Copacabana, Bolivien bis Ollague, Chile 4.1.2011 bis 19.1.2011

Lago TiticacaUnsere erste Nacht in Copacabana verlieh uns zunächst einen völlig falschen Eindruck des neuen Landes – Die Straße ist von der peruanischen Grenze bis La Paz gut asphaltiert und der sehr touristische Ort Copacabana hat trotz seiner nur 6000 Einwohner sicher um die 50 HotelsCopacabana aufzuweisen, was uns die Auswahl einer Herberge aber nicht einfacher machte. Die Preise waren zwar generell noch niedriger als in Peru, dafür ließ aber auch die Qualität in den meisten Hotels zu wünschen übrig. Man merkt auch hier, dass Bolivien zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas zählt.Oft sind die Matratzen ziemlich durchgelegen und die Leintücher nicht gewaschen, was uns in Peru wesentlich seltener aufgefallen war.

Auch mit der Verständigung gab es von Anfang an Probleme: Haben sie nur im ersten Stock Zimmer oder auch im Erdgeschoß? – Das kommt darauf an. – Ok dann möchte ich bitte ein Zimmer im Erdgeschoß sehen. – Gibt es nicht.

Oder in Manus Fall: Haben sie Schokolade? – Nein, gibt es nicht. – Was ist das dort drüben? – Schokolade. – Ok, ein Stück bitte.

Während viele Leute in Peru auf alle Fragen mit „Si“ antworteten, z.B. Wo ist die Bäckerei? – Si., ist die Universalantwort in Bolivien „No.“ oder „No hay.“

Forellenzucht - Lago TiticacaVon Puno bis kurz vor La Paz fuhren wir ständig am Titicacasee entlang, konnten Flamingos und andere Wasservögel beobachten und wagten es auch einmal, eine Forelle aus dem See zu probieren, da uns zwei deutsche Radler, die wir kurz vor der bolivianischen Grenze getroffen hatten ein Restaurant in Huatajata empfohlen hatten. Obwohl aber der See teilweise sehr klares Wasser hat und die Forellenfarmen im tiefblauen Wasser an Fischfarmen im griechischen Meer erinnern schmeckten die Forellen eher wie Karpfen aus einem schlammigen Fischteich.

Die Einfahrt nach La Paz durch das 4100 m hoch gelegene El Alto war wesentlich weniger schlimm als wir befürchtet hatten. Zwar waren wir schon von mehreren Radlern vor der schmutzigen und verkehrsreichen Stadt vor den Toren La Paz‘ gewarnt worden, doch empfanden wir die Durchfahrt nicht als unangenehm und waren im Vergleich zu anderen Städten wie Juliaca in Peru oder San Pedro Sula in Honduras eher positiv überrascht.

DSC_7724La Paz selbst macht schon auf der Stadteinfahrt einen gewaltigen Eindruck. Von El Alto windet sich die Stadtautobahn in zahlreichen Kurven bis in die Innenstadt auf 3600 m, und von einem der höheren Aussichtspunkte konnten wir die gesamte Stadt mit den majestätischen Bergen der Cordillera Real im Hintergrund überblicken. Der 6088 m hohe vergletscherte Huayna Potosí fällt dabei besonders auf.

DSC_7830_1_2HDRI_EnhancerIn La Paz hatten wir eine längere Pause eingeplant um die Stadt zu besichtigen, den Reißverschluss unseres Zeltes austauschen zu lassen und einen Ausflug zum Refugio Chacaltaya zu unternehmen. Wir mieteten uns daher in einem schönen Hotel ein (Wir vermuteten, dass das das letzte Mal auf unserer Reise sein würde, dass wir uns besseres Hotel leisten können würden) und genossen die gute und günstige internationale Küche. Auf unseren Stadtwanderungen trafen wir zuerst Christian, den Besitzer der in letzter Zeit etwas in Verruf geratenen Casa de Ciclistas in La Paz, später Martin aus Schweden, mit dem wir in Puno Silvester gefeiert und die schwimmenden Inseln der Uros besucht hatten, die Schweizer Monika und Martin mit Tandem auf Weltreise, die wir allerdings nur anhand der Ortlieb Lenkertasche in einem Café als Radler identifizierten und schließlich noch die Schweizerinnen Fatima und Dea, die am Rad von Quito nach Buenos Aires unterwegs waren.

Huayna PotosiDer Ausflug zum Refugio Chacaltaya war eines der Highlights in La Paz. Von der ohnehin schon recht hoch gelegenen Stadt kann man hier per Rad auf ca. 5300 m hinauffahren und auf El Alto und La Paz hinunterschauen. Zudem gibt es dort oben eine Schihütte, die einige Jahre lang von einem Österreicher geführt wurde und ein Lifthäuschen vom ehemals höchsten Schigebiet der Welt, das allerdings schon lange nicht mehr in Betrieb ist. Seit 2009 ist auch der Gletscher auf dem sich die Piste befand völlig abgeschmolzen und nur eine Geröllhalde aus Schieferplatten übrig.

Die zwei Gipfel des Cerro Chacaltaya liegen laut GPS auf 5368 m und 5395 m und bieten nicht nur einen spektakulären Ausblick auf die Städte am Fuß des Berges sondern auch auf den benachbarten Gipfel des 6088 m hohen Huayna Potosí und den Titicacasee.

Als wir La Paz wieder verließen, ließen wir uns von Christian von der Casa de Ciclistas für einen kleinen Beitrag die 400 Höhenmeter nach El Alto im Kombi hinaufbringen da wir auf unserem Chacaltaya Ausflug schon einmal die Stadtausfahrt hinaufgefahren waren und keine Lust hatten die verkehrsreiche Strecke noch einmal zu fahren.

Kurz nach El Alto trafen wir wieder zwei Radler, diesmal Japaner, die gerade vorbeikamen als ich bei einem Schweißer meine Befestigungsschiene für den vorderen Kotflügel zum zweiten Mal reparieren ließ, nachdem die letzte Schweißnaht aus Andahuaylas, Peru die rasante 1800 m Abfahrt vom Refugio Chacaltaya auf grobem Schotter nicht überlebt hatte (wie auch die Jausenavocado, die sich in der Tasche durch die Rüttlerei verflüssigt, auf meinem Gewand verteilt und uns so zu einem zusätzlichen Pausen(Wasch)Tag in La Paz gezwungen hatte). Die beiden kamen von Alaska bzw. Lima und waren ebenfalls nach Ushuaia unterwegs.

Kurz nach Huari - ZeltplatzsucheDie weitere Strecke bis Huari über Oruro war asphaltiert und unspektakulär. In Huari bogen wir nach Westen Richtung Salinas Garci Mendoza ab um von dort den Salar de Uyuni zu überqueren. Die Straße, die laut Lateinamerika Bike Buch November 2009 auf den ersten 10 km asphaltiert und gerade in Bau sein sollte, war mittlerweile (über ein Jahr später) „schon“ 5 km weiter asphaltiert aber im weiteren Verlauf durch die Bauarbeiten ziemlich schlecht zu befahren.erstaunlich gut zu befahren Während zuhause bei Baustellen Wert darauf gelegt wird, dass Bauzeiten kurz bleiben und während der Arbeiten die Straße zumindest teilweise befahrbar bleibt, geht der Ansatz in Bolivien anscheinend eher dahin, die Straße nicht Stück für Stück fertigzustellen sondern die gesamte Strecke durchDSC_7526 edit Aufschütten von losem Schotter für möglichst lange Zeit unbefahrbar zu machen (vielleicht, damit niemand die Bauarbeiten stört?). Über hunderte km war die Straße auf halber Breite mit Schotterhaufen zugeschüttet, so dass nur eine geschotterte und unplanierte Fahrspur übrig blieb, die durch die Baustellenfahrzeuge in besten Washboard-Belag verwandelt worden war. Oft weicht der gesamte Verkehr auf diesen Strecken einfach in die Botanik eben der Straße aus, was auch für uns die beste Lösung war, wenn nicht gerade die Naturpiste durch tiefe Sandgruben führte.

MeteoriteneinschlagskraterWenigstens die Landschaft und Tierwelt war hier interessanter. Nahe Huari sahen wir zunächst große Llamaherden, später immer  mehr Vicuñas und Flamingos. Auch einen riesigen Meteoriteneinschlagskrater mit ca. einem Kilometer Durchmesser konnten wir bewundern bevor wir nach 2 Tagen endlich Salinas Garci Mendoza erreichten. Später sollte sich herausstellen,Vicuña dass das der letzte Ort auf unserer Reise durch Bolivien sein würde, in dem es frisches Obst und Gemüse zu kaufen gab.

Kurz nach Salinas biegt die Straße auf den nördlichen Zipfel des Salar de Uyuni ab, der hier allerdings nicht weiß sondern schlammig braun ist und verlässt diesen dann wieder, um über die östliche Flanke des Volcán Tunupa nach Jirira zu gelangen. AbendstimmungDie Straße nach Jirira schaffte es problemlos, sich an die Spitze unserer Wertung der schlechtesten Straßen unserer Reise zu setzen. Langen Sandgruben in denen wir die Räder nur schieben konnten folgte ein sehr steiler Anstieg auf grobem Geröll (kein Schotter mehr). Von dem kleinen Pass, den wir vor Jirira überquerten, konnten wir zum ersten Mal auf den endlosen Salar de Uyuni und die zahlreichen Jeep-Spuren hinausblicken, die von Jirira unter anderem nach Llica, zur Isla Incahuasi, und nach Uyuni führen.

die andere Straße ist natürlich wieder viel glatterDie ersten Kilometer am Salar brachten eine herbe Enttäuschung. Während wir eine gleißend weiße und relativ glatte Salzfläche erwartet hatten, ist die Oberfläche in dieser Gegend dunkelbraun und das Salz bricht in großen Platten auf, die sich an den Rändern aufwölben und alles andere als gut zu befahrenSalzblockproduktion sind. Auch auf der Jeep-Spur zur Isla Incahuasi sind die Bruchstellen der Salzplatten deutlich zu spüren. Erst nach 10-20 km wird die Oberfläche glatter und heller. Während allerdings am Anfang die meisten Jeep Fahrer schön in der Spur fahren, verlassen später immer mehr Spuren die Hauptstraße zur Isla Incahuasi und schließlich besteht nicht mehr viel Unterschied zwischen der „Straße“ und dem Rest des Sees. Zwischendurch verloren wir die Spur gänzlich, glücklicherweise aber erst als die Insel, die wir ansteuerten bereits am Horizont sichtbar war.

Die riesige Salzfläche ist zwar beeindruckend, jedoch ist das Radeln durchs weiße Nichts nur auf den ersten paar Kilometern interessant. Wir verbrachten eine Nacht auf der Insel im See und waren am nächsten Tag froh mit gutem Rückenwind die restlichen 50 km am Salz schnell hinter uns bringen zu können. Während der Salar größtenteils trocken war, wurde die Oberfläche im Süden zunehmend feuchter und unsere Räder wurden doch noch ziemlich salzig. Nicht überall ist der Salar gut zu befahrenDer Rand des Sees kurz vor Puerto Chuvica war wieder relativ trocken, dafür schieben sich 3-4 cm dicke Salzplatten auf der Oberfläche so übereinander, dass bis 15 cm hohe Grate entstehen, die einbrechen sobald man versucht darüber zu fahren. Wir hatten zwar GPS Koordinaten von der Auffahrt auf den See, hatten uns aber von den vielen Jeep-Spuren, die direkt ans Festland zu führen schienen verwirren lassen. Je näher wir zum Ufer kamen desto mehr verliefen sich die Spuren im Schlamm und schließlich mussten wir umkehren und wieder hinaus aufs glattere Salz. Etwas weiter südlich fanden wir später die aus Schotter aufgeschüttete Einfahrt auf den See auf der wir den Uferschlamm überwinden konnten.Washboard - ganz mies zu fahren, aber weit verbreitet in Bolivien Die Freude, die 10582 km² große und eintönige Salzwüste hinter uns zu haben hielt allerdings nur kurz an. Die Ersten 10 km der Straße am Festland lösten problemlos die Straße nach Jirira nach nur zwei Tagen an der Spitze unserer schlechte-Straßen-Wertung wieder ab. Die Washboard Rillen waren hier über die gesamte Straßenbreite ca. 10-15 cm tief und hatten einen Abstand von 50-80 cm – das Schaukeln eines Kamels ist angenehm dagegen. 5-6 km/h Spitzengeschwindigkeit, ab und zu ein kurzes Sandloch, in dem man nur schieben kann und am Ende des Tages noch ein steiler Hang ohne Serpentinen, dafür mit Gegenwind machte uns klar, warum alle Radler die südbolivianischen Straßen so sehr mögen. Kolcha K, wo wir die Nacht verbrachten hatte dafür die letzte nette Unterkunft und definitiv die beste heiße Dusche in Bolivien aufzuweisen (und das alles für 25 Bolivianos – 2,5€).

Es geht immer noch schlimmerEtwas südlich von Kolcha K in Mañica standen wir vor der Wahl, die direkte Straße nach San Juan über einen Hügel zu nehmen oder eine Bergkette zu umfahren, von der wir nicht wussten, wie lang sie sein würde. Zumal auch die „Hauptstraße“ um den Berg herum sehr mies war und uns ein Einheimischer sagte, dass die Straße über den Berg gut und wesentlich kürzer sei, nahmen wir die 150 Höhenmeter Steigung in Kauf und lösten somit wieder mal die bisher schlechteste Straße von ihrer Spitzenplatzierung ab. Rampen mit Anstiegen wie in San Francisco aber mit groben Felsbrocken statt Asphalt zwangen auch mich einige Male zum Schieben, was bisher nur im Schlamm von Utah und Nordperu, auf der Auffahrt zur Casa de Ciclistas in San Agustin und im Sand der letzten paar Tage passiert war.

In San Juan stockten wir ein letztes Mal in Bolivien unsere Lebensmittelvorräte etwas auf und verließen den Ort mangels Anwesenheit befragbarer Einheimischer auf der falschen Straße, da wir vermuteten, die am besten ausgebaute Fahrbahn würde wahrscheinlich zur nahen chilenischen Grenze führen. Nach ca. 15 km konnten wir endlich einen Mopedfahrer aufhalten und erfuhren, dass wir unterwegs nach San Pedro waren, statt wie geplant nach Avaroa.

Der Mopedfahrer wollte uns zwar nach San Juan zurückschicken, doch auf unserer Google-Terrain GPS Karte (auf der die Straße auf der wir uns befanden natürlich nicht eingezeichnet war) war etwa 5 km weiter in unserer Fahrtrichtung eine Straße zum Salar de Chiguana und von dort nach Chile eingezeichnet, die wir theoretisch erreichen sollten, wenn wir unsere Fahrtrichtung beibehielten. Tatsächlich kamen wir etwas später an einen Kreuzung, die sogar mit Wegweisern ausgestattet war und Avaroa mit 50 km Entfernung angab, was uns zum Nachdenken brachte, denn nach dieser Angabe wäre unser Umweg kürzer als die direkte Strecke nach Chile gewesen. Ein Blick aufs GPS zeigte uns Avaroa mit 52 km Luftlinie an. Die einzige Entfernungsangabe seit Oruro schien also auch nur eine (schlechte) Schätzung zu sein.

Die nächste Überraschung erwartete uns am Abend – Seit Ecuador hatten wir gesehen, dass an Tankstellen Benzin oft in PET-Getränkeflaschen abgefüllt wurde und nachdem wir nicht wussten, wo wir die nächste Tankstelle finden würden hatten wir in Challapata, kurz vor Huari einen Liter Reservebenzin in einer Cola-Flasche mitgenommen. Wir bemerkten zwar, dass sich die Dichtung in der Verschlusskappe aufgelöst hatte, rechneten aber nicht damit, dass das dünne Plastikplättchen verteilt auf einen Liter Benzin große Probleme machen würde. Die Champignonsauce ließ sich auch noch relativ problemlos zubereiten, doch die Nudeln dazu waren trotz verzweifelter Versuche nicht mehr weichzukochen. Zum Abendessen und Frühstück gab‘s deshalb Salzcracker mit Champignonsauce und die wenigen Kekse, die wir noch hatten. wieder bessere Straßen am Weg nach AvaroaErst zum Mittagessen am nächsten Tag konnten wir und wieder richtig sattessen, nachdem wir von einem Motorradler etwas Benzin bekommen hatten. Obwohl wir nur mehr 20 km zur chilenischen Grenze zu fahren hatten wurde dieser Tag noch zum anstrengendsten unserer Reise, was sicher mit den beiden ausgefallenen Mahlzeiten zu tun hatte. Nach dem Mittagessen setzte ein starker Westwind ein, der unsere Spitzengeschwindigkeit auf 4-5 km/h reduzierte und uns alle paar hundert Meter zum Stehenbleiben zwang. Manu legte die letzten 2,5 km vor Avaroa in ca. 45 Minuten zurück. Ich war etwas voraus und kaufte inzwischen den Keks-Vorrat des einzigen Lebensmittelgeschäftes in der Grenzstadt auf. Obwohl wir am frühen Nachmittag von unserer Mittgaspause aufgebrochen waren und eigentlich gedacht hatten, noch leicht innerhalb der Öffnungszeiten über die chilenische Grenze zu kommen waren wir froh, noch in Avaroa eine Unterkunft zu finden und uns ausruhen zu können. Selbst zum Kochen waren wir zu müde und beschränkten uns auf mehrere Packungen Kekse.        

1 Responses to “Copacabana, Bolivien bis Ollague, Chile 4.1.2011 bis 19.1.2011”


  • Hi,

    ich will im November auch gerne die Salar de Uyuni in Agriff nehmen.

    Ihr scheint ja recht wenig von angetan zu sein. Wie kommt’s?

    Wann genau seit Ihr geradelt? Ich würde im November da sein und bin mir nicht sicher, ob es vom Wetter her nicht bereits zu spät dafür ist (Regenzeit beginnt im November).

    Any ideas?

    Carl

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