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Bogotá, Kolumbien bis Leymebamba, Peru – 3.8.10 bis 18.10.10

Bogotá La Candelaria An den letzten Tagen In Bogotá fanden wir glücklicherweise doch noch die Kraft, uns La Candelaria, die Altstadt von Bogotá ein wenig anzuschauen. Bisher hatten wir ja mehr oder weniger nur die Strecke zwischen Hotel Zaragoza und der Ärztin weiter im Norden von Bogotá und das dort befindliche Unicentro – ein modernes Einkaufszentrum in dem das Sicherheitspersonal auf Segways durch die Gänge fährt, gesehen.

Bogotá La CandelariaLa Candelaria gefiel uns sehr – wieder einmal freuten wir uns über alte koloniale Gebäude, die diesmal, wie es sich für eine Hauptstadt gehört, deutlich größer waren als in Cartagena oder Mompos. Mit Mexico City kann die Stadt zwar nicht ganz mithalten, doch einen Besuch ist sie allemal wert.

Von Bogota machten wir uns noch immer recht geschwächt nach 11 Tagen Pause auf nach La Mesa und weiter nach Girardot und waren anfangs froh, wieder einmal unter 2000 m Höhe zu kommen, denn gerade auf der westlichen Ausfahrt, die uns zuerst auf 2800 m hinauf brachte und dann im dichten Nebel über viele Kilometer ins Tal nach La Mesa führte war kälter als uns lieb war.

Rio MagdalenaAb Girardot kamen wir dafür wieder ins Schwitzen, da wir von dort aus wieder dem Magdalena Tal, das dort auf ca. 300 m Höhe liegt, folgten. Über Natagaima und Neiva kamen wir schließlich über zuerst relativ flache und unspektakuläre Strecke wieder in die Berge nach Gigante und Altamira, wo wir auch wieder mit ganz ordentlichen und teilweise unerwarteten Steigungen zu kämpfen hatten, wo aber dafür das Radeln wieder deutlich mehr Spaß machte als im flachen Magdalenatal.

Eine Entdeckung im Magdalenatal sollte sich allerdings als sehr wichtig herausstellen. Bisher hatten wir zu Mittag immer nur Brot mit verschiedenem Dosenfutter, wie Bohnen oder Thunfisch, Marmelade und Früchten gegessen und waren damit nicht wirklich glücklich, da das Brot in Kolumbien wie im Rest vom bisher bereisten Amerika mit Ausnahme vielleicht vom Sour Dough Bread in der San Francisco Bay Area und den Bolillos in Mexiko den Namen Brot nicht verdient. Nachdem wir also das Brot endgültig satt hatten und das Reisen nicht so viel Spaß macht wenn man nichts gescheites zu Essen bekommt probierten wir in Aipe zum ersten Mal, in einem Restaurant zu Mittag zu essen und waren sehr erstaunt, dass wir für 4000 Pesos Suppe, eine ausgezeichnete Hauptspeise und Fruchtsaft mit free refill bekamen. Wir hatten in Mexico einige Male zu Mittag Tacos oder Quesadillas gegessen, waren jedoch schnell zum Entschluss gekommen, dass wir um wirklich satt zu werden zu viel Geld hätten ausgeben müssen und waren schnell wieder auf Bolillos mit selbstgemachter Guacamole, Käse, Gemüse usw. umgestiegen.

Die Entdeckung dass in Kolumbien gutes und ausreichendes Mittagessen (Almuerzo) um ca. zwei € pro Person zu bekommen ist, war also sehr willkommen und wir verzichteten von da an vollständig auf das unnötige Brot und die teuren Konserven.

Casa de Ciclistas San AgustinVon Almirante ging es in einem anstrengenden Tag weiter nach San Agustín, wo wir in der Casa de Ciclistas von Igel und Paola bereits erwartet wurden.

Zufällig war auch Nelson, den wir zuletzt in San Gil gesehen hatten, dort am gleichen Tag eingetroffen und drei andere Radler – Deborah aus der Schweiz, die wir bereits in Cartagena gesehen hatten sowie Paula und Alejandro aus Argentinien (http://www.flickr.com/photos/bicijeando/) waren schon länger zu Gast.

endlich fertigIgel und Paola, die aus Deutschland schon 2001 auf ihre Radreise aufgebrochen waren hatten sich nach ca. 45000 km am Rad in Kolumbien niedergelassen und die Finca la Campesina gekauft, die seither allen Radreisenden als Casa de Ciclistas nach dem berühmten Vorbild der seit 25 Jahren bestehenden Casa de Ciclistas von Lucho in Trujillo, Peru zur Verfügung steht.

Wir genossen nach den anstrengenden Tagen zuvor einige radfreie Tage mit den anderen Radlern, ausgezeichnetem Frühstück, und noch besserer hausgemachter Pizza.

San Agustín Parque ArqueologicoNeben den nötigen Wartungsarbeiten an den Rädern (Bremsen entlüften und Laufräder zentrieren) besuchten wir auch den beeindruckenden Parque arqueológico in San Agustín mit seinen zahlreichen Steinfiguren von einer Kultur, über die so gut wie nichts bekannt ist.

AbschiedNach vier Tagen brachen wir gemeinsam mit den 4 anderen Radlern zur Weiterreise auf, trennten uns allerdings bald wieder, da die anderen über Mocoa und Sibundoy nach Pasto weiterfuhren, während wir den Weg über Isnos, Coconuco und Popayan wählten. Auf der wunderschönen aber anstrengenden Schotterstraße nach Coconuco brachen wir erneut in Kolumbien unseren Höhenrekord und überquerten einen 3202 m hohen Pass.

Von Coconuco fuhren wir direkt nach Rosas, ohne uns in Popayan, das allerdings recht schön zu sein scheint, lange aufzuhalten.

PopayanIn Rosas mussten wir leider schon wieder eine Zwangspause einlegen, da wohl eines der Almuerzos doch nicht so gut gewesen war und mir wieder einmal für zwei Tage die Verdauung durcheinanderbrachte. Zudem hatte ich im Hotelzimmer in Coconuco mein Regengewand liegen lassen, dessen Wiederbeschaffung zwei vierstündige Busreisen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen erforderte, da niemand wusste, wo die Putzfrau, die es gefunden hatte, es verstaut hatte.

Für die folgende anstrengende Strecke nach Pasto benötigten wir vier Tage, durchquerten dabei das angeblich heißeste Gebiet Kolumbiens zwischen Rosas und Remolino, bevor wir uns anschließend wieder auf 2800 m Höhe nach Pasto hinauf kämpften. Die beißenden Sandfliegen, deren Bisse viel länger und schlimmer jucken als jeder Gelsenstich, machten uns hier das Leben etwas schwer und waren oft zahlreicher als in Kanada. Die Landschaft war dafür umso atemberaubender, wenn auch die dunstige Luft leider keine wirklich guten Fotos zuließ.

In Pasto kamen wir im Koala Inn unter, wo wenige Wochen zuvor auch Paul (www.panamericantour.net) und vor ihm die Riding the Spine Leute (www.ridingthespine.com) übernachtet hatten und gönnten uns gleich zwei Pausentage, da das drahtlose Internet schnell und das Essen in der Stadt gut waren.

Auf der Strecke nach Ipiales übernachteten wir in Funes und trafen Pete aus England, den ersten Radler, der uns aus Ushuaia entgegenkam (http://peterhubbard.blogspot.com).

Kurz nach Ipiales überquerten wir die Grenze zu Ecuador, dem 11. Land unserer Reise. Von Anfang an waren wir begeistert von der schönen Bergwelt und genossen das gute Wetter, den Ausblick auf mächtige Vulkane und die gut ausgebauten Straßen. Die Panamerikana ist im Norden Ecuadors glücklicherweise nicht allzu stark befahren und auch die angeblich so steilen Hügel hielten sich in Grenzen und waren größtenteils sogar am mittleren Kettenblatt zu befahren.

Nach zwei Tagen in Ecuador erreichten wir Otavalo mit seinem bekannten Kunstmarkt, wo wir uns Alpacadecken und Handschuhe, die wir wahrscheinlich in Bolivien brauchen werden, kauften.

Rund um den Volcán Imbabura, quasi den Hausberg von Ibarra und Otavalo mit 4609 m Höhe fuhren wir nach halbtägiger Pause in Otavalo weiter nach Cayambe am gleichnamigen Volcán Cayambe, der angeblich, obwohl er „nur“ 5790 m hoch ist, die höchste Erhebung vom Erdmittelpunkt gemessen ist, da er ziemlich genau am Äquator steht und die Erde ja an den Polen abgeflacht ist.

Am Tag darauf überquerten wir den Äquator zwischen Cayambe und Tumbaco, wo an der Straße natürlich auch eines der zahlreichen „Mitad del Mundo“ Monumente aufgebaut wurde. Die Linie, die auf der großen Sonnenuhr den Äquator markieren soll liegt zwar laut meinem GPS ca. 1,5 m nördlich vom echten Äquator, wobei das natürlich auch an der Messungenauigkeit des GPS liegen könnte, doch das braucht ja niemand zu wissen, der sich unsere Fotos, auf denen wir mit einem Bein auf der Nord- und mit dem anderen auf der Südhalbkugel stehen, ansieht ;-) .

In der Casa de Ciclistas in Tumbaco wurden wir von Santiago und seiner Familie sehr freundlich aufgenommen und begannen auch gleich am nächsten Tag mit der Suche nach einer günstigen Tour auf die Galapagos Inseln.

Die Reisebüros in Quito konnten uns zwar nicht wirklich weiterhelfen, da die Preise, die wir genannt bekamen alle viel zu hoch waren, doch bekamen wir zumindest einen ganz guten Überblick über die verfügbaren Boote. Wir beschlossen, unser Glück direkt auf Santa Cruz in Puerto Ayora zu versuchen und buchten auch gleich für den nächsten Tag einen Flug dorthin.

Die Räder und unser Gepäck konnten wir problemlos bei Santiago in Tumbaco unterbringen und fanden auf Galapagos nach problemloser Anreise auch gleich am ersten Tag bei Joybe Tours ein Boot, das uns zusagte um immerhin 380 $ weniger pro Person als das gleiche Boot bei Buchung in Quito gekostet hätte. Die 4 Tage Wartezeit bis das Boot abfuhr hatten wir einkalkuliert und wollten sie mit Tauchen verbringen. Wir klapperten daher alle Tauchbasen in Puerto Ayora ab, verglichen Preise und Ausrüstung und wurden schnell bei Scuba Macarron fündig. Schon nach dem ersten Tauchgang stellte sich allerdings heraus, dass das Tauchen nicht wirklich so war, wie wir uns es von einer der angeblich weltweit besten Tauchdestinationen erwartet hatten. Die Sicht war mit ca. 10 bis maximal 15 m eher bescheiden und die Anzüge, die natürlich nicht so gut passten wie unsere eigenen machten die Sache zu einem sehr kalten Erlebnis. Da half leider auch der zusätzliche Shorty nichts, den wir unter den 7 mm Neoprenanzügen trugen. Schon beim zweiten Tauchgang überlegten wir, ob wir überhaupt noch einmal am gleichen Tag ins Wasser wollten. Glücklicherweise fand sich aber noch ein zweiter 7 mm Anzug, den ich unter dem anderen tragen konnte, was den Tauchgang erträglich, wenn auch nicht gerade komfortabel machte, da 14 mm Neopren doch ziemlich einengen.

Nach dem zweiten Tauchtag beschlossen wir, das Tauchen bleiben zu lassen, da es uns durch die Kälte einfach keinen Spaß mehr machte. Wir hatten zwar auf den 4 Tauchgängen die wir mitgemacht hatten einige seltene Tiere, wie Hammerhaie, Mantas und Seelöwen gesehen, doch alles in allem war das Tauchen durch Kälte und schlechte Sicht eher enttäuschend.

Die achttägige Bootstour auf der „Guantanamera“ stellte dafür alle unsere Erwartungen in den Schatten.

Die Tierwelt auf den Galapagos Inseln ist tatsächlich atemberaubend und besonders der Umstand, dass es keine größeren Raubtiere auf den Inseln gibt, wodurch alle anderen Tiere quasi völlig furchtlos vor Menschen sind, ist sehr interessant.

Jede Insel hat ihre eigene Population an Riesenschildkröten, die sich durch die lange Isolation in verschiedene Unterarten mit sehr unterschiedlichen Panzerformen entwickelt haben. Zudem nisten je nach Insel ganz unterschiedliche Seevögel auf den Felsen und teilweise sogar auf den Wanderwegen, die einen ohne weiteres bis auf einen halben Meter an sich herankommen lassen bevor sie beginnen, anstatt wegzufliegen, ihr Territorium durch Schnabelhacken zu verteidigen.

Beim Schnorcheln konnten wir neben unzähligen Schildkröten auch junge Seelöwen beobachten, die offenbar großen Spaß daran hatten, mit uns im Wasser zu spielen, uns zu verfolgen und uns zu umkreisen – ganz anders als an Land, wo die Ausgewachsenen Exemplare größtenteils Bewegungslos im Sand liegen und bestenfalls ein Auge öffnen wenn sie bemerken, dass man sich ihnen nähert, während die Jungen meistens damit beschäftigt zu sein scheinen, die richtige Mutter für einen Schluck Milch zu finden.

In seltenen Fällen können die Großen Seelöwen wenn sie sich beim Sonnenbad am Bootsanlegesteg gestört fühlen allerdings auch ziemlich aggressiv werden und schnappen dann zur Belustigung aller anderen Touristen zum Beispiel nach Manu die ihnen anscheinend nicht weit genug ausgewichen war.

Die Tiere die uns auf den Inseln am besten gefielen waren wohl die Blue Footed Boobies mit ihrem witzigen Paarungstanz, Die Pelikane und die Seelöwen.

Zur Krönung sahen wir zum Abschluss der Kreuzfahrt noch einige Buckelwale nahe am Boot vorbeiziehen und verfolgten sie einige Minuten mit den Beibooten. Das Kalb sprang einige Male wie, um sein Talent zu beweisen, hoch aus dem Wasser bevor den Walen offenbar die Verfolgung lästig wurde und sie davon schwammen.

Zurück in Puerto Ayora konnten wir problemlos unseren Rückflug um einige Tage vorverschieben und flogen so schon am letzten Tag der Tour nach dem Besuch der Darwin Research Station zurück nach Quito.

In Tumbaco trafen wir dann unerwartet alle vier anderen Radler aus San Agustin sowie Kurt aus den USA und Clemente aus Belgien wieder. Full House mit acht Reisenden also in Tumbaco.

Nach zwei weiteren Tagen in Tumbaco brachen wir gemeinsam mit Nelson, Kurt und Clemente nach Süden auf, während Deborah, Paula und Alejandro noch in Tumbaco blieben.

Innerhalb von zwei Tagen erreichten wir Latacunga, wo, wie schon nach der letzten längeren Pause in Costa Rica Manus Knie (diesmal das linke) zu schmerzen begann, wodurch wir einen weiteren Pausentag einlegen mussten.

Die Strecke auf der Panamericana bis Riobamba war zwar bergig (neuer 3621 m Höhenrekord) aber landschaftlich nicht besonders interessant – vielleicht wär’s besser gewesen, wenn wir den Cotopaxi und den Chimborazo, die direkt an der Straße liegen, jedoch leider immer wolkenverhangen waren, gesehen hätten.

DSC_1773Ab Riobamba, wo anscheinend viel Verkehr Richtung Guayaquil abzweigt, wird die Panamerikana bis kurz vor Cuenca aber angenehm ruhig und verläuft durch grandiose Landschaft.

Leider machten die Berge auch hier wieder Manus Knie etwas zu schaffen und wir mussten vor Cañar einen Tag vorzeitig abbrechen und campen.

Als wir endlich nach Cuenca kamen trafen wir bei der Hotelsuche zum vierten Mal unerwartet auf Paul (Zur Erinnerung: Dawson City, Yukon; Stewart, British Columbia; Mojave Preserve, Kalifornien; Cuenca, Ecuador).

Paul entschied sich spontan, noch einen Tag länger in Cuenca zu bleiben und beschloss, gemeinsam mit uns weiterzufahren.

DSC_1867Wir hatten geplant die Strecke nach Loja in drei Tagen zu fahren, doch machten uns wieder einmal die Berge einen Strich durch die Rechnung. Wir hatten bis Kolumbien immer ziemlich genau einen Höhenmeterschnitt von 1000 hm pro 100 km. Seit wir die Anden in Kolumbien erreicht haben hat sich dieser Wert jedoch auf über 2000 hm auf 100 km mehr als verdoppelt.

DSC_1873Nachdem auf der Strecke nach Loja auch die Ortschaften mit Hotels relativ weit auseinander liegen campten wir wieder häufiger und hatten wieder mal Gelegenheit uns über das massive Kondenswasserproblem in unserem Hilleberg Nallo 2 GT zu ärgern.

Trotzdem genossen wir das campen nach so langer Zeit wieder, da in dem dünn besiedelten Gebiet auch leicht gute Zeltplätze zu finden waren.

DSC_1919 editNachdem es zu regnen begann als wir zum Mittagessen in Loja ankamen beschlossen wir in Loja zu bleiben und dafür den geplanten Pausentag in Vilcabamba auf einen halben Tag zu verkürzen.

In Vilcabamba trafen wir Björn aus Deutschland (http://www.panomoto.com), DSC_2003der seine Motorradweltreise mit seinen Fotos finanziert und mich auf die Idee brachte, auch mehr Panoramafotos zu schießen. Paul hatte mir schon zuvor einige seiner HDR Fotos gezeigt und so begann ich wenige Kilometer nach Vilcabamba damit, HDR Panoramafotos zu machen, die mir momentan sehr gefallen. Ich hoffe, dass ich bald einen passenden Weg finde, die Fotos auch auf der Website zu integrieren, was allerdings eine Umprogrammierung der Galerie-Templates nötig macht und daher etwas dauern könnte.

DSC_2046Die Strecke von Vilcabamba bis zur Grenze von Peru ist Großteils unasphaltiert und war durch die vielen extremen Steigungen und die teilweise hohen Temperaturen eine der bisher anstrengendsten der gesamten Reise und die erste, auf der Manu ihr Rad mehrmals schieben musste.

DSC_2069Auch hier gibt es wenige Unterkünfte, die wir nicht immer erreichten, wodurch wir öfter campen mussten auch wenn uns oft ein Hotel mit Dusche viel lieber gewesen wäre.

Der Grenzübertritt nach Peru war wider Erwarten problemlos und wir wurden nicht wie andere Radler zuvor wegen falsch ausgefüllten Formularen und nicht vorhandener Fahrrad-Unfallversicherung schikaniert.

DSC_2123Während jedoch Ecuador eine recht gute Open Street Map Abdeckung hat und somit die Distanzen zwischen den Orten recht gut planbar sind und mit bikemap.net auch ganz brauchbare Höhenprofile erstellbar sind, endet die Abdeckung an der Grenze von Peru abrupt. Nachdem auch die konventionellen Landkarten von Peru nicht sehr zuverlässig sind erwarteten wir, am ersten Tag bereits San Ignacio zu erreichen, was sich als Fehleinschätzung herausstellte. Wir suchten daher lange nach einem Zeltplatz und fragten schließlich in Sector Mexico – einem winzigen 50 Einwohner Ort an der Straße, ob es irgendwo einen ebenen Platz zum Zelten gäbe. Der Dorfchef bot uns den Volleyballplatz an, den wir etwas zögernd annahmen, da wir uns schon seit Kilometern auf einer Steigung entlang eines steilen Hanges hinaufgearbeitet hatten und kein einziger flacher Zeltplatz in Aussicht war.

IMG_5588Es dauerte nicht lang bis zumindest die Hälfte der Dorfbewohner um uns versammelt war und uns völlig ungeniert bei der Zubereitung des Abendessens beobachtete. Einige der Männer tratschten recht nett mit uns doch der Großteil der Leute Stand einfach nur um uns herum und starrte uns an. Besondere Aufmerksamkeit erweckte neben den voll bepackten Rädern unser Benzinkocher. Die Leute im Dorf kochen nämlich auf Holzfeuer wurde uns gesagt.

Irgendwie dürften wir drei Gringos den Dorfbewohnern aber sympathisch gewesen sein, denn wir bekamen von zwei Familien Kochbananen geschenkt und der Dorfchef scherzte, er müsse jetzt die Damen holen, damit sie lernen wie man Spaghetti mit Tomatensauce kocht.

IMG_5591Als wir nach dem Essen endlich begannen unsere Zelte aufzustellen bot uns eine Familie an, doch in ihrem Haus zu schlafen, was wir danken annahmen da uns der Zeltplatz am Volleyballplatz direkt an der Straße ohnehin etwas sehr exponiert erschien.

Im Haus, wo wir im Erdgeschoß am Boden schlafen durften hörte die Beobachtung natürlich nicht auf und die gesamte Familie stand um uns herum als wir unsere Isomatten auflegten, Schlafsäcke ausrollten und uns die Zähne putzten – ein eigenartiges Gefühl, ständig so angestarrt zu werden ohne, dass jedoch jemand versucht ein Gespräch zu beginnen. Ein anderer Reiseradler hat das ganz treffend formuliert: „Welcome to Peru, where YOU are the main spectacle wherever you go.“

Nachdem wir uns mitsamt Radgewand ins Bett gelegt hatten beschlossen endlich auch die Beobachter, dass es wohl Zeit wäre, uns allein zu lassen und kletterten in den ersten Stock hinauf, was uns endlich die Gelegenheit gab, ins Schlafgewand zu wechseln und es uns bequem zu machen.

IMG_5601Die Entscheidung, im Haus zu übernachten stellte sich als sehr vorteilhaft heraus, da es bald darauf zu regnen begann und die ganze Nacht durchregnete. Am Morgen kamen wir doch noch ein wenig ins Gespräch mit dem jungen Kaffeebauern, der uns eingeladen hatte. Wir tratschten ein wenig über unsere Reise und seine Plantage und fanden heraus, dass er mit seinen zwei Hektar Land einen Verdienst von ca. 1600 € im Jahr erwirtschaftet, was ihn anscheinend zu einem der reicheren Dorfbewohner macht, der sich zumindest ein Motorrad und eines der wenigen 2-stöckigen Adobe Häuser leisten kann.

DSC_2232Nachdem wir schon seit Cuenca ohne Pausentag unterwegs waren beschlossen wir einen kurzen Tag bis San Ignacio einzulegen, das angeblich nur mehr zwischen 20 und 40 Autominuten entfernt war. Die zuvor steinhart festgefahrene Piste nach San Ignacio hatte sich allerdings über Nacht in ein tiefes Schlammband verwandelt und so schafften wir nur mit Hilfe von zwei Peruanern, die uns sehr hilfsbereit beim Schieben der Räder unterstützten die ersten 2,7 km bis zum Ende der Steigung in etwas mehr als einer Stunde.

DSC_2242Nachdem auch in dem kleinen Ort am Berg keine Besserung der Fahrbahnverhältnisse in Sicht war banden wir Manus und mein Rad an das Motorrad der Peruaner und ließen uns bis über den nächsten Hügel abschleppen da der Matsch vor allem die Hinterräder komplett verklebte und zum Blockieren brachte – ein echtes Abenteuer.

Die beiden Peruaner waren zusammen mit Fabian aus Bucaramanga, Kolumbien bisher vielleicht die hilfsbereitesten Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben und opferten ohne zögern fast zwei Stunden ihrer Zeit um uns aus dem Schlamm zu ziehen.

San Ignacio erreichten wir am frühen Nachmittag, und verbrachten erst mal pro Rad ca. eine halbe Stunde mit der Reinigung in der Autowäscherei – 2 Soles (0,5€) pro Person.

DSC_2311Auf der Strecke nach Bagua Grande trafen wir drei französische Radler, die eine dreijährige Weltumrundung geplant hatten und uns aus Buenos Aires entgegenkamen (www.zarmablog.blogspot.com)

In Bagua Grande legten wir unseren ersten vollen Pausentag seit Cuenca ein, genossen gutes chinesisches Essen und freuten uns, wieder einmal ein Internetcafé zu finden.

DSC_2658Nach zwei weiteren Tagen erreichten wir Tingo, wo wir die Ruinen der Chachapoyas Kultur in Kuelap besuchen wollten, handelten uns aber wahrscheinlich mit den (ausgezeichnet schmeckenden) Forellen, die wir zum Abendessen bekamen unseren ersten peruanischen Durchfall ein, der uns für den nächsten Tag lahm legte. DSC_2866Während Manu am zweiten Tag in Tingo noch nicht ganz fit war besuchte ich mit Paul die Ruinen und hatte Gelegenheit zahlreiche weitere HDR Panoramas zu schießen.

Tags darauf machten wir uns auf nach Leymebamba und obwohl ich mich zuvor in Tingo schon wieder sehr gut gefühlt hatte meldeten sich die Verdauungsprobleme beim Fahren wieder zurück. Paul beschloss, mit uns hier einen Pausentag einzulegen, wird aber wahrscheinlich morgen ohne uns weiterfahren da ich nach dem Pausentag noch immer nicht ganz fit bin.                                    

Neue Fotos online

Die Fotos von Rosas, Kolumbien bis Tumbaco, Ecuador sowie von den Galapagos Inseln sind nun online. Viel Spaß!     -   Galerie

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Die Fotos von Costa Rica ab Heredia, Panama und Kolumbien bis Zipaquira sind ab sofort online: Galerie

20000 km

DSC_46388.5.10 – genau 11 Monate nachdem wir in Wien aufgebrochen sind erreichten wir auf der Umrundung des Volcan Concepción auf der Isla de Ometepe in Nicaragua nach insgesamt 1246 h Fahrzeit und 7 Ländern die 20000 km Marke – ein Grund zu feiern!

DSC_4652Auf Ometepe gibt’s zwar günstige Cocktails aber wir wollen zum 20000er auch wieder mal gut Fisch essen gehen – und da gibt’s auf Ometepe, das ja im größten See Mittelamerikas – dem Lago de Nicaragua – liegt hauptsächlich Seefisch.  DSC_4739 Deswegen warteten wir mit dem Essen noch einen Tag und radelten zum Pazifik nach Playa Gigante, wo es nun die verdiente Fischplatte am einsamen Sandstrand gibt.

Chiapa de Corzo (Mexiko) bis Danli (Honduras) – 13.3.2010 bis 30.4.2010

Die Steigung nach San Cristobal war wie erwartet hart, aber sehr gleichmäßig mit ca. 5% auf 42 km. 2200 Höhenmeter hatten wir erwartet, wurden aber durch das plötzliche Ende des Berges herb enttäuscht, da offenbar Google wiedermal nicht berücksichtigt hatte, dass die Autobahn durch einige Hügel gesprengt worden war. Daher gab’s auch keinen neuen Rekord sondern nur magere 1975 Höhenmeter und eine relativ frühe Ankunft in San Cristobal.

Im Backpackers Hostel dort trafen wir auch gleich Matt, mit dem wir schon einige Tage zuvor Emailkontakt aufgenommen hatten und verabredeten uns zum Erfahrungsaustausch für den Abend.

Matt war ebenfalls in Alaska gestartet und nach Feuerland unterwegs und wir hatten schon einige Male ganz nützliche Informationen aus seinem Blog (www.pedalpanam.com) bezogen. Am Abend nachdem wir unsere Räder ins Hotel gebracht hatten trafen wir uns in der Innenstadt und genossen Mojitos um 10 Pesos pro Stück, waren allerding durch die lange Steigung doch relativ müde und machten uns daher schon recht früh auf den Weg zurück ins Hotel.

Matt hatte geplant, von San Cristobal direkt Richtung Guatemala aufzubrechen, während wir noch die Yucatan Halbinsel abfahren wollten, weshalb wir leider nicht die Gelegenheit hatten, ein Stück gemeinsam zu radeln.

San Cristobal war seit längerer Zeit die erste richtig touristische Stadt durch die wir kamen. In den Fußgängerzonen des Zentrums reihen sich Bars und Souvenirläden aneinander und man sieht beinahe mehr Touristen als Mexikaner. Trotzdem gefiel es uns dort recht gut und wir blieben zwei Tage um die engen Gassen und Märkte etwas genauer zu erkunden. Viele der Bewohner von San Cristobal und fast alle Einwohner der benachbarten kleinen Dörfer sind Indianer, die noch ihre eigene Sprache sprechen und die traditionelle Kleidung ihrer Stämme tragen. Spanisch hört man auf den Märkten eher selten.

Die Kinder, die uns auf der Strecke zwischen San Cristobal und Ocosingo begegneten fingen schon von weitem an uns „Gringo, Gringo!“ entgegenzurufen, winkten aber dabei und schienen „Gringo“ nicht als beleidigend zu verstehen. Irritierend war das Geschrei allerdings anfänglich trotzdem.

Noch irritierender ist es allerdings, wenn Kinder vor uns auf die Straße springen und uns den Weg absperren, um Maiskolben zu verkaufen, was auf den steilen Abfahrten zu abenteuerlichen Bremsmanövern führte.

Während wir bis Ocosingo noch sehr angenehmes Wetter mit radfahrerfreundlichen Temperaturen hatten und durch sehr schöne Landschaft fuhren, wurden die weiteren Hügel bis Palenque durch extrem hohe Luftfeuchtigkeit ziemlich mühsam, obwohl die Temperatur nicht allzu sehr anstieg.

In Palenque besuchten wir die ersten Maya Ruinen unserer Reise und waren trotz Regen und Kälte sehr beeindruckt. Es ist unvorstellbar, dass die mächtigen Bauwerke dort alle komplett ohne eiserne Werkzeuge und ohne Kenntnis des Rades erschaffen worden waren. Zufällig trafen wir bei den Ruinen auch Lisa und Eric wieder, die wir schon zuvor in Oaxaca kennengelernt hatten, verloren uns allerdings bald wieder, da wir nach zwei Stunden genug vom strömenden Regen hatten und zurück ins Hotel fuhren.

Zwei Tage später sollten wir die beiden auf der Straße zwischen El Aguacatal und Escárcega wieder treffen, wo wir allerdings wieder nicht lange gemeinsam unterwegs waren, da Eric an diesem Tag vier Patschen flicken musste. In Escárcega hätten sich unsere Wege aber ohnehin wieder getrennt, da wir Richtung Campeche und Mérida weiterfuhren, während Eric und Lisa direkt nach Chetumal wollten.

In Escárcega hatten wir uns vorgenommen, Campeche in einem Tag zu erreichen, da wir am Weg dorthin flaches Terrain vermuteten, hatten letztendlich aber trotzdem über 700 Höhenmeter auf 155 km zu bewältigen – unsere bisher längste Tagesetappe.

In Campeche nahmen wir uns dafür zwei Tage Zeit und machten einen Ausflug nach Edzna, um die Ruinen dort zu besichtigen, die zwar sehr gut erhalten sind, aber trotzdem nicht ganz mit Palenque mithalten konnten.

Campeche selbst ist beinahe zu perfekt restauriert – die bunten Häuschen sind frisch gestrichen und selten sieht man irgendwo den Putz von den Wänden bröckeln – ungewohnt für Mexiko. Die Stadt ist trotzdem sehr schön, wenngleich leider das Meer nicht mehr bis an die Stadtmauern mit ihren Baluartes reicht, da die flachen Küstengewässer für Industrie und Hotels trocken gelegt wurden. Man hat dadurch nicht mehr den Eindruck, sich in einer Hafenstadt zu befinden, wie zB. in Mazatlán.

Bis Mérida hatten wir wieder mit Gegenwind zu kämpfen, der uns mittlerweile wesentlich unangenehmer ist als alle Berge. Auch die Landschaft war nicht recht spektakulär und Mérida selbst war nicht ganz so schön, wie wir erwartet hatten – zu viel Lärm und Verkehr, wenn auch die Kolonialbauten im Zentrum sehr schön sind. Campeche ist trotzdem wesentlich attraktiver.

Auch in Mérida ließen wir uns wieder etwas Zeit und besuchten per Bus die Ruinen von Uxmal, die zwar nicht von Urwald umgeben sind wie jene in Palenque, sondern in einem relativ trockenen Buschgebiet liegen, und wahrscheinlich deshalb wesentlich besser erhalten sind und von unzähligen Iguanas bewohnt werden, die sich alle paar Meter auf den Steinen sonnen und sich nur widerwillig vertreiben lassen, wenn man beim Fotografieren zu nahe kommt. Auch nachdem wir nun die Ruinen von Tulum und Tikal gesehen haben gehört Uxmal noch immer zu unseren Favoriten.

Nach Mérida machten wir uns auf nach Tulum, einen Ort auf den wir uns schon lange gefreut hatten. Wir hatten schon oft beeindruckende Bilder von den Cenotes dort gesehen und uns bereits im Vorfeld per Internet bei verschiedenen Tauchbasen nach guten Angeboten erkundigt. So landeten wir schließlich bei Marco und Min von H2OProdiving direkt in Tulum und gönnten uns zum ersten Mal auf unserer Reise für sechs Tage ein richtig schönes Hotel – das direkt an der Tauchbasis angeschlossene H2O Villas, für das wir einen sehr guten Preis ausverhandeln konnten.

Einige der Tauchgänge in den Cenotes gehören zu den schönsten, die ich bisher gemacht habe. Das klare Wasser mit Sichtweiten bis 140m ist atemberaubend und der Blick aus den Höhlen durch die Stalaktiten und Stalakmiten Richtung Eingangsbereich, wo das Sonnenlicht einfällt, ist noch viel beeindruckender als die ohnehin schon außergewöhnlichen Fotos, die man öfter in Tauchzeitschriften sieht. Unsere Lieblingsplätze von den neun Tauchgängen waren Dos Ojos, Bat Cave und Calavera. Die Tauchgänge dort machten uns Lust auf einen vollen Höhlentauchkurs denn was man beim sogenannten Cavern Diving sieht ist nur der Bereich bis 60m vom Eingang, während die eigentlichen Höhlensysteme gigantische Ausmaße haben. So sind zB. Im Sistema Sac Actun, das man von der Grand Cenote aus erreicht bereits über 175 km an unterirdischen Passagen erforscht und kartographiert. Das Sistema Ox bel Ha ist mit über 180 km Länge das längste Unterwasserhöhlensystem der Welt.

Die Ruinen von Tulum waren die überlaufensten, die wir bisher gesehen hatten. Während wir in Uxmal für die ersten 1 ½ Stunden das gesamte Gelände fast für uns allein hatten, drängten sich in Tulum die Massen auf den engen Wegen zwischen den abgesperrten Ruinen und wir waren froh, dass wir Chichen Itza, das noch stärker besucht sein soll, ausgelassen hatten. Die kleinen Bauten in Tulum sind nichts Besonderes, die Lage der Ruinen direkt am Karibikstrand mit Palmen, türkisem Meer und weißem Sand ist dafür einzigartig.

Am Tag unserer Abreise von Tulum begann der Ostertourismus der Semana Santa, die in Mittelamerika groß gefeiert wird. Am Freitagabend bekamen wir in Felipe Carillo Puerto noch ein Quartier, am Samstag in Bacalar waren jedoch alle Hotels völlig ausgebucht, und wir mussten trotz unangenehm heißem Wetter auf einem Campingplatz im Zelt übernachten.

Kurz nach Bacalar verließen wir nach etwas über drei Monaten Mexiko und radelten ohne viel Aufwand über die mexikanische Grenze nach Belize.

Der Unterschied zwischen Belize und Mexiko war gewaltig. Während wir erwartet hatten, Belize wäre vielleicht etwas fortschrittlicher, da wir von den hohen Preisen dort gehört hatten und daher annahmen, dass auch die Bevölkerung etwas wohlhabender wäre, fanden wir bald heraus, dass das genaue Gegenteil zutraf. Man fühlt sich, wenn man von Mexiko einreist plötzlich um 20-30 Jahre zurückversetzt. Es gibt keine Supermärkte, keine Oxxo Läden oder ähnliches, die in Mexiko allgegenwärtig waren und leider auch keine Fruterias, wo man frisches Obst und Gemüse bekommen könnte. Die kleinen Geschäfte, die fast ausschließlich von Chinesen geführt werden sind teuer und die Auswahl ist mager. Auch Trinkwasser, das wir in Mexiko meist um 10-15 Pesos für 20 l bekommen hatten kostete hier plötzlich 5 bis 6 Belize Dollar (31-37 Pesos).

Obst war fast nur auf Märkten zu bekommen, Bäckereien hatten zwar ganz gute Mehlspeisen aber kein brauchbares Brot sondern nur Hamburger-Weckerl und Hotdogs mit McDonalds-Konsistenz. MacDonalds gibt’s übrigens auch noch nicht in Belize – nicht dass er uns gefehlt hätte, aber die Tatsache seiner Abwesenheit ist interessant. Hotelzimmer mit mexikanischem Preisniveau sind zwar zu finden, dann aber meist unkomfortabler als in Mexiko. Unsere Route führte uns über Corozal nach Orange Walk und Belize City. Die Landschaft auf dieser Strecke ist flach und wenig interessant. Zuckerrohrfelder säumen den Weg und wir sehen zum ersten Mal, dass Frauen die Wäsche händisch in nicht gerade sauberen Bächen waschen.

Belize City hatten wir uns schlimmer vorgestellt als es war – schon zuvor waren wir von mehreren Radlern gewarnt worden, die Stadt sei unattraktiv und gefährlich. Zu sehen gab‘s wirklich nicht recht viel aber die Leute die wir trafen waren alle sehr freundlich. Mehrmals sprachen uns Einheimische an und fragten, ob sie uns den Weg erklären sollten.

Chicken Chow Mein in den zahlreichen Chinesischen Restaurants gehört zum günstigsten Essen, das man in Belize bekommen kann – oft so günstig, dass man für selbstgekochte Spaghetti mit Gemüsetomatensauce mehr bezahlen müsste.

Am Weg von Belize City nach San Ignacio kamen wir nach Belmopan erstmals in ein ansprechenderes und hügeliges Gebiet. Es gibt hier viele nette, bunt bemalte Holzhäuschen. Unter den Kokos- und Ölpalmen grasen Rinder und wo das Land nicht bewirtschaftet wird wächst dichter Dschungel.

Von San Ignacio, wo wir bei einer kreolischen Familie im Gästezimmer unterkamen, machten wir ohne Räder einen Ausflug nach Tikal zu den schönsten Maya-Ruinen die wir bisher gesehen hatten. Die Tempel dort sind so hoch, dass sie selbst die höchsten Bäume des umgebenden Regenwaldes fast ums Doppelte überragen. Leider sind die Stiegenaufgänge, die immer in der Mitte des Tempels bis zur obersten begehbaren Etage führen, alle gesperrt, seit es vor wenigen Jahren zwei Todesopfer gab, die über die Stiegen hinunter gepurzelt waren.

Ob die hölzernen Leitern, die nun an den Seiten der Tempel nach oben führen, so viel sicherer sind, wage ich zu bezweifeln – nachdem sie seitlich hinauf führen sind sie noch wesentlich steiler als die Haupttreppe und in den flacheren Bereichen haben die ca. 15 cm breiten Stufen einen horizontalen Abstand von bis zu 50 cm – man muss also ziemlich aufpassen, dass man nicht durch die Treppe fällt.

Vom Templo II hat man einen guten Ausblick über den Gran Plaza, Templo I und die Acrópolis del Norte. Templo IV und V stehen eher isoliert im Wald. Man sieht von ihnen aus endlosen Dschungel, aus dem die Spitzen der anderen Tempel emporragen.

Sehr beeindruckend ist auch die Tierwelt von Tikal. Kurz nach dem Eingang schon kam uns eine Gruppe von ca. 20 Coatis entgegen. In der Nähe von Tempel V turnten Spinnenaffen in den Bäumen, denen wir uns bis auf wenige Meter nähern konnten. Petén Truthähne, die eher einem Pfau als einem Truthahn ähneln spazieren auf dem Gran Plaza herum und über uns sahen wir Tukane, die mit ihrem überdimensionalen Schnabel die Früchte von den Bäumen zupften.

Am Weg auf den Tempel IV sprachen uns zwei Burschen an und fragten ob wir Tourenradler wären – sie hatten meine Lenkertasche gesehen und erkannt und es stellte sich heraus, dass die beiden ebenfalls am Rad durch Mittelamerika unterwegs waren. Sie waren beide in den USA gestartet und gerade unterwegs von Guatemala nach Belize. Wir unterhielten uns einige Zeit mit ihnen und fanden heraus, dass wir gemeinsame radelnde Bekannte hatten. Pete (www.crazyguyonabike.com/worldroamer) und Dylan hatten in San Cristobal sowohl Roland und Belinda getroffen, die wir schon in San Miguel de Allende kennengelernt hatten als auch Scott, dem wir in der Nähe von Whitehorse begegnet waren.

Zurück in San Ignacio trafen wir noch Eric und Lisa (zum 4. Mal) und Hanna aus Schweden (www.hannamijakobson.com), die die letzten paar Tage mit den beiden gemeinsam unterwegs war. Fünf Reiseradler an einem Tag hatten wir schon seit Oregon nicht mehr getroffen – die Welt wird wieder kleiner in Mittelamerika!

Nach zwei Nächten in San Ignacio machten wir uns auf den Weg nach Dangriga. Frühmorgens trafen wir noch einmal Hanna, Lisa und Eric, die weiter Richtung Guatemala fuhren vor einer Bäckerei, verabschiedeten uns wohl diesmal für längere Zeit und erreichten bald Belmopan – die Hauptstadt von Belize, die allerdings nur einen Bruchteil der Einwohner von Belize City hat und 1962 künstlich erschaffen wurde, da Belize City von einem Hurrikan verwüstet worden war.

In Belmopan beginnt der Hummingbird Highway, der seit der Strecke von San Cristobal nach Palenque unser schönster Reiseabschnitt war. Es ist hier im Vergleich zum nördlichen Belize relativ hügelig und zwischen Abschnitten mit dichtem Regenwald gibt’s immer wieder Kokos-, Bananen- und Orangenplantagen.

Die Kokosnüsse direkt von der Palme sind zwar sehr erfrischend, jedoch dauert die Bearbeitung mit dem Taschenmesser einige Zeit bis man die Kokosmilch endlich genießen kann. Wie beschlossen daher, uns demnächst eine kleine Machete zuzulegen.

Dangriga erreichten wir nach einem harten aber schönen Tag und 126 km durch die Hügel der Maya Mountains. Am nächsten Tag wollten wir nach Placencia, kamen aber ca. 7 km vor unserem Ziel in Seine Bight an einem Restaurant vorbei, das außergewöhnlich war für Belize – Danube Austrian Restaurant – Eat Drink Relax war auf dem Schild zu lesen und Herbert aus Wien war gerade mit dem Gießen der Kokospalmen im Garten beschäftigt.

Die Gelegenheit konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und bekamen so zum ersten Mal seit über 10 Monaten wieder mal österreichisches Essen serviert. Sowohl Wienerschnitzel mit Erdäpfelsalat als auch die Topfenknödel waren ausgezeichnet, wenngleich der Preis für die Delikatessen ca. 5x so hoch war wie für unser übliches Chicken Chow Mein, das man übrigens hier jeden Tag essen kann, ohne dass es jemals fad wird, da die Zutaten und der Geschmack bei jedem Restaurant das wir probierten völlig verschieden waren.

Wir tratschten lange mit Simone und Herbert, die seit zwei Jahren hier in Belize wohnten nachdem sie zuvor in Sydney als Tauchlehrer gearbeitet hatten. Die Beiden waren offenbar ebenso froh wie wir, wieder einmal Österreicher mit gemeinsamen Interessen zu treffen. Netterweise durften wir bei ihnen Im Restaurant auf der Veranda unsere Isomatten auflegen und mussten uns nicht noch in Placencia ein Hotel suchen.

Von Placencia gibt es glücklicherweise ein Wassertaxi ans Festland, denn die Straße entlang der schmalen Halbinsel war gerade in Arbeit und der grobe Schotter, der uns für ca. 20 km gequält hatte machte uns keine Lust, den gleichen Weg wieder zurückzufahren.

Nach einem weiteren schönen Tag am Southern Highway erreichten wir schließlich Punta Gorda – unseren letzten Stop in Belize bevor wir nach Puerto Barrios in Guatemala übersetzten. Die einstündige Überfahrt war unkompliziert und die See relativ glatt.

In Guatemala fühlten wir uns sofort wohl – die Sprache und das bunte Treiben auf den Straßen waren uns noch von Mexiko vertraut. Die Geschäfte haben wieder offene Türen statt Gittern, durch die man die Waren hinausgereicht bekommt nachdem man mühsam klar gemacht hat, was man aus dem hintersten Regal kaufen will. Auch die Landschaft gefiel uns hier besser als in vielen Teilen Mexikos und Belizes.

Leider blieben wir nur wenige Stunden in diesem schönen Land, denn die Grenze zu Honduras ist nur ca. 35 km von Puerto Barrios entfernt. Glücklicherweise endete die attraktive Landschaft nicht an der Grenze sondern setzte sich in Honduras fort. Alles um uns herum war sattgrün und zum ersten Mal seit Oregon gab es wieder klare Bäche, die zum Baden einluden und aus denen man problemlos Trinkwasser hätte filtern können, was in Mexiko nahezu völlig unmöglich gewesen wäre.

Von anderen Radlern hatten wir gehört, die Menschen in Honduras wären Touristen nicht gewohnt und daher misstrauisch, was wir allerdings nicht bestätigen können. Alle unsere bisherigen Kontakte waren sehr freundlich, wenngleich man in kleinen Dörfern mit zwei vollbepackten Tourenrädern und einer blonden Gringa natürlich die Blicke auf sich zieht.

In Omoa fanden wir endlich in einer Eisenwarenhandlung eine Machete, die kürzer als ein Meter war und waren seither ständig auf der Suche nach kleinen Kokospalmen. Ein bis zweimal am Tag gibt’s seither frische Kokosmilch.

Je näher wir San Pedro Sula – der zweitgrößten Stadt Honduras‘, kamen desto weniger fühlten wir uns auf der Straße wohl. Schon weit außerhalb begannen sehr heruntergekommene Siedlungen und der Verkehr nahm ständig zu. Wir beschlossen daher, nicht in San Pedro zu übernachten sondern nach La Lima weiterzufahren. Wir hatten vermutet, es sollte in einer Stadt mit 60000 Einwohnern zumindest einige günstige Hotels geben, wurden aber bei der Ankunft von allen Leuten die wir fragten immer nur ins Banana Inn geschickt, dessen Preis ganz und gar nicht honduranischen Verhältnissen entsprach. Nach über einer Stunde des Suchens und Herumfragens fanden wir letztendlich doch noch ein normales Hotel zu einem Siebentel des Preises und waren heilfroh, nach fast 130 km am Rad nicht noch weiter suchen zu müssen.

Die nächsten beiden Tage bis La Ceiba hatten wieder schönere Aussichten als die Umgebung von San Pedro zu bieten. Wir radelten durch Ölpalmen- und Bananenplantagen sowie durch Ananasfelder zwischen den Ausläufern der küstennahen Berge dahin und konnten ab und zu auch kurze Abstecher an schöne Karibikstrände machen.

Von La Ceiba nahmen wir die Fähre nach Utila, worauf wir uns schon lange gefreut hatten. Schon mehrere Reisende hatten uns die Tauchbasis Captain Morgan’s auf Pigeon Cay, einer kleinen Insel südwestlich von Utila, empfohlen, die wir auch problemlos per Tauchboot erreichten.

Während die Insel und das Hotel Kayla, das zur Tauchbasis gehört sehr nett sind, waren die ersten beiden Tauchgänge eher abschreckend. Nachdem wir erst am Morgen kurz vor Abfahrt zu den Tauchgängen auf die Insel kamen, war sämtliches neueres Equipment bereits vergeben. Wir mussten beide erst zwei Regler probieren bevor wir einen dichten fanden und Tauchcomputer gab’s prinzipiell nicht für Gäste zu mieten.

Beim ersten Tauchgang wurde eine Gruppe von 12 Tauchern von Divemaster Libby angeführt durchs Riff getrieben, beim zweiten fanden sich alle 12 an einem unspektakulären kleinen Wrack zum kurzen 30 minütigen Rudeltauchen zusammen und wir überlegten, ob wir nicht noch am selben Nachmittag mit dem Tauchboot zurück nach Utila fahren und uns eine bessere Tauchbasis suchen sollten.

Glücklicherweise wurden die nächsten Tauchgänge besser organisiert und es gab nur mehr deutlich angenehmere Fünfergruppen, wenn auch das Ausrüstungsproblem trotzdem recht unangenehm war.

Wir bekamen hier nicht, wie bei vielen Tauchbasen üblich, einen Satz Ausrüstung, den man dann für die Dauer des Aufenthalts verwendet, zugewiesen sondern mussten uns jeden Tag die Ausrüstung neu zusammensuchen – jeden Tag andere Regler und wen man Pech hat andere Anzüge und Jackets.

Speziell die Regler hätten bessere Wartung dringen nötig gehabt, denn die Atemwiderstände, die zwei Mal so hoch waren, dass ich auf den Oktopus wechseln musste weil der Hauptregler unangenehm anstrengend zu verwenden war, sind für die große Zahl an Anfängern, die hier zum Tauchen herkommt sicher nicht ganz optimal.

DSC_6949 editWas uns dazu bewegte trotzdem bei Captain Morgan zu bleiben, war die Tatsache, dass die anderen Tauchbasen, die alle direkt im Ort Utila stationiert sind mit dem Boot eine ca. 20 Minuten längere Anfahrtszeit zur Nordseite der Insel mit ihren Steilwänden, Canyons und der Chance auf Walhaie haben und daher hauptsächlich auf der Südseite tauchen, sowie das schöne und günstige Hotel direkt am Wasser mit nettem überdachtem Dock, wo man in Hängematten oder Liegestühlen die kühlende Briese am Meer genießen konnte.

Nach drei Tagen auf der Insel gab’s unseren zweiten Krankheitsfall auf der Reise – Diesmal hatte Manu mit Fieber und Durchfall zu kämpfen. Nachdem uns der Reisemediziner in Österreich empfohlen hatte, bei jedem Fieber über 38°C in Malariagebieten mit der Einnahme von Malarone zu beginnen, wenn nicht innerhalb von 24 h eine Malaria durch Blutausstrich auszuschließen ist, machten wir uns mit dem ersten Boot am Morgen auf den Weg nach Utila zu Dr. John – dem amerikanischen Arzt im Ort, der uns schon zuvor als echter „Charakter“ beschrieben worden war.

Dr. John McVay sollte uns nicht enttäuschen – schon allein Dr. John’s Eardrops für Taucher, die er in der Praxis verkauft und deren Verpackung sein Konterfei ziert sind sehenswert. Sein Auftritt, der zuverlässig, wie von anderen Arztbesuchern prognostiziert ca. 4 ½ Stunden nach Beginn der Öffnungszeit der Praxis erfolgte, rief bei uns beiden ein unterdrücktes Lachen hervor.

Knallrote Kunststoffsonnenbrille, Hawaiihemd, Quicksilver Badehose und Camouflage-Kapperl verliehen ihm zusammen mit dem Stethoskop um den Hals und den Schulterlangen Locken ein recht belustigendes Aussehen.

Seiner Meinung nach handelte es sich bei Manus Erkrankung um einen gewöhnlichen Reisedurchfall, was wir zwar vermutet hatten, aber trotzdem überprüfen lassen wollten, da wir in den Lehrbüchern der Inneren Medizin, die wir am Computer mithaben, gelesen hatten, dass die ersten Symptome einer Malaria auch denen einer gastrointestinalen Infektion gleichen können.

Auf spätere Anfrage beim Traveldoc in Wien, den wir zuvor nicht erreicht hatten da ihm die Vulkanaschewolke über Europa einen verlängerten Urlaub in Delhi beschert hatte, erhielten wir die Auskunft, dass man eigentlich bei 38° Fieber trotzdem mit der Malarone Behandlung beginnen sollte, auch wenn ein Arzt vor Ort, ohne geeignete Diagnostik gemacht zu haben, meint, es handle sich nicht um Malaria, da das nicht anhand der klinischen Untersuchung auszuschließen wäre.

Glücklicherweise war Manu nach Antibiotikaeinnahme bald wieder so fit, dass sie zumindest zum Schnorcheln mit aufs Tauchboot kommen konnte, denn gerade am Tag nach unserem Arztbesuch tauchten die Walhaie auf. Unser Captain Luis bewies großes Geschick im Finden der Boils – der Stellen, wo Tunfischschwärme angelockt durch kleinere Fische, die planktonreichen Strömungen folgen, die Wasseroberfläche zum Kochen bringen indem sie bei der Jagd wild aus dem Wasser springen. In den Boils finden sich nach kurzer Zeit auch die Walhaie ein, die kleine Fische und Plankton filtern und wahrscheinlich vom Lärm der Tunfische angelockt werden.

Wir hatten das Glück an nur einem Tag zuerst mit ca. 50 Delfinen zu schnorcheln und anschließend durch Luis‘ scharfe Augen insgesamt 9 Walhaibegegnungen zu erleben, von denen wir bei acht die Walhaie tatsächlich beim Schnorcheln mit einem Abstand von teilweise nur 1-2 Metern sahen. Es handelte sich dabei um mindestens drei verschiedene Fische, die wir jeweils mehrere Male sahen und anhand der Markierungen, die sie wohl von der Walhaiforschungsstation auf Utila bekommen hatten, unterscheiden konnten. Am nächsten Tag hatten wir weniger Glück und konnten „nur“ drei Mal mit Walhaien schnorcheln.

Auch einige interessante Leute trafen wir auf der Tauchbasis – Dan aus Kanada, der gerade sein Divemaster-Training abgeschlossen hatte, bescherte uns einen ganz speziellen Tauchgang – seinen einhundertsten, den er traditionsgemäß nackt absolvierte. Außerdem war er 2008 von San Diego nach Panama geradelt (www.dancorbett.ca).

DSC_3995Auch eine weitere Radlerin war im Hotel Kayla zu Gast – die Schweizerin Daya hatte auf ihrer letzten Radtour mit zwei Freundinnen vier Monate in Zentralasien verbracht und war nun mit Seth auf der Suche nach den Walhaien.

Seth war der einzige Taucher, der auch eine Kamera mit Unterwassergehäuse dabei hatte und war so nett, uns seine Fotos für unseren Blog zur Verfügung zu stellen. Dass ich selbst keine Kamera beim Tauchen dabei hatte war nicht nur ungewohnt sondern nun schon zum zweiten Mal sehr ärgerlich, denn sowohl die Cenotes als auch die Walhaie hätten sehr gute Motive abgegeben. Ein Grund, Mittelamerika später nochmal den einen oder anderen Besuch abzustatten!

Auch mit den zahlreichen Divemaster Trainees hatten wir viel Spaß. Die Argentinierin Lula lud uns sogar ein, sie in Buenos Aires zu besuchen und auch nach London und Israel konnten wir neue Kontakte mit Aviad, Yair und Matan knüpfen.

DSC_4024Nachdem Manu wieder einigermaßen fit war brachen wir vom Pigeon Cay wieder ans Festland auf. Wir hatten geplant von La Ceiba eine kleine Straße über die Berge nach Olanchito zu nehmen. Die Strecke stellte sich als schwieriger heraus, als wir vermutet hatten und wir kamen bis zum Abend nur bis Yaruca, wo wir für eine Nacht bei einer sehr netten Familie eingeladen wurden als wir gerade auf der Suche nach der Polizeistation waren, neben der man angeblich campen konnte. Wir bekamen ein gesamtes Stockwerk des Hauses für uns und sogar noch ausgezeichnete Baleadas zum Abendessen. DSC_4025 editDen ganzen Tag waren wir bis Yaruca durch ein wunderschönes Flusstal erst am Rio Canarejal und später am Rio Yaruca entlanggefahren und waren überzeugt, eines der schönsten Gebiete Honduras‘ gefunden zu haben. Umso mehr ärgerten wir uns, als wir am Tag darauf im nächsten Ort gleich von mehreren Leuten angesprochen und gewarnt wurden, nicht Richtung Olanchito weiterzufahren, da die Gegend rund um den Pass der einige Kilometer vor uns lag als sehr gefährlich galt.

Widerwillig beschlossen wir also, unsere gesamte Reiseplanung für die nächsten Wochen zu verwerfen und die angeblich sicherere Route über El Progresso und Comayagua zu wählen.

Nachdem wir zumindest nicht allzu viel Zeit verlieren wollten und die Strecke zurück schon kannten, da wir sie bereits am Weg nach La Ceiba gefahren waren, beschlossen wir, bis El Progresso den Bus zu nehmen, mit dem wir in die gesamte Strecke, für die wir am Hinweg über drei Tage gebraucht hatten, in einem Nachmittag zurücklegten.

Von El Progresso schafften wir es – nun wieder am Rad – nur bis Yojoa, da Manu noch etwas geschwächt war und die Hitze ihr noch zusätzlich zu schaffen machte. Tags darauf ging’s schon wesentlich besser bis Siguatepeque, wo wir nach langer Zeit zum ersten Mal wieder in die Berge kamen und die schöne Landschaft genießen konnten. In der Nacht im Hotel gab’s eine unerwartete Dusche, denn es regnete wie schon am Tag davor relativ heftig und die Stelle, an der das Dach undicht war befand sich dummerweise genau über dem Bett, das noch dazu einbetoniert uns somit nicht verschieblich war.

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Von Siguatepeque nach Comayagua, das wieder ca. 600 m tiefer liegt gab’s eine ganz nette Abfahrt, nur um am Gegenhang wieder 900 m bergauf zu radeln, bevor wir Zambrano erreichten, wo wir kurz vor Tegucigalpa – Honduras‘ Hauptstadt – übernachteten.

Auch nach Tegucigalpa hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus ging‘s hügelig weiter wobei es uns aber nicht störte, dass wir in den letzten paar Tagen immer um die 1200-1400 Höhenmeter geradelt waren, denn wir merkten einmal mehr, dass uns die schönen Aussichten in den Bergen wesentlich besser gefallen als die meisten flachen Abschnitte.

In Tegucigalpa hielten wir uns nur kurz für einen größeren Lebensmitteleinkauf auf und waren froh, die Stadt relativ schnell durchqueren zu können, denn obwohl sie einen wesentlich netteren Eindruck als San Pedro Sula machte hat sie angeblich ein großes Kriminalitätsproblem. Das scheint allerdings auf weite Teile Honduras‘ zuzutreffen und wurde uns von Einheimischen immer wieder gesagt. „En mi pais la vida vale nada.“ Haben wir zB. zu hören bekommen – in meinem Land ist das Leben nichts wert. Auf die Frage ob die Polizei nichts dagegen unternähme wurde uns erklärt, dass diese korrupt und auch selbst in den Drogenhandel verstrickt wäre.

Wir haben uns zwar bisher noch nie direkt bedroht gefühlt, haben aber trotzdem Hemmungen auf offener Straße zB. Die Kamera herauszuholen wenn Leute in der Nähe sind. Auch die Einheimischen sind auf der Hut, so haben wir schon in Tela gesehen, dass um 20:00 sämtliche Geschäfte schließen und fast niemand mehr auf der Straße ist, während in Mexiko bis weit in die Nacht noch reges Treiben herrscht. Auch die vergitterten Lebensmittelgeschäfte, die man als Kunde gar nicht betreten kann und die uns zum ersten Mal in Belize aufgefallen waren gibt es hier wieder häufig.

Trotzdem haben wir keinen negativen Eindruck von Honduras denn abgesehen von den beschriebenen Problemen ist das Land sehr schön und die Leute hier mindestens so freundlich wie in Mexiko. Wir sind überzeugt, dass das Land großes touristisches Potential hat sobald es die hohe Kriminalität in den Griff bekommt.

San Miguel de Allende bis Chiapa de Corzo 05.02.10 – 13.03.10

Nach sieben Nächten in San Miguel de Allende freuten wir uns, endlich wieder auf die Straße zu kommen, wurden aber wie schon mehrere Male zuvor von einem der Patschen aufgehalten, die den Reifen bei längeren Aufenthalten in einer Stadt unbemerkt die Luft verlieren lassen und sich erst auf den ersten Metern auf der Straße bemerkbar machen. Nachdem die Strecke bis Querétaro zwar sehr verkehrsreich aber dafür nur mäßig hügelig war schafften wir es trotz spätem Aufbruch und Patschen noch bis zum Abend dorthin und waren froh, unseren Host Nacho nicht noch einmal versetzen zu müssen nachdem wir ihn ja wegen des schlechten Wetters schon seit vier Tagen täglich vertröstet hatten. Wir hielten uns diesmal nicht so lange auf und machten uns schon am nächsten Morgen nachdem wir uns noch kurz die Innenstadt von Querétaro angesehen hatten, auf den Weg Richtung Toluca.

Der weitere Streckenverlauf war sehr hügelig und verkehrsreich, manchmal hatten wir auf den engen Straßen ohne Seitenstreifen mit den LKW und Autos zu kämpfen, manchmal hatten wir dafür zwei Spuren der noch nicht fertiggestellten Autobahn komplett für uns alleine weil sie noch abgesperrt waren.

Kurz nach der Überquerung unseres bisher dritthöchsten Passes mit 2734m kamen wir unverhofft nach Acambay, einer weiteren 50000 Einwohner Stadt, die auf unserer Karte nicht eingezeichnet ist und waren froh, nicht mehr bis Atlacomulco weiterfahren zu müssen, das hinter einigen Bergen noch 30km entfernt lag.

In Toluca erwartete uns Miguel der uns netterweise unsere Räder in seiner Wohnung unterstellen ließ, was uns erlaubte, den Abstecher in die vermeintlich so versmoggte und chaotische Hauptstadt Mexicos per Bus zu machen. Fernando, bei dem wir in Mexico City oder nur „México“, wie es die Mexikaner nennen, unterkamen ist Journalist bei La Jornada – einer der größten Tageszeitungen Mexikos und ein weiterer sehr netter Couchsurfer, den wir kennenlernen durften.

Wir beide waren von México sehr positiv überrascht obwohl dort 22 Mio. Menschen leben. Wir hatten nach den Erzählungen und Beschreibungen vieler Leute (hauptsächlich Amerikaner) ein riesiges Verkehrschaos und beinahe unerträglich Smog erwartet, stattdessen fanden wir klare Luft mit gutem Ausblick auf Popocatépetl und Iztaccíhuatl sowie ein exzellentes U-Bahnsystem, von dem die meisten amerikanischen Städte nur träumen können.

Das historische Zentrum, das von den Spaniern zum Teil auf ungeeignetem Untergrund – einem trocken gelegten See – erbaut wurde hat einige beträchtlich schiefe Gebäude, ist aber trotzdem äußerst eindrucksvoll. Natürlich gibt es auch hier wieder unzählige Kirchen und Paläste aus der Kolonialzeit mit wundervollen Fassaden, jedoch wurden hier in jüngerer Zeit auch einige der Kolonialbauten wieder abgerissen um den aztekischen Tempel (Templo Mayor) mitten im Zentrum der Stadt freizulegen, der von den Spaniern einfach zugeschüttet worden war. Dieser Tempel befindet sich nach aztekischem Glauben exakt im Zentrum des Universums – der Stelle, an der die Azteken wie prophezeit einen Adler auf einem Kaktus mit einer Schlange im Schnabel vorfanden. Heute ist dieser Adler das Symbol Mexikos und ist auch in der mexikanischen Flagge zu sehen.

Ein weiteres Highlight in México ist das anthropologische Museum, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte, wenn man hier vorbeikommt – wir verbrachten gute vier Stunden in dem riesigen Komplex und hatten als wir wieder aufbrachen noch lange nicht alles gesehen. Leider sind nur wenige wichtige Beschreibungen im Museum auf Englisch übersetzt, wodurch das Entziffern der Texte relativ zeitaufwändig und anstrengend war.

Nachdem das Museum im Bosque de Chapultepec liegt, schauten wir auch noch kurz im botanischen Garten vorbei und schlenderten ein wenig durch die Zona Rosa.

Ebenso interessant waren die Märkte Méxicos – der Mercado de la Merced – angeblich einer der größten Märkte Lateinamerikas hat nicht nur exzellentes und günstiges Essen zu bieten sondern auch kunstvoll aufgestapeltes Obst und Gemüse, wovon wir viele Dinge noch nie zuvor gesehen hatten. Wir probierten diesmal eine Chirimoya, eine Negro Zapote, und wieder eine Mamey – lecker!

In Coyoacán gibt’s einen Markt mit hervorragenden Tostadas mit Mole negro und jeder Menge anderen Geschmacksrichtungen und einen netten „Dorfplatz“ auf dem man glauben könnte man ist tatsächlich in einer Kleinstadt und nicht in México mit seinen 22 Millionen Einwohnern.

Zum Abschied lud uns Fernando noch aufs Dach des La Jornada-Gebäudes ein, von wo wir einen großartigen Blick über die ganze Stadt genießen konnten, die sich trotz des hohen Aussichtspunktes in fast allen Richtungen bis zum Horizont erstreckt.

Zurück in Toluca hatten wir nur eine kurze Nacht Zeit, uns vom Sightseeing in México zu erholen bevor wir mit Miguel und einigen anderen Couchsurfern aus Toluca aufbrachen um uns in Huejotzingo den Carnaval anzusehen – ein wahrlich verrücktes Spektakel bei dem’s hauptsächlich darum zu gehen scheint, mit speziell dafür gebauten Vorderladern möglichst viel Lärm zu machen und zweitens die Französische Invasion und die Schlacht in Puebla nachzuspielen. Ohne Ohrstöpsel ist der Carnaval akut gesundheitsgefährdend, mit Stöpsel aber eine ganz interessante Erfahrung.

Wir übernachteten bei Miguels Eltern in Puebla und bekamen am nächsten Tag noch eine kleine Stadtführung und ein sehr empfehlenswertes vegetarisches Frühstücksbuffet im La Zanahoria (die Karotte) bevor wir zurück nach Huejotzingo fuhren, um den Höhepunkt des Carnavals anzusehen – noch mehr Lärm!

Wieder mal über einen 2848 m Pass (den neuen zweithöchsten) erreichten wir am ersten Rad-Tag nach fast einer Woche Pause in Toluca und México Cuernavaca – Die Strecke war anfangs sehr stark befahren und nicht sonderlich attraktiv, änderte sich aber nach dem ersten Drittel und wurde fast verkehrsfrei und landschaftlich sehr nett mit einigen schönen Ausblicken auf den schneebedeckten Nevado de Toluca, der zwar der am einfachsten zugängliche Vulkan in Mexiko ist, da eine Straße bis zu den Kraterseen Luna und Sol führt, jedoch leider aufgrund des Schnees, der trotz seiner Höhe von 4680 m nicht ganzjährig dort zu finden ist, leider gesperrt war.

Unterwegs trafen wir Luis, einen mexikanischen Englischlehrer und Radtrainer, der uns sagte, er sollte eigentlich gerade einen Englischkurs halten, wäre aber auf seiner Radtour etwas zu weit gefahren, weshalb er etwas später nach Cuernavaca zurückkommen würde. Letztendlich begleitete er uns bis nach Cuernavaca, zeigte uns noch seine Wohnung und half uns, ein günstiges Hotel im Zentrum zu finden. Der Englischkurs entfiel daher… vielleicht wurde er aber auch nur auf mañana verschoben.

Die weitere Strecke bis Oaxaca ist zwar recht hügelig aber landschaftlich sehr schön und abwechslungsreich, was für die Ortschaften unterwegs leider nicht gilt. In Acatlán legten wir ungewollt wegen des Mittags einsetzenden heftigen Regens eine halben Tag Pause ein und erreichten drei Tage später ohne weitere Höhepunkte Oaxaca, wo wir beim Couchsurfen leider diesmal wenig Glück hatten. Wir hatten zwar schon einige Tage zuvor zwei Zusagen bekommen, jedoch hatten beide Hosts auf weitere Emails nicht reagiert und wir mussten uns letztendlich ein Hostal zum Übernachten suchen. Nachdem wir Oaxaca am Vormittag erreichten, jedoch noch bis zum Abend warten wollten, ob wir vielleicht doch noch eine Antwort von einem der beiden Couchsurfer bekommen würden, ergab sich die ungünstige Situation, dass wir unsere Räder den ganzen Tag mit uns herumführen mussten, wodurch wir bei der Stadtbesichtigung erheblich beeinträchtigt waren.

In einem Internetcafé trafen wir die ersten anderen Reiseradler in Mexiko – Eric und Lisa, die von Yuma nach Ushuaia unterwegs sind (Yuma to Ushuaia), und verbrachten die nächsten zwei Tage gemeinsam mit ihnen. Bei der Suche nach einem guten Restaurant am Abend radelten uns noch Xeno und Marie über den Weg – ein weiteres amerikanisches Pärchen, unterwegs von Portland nach Buenos Aires, das allerdings bereits zwei Monate hier in Oaxaca mit Spanisch lernen verbracht hatte.

Die Beiden hatten ein Apartment in Xochimilco und luden uns ein, die nächste Nacht bei ihnen zu schlafen, wodurch wir einen weiteren netten Abend mit Eric, Lisa und Xeno verbringen konnten.

Marie war schon am Vormittag mit einem kurzen Familienbesuchszwischenstopp in Atlanta nach Kolumbien aufgebrochen, wo sie Xeno eine Woche später wieder treffen wollte um mit ihm weiter Richtung Süden zu radeln.

Bevor wir weiter Richtung Küste aufbrachen besichtigten wir noch den Arbol de Tule – den mit 14,06 m Durchmesser dicksten Baum der Welt und wunderten uns, wie die Bestimmung des Gewichtes des Baums auf ein kg genau auf 636,107 t wohl erfolgt war.

Die Maden und Heuschrecken, die in Oaxaca am Markt geröstet und gesalzen mit Limonen verkauft werden haben wir übrigens nicht probiert, dafür aber wieder einige seltsame Früchte, wie zB. die sehr leckere Guanabana, die mittlerweile neben Guaven zu meinen Favoriten hier zählt.

Eine Tagesetappe südlich von Oaxaca in Ejutla wurden wir schon wieder zu zwei Pausentagen gezwungen – offenbar war das Essen am Markt in Oaxaca nicht ganz einwandfrei, wodurch Montezumas Rache heraufbeschworen wurde und mich zwei Tage lahmlegte. Auch am ersten Tag als wir wieder weiterfuhren fühlte ich mich noch relativ schwach und wir kamen nur bis ins 45 km entfernte Miahuatlán, wo ich die nächsten zwei Pausentage wieder mit Pendeln zwischen Bett und WC verbrachte. Glücklicherweise gab‘s zumindest ein günstiges Hotelzimmer um 150 Pesos pro Nacht mit Kabelfernsehen und Internet inalámbrico.

Nachdem ich endlich wieder einigermaßen fit war nahmen wir die letzten beiden Etappen zur Küste in Angriff. Zuerst ging‘s nach San José del Pacifico – einem netten kleinen Bergdorf, das auf keiner Karte verzeichnet ist, von dem uns aber schon viele Leute vorgeschwärmt hatten. Dort hatten wir das Zimmer mit der wohl bisher besten Aussicht der Reise. Direkt vom Bett aus sieht man durch die großen Panoramafenster über die sattgrünen Täler zu Füßen des Hanges auf dem sich die Bungalows befinden. San José liegt auf ca. 2500 m Höhe, wodurch hier eine völlig andere Vegetation vorherrscht als im ca. 1000 m tiefer gelegenen Miahuatlán, das von einer eher trockenen Wüstenlandschaft umgeben ist.

Von San José geht’s zunächst nochmal bergauf bis auf 2761 m und danach über mehrere lange Abfahrten, wovon die längste ganze 24 km dauerte, mit mehreren steilen Gegenhängen bis hinunter zum Meer nach Puerto Angel. An diesem Tag verzeichneten wir mit 3820 m unseren bisherigen Rekord an abwärts-Höhenmetern und obwohl wir uns am Ende des Tages 2500 m tiefer befanden als zuvor in San José, legten wir auch überdurchschnittliche 1350 Höhenmeter bergauf zurück.

Von Puerto Angel waren wir zunächst nicht recht begeistert, und überlegten, ob wir gleich nach Mazunte weiterfahren sollten, wo wir Manus Freundin Denise treffen wollten, blieben aber dann nachdem wir erst relativ spät angekommen waren und es bereits zu dämmern begann doch dort.

Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, in Puerto Angel etwas zu tauchen, verwarfen diesen Plan aber am nächsten Morgen wieder, als wir erfuhren, dass der Preis dafür viermal so hoch war, wie er im Lonely Planet angegeben war. Zumindest konnten wir aber auf eine Schnorcheltour mitfahren, bei der sich herausstellte, dass das Tauchen vermutlich ohnehin unspektakulär gewesen wäre, da die Sichtweite im Wasser nur bei ca. 5-7 m lag. Beim Schnorcheln hatten wir zumindest vom Boot aus die Gelegenheit, einige Delphine bei ihren Kunststücken zu beobachten. Unter Wasser bekamen wir sie leider nicht zu Gesicht.

  Der Playa del Panteón, an dem sich die Tauchbasis befindet ist der attraktivste Teil Puerto Angels – Es gibt dort einen schönen sauberen und geschützten Sandstrand und einige Restaurants. Zwischen den Fischer- und Ausflugsbooten tummeln sich die Pelikane, die zu beobachten immer wieder interessant ist. Die wirklich schönen Abschnitte der Küste befinden sich allerdings ein Stück westlich von Puerto Angel in Zipolite und Mazunte.

Die Strecke von Puerto Angel Richtung Salina Cruz war wieder mal eine Herausforderung – obwohl wir nur ein einziges Mal eine absolute Höhe von 200 m erreichten hatten wir jeden Tag um die 1000 Höhenmeter zu bewältigen und das bei Temperaturen um die 38°C im Schatten. Zudem ist die Strecke landschaftlich nicht besonders ansprechend, da man vom Meer meistens so weit entfernt ist, dass man es nicht Mal sieht, geschweigen denn, sich irgendwo abkühlen könnte. In den Bergen, wo wir uns von kurz nach Mazatlán bis kurz vor Puerto Angel aufgehalten hatten war das Wetter wesentlich angenehmer zum Radfahren und wir sind froh, nicht die MEX 200 an der Küste entlang gefahren zu sein.

In der angeblich sehr windigen Gegend zwischen Salina Cruz und Santo Domingo, wo der Pazifik nur ca. 200 km vom Atlantik entfernt ist und am Isthmus von Tehuantepec nun endlich Mittelamerika beginnt, hatten wir offenbar großes Glück. Während andere Radler berichteten, dass sie vom böigen Seitenwind nur wenige Tage zuvor buchstäblich von der Straße geblasen wurden, hatten wir nur leichten Rückenwind der uns auf der ebenen Strecke recht gelegen kam. Ab Santo Domingo hatten wir zwar mit leichtem Gegenwind zu kämpfen, der aber bei weitem nicht zu den schlimmsten gehörte, die wir bisher schon erlebt hatten. Die Hitze in der Gegend machten uns in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit schon mehr zu schaffen.

Von San Pedro Tapanatepec aus ging‘s endlich wieder in die Berge nach Cintalapa und von dort über Tuxtla Gutierrez, der Hauptstadt von Chiapas, nach Chiapa de Corzo. Auf dieser Strecke war zum ersten Mal nach 16670 km ein Reifenwechsel an meinem Hinterrad fällig – Die Karkasse wurde an manchen Stellen unter dem Pannenschutzgürtel bereits sichtbar.

In Chiapa entschlossen wir uns kurzfristig, die Bootstour in den Cañon del Sumidero zu machen, nachdem uns mehrere andere Radler empfohlen hatten, uns diese nicht entgehen zu lassen. Obwohl die Tour für mexikanische Verhältnisse relativ teuer ist, war die zweistündige Bootsfahrt durch den bis zu 1000 m hohen Canyon den Preis und die investierte Zeit wert. Ca. 65 km weit führt die Runde von Chiapa bis zur Staumauer und wieder zurück. Unterwegs ist der Canyon an einigen Stellen weniger als 100m breit und die Felswände auf beiden Seiten mehrere hundert Meter hoch. An einigen flacheren Stellen sahen wir Krokodile faul am Ufer liegen oder an der Wasseroberfläche treiben. Von den Ausflugsbooten sind die Tiere offenbar nicht allzu beeindruckt – mehr als ein Augenzwinkern entlockten wir ihnen jedenfalls nicht.

Von Chiapa de Corzo aus erwartet uns eine lange Steigung, die uns von ca. 450 auf über 2300m Höhe und dann hinunter nach San Cristobal de las Casas auf 2100 m führt.

Neue Fotos gibt’s unter „Mexiko/Querétaro, Estado de México & Distrito Federal“ sowie „Mexiko/Puebla, Morelos Oaxaca & Chiapas“

Mazatlán bis San Miguel de Allende 12.1.10 – 4.2.10

Von Mazatlán aus änderte sich die Landschaft schon auf den ersten 70 km drastisch – immer hügeliger und immer interessanter wird die Umgebung, durch die wir radeln – entlang der Straße wachsen tropische Bäume und die Vögel die von den Ästen pfeifen hören sich an wie Papageien.

Wir waren eigentlich auf einen anstrengenden Anstieg gefasst, von dem wir am ersten Tag der Strecke nach Durango noch verschont bleiben. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen in Copala zu übernachten, überlegten aber an der Abzweigung der Straße, ob wir wirklich die steile gepflasterte Straße Richtung Copala hinunter nehmen oder doch besser weiterfahren sollten, nachdem wir erst 70 km gefahren waren und es noch relativ früh war.

Von Copala aus kam uns ein vollbesetztes Auto entgegen und der Fahrer fragte uns zu unserer Überraschung in gutem Englisch, ob wir nach Argentinien unterwegs wären und in Alaska gestartet seien. Wir tratschten kurz mit ihm und als wir ihn fragten, ob es in Copala ein Hotel gäbe, meinte er wir sollten doch einfach in seinem Haus schlafen, da er ohnehin über Nacht nicht zuhause wäre weil er gerade nach Mazatlán unterwegs sei.

Er gab uns seinen Hausschlüssel und die Anweisung, am Hauptplatz einfach irgendwen zu fragen: „¿Donde vive Luis?“ – Wo wohnt Luis – was sich als nicht so einfach herausstellte, wie er vielleicht geglaubt hatte, da natürlich im Ort jeder wusste, dass Luis gerade nach Mazatlán unterwegs war und wir mit unserem noch recht dürftigen Spanisch gewisse Schwierigkeiten hatten, den Leuten zu erklären, dass wir trotzdem sein Haus finden und dort schlafen wollten.

Glücklicherweise passte der Schlüssel aber beim ersten Tor, das wir probierten und wir mussten nur drei Leute fragen, bevor wir „zuhause“ waren. Luis‘ Haus ist sehr nett eingerichtet und wir fühlten uns sofort wohl darin. Als wir gerade dabei waren, unser Abendessen zu kochen bekamen wir auch noch Besuch von einigen Leuten, die offenbar auch einen Schlüssel hatten und begannen, im Garten zu arbeiten. Was genau sie machten fanden wir allerdings nicht heraus und ließen uns auch nicht weiter vom wohlverdienten Abendessen abhalten. Nach ca. einer Stunde waren sie ohnehin wieder verschwunden.

Am nächsten Morgen als wir gerade aufbrechen wollten kam Luis nachhause und wir hatten noch eine kurze aber nette Unterhaltung mit ihm. Er hatte Kunst studiert und ein kleines Geschäft in Copala, wo er die Ledermasken verkauft, die wir bei ihm zuhause gesehen hatten, wo sie zum Trocknen am Küchenboden aufgelegt waren.

Nachdem der Vortag mit knapp über 1017 Höhenmetern und 74 km noch mäßig anstrengend war, brachen wir am Tag darauf unseren bisherigen Tageshöhenmeterrekord auf der Strecke von Copala nach El Palmito – 2123 hm laut HAC5, laut GPS sogar über 2400 hm – was wirklich genauer ist wissen wir leider nicht. Jedenfalls wars anstrengend und eigentlich wollten wir schon einige km vor El Palmito campen, nachdem uns aber dort eine Wirtin sagte, dass es zum nächsten Hotel in El Palmito nur mehr 10 km wären und die Strecke flach sei, beschlossen wir, doch noch weiterzufahren. Aus den 10 km wurden 15 und die Strecke war flach genug um nochmal 300 hm zurückzulegen. Dementsprechend froh waren wir über die heiße Dusche und das gemütliche Bett in El Palmito, wo wir kurz nach Einbruch der Dunkelheit ankamen.

Ab der Grenze zwischen Sinaloa und Durango wird die Landschaft wirklich spektakulär – die Straße ist in teilweise senkrechte Felswände gehauen und an den Hängen wachsen Agaven. Auf einer Seehöhe von über 2000 m war es nun wieder deutlich kühler als zuvor am Strand in Mazatlán. Auf 2700 m setzte am Nachmittag ein mäßig angenehmer Graupelschauer ein der die Fahrbahn in kurzer Zeit in einen Rutschbahn verwandelte und uns zwang, uns schon in La Ciudad ein Zimmer zu nehmen. Wesentlich wärmer war‘s leider im Hotel auch nicht, denn Heizung oder Warmwasser gab‘s hier nicht obwohl wir uns noch immer auf über 2500 m befanden.

Am nächsten Morgen sahen wir, dass es offenbar in der Nacht wieder geschneit hatte. Die Straße war von einer ca. 5 cm dicken Schneeschicht bedeckt, die Temperatur lag bei -6°C und bei allen anderen Häusern kam dicker Rauch aus den Rauchfängen. Nachdems im Hotel auch nicht recht gemütlich war brachen wir trotzdem relativ früh auf und fuhren die ersten 22 km auf fast ununterbrochener Schneefahrbahn bis zum Pass von El Salto auf 2802 m Höhe. Auf der anderen Seite war glücklicherweise der Schnee schon größtenteils geschmolzen, so dass die Abfahrt nicht sonderlich problematisch war. Jedoch ließ uns unser erneut unbeheiztes Hotel in Llano Grande am Abend beinahe schon daran zweifeln, dass wir die richtige Route gewählt hatten.

Auch der nächste Tag begann mit Temperaturen um den Gefrierpunkt und dichter Bewölkung, die sich allerdings bis zu Mittag deutlich lichtete und bis zu unserer Ankunft in Durango völlig verschwunden war. Trotzdem wir wieder nur eine relativ kurze Distanz bis Durango zurücklegten, war die Strecke erneut anstrengend, denn das Zentralplateau Mexikos ist nicht flach, wie man dem Namen nach vermuten würde, sondern in dieser Gegend mindestens so hügelig wie das Waldviertel. Von Mazatlán bis Durango hatten wir insgesamt 6765 Höhenmeter auf 337 km zurückgelegt. 1700 hm mehr als wir nach den Angaben in anderen Blogs erwartet hatten – die barometrischen Höhenmesser weichen bei den Messwerten anscheinend ganz deutlich voneinander ab.

Dafür wurden wir in Durango sehr freundlich empfangen und bei der Suche nach einem Hotel von Ismael, den wir nach dem Weg zum Zentrum fragten, nicht nur in die richtige Straße geführt sondern auch noch auf einen Oxxo Kaffee eingeladen – Eine ganz lustige Erfahrung, denn er sprach trotzdem er zwei Jahre in Texas gelebt hatte kein Englisch und wir „unterhielten“ uns ausschließlich auf Spanisch.

Nach der anstrengenden Fahrt von Mazatlán gönnten wir uns ein ausgiebiges Abendessen im Restaurant mit Burritos, Tortas, Sincronizadas, Frijoles und Tacos con carne al pastor – wir probierten einfach alles, was es auf der Karte zu bestellen gab ohne genau zu wissen was uns erwartete und waren größtenteils begeistert J.

Nachdem die Methode am Vorabend so gut funktioniert hatte war ich auch beim Frühstück zu Experimenten aufgelegt und sah in der Karte, dass es „Menudo“ zum Frühstück nur am Sonntag gab, was mich neugierig werden ließ. Unser begrenztes Spanisch erlaubte uns zwar noch, die Kellnerin zu fragen was denn „Menudo“ eigentlich sei, der Antwort waren wir allerdings nicht gewachsen. Bestellt haben wir es trotzdem und waren relativ überrascht über das was wir dann aufgetischt bekamen – offenbar eine mexikanische Mischung aus Fleck- und Klachlsuppe (mit Kutteln und Rindshaxen statt Schweinshaxen) mit viel Chile – nicht ganz mein Geschmack fürs sonntägliche Frühstück.

Bis auf die Frühstückserfahrung ist Durango aber eine schöne Stadt mit einigen großen Plätzen, die von schönen Kolonialbauten umgeben sind und zahlreichen alten Kirchen. In der Fußgängerzone flanieren am Samstagabend offenbar engagierte Pärchen in Kolonialtracht auf und ab und vor den Hotels spielen Mariachis.

Unsere weiteren Stops von Durango nach Zacatecas waren Nombre de Dios, Sombrerete und Fresnillo, wovon die ersten beiden wieder ganz nette Kolonialstädtchen sind. Von Fresnillo sahen wir nur die Außenbezirke, die wenig ansprechend sind.

Auf fast der gesamten Strecke hatten wir mit böigem, unangenehmem Seitenwind zu kämpfen – gerade auf den engen und stark befahrenen Stadteinfahrten war das besonders unangenehm. Die letzte Steigung auf der Nordeinfahrt von Zacatecas wurde so zu einem der unangenehmsten Streckenabschnitte der gesamten Reise.

Belohnt wurden wir dafür mit einer unglaublich bunten Stadt die sich auf 2500 m zwischen die Berghänge zwängt und einen ganz besonderen Reiz hat. Kein Wunder, dass sie auch zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Wir genossen zwei Tage die engen Gässchen der Altstadt und den wunderschönen Ausblick von der Dachterrasse des Hostal Las Margaritas. Durch den Wind, der auch in Zacatecas nicht nachließ, konnten wir leider nicht mit der Seilbahn über die Stadt auf den Hausberg fahren – diese stellt nämlich den Betrieb bei Wind ab 65 km/h ein.

Von Zacatecas bis Aguascalientes legten wir noch einen Stop in Rincón de Romos ein und erreichten dadurch relativ früh am nächsten Tag unsere Unterkunft in Aguascalientes, wo wir zum ersten Mal in Mexico couchsurften. Unsere Hosts Nathalie und Marie aus der Schweiz und aus Frankreich unterrichten Französisch als Fremdsprache in Aguascalientes. Nathalie (http://nathauxameriques.blogspot.com/) blieb auf der Durchreise von Montréal nach Feuerland hier hängen während Marie zum Arbeiten hierher gekommen war.

Obwohl wir ziemlich müde waren ließen wir uns dazu überreden, mit den beiden und Damian, einem Freund und Kollegen der beiden noch auszugehen. In der Innenstadt gibt’s nah am Hauptplatz eine Bar, wo man zwar für die Getränke etwas mehr zahlt als woanders, dafür aber kleine Antojitos gratis serviert bekommt und das in Mengen, an denen man sich mehr als sattessen kann. Außerdem bekamen wir zusätzlich eine Runde Bier und zwei Runden Tequila gratis serviert, was in Kombination mit der Flasche Wein, die wir schon zuhause getrunken hatten und den restlichen Getränken zu ausgelassener Stimmung sowie einem ordentlichen Kater am nächsten Tag führte, der uns zu einem ungeplanten Pausentag zwang. Dass wir seit 7 Monaten fast keinen Alkohol getrunken hatten machte sich jedenfalls ziemlich bemerkbar. Vor allem im Vergleich zu den beiden Mädels, die erstaunlich fit waren obwohl sie noch 2-3 Stunden länger unterwegs waren nachdem wir uns um 3 verabschiedet hatten, machte ich wohl einen relativ schlechten Eindruck.

Am weiteren Weg nach León mussten wir zum ersten Mal feststellen wie ungenau bzw. falsch unsere ITMB Karte von Mexiko ist. Während auf der Karte die Autopista von Auguascalientes über San Francisco del Rincón nach León führt verläuft sie tatsächlich zuerst über León und von dort nach San Francisco – blöd, wenn man plant, kurz vor León in San Francisco zu übernachten. Bis León wars uns nämlich zu weit und auch die Abzweigung nach Lagos de Moreno hatten wir laut Karte schon weit hinter uns, wodurch uns nichts anderes übrig blieb als wieder mal zu zelten – zum großen Leidwesen Manus, die dadurch Grays Anatomy im Fernsehen versäumte, das hier jeden Montag auf AXN läuft ;-)

Am nächsten Tag fanden wir heraus, dass wir die Abzweigung nach Lagos de Moreno noch vor uns hatten, da diese sich nicht wie auf der Karte eingezeichnet bei Encarnación de Díaz sondern ca. 30 km weiter südlich bei San Jorge befindet.

In Leon gab‘s wieder einiges zu sehen – die Altstadt ist schön restauriert und wesentlich attraktiver als die Vororte, wo wir einige Kilometer auf unasphaltierten und extrem holprigen Straßen dahin radelten, weil wir die richtige Autobahnausfahrt verpasst hatten nachdem León in 3 verschiedenen Richtungen angeschrieben war.

Im Zentrum von León stehen mitten am Hauptplatz mehrere unitades dentales moviles – Mobile Zahnbehandlungswägen, vor denen die Leute teilweise Schlange stehen. Auch die außen angeschlagene Preisliste (natürlich in mexikanischen Pesos) ist interessant:DSC_0447 edit

Als wir gerade Richtung Guanajuato aufbrachen wurden wir wieder einmal ausführlich über unsere Reise befragt und fotografiert. Was wir jedoch noch nicht erlebt hatten war, dass der Neugierige ein Notizbuch herausholte und begann unsere Antworten aufzuschreiben. Es stellte sich heraus, dass er ein Journalist der Periodico a.m. León war und einen Beitrag über uns schreiben wollte. Die Fragerei war somit unser erstes Zeitungsinterview auf Spanisch und führte zu folgendem Ergebnis: Zeitungsartikel in der a.m.

Nachdem unser Spanisch noch relativ dürftig ist sah sich der Reporter offenbar gezwungen die spärlichen Informationen die er erhalten hatte noch etwas auszuschmücken und erfand einfach einige Details dazu, wie zB. dass wir ein Buch schreiben würden.

Wir versuchten am nächsten Tag in Guanajuato eine Ausgabe der a.m. zu bekommen, leider gab’s dort aber nur die lokale Auflage für Guanajuato und nicht die für León.

Guanajuato ist etwas kleiner als Zacatecas, sonst sieht‘s aber recht ähnlich aus und hat auch wieder ein nettes Hostal mit Dachterrasse, von der der Ausblick allerdings nicht ganz so gut ist wie in Zacatecas. Interessant sind in Guanajuato die zahlreichen verwirrenden Tunnel, die die ganze Stadt unterwühlen und durch die früher der Rio Guanajuato rann bevor er durch einen Damm umgeleitet wurde. Heute werden die Tunnel für den Verkehr genutzt und sogar für einige Parkplätze ist da unten genug Platz.

Von Guanajuato, das auf ca. 1980 m liegt führt die Ausfahrt Richtung Dolores Hidalgo zunächst kurz bergauf so dass man nach nicht viel mehr als 10 km den 2613 m hohen Pass vor Dolores Hidalgo erreicht. Wir waren zwar auf eine anstrengende Etappe vorbereitet aber die Steigung hatte es trotzdem in sich, zumal uns auch das warme Wetter ziemlich ins Schwitzen brachte.

Dolores Hidalgo (voller Name: Dolores Hidalgo Cuna de la Independencia Nacional) hat zwar eine große Bedeutung in der mexikanischen Geschichte und ca. 55000 Einwohner, ist aber auf unserer Karte trotzdem nicht eingezeichnet – schon das zweite Mal, dass uns ein relativ gravierender Mangel an der ITMB Karte auffällt.

Die Strecke nach San Miguel de Allende, wo wir wieder bei einem Couchsurfer wohnen war glücklicherweise weniger anstrengend und nur 44 km lang. Wir kamen hier am 29.1. an und hatten uns vorgenommen 1-2 Tage Pause einzulegen. Mittlerweile sind wir nun eine Woche hier, weils die letzten 5 Tage ununterbrochen regnete, was allerdings nicht so tragisch ist, da wir bei Erssel gut untergebracht sind und auch von Anfang an nette Gesellschaft hatten. Gleichzeitig mit uns waren am Freitag Yojana und Akasha, zwei Mexikanerinnen zum Couchsurfen bei Erssel angekommen, die hier in San Miguel einen Bauchtanz-Workshop besuchten.

Am Dienstag fanden wir heraus, dass noch ein anderes Radlerpaar gerade in der Stadt war und trafen die beiden am Abend in der Stadt. Roland und Belinda Hinmueller (Cycling with Sally) – sie aus Neuseeland, er aus Kanada, sind ebenfalls am Rad, allerdings am Tandem, von Alaska nach Feuerland unterwegs und machen gerade einen Spanischkurs hier in San Miguel. Gefunden haben sie uns über die panam-riders Google Gruppe, in der wahrscheinlich die meisten Panamerikana Radler, die derzeit gerade unterwegs sind, registriert sind. Die beiden bleiben noch eine Woche hier und brechen dann zunächst nach Guanajuato auf, wollen aber wie wir danach nach Oaxaca, San Cristobal, Yucatan und anschließend nach Belize fahren und wir hoffen uns dort wieder zu treffen um gemeinsam nach Guatemala radeln zu können. Heute Abend treffen wir die beiden wieder und werden genauere Pläne schmieden.

Las Cruces/New Mexico bis Mazatlán/Sinaloa 18.12.09 – 11.1.10

FotoAus der geplanten Übernachtung in Las Cruces bei Lee und Cindy wurden wieder mal zwei weil wir so nett aufgenommen und hervorragend verköstigt wurden.

Von Las Cruces sind es noch ca. 90 km bis zum White Sands National Monument. Auf dem Weg dorthin kamen wir in Organ bei dem Post Office vorbei, auf das wir uns noch einige Pakete hatten schicken lassen und tatsächlich bekamen wir diesmal alle vier erwarteten Packerl – in dem winzigen Post Office Container in Organ ist es offenbar nicht so leicht etwas zu verschlampen wie im Main Post Office in Flagstaff . Meine Taucherbrille, die offenbar schon in Flagstaff verschwunden ist, ist leider nicht mehr aufgetaucht und daher auch nicht nach Organ weitergeleitet worden.

FotoDa das White Sands Natl. Mon. mitten in der White Sands Missile Range liegt campten wir kurz vor Beginn der Missile Range, da wir spät aufgebrochen waren und nicht in der Dunkelheit im Natl. Mon. ankommen wollten. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, da es weder in der Missile Range noch im Natl. Mon. selbst eine Möglichkeit zum Campen gibt. So erreichten wir das National Monument am Frühen Nachmittag und hatten bis zum Abend Zeit, in der riesigen Sandkiste zu spielen J. Der weiße Sand, der ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern bedeckt besteht aus Gips, der vom Regen aus den benachbarten Bergen gelöst und ins Tal gespült wird, wo die Flüsse in kleinen Seen enden, die keinen Abfluss haben. FotoDer gelöste Gips kristallisiert wenn die Seen im Sommer austrocknen und wird vom Wind zu Dünen aufgehäuft, die schneeweiß sind. Dazwischen wachsen Yuccas und kleinere Sträucher.

FotoDie Straße des Natl. Mon. führt 8 Meilen weit mitten ins Dünenfeld, wo es kaum mehr Vegetation gibt, weil die Dünen zu schnell wandern. In den rein weißen Sandhaufen, die ca. 5-10 m hoch sind fühlt man sich wie in einer anderen Welt – sehr eindrucksvoll!

FotoAm östlichen Ende der Missile Range gibt es in der dort gelegenen Holloman Airforce Base eine Wildlife Viewing Area, wo man auch Campen darf. Von dort fuhren wir am nächsten Tag wieder zurück nach Las Cruces wo wir bereits zum Abendessen mit Lee, Cindy und einigen Bekannten der beiden erwartet wurden. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, dass es In Puerto Palomas – an dem Grenzübergang, den wir zu benutzen geplant hatten in letzter Zeit einige Entführungen gegeben hatte. Auf Anfrage bei der Österreichischen Botschaft in Mexico erhielten wir die beruhigende Auskunft, dass keiner der Grenzübergänge zu den USA momentan sicher wäre, jedoch keinen Tipp, welchen Grenzübergang wir wählen sollten. Nachdem wir von den Entführungen in Columbus gehört hatten entschieden wir uns, nach Arizona zurückzufahren und die bei Douglas die Grenze nach Mexico zu überqueren, da es zwischen dort und Columbus bei Antelope Wells zwar noch einen Grenzübergang, aber keine mexikanischen Einreisebehörden gibt.

Lee und Cindy halfen uns noch, unsere Ausstattung für Mexiko zu komplettieren und wir fanden sogar noch ein Tauchgeschäft, das innerhalb eines Tages eine Taucherbrille mit passenden Korrekturgläsern für mich auftreiben konnte.

FotoDurch die Wartezeit auf die Taucherbrille und den darauffolgenden Regentag verlängerte sich unser Aufenthalt wieder ungeplant aber nicht unwillkommen bis zum 24.12., wodurch wir noch „gemeinsam“ mit unseren Eltern über Skype Weihnachten feiern konnten ;-) . Den eigentlichen Weihnachtsabend verbrachten wir nahe El Paso wieder im Zelt und hatten morgens darauf wieder mal kühle minus 9°C zu verzeichnen – Zeit also, so schnell wie möglich nach Mexiko aufzubrechen. FotoDie Landschaft am Highway 9 entlang der Grenze ab Columbus westwärts und speziell das Gebiet unmittelbar östlich der Chiricahua Mountains waren abgesehen von White Sands die schönste Gegend New Mexicos, die wir sahen. In den Bergen hier lag teilweise neben der Straße noch etwas Schnee zwischen den typischen Wüstenpflanzen wie Mesquitesträuchern und Yuccas.

FotoKurz vor Douglas begegneten wir dem ersten Reiseradler seit langer Zeit. Der arme war in San Diego aufgebrochen und hatte kein Zelt sondern nur einen Biwak Sack zum Campen – Sicher nicht recht angenehm bei den Temperaturen hier in der Nacht. Zudem erzählte er uns, dass er fast jede Nacht von der Border Patrol aufgeweckt wurde, die ihn für einen illegalen Einwanderer hielt. Diese Erfahrung war uns glücklicherweise erspart geblieben. Entweder wissen wir mittlerweile, wie man sich beim Campen besser versteckt oder die Border Patrol hat uns einfach mit Zelt und Rädern für zu gut ausgestattet gehalten, um uns für illegale Grenzgänger zu halten.

FotoIn Douglas angekommen, gönnten wir uns noch ein letztes Mal eine Nacht in einem RV-Park um nochmal Wäsche zu waschen und uns auf Mexiko vorzubereiten und brachen am nächsten Tag frühmorgens zur Grenze auf.

Diesmal war es kein Problem, den Ausreisestempel für die USA zu erhalten und auch der mexikanische Einreise-Beamte gab uns nach kurzer Verhandlung für je 24 US$ eine 180 Tage Aufenthaltsgenehmigung – mehr als wir erwartet hatten und viel mehr als wir hoffentlich für Mexiko brauchen werden.

Der Weg durch Agua Prieta begann abenteuerlich. Wir hatten zwar herausgefunden, dass man auf http://www.bing.com/maps/ auch für Mexiko, Mittel- und Südamerika Routen planen kann, was auf Google Maps bisher nicht möglich ist, jedoch war in unserer Routenplanung nicht vermerkt, dass die Avenida Ferrocarril (Bahngasse), die uns aus der Stadt führen sollte nicht asphaltiert ist, auf weiten Strecken eher einer Müllhalde ähnelt als einer Straße und zudem eine Furt durch einen kleinen Bach beinhaltet. Trotzdem gelangten wir relativ schnell auf die MEX 2 und von dort auf die MEX 17 und waren froh, die Grenzstadt relativ schnell verlassen zu können.

Die erste Überraschung in Mexiko war, dass die Autofahrer bisher größtenteils recht rücksichtsvoll sind, uns oft zuwinken und beim Überholen ausreichend Abstand halten bzw. so lange hinter uns herfahren bis sie sicher überholen können.

Am ersten Tag in Mexiko fuhren wir bis Esqueda, wo wir uns im ersten Motel einquartierten, das wir fanden und von dem wir ebenso positiv überrascht wurden. Nach fast sieben Monaten im Zelt war der Komfort von eigenem Badezimmer, richtigem (und sogar sauberem) Bett und Fernseher für umgerechnet ca. 16€ zu zweit durchaus willkommen.

Von Esqueda ging’s weiter durch die hügelige Wüstengegend des nördlichen Sonora nach Cumpas. Auffallend ist hier, dass die Landschaft im Vergleich zu New Mexico und Arizona wesentlich grüner ist. Die Mesquitesträucher haben hier wieder Blätter und man findet auch immer mehr andere Vegetation. Auch in Cumpas fanden wir ein nettes und günstiges Hotel und wurden bei unserer Ankunft auch gleich auf Kaffee (aus echten Bohnen und mit echter Milch) und Tamales eingeladen. Die Mexikaner stellen sich zunehmend als sehr freundlich heraus und der Eindruck, den man in den USA aus den Medien und von Erzählungen verängstigter Amerikaner, die noch nie hier waren, bekommt, scheint bislang in keinster Weise zuzutreffen.

Nachdem’s von Cumpas aus über Moctezuma richtig in die Berge geht war der 31.12. ein recht anstrengender Tag, und unsere Silvesterfeier in Mazocahui fiel recht sparsam aus. Dafür waren wir am 1. aber gut in Form und schafften die 127 km bis Hermosillo noch vor 17:00.

FotoAb Hermosillo begann leider ein weit weniger interessantes Stück Straße – auf der Mex 15 ist relativ viel Verkehr und die Landschaft ist sozusagen brettl-eben – und das bis La Cruz mit ein paar Ausnahmehügeln vor Culiacán. In Guaymas sahen wir zum ersten Mal seit Big Sur den Pazifik – oder besser gesagt den Golf von Kalifornien – wieder. Das letzte Mal ist ja nun auch schon wieder ca. 5000 km her. Zum Baden lud die Gegend allerdings nicht wirklich ein. Das werden wir wohl bis etwas später verschieben müssen, da wir den Umweg nach San Carlos, wo’s schön sein soll nicht in Kauf nehmen wollten.

FotoNachdem die Strecke so flach war kamen wir wenigstens ganz gut voran und erreichten Mazatlán am 10.1. – 1371 km seit wir in am 29.12. in Agua Prieta nach Mexico geradelt sind in 13 Tagen also. Die Landschaft war dabei nur am Anfang vor Hermosillo in den Bergen und kurz vor Mazatlán interessant. In Sonora radelt man auf der Mex 15 parallel zur Küste in einiger Entfernung zu dieser ab Empalme in einem Großteils flachen Wüstengebiet durch Ciudad Obregon und Navojoa bis man ein Stück vor Los Mochis die Grenze nach Sinaloa überschreitet, wo plötzlich die Straße etwas breiter wird und einen schmalen Seitenstreifen hat und die Wüste in bewässertes Ackerland übergeht. Die Highlights dieser Strecke sind also quasi die Quesadillas und Tacos von den Asaderos am Straßenrand, die Abende in den Motels vor dem Fernseher (die man tatsächlich genießen kann, wenn man die letzten 7 Monate fast ausschließlich im Zelt geschlafen hat) und die tägliche Dusche, für die wir oft viel gegeben hätten als wir noch in den einsameren Gegenden der USA und Kanadas unterwegs waren.

Kurz vor Mazatlán überquerten wir den Wendekreis des Krebses – den Breitenkreis, an dem die Sonne zur Sommersonnenwende am Zenit steht und haben somit ca. 6 Monate nach dem nördlichsten Punkt unserer Reise in Fairbanks, wo wir nur 313 km vom Polarkreis entfernt waren, die Tropen erreicht. Passenderweise sahen wir am Wendekreis zum ersten Mal ein freilebendes Krokodil in einem Bach neben der Straße – gute 2,5 m lang aber leider zu schnell wieder weg, um es zu fotografieren. Außerdem hatten wir zum ersten Mal die Gelegenheit, uns von einer der kleinen Palmen am Straßenrand ein paar Kokosnüsse zu pflücken und auszutrinken – lecker!

Mazatlán gefällt uns sehr gut und wir gönnen uns einen Tag Pause in einem netten Hotel am Strand in der Altstadt bevor wir morgen nach Durango in die Berge aufbrechen.

FotoDie Küste vor Mazatlán hat sich als heiß, schwül und hügelig herausgestellt und die Straße ist unangenehm zu fahren weil der Pannenstreifen schlecht asphaltiert ist. Der seltene Ausblick aufs Meer ändert daran leider nichts. Wir freuen uns, in den Bergen hoffentlich bald endlich wieder in schönere Landschaft zu kommen.

Fotos zu diesem Beitrag gibt’s unter Arizona, New Mexico und Mexiko.

San Francisco bis Mesquite 8.10.09 – 5.11.09

Am Weg von Berkeley zurück zum Highway 1 nahmen wir bis Daly City die BART (Bay Area Rapid Transit – sowas wie unsere Schnellbahn) um uns die erneute Fahrt durch die hügelige Stadt zu ersparen. Von dort ging es weiter über Pacifica an die Küste. Der Highway südlich von Pacifica ist zwar als Pacific Coast Bike Route beschildert, jedoch zum Radfahren ziemlich ungeeignet – kurvig, schmal und ohne befahrbares Bankett – nicht gerade angenehm. Die Küste ist dafür umso schöner – teils weiße Sandstrände, teils steil abfallende Kliffs säumen die Westseite des Highways und die Hügel bleiben natürlich auch hier wieder nicht aus – 1000 Höhenmeter am Tag sind keine Seltenheit. Vor Monterey kamen wir dann wieder in landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet – Kohlsprossen, Erdbeeren und Artischocken werden hier angebaut – Zum Abendessen gab‘s daher frisches Gemüse.

In Santa Cruz fanden wir ein gut sortiertes Radgeschäft, wo wir einige Ersatzteile besorgten, die wahrscheinlich in Mittel- und Südamerika schwer zu bekommen sind – Ersatzkugellager für meine Naben, noch einige Reservespeichen, Schaltzüge und Kettenöl. Geeignete Reifen und Bremsbeläge für unsere Scheibenbremsen sucht man leider auch hier vergeblich. Für Manus SLX Bremsen hätten wir zwar schon einige Male passende Bremsbeläge gefunden, doch kosten diese hier zwei– bis dreimal soviel wie zuhause. Für Formula Bremsen gibt’s überhaupt keine Ersatzteile – die dürften hier nicht sonderlich populär sein – wir werden also einige Dinge noch im Internet bestellen und uns auf ein Postamt am Weg schicken lassen.

Am Weg nach Monterey wurden wir von Einheimischen vor einem größeren Sturm gewarnt, der gerade im Anzug war. Nachdem wir schon in Santa Cruz gesehen hatten, dass die Campgrounds deshalb gesperrt wurden stellten wir uns darauf ein, die Nacht in Monterey in einem Youth Hostel zu verbringen. Kurz vor Monterey in Seaside begannen wir, nach einer günstigen Unterkunft zu suchen und landeten schließlich im Seaside Inn, das erstens günstiger als das einzige Hostel in Monterey war und zudem den Vorteil hatte, dass wir die Räder mit ins Zimmer nehmen durften.

Nachdem die Sturmwarnung auch für den nächsten Tag aufrecht blieb entschieden wir uns, noch eine zweite Nacht im Motel zu bleiben und besichtigten das Monterey Bay Aquarium – angeblich eines der größten Aquarien der Welt und das einzige, dem es bereits mehrmals gelungen ist, einen Weißen Hai für einige Monate erfolgreich zu beherbergen und anschließend wieder auszusetzen. Wir hatten das Glück, dass gerade wieder ein kleiner Weißer Hai ins Aquarium gekommen war, der im Outer Bay Becken neben Hammerhaien, Thunfischen und Delfinfischen seine Runden drehte.

Insgesamt war das Aquarium das schönste, das wir bisher gesehen hatten und ist den relativ hohen Eintrittspreis auf jeden Fall wert.

Von Seaside fuhren wir über Monterey und Carmel weiter nach Süden und bogen kurz nach Big Sur wieder Richtung Inland ab. Die Nacimiento – Fergusson Road, die von der Küste über die Coastal Range führt ist zwar mit dem Rad eine kleine Herausforderung, lohnt sich aber wegen des schönen Ausblicks auf jeden Fall. In engen Serpentinen windet sie sich von der Küste bis auf über 800m Höhe und bietet von mediterranen Graslandschaften über Eichenwälder bis zu Redwoods jede Menge Abwechslung. Auch die Fauna hat einige Überraschungen parat – zum Ersten Mal auf unserer Reise sahen wir eine Tarantel – interessant, diese Tiere mal in freier Wildbahn statt im Terrarium zu sehen. Es blieb auch nicht bei einer Sichtung denn die Viecherln gibt’s da anscheinend haufenweise – Manu hörte jedenfalls am nächsten Tag bei 18 Stück zu zählen auf. Gut zu wissen, dass man die Schuhe in der Früh wohl ab jetzt gut ausschütteln sollte um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Möglichkeiten zum Campen sucht man auf der Westseite der Coastal Range leider vergeblich und wir mussten einen großen Teil der Abfahrt auf der Ostseite schon bei Dunkelheit bewältigen bis wir zum ersten Campground kamen.

Nachdem es weder in Jolon noch in San Lucas eine Möglichkeit gibt, Nahrungsmittel zu kaufen mussten wir am weiteren Weg Richtung Fresno den Umweg über King City in Kauf nehmen, da zwischen King City und Coalinga am Hwy 198 eine längere einsame Strecke zu erwarten war – wir hatten uns schon wieder daran gewöhnt, zumindest einmal alle 100 km an einem Supermarkt vorbeizukommen und daher nicht recht viel Vorräte dabei.

Das nächste Problem am Hwy 198 sollten die Zäune sein, die sich am Straßenrand kilometerweit entlang ziehen und keinen Platz zum Campen lassen – nachdem wir schon ca. 20 km nach einem Schlafplatz gesucht hatten klopften wir daher bei einer Farm an die Tür und fragten, ob wir hinterm Haus campen dürften. Der Besitzer – John stellte sich als sehr freundlich heraus und kaum hatten wir das Zelt aufgebaut kam er nochmal heraus und bot uns an, uns zum Abendessen ein paar Steaks zu braten – ein Angebot, dem wir nicht widerstehen konnten. Irgendwie dürften wir einen mitleiderregenden Eindruck gemacht haben, denn statt nur eines Steaks bekamen wir ein dreigängiges Abendessen serviert – Clam Chowder, Steak mit Kartofferl und Broccoli und dann noch Erdbeeren als Nachspeise und nicht zu vergessen – am nächsten Tag noch ein Frühstück!

Der weitere Verlauf des Hwy 198 war bis Coalinga wieder eine sehr interessante und sehr abwechslungsreiche Strecke. Ab Coalinga beginnt jedoch das Farmland, das das gesamte Tal ausfüllt, größtenteils völlig flach ist und die wohl ödeste Gegend unserer Reise war. Bis Fresno sieht man für über 100 km nichts anderes mehr als quadratische Felder im 2 km Raster. Fresno ist fast genauso öde wie das umgebende Farmland, doch hatten wir das Glück, wieder mal einen sehr netten Gastgeber über Couchsurfing gefunden zu haben. Wir nutzten unseren Aufenthalt um endlich wieder mal richtiges Brot zu backen, Ersatzteile und Landkarten für Mittel- und Südamerika zu kaufen, unseren Blog zu aktualisieren und die Dinge, die in Fresno nicht zu bekommen waren im Internet zu bestellen.

Von Fresno aus ging’s weiter zum Kings Canyon und anschließend zum Sequoia National Park und wir konnten zum zweiten Mal innerhalb einer Woche unseren Tageshöhenmeter-Rekord verbessern – von 1700 hm am Hwy 1 und Nacimiento Fergusson Road auf 2001 hm von Squaw Valley bis zum Fir Campground kurz vorm Sequoia National Park. Für die Anstrengung wurden wir durch die eindrucksvollen Sequoias und den anschließenden Downhill vom Park zurück in die Foothills entschädigt – 1200 Höhenmeter steil bergab, nur unterbrochen durch eine kurze Pause um einen Schwarzbären zu beobachten, der etwas abseits der Straße gerade genüsslich und völlig unbeeindruckt von den zahlreichen Touristen, die ihn fotografierten, sein Abendessen verspeiste.

Die Sequoias – bis zu 311 Fuß hoch und mit Durchmessern bis zu 12 Metern sind nochmal eine eindrucksvolle Steigerung zu den Coast Redwoods, die zwar mit bis zu 376 Fuß etwas höher werden aber einen viel geringeren Durchmesser haben.

Im Sequoia National Park trafen wir auch zufällig Ted, unseren Host aus Berkeley wieder, der gerade mit zwei Couchsurfern eine kleine Runde durch einige Nationalparks machte.

Von den Foothills der Sierra Nevada kamen wir wieder zurück ins San Joaquin Valley mit seinen endlosen Feldern, nur unterbrochen von vereinzelten Orangen-, Zitronen- und Granatapfelplantagen, die wir die nächsten zwei Tage zu durchqueren hatten.

Erst kurz vor Bakersfield beginnt die Landschaft wieder etwas hügeliger zu werden und die Felder weichen Viehweiden – die teilweise mit Unmengen an ohnehin knappem Wasser bewässert werden. Bakersfield ist ungefähr so attraktiv wie Fresno – kein Platz um sich unnötig lange darin aufzuhalten.

Am Hwy 58 verließen wir Bakersfield wieder und nahmen die lange Steigung zum Tehachapi Pass in Angriff. Wir kamen bis Keene, wo uns der Besitzer eines Cafés einlud, im Garten des Cafés zu campen, was uns sehr gelegen kam, da in näherer Umgebung keine anderen Zeltplätze zu finden waren. In der Früh gab‘s dann noch einen Gratis-Kaffee – so stellt man sich einen netten Campground vor!

In Keene konnten wir endlich den stark befahrenen Freeway 58 verlassen und auf der Tehachapi Loop Road weiter bis zum Pass hinauf radeln um auf der anderen Seite des Berges plötzlich eine völlig andere Landschaft vorzufinden – Die Mojave Wüste mit den ersten Joshua Trees erstreckt sich bis zum Horizont. Nach der Mittagspause in Mojave kamen wir am flachen Terrain gut voran und lernten am Abend auch gleich einen Vorzug der Wüste zu schätzen – es gibt alle paar 100 Meter einen geeigneten Zeltplatz mit ebenem Boden – wir campten also einfach einige 100 Meter vom Highway entfernt, schlugen das Zelt bei beginnender Dunkelheit auf und standen rechtzeitig bevor es wieder richtig hell wurde auf um unseren Zeltplatz wieder zu räumen – Eine Vorgangsweise, die wir in den nächsten Wochen wohl öfter anwenden würden.

Am Morgen setzte beim Frühstück in der Wüste ein recht unangenehmer Sandsturm ein, der uns zwang, das Frühstück abzubrechen und aufzubrechen – glücklicherweise kam der Wind von Westen und blies somit in unsere Richtung, was uns bis Barstow eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 km/h und 75 gefahrene km vor der Mittagspause bescherte.

Leider änderte sich unsere Fahrtrichtung am Nachmittag und es ging nur mehr mit ca. 10 km/h am Highway 247 nach Süden weiter Richtung Lucerne Valley – das fühlte sich ungefähr an wie der Wechsel von der Autobahn in die 30er Zone – mit Gegenwind haben wir noch so unsere Probleme auch wenn wir mittlerweile wahrscheinlich relativ fit sind.

Weiter durch die Wüste kamen wir Tags darauf bis kurz vor Yucca Valley und wurden wieder mal unerwartet eingeladen – diesmal von einem technischen Zeichner, dessen Spitznamen (seinen richtigen fanden wir nicht heraus) wir leider beide sofort wieder vergaßen. Wir verbrachten einen netten Abend mit ihm und seiner Frau in Mesa bei veganem Essen und fanden heraus, dass er zu Fuß von Kalifornien bis Kolumbien gewandert war – allerdings schon vor ca. 30 Jahren, weshalb er uns nicht allzu viele nützliche Tipps für die Weiterreise geben konnte.

Durch den Joshua Tree Nationalpark mit seinen beeindruckenden Felshaufen und natürlich den sehr bemerkenswerten Joshua Trees fuhren wir weiter um über fast endlose Wüstentäler und einige kleinere Berge das Mojave National Preserve zu erreichen, in dem wir nun zum dritten Mal zufällig Paul (www.panamericantour.net) trafen. Er hatte sich mittlerweile von seinem Freund Chris getrennt, den wir zufällig auch einige Wochen zuvor an der kalifornischen Küste getroffen hatten nachdem wir die beiden zuletzt noch gemeinsam in Stewart / Britisch Columbia und davor in der Nähe von Dawson City im Yukon getroffen hatten. Die Radlerwelt ist jedenfalls klein – Wahrscheinlich werden wir einen der beiden spätestens im Süden Mexicos wieder treffen.

Das Mojave National Preserve gefiel uns landschaftlich fast genau so gut wie der Joshua Tree National Park und auch hier gibt es in den höheren Lagen wieder Yuccas und Joshua Trees, die der Gegend einen sehr speziellen Eindruck verleihen.

Nach weiteren 100 Kilometern erreichten wir endlich Las Vegas – Die Südeinfahrt, der Hwy 604 setzt sich direkt in den Las Vegas Boulevard, den berühmten Strip mit Unmengen an Casinos fort, die sich seit meinem letzten Besuch hier noch deutlich vermehrt haben. Wir kamen günstiger weise genau zur einbrechenden Dämmerung an, wodurch wir das eindrucksvolle Lichtspektakel, das der Stadt in der Nacht ihre besondere Atmosphäre verleiht erleben konnten.

Eine Unterkunft hatten wir bei Kevin, einem der Administratoren von www.warmshowers.com gefunden. Der Weg durch die Stadt bis zu seinem Haus war diesmal nicht so anstrengend wie bei anderen Städten, da es alle paar Meter irgendein verrücktes oder spektakuläres Gebäude gibt, über das man sich wundern kann. Trotzdem waren wir froh, als wir nach ca. 20 km im dichten Stadtverkehr endlich „zuhause“ angekommen waren.

Kevin stellte sich als sehr freundlich heraus und auch sein Haus ließ nichts zu wünschen übrig – Eigenes Schlafzimmer, Bad, große Küche mit Ausstattung zum Brotbacken – was will man mehr?

Die Zeit in Las Vegas war relativ knapp da wir ja nicht mehr lange in den USA bleiben dürfen und noch mehr als 3000 km zu bewältigen haben – trotzdem konnten wir die meisten Besorgungen, die wir vor Mexico noch machen wollten erledigen – neue Sitzmatten, Permethrin Spray, DEET und Karten von Utah und Arizona bekamen wir bei REI, wohin uns Kevin begleitete. Das überfällige Geburtstagsessen gab’s im „The Orleans“-Casino, das wir übrigens sehr empfehlen möchten – das Buffet ist sehr vielfältig und das Essen ist größtenteils sehr gut – besonders auch die Salate und Desserts. Zudem stimmt der Preis, da das Casino nicht direkt am Strip sondern etwas westlich davon liegt.

Brot wurde natürlich auch wieder gebacken – diesmal wieder mit ausreichend Roggenmehl, das wir in Fresno leider nirgends finden konnten. Nur die Internet-Erledigungen, die auch schon wieder dringend anstanden konnten wir leider nicht machen, da die Modemverbindung, die Kevin nutzt für die meisten Websites, unter Anderem auch für Google Maps, viel zu langsam ist.

Nach einem „Ruhetag“ in Las Vegas brachen wir wieder Richtung Nordosten auf und kamen noch fast bis zum Valley of Fire State Park. Nach dem Trubel in der Stadt ist das Campen in der Wüste wieder sehr angenehm – viel länger als 1-2 Tage hätten wir es in Las Vegas wahrscheinlich ohnehin nicht ausgehalten.

Über das Valley of Fire fuhren wir weiter nach Logandale und holten dort unsere Landkarten und Ersatzteile ab, die wir per general delivery aufs Postamt hatten schicken lassen – bis auf ein Paket für Manu, das wir aus Österreich erwarteten war auch tatsächlich alles rechtzeitig angekommen. Glücklicherweise kann man die Pakete, die man noch erwartet relativ problemlos auf ein anderes post office weiterleiten lassen.

Am Abend hatten wir bei McDonalds in Mesquite nochmal die Gelegenheit, einige Emails zu verschicken, ein Moskitonetz für Malariagegenden zu bestellen und den Versand unserer Reservereifen, auf die wir schon seit Fresno warten zu organisieren. Das alles können wir dann hoffentlich in Flagstaff/Arizona am Postamt abholen.

Von Mesquite aus geht’s jetzt weiter in die Berge zum Zion und Bryce Canyon National Park.

Fotos zum Aktuellen Eintrag gibt’s in den Kategorien Kalifornien und Nevada.

Shelton bis San Francisco – 7.9.09 – 8.10.09

Von Shelton aus verlief unsere Route Richtung Süden und führte uns über Washingtons Hauptstadt Olympia nach Portland. Die Strecke verlief wie schon vor Shelton Großteils durch Farmland und war wieder mal wenig aufregend. Wir hatten allerdings schon vor unserer Entscheidung, durchs Inland zu fahren damit gerechnet und hatten entschieden, diesen Umstand in Kauf zu nehmen um den Umweg an die Küste zu vermeiden.
Portland stellte sich als die bisher interessanteste Stadt unserer Reise heraus. Besonders beeindruckend ist die schier unheimliche Zahl an Radfahrern, die die Stadt bevölkern. An jeder Ecke gibt’s Radgeschäfte und die Vielfalt an unterschiedlichen Drahteseln auf den Straßen ist unermesslich. Zudem hat die Stadt ein riesiges Netz an Radwegen, und im Visitor Center und in vielen Radshops bekommt man gratis Rad-Karten und -Stadtführer.

Ein Quartier fanden wir – wieder mal über warmshowers – bei Phil und Brie – zwei jungen New Yorkern, die selbst erst seit einigen Monaten in Portland wohnen und vor einiger Zeit mit den Rädern von New York bis fast nach Portland gefahren waren.
Nach drei Tagen in Portland hatten wir Bewegung wieder dringend nötig – nicht zuletzt weil wir auf der Stadtausfahrt zum ersten Mal seit Fairbanks einem Fastfoodheißhunger verfallen waren, der durch ein außergewöhnlich gutes Angebot bei Burger King ausgelöst worden war.
In drei Tagen erreichten wir Lincoln City an der Küste Oregons und freuten uns, endlich wieder mal etwas Abwechslung entlang der Strecke zu haben – Der bekannte Highway 101 entlang des Pazifiks bietet tatsächlich beeindruckende Felsformationen und schöne Sandstrände, nur lässt die Wassertemperatur etwas zu wünschen übrig.
Auch das Campen ist am Highway 101 wieder angenehm günstig, da es jede Menge kleine State Parks gibt, deren Campgrounds mit Hiker/Biker Sites ausgestattet sind, die nur 4$ pro Person kosten.
Am zweiten Tag an der Küste trafen wir am berühmten Seal Rock in der Mittagspause Caro und Nils aus Deutschland, die ebenfalls in Anchorage gestartet waren und daher schon von Weitem an der schweren Beladung als Langstreckenradler von den hier zu Hauf anzutreffenden Zwei-Taschen-Wochenend-Radlern zu unterscheiden waren. Aufgrund der netten Unterhaltung und ob der Freude, endlich mal wieder jemand getroffen zu haben, der ähnlich viel Gepäck wie wir zu schleppen hatte, radelten wir den Rest des Tages gemeinsam zum Honeyman Campground, auf dem die beiden einen Freund treffen wollten, mit dem sie bereits auf Vancouver Island geradelt waren.
Am nächsten Tag setzten wir etwas verspätet am frühen Nachmittag (Regen :-( und langer Erfahrungsaustausch mit Nils und Caro :-) ) unsere Reise fort und bogen in Reedsport wieder ins Inland ab, um zum Crater Lake zu fahren. Der Hwy 38 und 138 gefielen uns sehr und waren vor allem auch wesentlich weniger befahren als der 101 an der Küste, und wir waren schon bevor wir den Crater Lake erreicht hatten fest davon überzeugt, dass wir den interessanteren, wenn auch anstrengenderen Weg gewählt hatten.
Sobald wir den Nationalpark erreicht hatten war auch die Anstrengung des 2300-Höhenmeter-Anstieges vergessen. Über die Nordeinfahrt erreichten wir zuerst die beeindruckende Pumice Wüste, die entstand als bei der Explosion des Mt. Mazama vor 7700 Jahren ein Tal 30m hoch mit Asche aufgefüllt wurde. Die Nacht darauf verbrachten wir auf unserem bisher höchstgelegenen Zeltplatz auf 1935m Höhe. Wenig überaschenderweise war die Nacht auch unsere bisher kälteste mit -2°C in der Apsis. Auch das Frühstück auf 2300m am Grat des Kraters war eher kühl, doch wurden wir durch die grandiose Aussicht auf den dunkelblauen Kratersee und Wizard Island mehr als entschädigt. Nachdem uns die Landschaft so gefiel und auch die Fotomöglichkeiten zahlreich waren schafften wir am Crater Lake nur 27 km, die aber sicherlich zu den schönsten unserer bisherigen Reise gehören.
Ein fast ebenbürtiges Highlight war auch die Abfahrt vom Crater Lake Richtung Küste – auf über 30km geht’s über 900 Höhenmeter bergab mit einem einzigen, vielleicht 100m langen Stück, auf dem man kurz treten muss.
Sobald wir die Berge verlassen hatten wurde die etwas unangenehme Kälte von ziemlich unangenehmer Hitze abgelöst – 38° im Schatten ließen meinen Radcomputer mehrmals ausfallen und brachten Manu beinahe zu Verzweiflung.
Kaum an der Küste – diesmal schon in Kalifornien – angekommen empfing uns wieder Nebel und Kälte in den Sequoia Wäldern rund um Crescent City.
Zu unserer großen Überraschung kamen am Morgen nachdem wir wieder an der Küste angekommen waren als wir gerade auf einem Picknicktisch vor einem Campground frühstückten Nils und Caro aus ebenjenem geradelt. Das Frühstück dehnte sich dadurch wieder beträchtlich in die Länge und nachdem danach noch immer nicht alles besprochen war radelten wir gemeinsam weiter.
Zu viert zu radeln stellte sich als sehr unterhaltsam heraus und hatte zudem den Vorteil, dass wir uns die Campingplatzgebühren teilen konnten. So setzten wir auch am nächsten Tag unsere Tour gemeinsam fort und wollten uns eigentlich wieder einen Zeltplatz teilen, wurden aber am Abend sogleich eines besseren belehrt – ein hoher Preis und eine Beschränkung auf maximal zwei Personen pro Site am Campground veranlasste uns, uns gemeinsam einen Wildcampplatz zu suchen. Wenn wir allerdings vorher gewusst hätten, wieviel Bear Poo wir später rund um unseren Zeltplatz finden sollten, hätten wir vielleicht diese Entscheidung nochmals überdacht.
Caro und Nils begleiteten uns weiter durch die Avenue of the Giants, deren riesige Coast Redwoods, die oft über 100 m hoch sind und Stämme mit mehreren Metern Durchmesser haben, uns alle sehr beindruckten.

Entlang der sehr hügeligen kalifornischen Küste fuhren wir gemeinsam weiter bis Sausalito – nördlich von San Francisco – und wurden von tausenden rosa und pink gekleideten Frauen mit Wuschelschwänzen und Plüschquasten am Kopf empfangen, die uns bis über die Golden Gate Bridge nach San Francisco hinein begleiten sollten. Der San Francisco Bay Area Breast Cancer 3-Day Walk war gerade voll im Gange, als wir eintrafen.

Am nordende der Golden Gate Bridge gönnten wir uns allerding noch eine ausgiebige Mittagspause im Fort Baker Park mit Blick auf San Franciscos Skyline und die Golden Gate Bridge bevor wir uns auf den Weg durch das rosarote Getümmel in die Stadt machten.
Am Südende der Golden Gate Bridge wurden wir dann auch sogleich von einem einheimischen Radler in Beschlag genommen, der uns anbot, uns den besten Weg durch die Stadt nach Pacifica zu zeigen, wohin wir am Madrone Campground einige Tage zuvor etwas südlich der Avenue of the Giants von einem Ehepaar eingeladen worden waren.
Der Weg, den er mit uns einschlug wäre vielleicht unter normalen Umständen ganz schön gewesen, doch hatte sich am Nachmittag der kühle Wind zu einem richtigen Sturm ausgewachsen und machte uns insbesondere am langen Strand auf der Westseite San Franciscos gehörig zu schaffen. Der Strand wurde vom Sturm nämlich kurzerhand auf die Straße verfrachtet, auf der sich stellenweise richtige kleine Dünen bildeten. Wir hatten nicht die geringste Chance, dem Sand zu entkommen, der sich in allen Nischen der Ausrüstung sowie in Augen und Ohren ansammelte. So einen Sandsturm hätten wir vielleicht in einer der Wüsten im Inland erwartet, aber definitiv nicht in San Francisco.
Aufgrund des Sandsturms, der 1444 Höhenmeter, die wir an diesem Tag auf nur 70 km zurücklegten und natürlich auch wegen der vielen Fotopausen erreichten wir unsere Hosts in Pacifica erst gegen 20:00, wurden aber trotzdem sehr herzlich empfangen. Nach der dringend nötigen Dusche gab’s kalifornischen Rotwein zu vegetarischer Lasagne und sogar der Whirlpool, den wir letztendlich aber doch nicht mehr ausprobierten, war bereits vorgeheizt.
Leider bekamen Steve und Jaclyn am nächsten Tag anderen Besuch und wir mussten wieder aufbrechen – in der netten Umgebung hätte es sich durchaus noch einige Zeit aushalten lassen.
In letzter Minute fanden wir noch einen Couchsurfer, der Zeit hatte, uns zu hosten, nachdem wir bereits vor mehr als einer Woche begonnen hatten in San Francisco nach einer Unterkunft zu suchen, jedoch bisher keinen Erfolg gehabt hatten. Von Ted, unserem Gastgeber sollten wir später erfahren, dass er pro Tag 6-7 Anfragen über couchsurfing.com bekommt, was unsere Schwierigkeiten, eine Unterkunft zu finden wohl erklärt.
Nach einem hervorragenden Frühstück bei Steve und Jacy sowie den letzten Internet-Erledigungen in Pacifica brachen wir mit Caro und Nils wieder Richtung San Francisco auf. Nachdem wir nicht wieder über den Freeway No.1 fahren wollten, wie bei unserer Ankunft in Pacifica hatten wir uns von unseren Gastgebern eine alternative Route über den Manor Drive beschreiben lassen, der sich als bisher wohl längster richtig steiler Abschnitt unserer Reise  herausstellte. Ca. 1 – 1 ½ km mit 17-19% Steigung (von knapp über Meeresspiegel bis auf 210m Höhe) trieben uns trotz kühlem Wetter schnell die Schweißperlen ins Gesicht.
Die weiteren Hügel, die wir bis nach Downtown San Francisco zu überwinden hatten waren glücklicherweise nicht mehr so anstrengend. Trotzdem hatten wir einige Male Gelegenheit, vom Portola Drive aus auf die Innenstadt hinunterzublicken.
Wir hatten mit Ted vereinbart, ihn in der Sutter Street im „White Horse“ – seinem Stammlokal zu treffen. Zuvor begleiteten wir noch Caro und Nils zu ihrem Hostel gleich in der Nähe unseres Treffpunktes und verabschiedeten uns. Die beiden erwarteten in San Francisco Besuch von Caros Familie, mit der sie in den nächsten Wochen per RV einige Nationalparks erkunden wollten. Wir sind schon sehr gespannt, ob sich unsere Wege weiter südlich zufällig wieder einmal kreuzen werden.
Als wir beim White Horse ankamen erwartete uns Ted schon. Wir führten unsere Räder ins Hinterzimmer des Pubs und wurden von Laury, der Barkeeperin auch gleich auf zwei Corona eingeladen, als wir von unserer Reise erzählten. Dazu gab‘s gratis Hotdogs, die allen Gästen im White Horse angeboten werden. Unser bisher stärkster Auftritt war wohl, als wir gegen ½ 11 das mittlerweile ziemlich gefüllte Pub wieder mit unseren voll bepackten Rädern verließen. Man könnte fast sagen wir erregten etwas Aufsehen. :-)
Ted war mit dem Auto nach San Francisco gekommen und nahm uns mit den Rädern mit nach Berkeley, wo wir uns für die nächsten Tage bei ihm und seinen Mitbewohnern Brian und Ben einquartieren durften. Nachdem er gerade im Theater zwischen zwei Produktionen nichts zu tun hatte bekamen wir am nächsten Tag auch gleich eine San Francisco Stadtführung durch Embarcadero, Fisherman’s Wharf, Hyde Street Pier und Chinatown.
Wir hatten das Glück, dass einige Museen in San Francisco am ersten Dienstag im Monat gratis Eintritt haben und nahmen uns daher für Dienstag das Museum of Asian Arts und Das Museum of Modern Art vor, fanden aber leider im Asian Arts Museum heraus, dass der Gratistag auf Sonntag verlegt worden war, weshalb wir auf eine Besichtigung der City Hall auswichen.
Das Museum of Modern Art war definitiv eines der Highlights in San Francisco, wenngleich Ted der uns wieder mit dem Auto nach San Francisco gebracht hatte nach ca. 2 Stunden ziemlich verstört ins Museum kam und uns erzählte, dass sein Auto abgeschleppt worden war. Wir begleiteten ihn also per Bus zum Abschleppplatz um das Auto wieder auszulösen, was sich als etwas schwierig herausstellte, letztendlich aber doch funktionierte. Ted ließ sich durch die ganze Sache in seiner Gastfreundschaft jedoch nicht aus der Ruhe bringen und organisierte für den Abend noch gratis Kinokarten für Inglorious Basterds.
Nach dem etwas stressigen Vortag verbrachten wir den Mittwoch in Berkeley zuhause mit Blogschreiben, Routenplanung und damit, Teds Computer zu reparieren.
Am Donnerstag machten wir nochmal auf eigene Faust San Francisco unsicher und kamen genau rechtzeitig zum Training der Blue Angels für die Flugshow am nächsten Tag am Russian Hill an, von wo wir eine gute Aussicht auf die atemberaubenden Manöver genossen.
Abends besuchten wir noch das Nightlive Special der Academy of Science im Golden Gate Park – auch ein Highlight, das unbedingt zu empfehlen ist – Ein großes Aquarium (interessanter als das in Seattle), ein Planetarium, ein vierstöckiges Regenwaldhaus und ein naturhistorisches Museum können jeden Donnerstag Abend zwischen 6 und 10 in Clubatmosphäre mit DJ und zahlreichen Bars zum halben Tageseintrittspreis erkundet werden. Da könnten sich die Wiener Museen durchaus noch etwas abschauen!

Einziger Haken dabei: wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Sache wirklich so ein Nightlive Event ist und waren in unserer Radkleidung nicht gerade overdressed zwischen den tanzenden San Franciskanern – waren aber glücklicherweise nicht die einzigen, die mit Windstopperjacken und Rucksäcken unterwegs waren :-)
Am Ende unseres San Francisco Aufenthaltes hatten wir noch Gelegenheit, unsere Ausrüstung etwas auszusortieren und wollten eigentlich einige Dinge, die wir bisher nicht oder selten gebraucht hatten nachhause schicken, was sich, nachdem es in den USA bei der Post seit einiger Zeit keine Bodentransport-Option mehr gibt allerdings als sehr teuer herausstellte – so teuer, dass es nicht viel teurer wäre die Dinge, die wir nicht mehr brauchen wegzuwerfen und zuhause neu zu kaufen. Als Ted davon erfuhr bot er uns sofort an, unsere Sachen dem nächsten österreichischen Couchsurfer mitzugeben – wir hoffen also, dass er in den nächsten 1-1 ½ Jahren mal einen zuverlässigen Österreicher hostet, der unsere Sachen mitnehmen kann.

Die Fotos zum aktuellen Bericht sind auf Washington, Oregon und Kalifornien aufgeteilt.