Bogotá, Kolumbien bis Leymebamba, Peru – 3.8.10 bis 18.10.10

Bogotá La Candelaria An den letzten Tagen In Bogotá fanden wir glücklicherweise doch noch die Kraft, uns La Candelaria, die Altstadt von Bogotá ein wenig anzuschauen. Bisher hatten wir ja mehr oder weniger nur die Strecke zwischen Hotel Zaragoza und der Ärztin weiter im Norden von Bogotá und das dort befindliche Unicentro – ein modernes Einkaufszentrum in dem das Sicherheitspersonal auf Segways durch die Gänge fährt, gesehen.

Bogotá La CandelariaLa Candelaria gefiel uns sehr – wieder einmal freuten wir uns über alte koloniale Gebäude, die diesmal, wie es sich für eine Hauptstadt gehört, deutlich größer waren als in Cartagena oder Mompos. Mit Mexico City kann die Stadt zwar nicht ganz mithalten, doch einen Besuch ist sie allemal wert.

Von Bogota machten wir uns noch immer recht geschwächt nach 11 Tagen Pause auf nach La Mesa und weiter nach Girardot und waren anfangs froh, wieder einmal unter 2000 m Höhe zu kommen, denn gerade auf der westlichen Ausfahrt, die uns zuerst auf 2800 m hinauf brachte und dann im dichten Nebel über viele Kilometer ins Tal nach La Mesa führte war kälter als uns lieb war.

Rio MagdalenaAb Girardot kamen wir dafür wieder ins Schwitzen, da wir von dort aus wieder dem Magdalena Tal, das dort auf ca. 300 m Höhe liegt, folgten. Über Natagaima und Neiva kamen wir schließlich über zuerst relativ flache und unspektakuläre Strecke wieder in die Berge nach Gigante und Altamira, wo wir auch wieder mit ganz ordentlichen und teilweise unerwarteten Steigungen zu kämpfen hatten, wo aber dafür das Radeln wieder deutlich mehr Spaß machte als im flachen Magdalenatal.

Eine Entdeckung im Magdalenatal sollte sich allerdings als sehr wichtig herausstellen. Bisher hatten wir zu Mittag immer nur Brot mit verschiedenem Dosenfutter, wie Bohnen oder Thunfisch, Marmelade und Früchten gegessen und waren damit nicht wirklich glücklich, da das Brot in Kolumbien wie im Rest vom bisher bereisten Amerika mit Ausnahme vielleicht vom Sour Dough Bread in der San Francisco Bay Area und den Bolillos in Mexiko den Namen Brot nicht verdient. Nachdem wir also das Brot endgültig satt hatten und das Reisen nicht so viel Spaß macht wenn man nichts gescheites zu Essen bekommt probierten wir in Aipe zum ersten Mal, in einem Restaurant zu Mittag zu essen und waren sehr erstaunt, dass wir für 4000 Pesos Suppe, eine ausgezeichnete Hauptspeise und Fruchtsaft mit free refill bekamen. Wir hatten in Mexico einige Male zu Mittag Tacos oder Quesadillas gegessen, waren jedoch schnell zum Entschluss gekommen, dass wir um wirklich satt zu werden zu viel Geld hätten ausgeben müssen und waren schnell wieder auf Bolillos mit selbstgemachter Guacamole, Käse, Gemüse usw. umgestiegen.

Die Entdeckung dass in Kolumbien gutes und ausreichendes Mittagessen (Almuerzo) um ca. zwei € pro Person zu bekommen ist, war also sehr willkommen und wir verzichteten von da an vollständig auf das unnötige Brot und die teuren Konserven.

Casa de Ciclistas San AgustinVon Almirante ging es in einem anstrengenden Tag weiter nach San Agustín, wo wir in der Casa de Ciclistas von Igel und Paola bereits erwartet wurden.

Zufällig war auch Nelson, den wir zuletzt in San Gil gesehen hatten, dort am gleichen Tag eingetroffen und drei andere Radler – Deborah aus der Schweiz, die wir bereits in Cartagena gesehen hatten sowie Paula und Alejandro aus Argentinien (http://www.flickr.com/photos/bicijeando/) waren schon länger zu Gast.

endlich fertigIgel und Paola, die aus Deutschland schon 2001 auf ihre Radreise aufgebrochen waren hatten sich nach ca. 45000 km am Rad in Kolumbien niedergelassen und die Finca la Campesina gekauft, die seither allen Radreisenden als Casa de Ciclistas nach dem berühmten Vorbild der seit 25 Jahren bestehenden Casa de Ciclistas von Lucho in Trujillo, Peru zur Verfügung steht.

Wir genossen nach den anstrengenden Tagen zuvor einige radfreie Tage mit den anderen Radlern, ausgezeichnetem Frühstück, und noch besserer hausgemachter Pizza.

San Agustín Parque ArqueologicoNeben den nötigen Wartungsarbeiten an den Rädern (Bremsen entlüften und Laufräder zentrieren) besuchten wir auch den beeindruckenden Parque arqueológico in San Agustín mit seinen zahlreichen Steinfiguren von einer Kultur, über die so gut wie nichts bekannt ist.

AbschiedNach vier Tagen brachen wir gemeinsam mit den 4 anderen Radlern zur Weiterreise auf, trennten uns allerdings bald wieder, da die anderen über Mocoa und Sibundoy nach Pasto weiterfuhren, während wir den Weg über Isnos, Coconuco und Popayan wählten. Auf der wunderschönen aber anstrengenden Schotterstraße nach Coconuco brachen wir erneut in Kolumbien unseren Höhenrekord und überquerten einen 3202 m hohen Pass.

Von Coconuco fuhren wir direkt nach Rosas, ohne uns in Popayan, das allerdings recht schön zu sein scheint, lange aufzuhalten.

PopayanIn Rosas mussten wir leider schon wieder eine Zwangspause einlegen, da wohl eines der Almuerzos doch nicht so gut gewesen war und mir wieder einmal für zwei Tage die Verdauung durcheinanderbrachte. Zudem hatte ich im Hotelzimmer in Coconuco mein Regengewand liegen lassen, dessen Wiederbeschaffung zwei vierstündige Busreisen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen erforderte, da niemand wusste, wo die Putzfrau, die es gefunden hatte, es verstaut hatte.

Für die folgende anstrengende Strecke nach Pasto benötigten wir vier Tage, durchquerten dabei das angeblich heißeste Gebiet Kolumbiens zwischen Rosas und Remolino, bevor wir uns anschließend wieder auf 2800 m Höhe nach Pasto hinauf kämpften. Die beißenden Sandfliegen, deren Bisse viel länger und schlimmer jucken als jeder Gelsenstich, machten uns hier das Leben etwas schwer und waren oft zahlreicher als in Kanada. Die Landschaft war dafür umso atemberaubender, wenn auch die dunstige Luft leider keine wirklich guten Fotos zuließ.

In Pasto kamen wir im Koala Inn unter, wo wenige Wochen zuvor auch Paul (www.panamericantour.net) und vor ihm die Riding the Spine Leute (www.ridingthespine.com) übernachtet hatten und gönnten uns gleich zwei Pausentage, da das drahtlose Internet schnell und das Essen in der Stadt gut waren.

Auf der Strecke nach Ipiales übernachteten wir in Funes und trafen Pete aus England, den ersten Radler, der uns aus Ushuaia entgegenkam (http://peterhubbard.blogspot.com).

Kurz nach Ipiales überquerten wir die Grenze zu Ecuador, dem 11. Land unserer Reise. Von Anfang an waren wir begeistert von der schönen Bergwelt und genossen das gute Wetter, den Ausblick auf mächtige Vulkane und die gut ausgebauten Straßen. Die Panamerikana ist im Norden Ecuadors glücklicherweise nicht allzu stark befahren und auch die angeblich so steilen Hügel hielten sich in Grenzen und waren größtenteils sogar am mittleren Kettenblatt zu befahren.

Nach zwei Tagen in Ecuador erreichten wir Otavalo mit seinem bekannten Kunstmarkt, wo wir uns Alpacadecken und Handschuhe, die wir wahrscheinlich in Bolivien brauchen werden, kauften.

Rund um den Volcán Imbabura, quasi den Hausberg von Ibarra und Otavalo mit 4609 m Höhe fuhren wir nach halbtägiger Pause in Otavalo weiter nach Cayambe am gleichnamigen Volcán Cayambe, der angeblich, obwohl er „nur“ 5790 m hoch ist, die höchste Erhebung vom Erdmittelpunkt gemessen ist, da er ziemlich genau am Äquator steht und die Erde ja an den Polen abgeflacht ist.

Am Tag darauf überquerten wir den Äquator zwischen Cayambe und Tumbaco, wo an der Straße natürlich auch eines der zahlreichen „Mitad del Mundo“ Monumente aufgebaut wurde. Die Linie, die auf der großen Sonnenuhr den Äquator markieren soll liegt zwar laut meinem GPS ca. 1,5 m nördlich vom echten Äquator, wobei das natürlich auch an der Messungenauigkeit des GPS liegen könnte, doch das braucht ja niemand zu wissen, der sich unsere Fotos, auf denen wir mit einem Bein auf der Nord- und mit dem anderen auf der Südhalbkugel stehen, ansieht ;-) .

In der Casa de Ciclistas in Tumbaco wurden wir von Santiago und seiner Familie sehr freundlich aufgenommen und begannen auch gleich am nächsten Tag mit der Suche nach einer günstigen Tour auf die Galapagos Inseln.

Die Reisebüros in Quito konnten uns zwar nicht wirklich weiterhelfen, da die Preise, die wir genannt bekamen alle viel zu hoch waren, doch bekamen wir zumindest einen ganz guten Überblick über die verfügbaren Boote. Wir beschlossen, unser Glück direkt auf Santa Cruz in Puerto Ayora zu versuchen und buchten auch gleich für den nächsten Tag einen Flug dorthin.

Die Räder und unser Gepäck konnten wir problemlos bei Santiago in Tumbaco unterbringen und fanden auf Galapagos nach problemloser Anreise auch gleich am ersten Tag bei Joybe Tours ein Boot, das uns zusagte um immerhin 380 $ weniger pro Person als das gleiche Boot bei Buchung in Quito gekostet hätte. Die 4 Tage Wartezeit bis das Boot abfuhr hatten wir einkalkuliert und wollten sie mit Tauchen verbringen. Wir klapperten daher alle Tauchbasen in Puerto Ayora ab, verglichen Preise und Ausrüstung und wurden schnell bei Scuba Macarron fündig. Schon nach dem ersten Tauchgang stellte sich allerdings heraus, dass das Tauchen nicht wirklich so war, wie wir uns es von einer der angeblich weltweit besten Tauchdestinationen erwartet hatten. Die Sicht war mit ca. 10 bis maximal 15 m eher bescheiden und die Anzüge, die natürlich nicht so gut passten wie unsere eigenen machten die Sache zu einem sehr kalten Erlebnis. Da half leider auch der zusätzliche Shorty nichts, den wir unter den 7 mm Neoprenanzügen trugen. Schon beim zweiten Tauchgang überlegten wir, ob wir überhaupt noch einmal am gleichen Tag ins Wasser wollten. Glücklicherweise fand sich aber noch ein zweiter 7 mm Anzug, den ich unter dem anderen tragen konnte, was den Tauchgang erträglich, wenn auch nicht gerade komfortabel machte, da 14 mm Neopren doch ziemlich einengen.

Nach dem zweiten Tauchtag beschlossen wir, das Tauchen bleiben zu lassen, da es uns durch die Kälte einfach keinen Spaß mehr machte. Wir hatten zwar auf den 4 Tauchgängen die wir mitgemacht hatten einige seltene Tiere, wie Hammerhaie, Mantas und Seelöwen gesehen, doch alles in allem war das Tauchen durch Kälte und schlechte Sicht eher enttäuschend.

Die achttägige Bootstour auf der „Guantanamera“ stellte dafür alle unsere Erwartungen in den Schatten.

Die Tierwelt auf den Galapagos Inseln ist tatsächlich atemberaubend und besonders der Umstand, dass es keine größeren Raubtiere auf den Inseln gibt, wodurch alle anderen Tiere quasi völlig furchtlos vor Menschen sind, ist sehr interessant.

Jede Insel hat ihre eigene Population an Riesenschildkröten, die sich durch die lange Isolation in verschiedene Unterarten mit sehr unterschiedlichen Panzerformen entwickelt haben. Zudem nisten je nach Insel ganz unterschiedliche Seevögel auf den Felsen und teilweise sogar auf den Wanderwegen, die einen ohne weiteres bis auf einen halben Meter an sich herankommen lassen bevor sie beginnen, anstatt wegzufliegen, ihr Territorium durch Schnabelhacken zu verteidigen.

Beim Schnorcheln konnten wir neben unzähligen Schildkröten auch junge Seelöwen beobachten, die offenbar großen Spaß daran hatten, mit uns im Wasser zu spielen, uns zu verfolgen und uns zu umkreisen – ganz anders als an Land, wo die Ausgewachsenen Exemplare größtenteils Bewegungslos im Sand liegen und bestenfalls ein Auge öffnen wenn sie bemerken, dass man sich ihnen nähert, während die Jungen meistens damit beschäftigt zu sein scheinen, die richtige Mutter für einen Schluck Milch zu finden.

In seltenen Fällen können die Großen Seelöwen wenn sie sich beim Sonnenbad am Bootsanlegesteg gestört fühlen allerdings auch ziemlich aggressiv werden und schnappen dann zur Belustigung aller anderen Touristen zum Beispiel nach Manu die ihnen anscheinend nicht weit genug ausgewichen war.

Die Tiere die uns auf den Inseln am besten gefielen waren wohl die Blue Footed Boobies mit ihrem witzigen Paarungstanz, Die Pelikane und die Seelöwen.

Zur Krönung sahen wir zum Abschluss der Kreuzfahrt noch einige Buckelwale nahe am Boot vorbeiziehen und verfolgten sie einige Minuten mit den Beibooten. Das Kalb sprang einige Male wie, um sein Talent zu beweisen, hoch aus dem Wasser bevor den Walen offenbar die Verfolgung lästig wurde und sie davon schwammen.

Zurück in Puerto Ayora konnten wir problemlos unseren Rückflug um einige Tage vorverschieben und flogen so schon am letzten Tag der Tour nach dem Besuch der Darwin Research Station zurück nach Quito.

In Tumbaco trafen wir dann unerwartet alle vier anderen Radler aus San Agustin sowie Kurt aus den USA und Clemente aus Belgien wieder. Full House mit acht Reisenden also in Tumbaco.

Nach zwei weiteren Tagen in Tumbaco brachen wir gemeinsam mit Nelson, Kurt und Clemente nach Süden auf, während Deborah, Paula und Alejandro noch in Tumbaco blieben.

Innerhalb von zwei Tagen erreichten wir Latacunga, wo, wie schon nach der letzten längeren Pause in Costa Rica Manus Knie (diesmal das linke) zu schmerzen begann, wodurch wir einen weiteren Pausentag einlegen mussten.

Die Strecke auf der Panamericana bis Riobamba war zwar bergig (neuer 3621 m Höhenrekord) aber landschaftlich nicht besonders interessant – vielleicht wär’s besser gewesen, wenn wir den Cotopaxi und den Chimborazo, die direkt an der Straße liegen, jedoch leider immer wolkenverhangen waren, gesehen hätten.

DSC_1773Ab Riobamba, wo anscheinend viel Verkehr Richtung Guayaquil abzweigt, wird die Panamerikana bis kurz vor Cuenca aber angenehm ruhig und verläuft durch grandiose Landschaft.

Leider machten die Berge auch hier wieder Manus Knie etwas zu schaffen und wir mussten vor Cañar einen Tag vorzeitig abbrechen und campen.

Als wir endlich nach Cuenca kamen trafen wir bei der Hotelsuche zum vierten Mal unerwartet auf Paul (Zur Erinnerung: Dawson City, Yukon; Stewart, British Columbia; Mojave Preserve, Kalifornien; Cuenca, Ecuador).

Paul entschied sich spontan, noch einen Tag länger in Cuenca zu bleiben und beschloss, gemeinsam mit uns weiterzufahren.

DSC_1867Wir hatten geplant die Strecke nach Loja in drei Tagen zu fahren, doch machten uns wieder einmal die Berge einen Strich durch die Rechnung. Wir hatten bis Kolumbien immer ziemlich genau einen Höhenmeterschnitt von 1000 hm pro 100 km. Seit wir die Anden in Kolumbien erreicht haben hat sich dieser Wert jedoch auf über 2000 hm auf 100 km mehr als verdoppelt.

DSC_1873Nachdem auf der Strecke nach Loja auch die Ortschaften mit Hotels relativ weit auseinander liegen campten wir wieder häufiger und hatten wieder mal Gelegenheit uns über das massive Kondenswasserproblem in unserem Hilleberg Nallo 2 GT zu ärgern.

Trotzdem genossen wir das campen nach so langer Zeit wieder, da in dem dünn besiedelten Gebiet auch leicht gute Zeltplätze zu finden waren.

DSC_1919 editNachdem es zu regnen begann als wir zum Mittagessen in Loja ankamen beschlossen wir in Loja zu bleiben und dafür den geplanten Pausentag in Vilcabamba auf einen halben Tag zu verkürzen.

In Vilcabamba trafen wir Björn aus Deutschland (http://www.panomoto.com), DSC_2003der seine Motorradweltreise mit seinen Fotos finanziert und mich auf die Idee brachte, auch mehr Panoramafotos zu schießen. Paul hatte mir schon zuvor einige seiner HDR Fotos gezeigt und so begann ich wenige Kilometer nach Vilcabamba damit, HDR Panoramafotos zu machen, die mir momentan sehr gefallen. Ich hoffe, dass ich bald einen passenden Weg finde, die Fotos auch auf der Website zu integrieren, was allerdings eine Umprogrammierung der Galerie-Templates nötig macht und daher etwas dauern könnte.

DSC_2046Die Strecke von Vilcabamba bis zur Grenze von Peru ist Großteils unasphaltiert und war durch die vielen extremen Steigungen und die teilweise hohen Temperaturen eine der bisher anstrengendsten der gesamten Reise und die erste, auf der Manu ihr Rad mehrmals schieben musste.

DSC_2069Auch hier gibt es wenige Unterkünfte, die wir nicht immer erreichten, wodurch wir öfter campen mussten auch wenn uns oft ein Hotel mit Dusche viel lieber gewesen wäre.

Der Grenzübertritt nach Peru war wider Erwarten problemlos und wir wurden nicht wie andere Radler zuvor wegen falsch ausgefüllten Formularen und nicht vorhandener Fahrrad-Unfallversicherung schikaniert.

DSC_2123Während jedoch Ecuador eine recht gute Open Street Map Abdeckung hat und somit die Distanzen zwischen den Orten recht gut planbar sind und mit bikemap.net auch ganz brauchbare Höhenprofile erstellbar sind, endet die Abdeckung an der Grenze von Peru abrupt. Nachdem auch die konventionellen Landkarten von Peru nicht sehr zuverlässig sind erwarteten wir, am ersten Tag bereits San Ignacio zu erreichen, was sich als Fehleinschätzung herausstellte. Wir suchten daher lange nach einem Zeltplatz und fragten schließlich in Sector Mexico – einem winzigen 50 Einwohner Ort an der Straße, ob es irgendwo einen ebenen Platz zum Zelten gäbe. Der Dorfchef bot uns den Volleyballplatz an, den wir etwas zögernd annahmen, da wir uns schon seit Kilometern auf einer Steigung entlang eines steilen Hanges hinaufgearbeitet hatten und kein einziger flacher Zeltplatz in Aussicht war.

IMG_5588Es dauerte nicht lang bis zumindest die Hälfte der Dorfbewohner um uns versammelt war und uns völlig ungeniert bei der Zubereitung des Abendessens beobachtete. Einige der Männer tratschten recht nett mit uns doch der Großteil der Leute Stand einfach nur um uns herum und starrte uns an. Besondere Aufmerksamkeit erweckte neben den voll bepackten Rädern unser Benzinkocher. Die Leute im Dorf kochen nämlich auf Holzfeuer wurde uns gesagt.

Irgendwie dürften wir drei Gringos den Dorfbewohnern aber sympathisch gewesen sein, denn wir bekamen von zwei Familien Kochbananen geschenkt und der Dorfchef scherzte, er müsse jetzt die Damen holen, damit sie lernen wie man Spaghetti mit Tomatensauce kocht.

IMG_5591Als wir nach dem Essen endlich begannen unsere Zelte aufzustellen bot uns eine Familie an, doch in ihrem Haus zu schlafen, was wir danken annahmen da uns der Zeltplatz am Volleyballplatz direkt an der Straße ohnehin etwas sehr exponiert erschien.

Im Haus, wo wir im Erdgeschoß am Boden schlafen durften hörte die Beobachtung natürlich nicht auf und die gesamte Familie stand um uns herum als wir unsere Isomatten auflegten, Schlafsäcke ausrollten und uns die Zähne putzten – ein eigenartiges Gefühl, ständig so angestarrt zu werden ohne, dass jedoch jemand versucht ein Gespräch zu beginnen. Ein anderer Reiseradler hat das ganz treffend formuliert: „Welcome to Peru, where YOU are the main spectacle wherever you go.“

Nachdem wir uns mitsamt Radgewand ins Bett gelegt hatten beschlossen endlich auch die Beobachter, dass es wohl Zeit wäre, uns allein zu lassen und kletterten in den ersten Stock hinauf, was uns endlich die Gelegenheit gab, ins Schlafgewand zu wechseln und es uns bequem zu machen.

IMG_5601Die Entscheidung, im Haus zu übernachten stellte sich als sehr vorteilhaft heraus, da es bald darauf zu regnen begann und die ganze Nacht durchregnete. Am Morgen kamen wir doch noch ein wenig ins Gespräch mit dem jungen Kaffeebauern, der uns eingeladen hatte. Wir tratschten ein wenig über unsere Reise und seine Plantage und fanden heraus, dass er mit seinen zwei Hektar Land einen Verdienst von ca. 1600 € im Jahr erwirtschaftet, was ihn anscheinend zu einem der reicheren Dorfbewohner macht, der sich zumindest ein Motorrad und eines der wenigen 2-stöckigen Adobe Häuser leisten kann.

DSC_2232Nachdem wir schon seit Cuenca ohne Pausentag unterwegs waren beschlossen wir einen kurzen Tag bis San Ignacio einzulegen, das angeblich nur mehr zwischen 20 und 40 Autominuten entfernt war. Die zuvor steinhart festgefahrene Piste nach San Ignacio hatte sich allerdings über Nacht in ein tiefes Schlammband verwandelt und so schafften wir nur mit Hilfe von zwei Peruanern, die uns sehr hilfsbereit beim Schieben der Räder unterstützten die ersten 2,7 km bis zum Ende der Steigung in etwas mehr als einer Stunde.

DSC_2242Nachdem auch in dem kleinen Ort am Berg keine Besserung der Fahrbahnverhältnisse in Sicht war banden wir Manus und mein Rad an das Motorrad der Peruaner und ließen uns bis über den nächsten Hügel abschleppen da der Matsch vor allem die Hinterräder komplett verklebte und zum Blockieren brachte – ein echtes Abenteuer.

Die beiden Peruaner waren zusammen mit Fabian aus Bucaramanga, Kolumbien bisher vielleicht die hilfsbereitesten Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben und opferten ohne zögern fast zwei Stunden ihrer Zeit um uns aus dem Schlamm zu ziehen.

San Ignacio erreichten wir am frühen Nachmittag, und verbrachten erst mal pro Rad ca. eine halbe Stunde mit der Reinigung in der Autowäscherei – 2 Soles (0,5€) pro Person.

DSC_2311Auf der Strecke nach Bagua Grande trafen wir drei französische Radler, die eine dreijährige Weltumrundung geplant hatten und uns aus Buenos Aires entgegenkamen (www.zarmablog.blogspot.com)

In Bagua Grande legten wir unseren ersten vollen Pausentag seit Cuenca ein, genossen gutes chinesisches Essen und freuten uns, wieder einmal ein Internetcafé zu finden.

DSC_2658Nach zwei weiteren Tagen erreichten wir Tingo, wo wir die Ruinen der Chachapoyas Kultur in Kuelap besuchen wollten, handelten uns aber wahrscheinlich mit den (ausgezeichnet schmeckenden) Forellen, die wir zum Abendessen bekamen unseren ersten peruanischen Durchfall ein, der uns für den nächsten Tag lahm legte. DSC_2866Während Manu am zweiten Tag in Tingo noch nicht ganz fit war besuchte ich mit Paul die Ruinen und hatte Gelegenheit zahlreiche weitere HDR Panoramas zu schießen.

Tags darauf machten wir uns auf nach Leymebamba und obwohl ich mich zuvor in Tingo schon wieder sehr gut gefühlt hatte meldeten sich die Verdauungsprobleme beim Fahren wieder zurück. Paul beschloss, mit uns hier einen Pausentag einzulegen, wird aber wahrscheinlich morgen ohne uns weiterfahren da ich nach dem Pausentag noch immer nicht ganz fit bin.                                    

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