San Jose und Umgebung zwar zahlreiche gute Radgeschäfte, die allerdings alle keine geeigneten Felgen hatten. Der Generalimporteur von DTSwiss hätte zwar innerhalb eines Monats Felgen beschaffen können, was uns allerdings zu lang erschien, da ja die lateinamerikanischen Zeitangaben äußerst vorsichtig zu genießen sind. Auch bei Mavic hatten wir kein Glück – Der Distributor meinte, der Markt wäre einfach zu klein, um Downhill-Teile zu importieren.

Zumindest bekamen wir für Manu in Grecia bei Ciclo Cuco einen Satz neuer Ritzel, Kettenblätter und Ketten, die sie auch schon dringend nötig hatte.

Meine Schaltung funktioniert bisher noch ganz gut, was vielleicht am Qualitätsunterschied zwischen Shimano SLX und Deore XT Teilen liegt oder daran, dass ich drei und Manu nur zwei Ketten verwendet, die wir alle 1000 km abwechselnd montieren.

Von unserer Gastfamilie in Heredia wurden wir sehr herzlich aufgenommen, ausgezeichnet verköstigt und in einem eigenen Haus für uns allein untergebracht, dessen Mieter einige Tage vor unserer Ankunft ausgezogen war. Nachdem nur die „Kinder“ Maria Isabel und Juan Pablo Englisch sprachen hatten wir auch ausreichend Gelegenheit Spanisch zu üben.

Am 20.5. kam Dani wie geplant in San Jose an, und wir mieteten uns für die nächsten zwei Wochen ein neues Gefährt. Als ersten Ausflug machten wir eine Coffee-Tour bei Britt – Einem der bekannten Kaffeehersteller Costa Ricas. Wir hatten zuvor auf Tripadvisor die Bewertungen für verschiedene Touren gelesen und die Britt Tour aufgrund der vielen positiven Kritiken ausgesucht, stellten aber leider wieder einmal fest, dass man sich als Europäer nicht ganz auf die Ansichten der US-Amerikaner verlassen kann, die prinzipiell alles awesome finden und offenbar sehr leicht zu begeistern sind. Die Coffee Tour hatte jedenfalls relativ wenig Informationsgehalt und dafür umso mehr flache Unterhaltung in Form einer inszenierten Beziehungsgeschichte zweier Kaffeeplantagenarbeiter zu bieten. Zumindest das Mittagsbuffet war gut, wenn auch die Gesamtleistung die 47 US$ pro Person nicht wert war. Barista Session - VerkostungDer einzig wirklich Interessante Teil war die Barista Session am Ende, wo uns gezeigt wurde, wie man verschiedene Kaffeegetränke herstellt.

Für den ersten richtigen Reisetag mit Dani hatten wir uns vorgenommen den Volcán Poás zu besuchen, der nahe Heredia liegt und dessen Krater man auf einer bis zum Ende asphaltierten Straße erreichen kann. Die Anfahrt bis zum 2500m hoch gelegenen Parkeingang ging ungewohnt flott, jedoch fuhren wir, je höher wir kamen durch immer dichteren Nebel – nicht gerade die beste Voraussetzung um einen Vulkan zu besichtigen, weshalb wir uns dazu entschlossen, den Vulkan vorerst auszulassen und bei unserer Rückkehr nach Heredia nochmal vorbeizuschauen, falls das Wetter dann mitspielte.

El mundo de las serpientesUnterwegs zur nächsten Station, dem Volcán Arenal schauten wir zunächst in Grecia bei der „Mundo de las serpientes“ – einem Schlangenzoo – vorbei, der von einem Österreicher gegründet worden war und viele der einheimischen Giftschlangen beherbergte. Wir genossen eine ausgezeichnete Führung durch die Anlage mit ihren fast 60 Terrarien und bekamen sogar die Gelegenheit, eine der ungefährlichen und friedlichen Schlangen – die braune Regenbogenboa in Händen zu halten, was keiner von uns zuvor je probiert hatte. Besonders Manu konnte man die anfängliche Abneigung deutlich vom Gesicht ablesen.

FortunaAm Nachmittag fuhren wir noch weiter nach Fortuna, von wo aus wir den Volcán Arenal besichtigen wollten, der permanent aktiv ist und dessen kleine Eruptionen man besonders bei Nacht gut beobachten kann – natürlich nur bei klarer Sicht und nicht bei dem strömenden Regen, der uns mit Einbruch der Dunkelheit in Fortuna empfing.

Die Wanderung im Parque Nacional Volcán Arenal am nächsten Tag war ebenfalls wieder eine nasse Angelegenheit denn es begann wieder Mal gerade in dem Moment zu regnen, als wir uns am weitesten vom Auto entfernt hatten, was uns einen recht schlammigen Rückweg durch den interessantesten Teil des Parks und für die nächsten Tage nasse Schuhe bescherte. Am Abend gegen 22:00 war der Berg zum ersten Mal vollständig zu sehen und wir sprangen ins Auto, um vielleicht doch noch die erhofften glühenden Lavaströme zu sehen. Volcán Arenal bei NachtTatsächlich fanden wir eine Stelle an der Straße, wo bereits zahlreiche Schaulustige den Vulkan beobachteten und sahen von der Bergspitze große glühende Felsbrocken ins Tal donnern, was sogar noch aus der relativ großen Entfernung, in der wir uns befanden, zu hören war. Richtige Lavaströme waren zwar nicht dabei, trotzdem war der Mini-Vulkanausbruch aber recht interessant. Wir hatten zwar auch schon am Tag die Felsen gesehen, die immer wieder über das Geröllfeld des Arenal hinunterpurzeln, doch sieht man bei Tageslicht nicht, dass diese tatsächlich glühen, weshalb der Vulkan bei Dunkelheit wesentlich eindrucksvoller ist.

Am nächsten Tag erlebten wir eines der Highlights unserer Costa Rica Rundreise – die Puentes Colgantes Arenal – ein Wanderwegsystem das über einige bis zu beinahe 100 m hohe Hängebrücken durch dichten Primärwald gebaut wurde und etwas westlich des Volcán Arenal liegt. Puentes Colgantes del ArenalHier konnten wir die dichte Vegetation des Urwaldes einmal aus anderer Perspektive bewundern und den Bromelien- und Lianenbewuchs der Bäume bis in große Höhe bestaunen. Zudem sahen wir einige exotische, bunte Vögel, darunter einen Tukan, unsere ersten Brüllaffen, ein Agouti und eine relativ große Schlange zusammengewickelt in einem Baum.

Nachdem wir wesentlich mehr Zeit bei den Hängebrücken verbrachten als wir gedacht hatten erreichten wir abends nicht mehr, wie geplant, Santa Elena sondern nur Tilarán und brachen am nächsten Tag frühmorgens über die Schotterstraße nach Santa Elena auf. Schon bei der Touristeninformation zwei Kilometer vor dem eigentlichen Ort wurde uns das Sunset Hotel empfohlen und ein Nachsaisonsrabatt ausverhandelt. Trotzdem waren wir erst etwas skeptisch, denn wir hatten von einigen noch günstigeren Unterkünften im Reiseführer gelesen. Als wir uns das Hotel ansahen und noch einen niedrigeren Preis ausverhandeln konnten waren aber schnell alle Zweifel verflogen, denn die Aussicht vom Bett aus auf den Golf von Nicoya war tatsächlich etwas Besonderes, wenngleich wir sie auch nur beim Einchecken genießen konnten, da den restlichen Tag dichter Nebel das einzige war, was wir sahen – wie sich das ja für ein Nebelwaldreservat auch gehört.

Kolibris in Santa ElenaDas eigentliche Reservat liegt nochmal um einige hundert Meter höher als der Ort Santa Elena wodurch sich auch die Vegetation dramatisch ändert. Während auf Höhe des Hotels der Laubwald nicht viel anders aussieht als bei uns in Österreich, sind im eigentlichen Nebelwald die Bäume völlig mit Bromelien, Moosen, und Lianen bewachsen, so dass man kaum einmal ein Stück freiliegende Rinde findet. Auch wenn es gerade nicht regnet, tropft der kondensierende Nebel unablässig aus den Baumkronen, und die Moose, die an den Bäumen wachsen, sind mit Wasser getränkt wie Schwämme. Auf der Wanderung durch den Nebelwald hörten wir die unterschiedlichsten Vögel aus den Bäumen pfeifen, bekamen allerdings nur wenige von ihnen tatsächlich zu sehen. Auch mit den Faultieren und Pumas hatten wir hier kein Glück – zu dicht ist die Vegetation, um die gut getarnten Tiere zu finden. Die Chance auf Faultiere scheint hier auch nicht allzu groß zu sein, denn angeblich berichten auch die Guides, die täglich mehrmals Touristen durch den Park führen, nur ca. ein Mal monatlich von einer Sichtung. Manu, die etwas früher zum Auto zurückkehrte, hatte am Rückweg das Glück, ein Gürteltier zu sehen – Tiere, die wir bisher nur in recht flacher Form auf den Straßen gesehen hatten.

Zurück im Hotel fanden wir heraus, dass unsere Zimmernachbarn Margit und Markus aus Salzburg waren, verabredeten uns zum Abendessen in Santa Elenaund bekamen so gerade hier in den Bergen den besten Fisch auf unserer Rundreise serviert.

Parque Nacional Rincón de la ViejaAuch beim nächsten Vulkan, den wir besichtigen wollten machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Rincon de la Vieja war natürlich nicht zu sehen, und der Regen wurde immer stärker, je näher wir dem Parkeingang kamen – ungewöhnliche Bedingungen für die an sich recht trockene Provinz Guanacaste, wie uns versichert wurde.

Nachdem der Regen auch nach einer Stunde Warten nicht weniger wurde, blieb uns nichts anders übrig, als nach Liberia zurückzufahren und den Nachmittag im Kaffeehaus abzusitzen. Glücklicherweise bekamen wir am nächsten Tag noch die Gelegenheit, den Nationalpark in einigen regenfreien Stunden am Vormittag zu besichtigen bevor zur Weiterfahrt nach Playa del Coco wieder der gewohnte Starkregen einsetzte.

In Playa del Coco fanden wir ein nettes Apartment mit Küche und beschlossen, die Unterwasserwelt am Pazifik zu erkunden, da an Badewetter nicht zu denken war. AbendessenDie holländische Tauchbasis Rich Coast Divers machte erst auch einen recht guten Eindruck und wir machten einige schöne Tauchgänge in der näheren Umgebung, wollten aber eigentlich einen Ausflug auf die Islas Murcielago unternehmen, die in der Region die besten Tauchplätze bieten sollen und wo man mit großer Wahrscheinlichkeit Bullenhaie und manchmal Mantas beobachten kann. In der DuscheDie Mindestteilnehmerzahl für die Ausfahrt auf die Islas Murcielago war zwar mit drei Personen angegeben, doch schienen wir drei der Tauchbasis nicht genug finanziellen Anreiz zu bieten, um die Ausfahrt zu organisieren. Das Wetter wurde immer wieder als Ausrede genannt wobei an mindestens drei der vier Tage, die wir in Playa del Coco verbrachten das Wetter eigentlich gut war und eine Ausfahrt sicher möglich gewesen wäre.

Playa FlamingoRelativ enttäuscht über den erneut abgesagten Murcielago Ausflug am vierten Tag, nachdem wir extra einen Tag länger geblieben waren, um doch noch auf die Inseln zu kommen, machten wir uns auf den Weg zum Manuel Antonio Nationalpark. Unterwegs querten wir den Rio Grande de Tarcoles, wo wir zahlreiche Krokodile, faul im Schlamm liegend, beobachten konnten und machten eine kurze Pause in Esterillos Oeste am Strand zum Mittagessen. In Quepos fanden wir relativ schnell eine Unterkunft im Zentrum und hatten noch Zeit für einen Spaziergang durch die Stadt und den Sonnenuntergang am Meer. Die sehr netten Hotelbesitzer empfahlen uns ein gutes und günstiges Fischrestaurant, wo wir zum ersten Mal Dorado (Delphinfisch) probierten, der uns sehr schmeckte, jedoch von den ausgezeichneten Calamari noch übertroffen wurde.

Der Manuel Antonio Nationalpark ist eine große Touristenattraktion was man schon daran merkt, dass schon ca. einen Kilometer vor dem Eingang Parkguides mit gelben Warnwesten alle Autos aufhalten und unter dem Vorwand, die nähren Parkplätze wären alle voll, am Straßenrand zum Parken einweisen. Das ganze dient dazu, den Touristen als erste eine Tour anbieten zu können – noch vor den zahlreichen anderen Guides, die an den drei weiteren Parkplätzen, die natürlich nicht voll sind, das gleiche probieren.

FaultierNachdem die Guides lästig, aufdringlich und teuer waren entschlossen wir uns, den Park auf eigene Faust zu erkunden, was sich nicht als Fehler herausstellte. Durch die zahlreichen Touristen, die sogar jetzt in der Regenzeit den Park besuchen ist es relativ einfach, herauszufinden, wo es etwas zu sehen gibt, da garantiert bei jedem Faultier und Affen schon einen Gruppe von Leuten oder ein Guide mit seiner Gruppe steht, deren Blicken man nur zu folgen braucht, um sogar die unauffälligen Faultiere auszumachen. Insgesamt sahen wir drei Faultiere, zwei Gruppen von Brüllaffen, zahlreiche größere Eidechsen, drei Leguana und Unmengen an schwarz-orangen Landkrabben. Trotzdem hätten wir uns von dem Park eigentlich mehr erwartet, und verstanden nicht ganz, weshalb alle davon so begeistert zu sein scheinen.

Den Nachmittag nach dem Parkbesuch zuhause, denn der Regen wollte wieder einmal nicht aufhören. Das Highlight des Nachmittages war ein Erdbeben, das wir auf der Terrasse unseres Hotels miterlebten und das uns einen gehörigen Schrecken einjagte, denn mit einer Stärke von 6.1 und dem Epizentrum in unmittelbarer Umgebung brachte es unser ohnehin wackliges Hotel gehörig zum Schaukeln. Abends wechselten wir ins Dos Locos – das mexikanische Restaurant im Zentrum, wo’s wieder Fisch (diesmal leider völlig ausgetrocknet) gab.Quepos nach der Sintflut Neben dem Erdbeben war der Sturm, der einsetzte als wir vom Essen wieder zurück im Hotel waren, die zweite Naturkatastrophe des Tages und richtete auch wesentlich mehr Schaden an. Uns hielt er durch das laute Scheppern des Wellblechdaches und durch den waagerechten Regen, der in der Nacht den Weg durch die Ritzen des Fensters über dem Bett fand einige Zeit wach, und an der Strandpromenade war am nächsten Tag gut die Hälfte aller Bäume entwurzelt oder abgebrochen.

Nachdem für die Gegend um San Jose auch für den letzten Tag vor Danis Abreise wieder schlechtes Wetter angesagt war, hatten wir am Nachmittag beschlossen, statt nochmal zum Volcán Poás zu fahren zwei Tauchgänge in Quepos zu machen. Das Tauchcenter Oceans Unlimited hatte einen guten ersten Eindruck hinterlassen – vor allem auch dadurch, dass uns der englische Tauchlehrer ehrlich gesagt hatte, dass wir keine gute Sichtweiten zu erwarten hatten, da wir einfach zur falschen Jahreszeit gekommen waren.

Am Tag nach dem Sturm waren wir uns allerdings nicht mehr so sicher ob sich die Tauchgänge wirklich lohnen würden denn zumindest an der Küste unmittelbar vor Quepos hatte sich die Trübung des Wassers deutlich verstärkt. Nachdem allerdings die Tauchlehrer, die diesmal im Shop waren versicherten, sie würden schon einen guten Platz mit brauchbarer Sichtweite finden vertrauten wir ihnen, was sich diesmal als Fehler herausstellte. Nach dem ersten Tauchgang mit einer Sichtweite von ca. 1,5 bis 2 m, uninteressanter Unterwasserlandschaft und einer ziemlich enttäuschenden Tierwelt beschlossen wir, den zweiten Tauchgang abzusagen. Erst meinten zwar die zahlreichen einheimischen Tauchlehrer, die mit uns an Bord waren, dass wir trotzdem den vollen Preis zu zahlen hätten, der Engländer, mit dem wir schon am Vortag gesprochen hatten, erließ uns aber letztendlich doch fast die Hälfte des Preises noch bevor wir nach einer Ermäßigung fragten. Die einheimischen Tauchlehrer dagegen zeigten weder bei der Diskussion um das unsinnige 45 Minuten Tauchgangslimit, noch bei unserem Wunsch, den zweiten Tauchgang auszusetzen viel Kooperationsbereitschaft.

Regen aussitzenAls Nachmittagsprogramm wollten wir uns ein Schmetterlingshaus ansehen, das allerdings auch aufgrund von Sturmschäden geschlossen war – ebenso, wie das Restaurant Agua Azul, das uns empfohlen worden war.

Am nächsten Tag am Weg zurück nach Heredia waren glücklicherweise die zuvor gesperrten Straßen wieder geräumt, doch die Sturmschäden waren noch überall zu sehen – ganze Alleen waren dem Wind zum Opfer gefallen.

Inge und HaraldKurz vor Tarcoles trafen wir auf der Straße noch zwei Reiseradler – Inge und Harald aus Deutschland, von denen wir zum ersten Mal schon in den USA gehört hatten, da sie mit ihren bunten Radtaschen auch schon anderen Radlern aufgefallen waren.

Für den Abend hatten wir mit unserer Gastfamilie in Heredia ein gemeinsames Abendessen vereinbart und wurden in ein nettes Restaurant mit typisch Costa-ricanischer Küche geführt, von dessen Terrasse man bei regenfreiem Wetter einen schönen Ausblick auf das Lichtermeer San Joses, Alajuelas und Heredias gehabt hätte.

Den Vormittag vor Danis Abreise nutzten wir noch für eine kurze Tour durch San Jose auf der die Mädels noch die wichtigsten Besorgungen (Schuhe und T-Shirts) für Heim- bzw. Weiterreise machten.

Unsere restlichen Pausentage in Heredia verbrachten wir mit der Wartung unserer Räder, Internetsurfen und dem Besuch des Inbioparque in Heredia, wo wir neben einer weiteren kleinen Schlangenaustellung und einigen Pfeilgiftfröschen doch noch einen Schmetterlingspark zu sehen bekamen.

Als wir von Heredia wieder aufbrachen kündigte der Wetterbericht für die gesamte nächste Woche Gewitter – meistens sogar ganztägig – an. So schlimm wurde es glücklicherweise doch nicht und der Regen beschränkte sich die ersten drei Tage auf den Nachmittag. Wir hatten beschlossen, zur Karibikküste hinauf zu fahren und an der Karibikseite Costa Ricas nach Panama zu radeln, da wir die Pazifikseite ja schon kannten und den Verkehr dort teilweise schon im Auto als unangenehm empfunden hatten. Am Weg durch San Jose besorgten wir für Manu noch ein neues Schaltwerk, da seit dem Austausch der Kette, Zahnkränze und Kettenblätter zwar die Kette nicht mehr durchrutschte aber die Schaltpräzision trotzdem noch mangelhaft war.

DSC_6819Die Strecke bis Cartago auf der CA2 war stark befahren und autobahnartig ausgebaut. Ab Cartago gelangt man auf der CA10 durch sehr schöne und bergige Kaffeanbaugebiete nach Turrialba und Siquirres. Immer wieder sahen wir den gerade sehr aktiven Vulkan Turrialba, von dem eine mehrere hundert Meter lange Rauchfahne in immer wechselnde Richtung wehte und wir waren uns einig, dass uns das Radeln durch die Gegend hier eigentlich besser gefällt, als zB. durch den sehr touristischen Manuel Antonio Nationalpark zu wandern. DSC_6824Es war einfach schön, nach so langer Zeit wieder auf der Straße zu sein. Ab der Einmündung der CA10 auf die CA32 bei Siquirres teilten wir uns die Straße bis Puerto Limon, das wir umfuhren, mit unzähligen Bananenlastern. Den netten kleinen Küstenort Cahuita erreichten wir wieder einmal, wie unsere beiden letzten Quartiere in Paraiso und Siquirres bei strömendem Regen.

DSC_6839Schon seit Puerto Limon gab es in der Bevölkerung einen hohen Anteil Schwarzer, die auch wieder Englisch sprechen, wie in Belize und Honduras. Der kreolische Dialekt, den wir in Belize oft hörten fiel uns hier allerdings nicht auf – ca. 1/3 der Bevölkerung stammt von den englischsprachigen Inseln Jamaica oder Barbados.

      DSC_6866Ab Cahuita verließen wir die Küste mit ihren Kokoshainen und fuhren durch dichten und sehr schönen Dschungel und Bananenplantagen nach Sixaola, wo wir die Grenze zu Panama passierten – unser bisher wider Erwarten einfachster Grenzübertritt – denn wir hatten gehört, dass man hier oft lange braucht, ausreichend Bargeld und ein Ausreiseticket vorlegen müsste. Ein Ausreiseflugticket hatten wir uns aus unserem e-Ticket von Frankfurt nach Anchorage durch Datums- und Flugdatenänderung zwar gebastelt, jedoch wurde weder dieses, noch unsere Finanzen überprüft und auch unser Gemüse fürs Abendessen, das man angeblich nicht einführen darf, durften wir behalten.

DSC_6872Panama macht bisher einen ganz guten Eindruck – die Leute sind freundlich, bezahlt wird in Dollar, die Straße ist wesentlich besser ausgebaut als in Costa Rica und der Verkehr ist rücksichtsvoll, wenn auch die zahlreichen Steigungen mit bis zu 15% nach der langen Radelpause relativ hart sind und uns gehörig ins Schwitzen bringen. Die Supermärkte sind wieder fest in chinesischer Hand, es gibt aber zumindest deutlich mehr Auswahl und bessere Preise als in Belize.                             

1 Responses to “El Progresso/Honduras bis Almirante/Panama 26.4.10 – 14.6.10”


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    My last blog (wordpress) was hacked and I ended up losing months of hard work due to no back up.

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