Archive for the 'New Mexico' Category

Frohe Weihnachten

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Wir haben zwar hier in New Mexico keinen Schnee aber aber ein bisserl Weiße Weihnachten dürfen auch wir erleben! vielleicht sogar weißer als viele von euch in Österreich oder anderen Teilen der Welt 🙂

Wir bedanken uns für alle Weihnachtsgrüße und hoffen ihr begleitet uns auch weiterhin auf unserer Reise!

Wir wünschen allen Lesern unseres Blogs frohe Weihnachten, Merry Christmas und Feliz Navidad!

 

 

Liebe Grüße von Manu & Phil aus New Mexico!

Mesquite/NV bis Las Cruces/NM 3.11.09 – 17.12.09

Schon wieder ist viel zu viel Zeit zwischen unseren Blog-Einträgen vergangen! Unsere Aufenthaltserlaubnis für die USA endet ja am 8.12., was uns ein wenig unter Zeitdruck brachte – da blieb zwischen den anderen Erledigungen, die noch in den USA zu machen waren nicht viel Zeit.

Nevada haben wir relativ schnell hinter uns gelassen – Las Vegas und das Valley of Fire waren die beiden Sehenswürdigkeiten, für die wir uns Zeit genommen haben. Nach Mesquite ging‘s ein kurzes Stück durch Arizona. Über den Virgin River Gorge – eine Schlucht, durch die der Virgin River das um einige hundert Meter höher gelegene Hochplateau um Saint George verlässt, gelangten wir nach Saint George, Washington und schließlich zum Zion National Park in Utah.

Zion war der Beginn einer außergewöhnlich schönen Strecke. Die Schluchten und Canyons aus tiefrotem Sandstein, in denen sich die Straße durch den Park windet und der Kontrast zum dunkelblauen Himmel sowie die herbstlich leuchtend gelb gefärbten Bäume geben dem Park um diese Jahreszeit einen besonderen Reiz. Am Ende der Straße durch den Park jedoch gelangt man an einen Tunnel, der einige Meter hinter einer vertikalen Felswand parallel zu dieser aus dem Zion Canyon hinaus führt, ca. eine Meile lang, nicht beleuchtet und sehr schmal ist. Radfahren? –verboten!

Shuttleservice gibt’s auch keines. Als Radfahrer ist man gezwungen, auf ein ausreichend großes Fahrzeug zu warten, auf das man die Räder und das Gepäck laden kann um sich auf die andere Seite führen zu lassen. Eine der wenigen Gelegenheiten zu der wir froh waren, dass die Amerikaner eine Vorliebe für maßlos überdimensionierte Autos haben. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir einen Pickup Truck gefunden, der uns auf die andere Seite brachte.

Nach dem Zion National Park bogen wir Richtung Norden zum Bryce Canyon ab. Glücklicherweise blieben wir zwischen den Parks auf relativ großer Höhe und konnten ohne viel unnötiges Auf und Ab in einem Tag den Dixie National Forest kurz vor dem Bryce Canyon National Park erreichen.

Schon von weitem kann man die roten Sandsteintürme des Dixie National Forest sehen, die am Abend noch eindrucksvoller beleuchtet sind. Unser Zeltplatz war mit 2235 m der bisher höchste unserer Reise, was sich durch relativ frostige -7°C beim Frühstück erkennen ließ.

Der Bryce Canyon bietet nochmal eine eindrucksvolle Steigerung zur ohnehin schon sehr interessanten Landschaft des Dixie National Forest. Vom über 2400m hoch gelegenen Rand des Canyons blickt man über ein Tal mit unzähligen schmalen hellgelb bis dunkelrot gefärbten Steinsäulen zwischen denen sich tiefe Schluchten öffnen. Natürlich wurden wir auch hier wieder von anderen Touristen angesprochen und gefragt, wohin wir mit unserem schweren Gepäck denn unterwegs seien. Eine der Neugierigen meinte sie wäre selbst mit dem Rad auf einer Reise um die Welt unterwegs und war relativ verblüfft als ich sie fragte ob ihr Name Astrid wäre. Tatsächlich war die Radlerin diejenige, die ebenfalls in Kanada die Taylors getroffen hatte und ca. zwei Wochen nach uns in Shelton bei ihnen zu Gast war. Sie hatte ihr Rad in Las Vegas gelassen und war nun mit einem Mietauto durch die Nationalparks unterwegs. Aufgrund ihres Alters (ca. 50) und der Tatsache, dass sie auf eigene Faust mit dem Rad um die Welt unterwegs war, war relativ leicht zu erraten, dass es sich um diejenige Astrid handeln musste, deren Website (www.cyclingfullcircle.com) wir von Kip und Marya erfahren und bereits gelesen hatten.

Nach dem Bryce Canyon führte uns unsere Route durch das Escalante National Monument und auch hier hatten wir wieder eine interessante Begegnung. Kurz nach der Ortschaft Escalante kamen uns zwei Radler entgegen – relativ leicht bepackt, aber wie so viele amerikanische Reiseradler auf Surly Long Haul Trucker Rädern. Die Beiden – Tanya und Michael aus Salt Lake City verbrachten ihren Urlaub in Boulder und waren gerade zum Einkaufen unterwegs – auf ihren Rädern, ca. 50 km von ihrem Hotel entfernt und auf einer Strecke, auf der sie hin und zurück je ca. 1000 Höhenmeter zu bewältigen hatten – keine typischen Amerikaner also. Wir fragten sie, ob es in Boulder einen Campingplatz gäbe, da die letzten paar Campgrounds alle geschlossen waren und wir auf der Suche nach einer Dusche waren und wurden prompt eingeladen, die Dusche in ihrem Hotelzimmer zu benutzen. Dieses Angebot ließen wir uns natürlich nicht entgehen und hatten eigentlich vor, uns nach der Dusche in oder kurz nach Boulder einen Zeltplatz zu suchen. Als wir allerdings in der Boulder Mountain Lodge bei den beiden ankamen meinten sie wir könnten doch gleich bei ihnen im Hotelzimmer schlafen, da sie ohnehin noch ein freies Doppelbett hatten. Unser Gepäck konnten wir über Nacht in ihrem Van verstauen, nur die Räder konnten wir darin nicht mehr unterbringen, da den meisten Platz schon die sechs Räder von Tanya und Michael einnahmen.

Am nächsten Tag brachen wir relativ früh auf, verließen möglichst unauffällig das Hotelgelände und wurden kurz nach dem Frühstück schon wieder von Tanya und Michael eingeholt, die sich diesmal die Strecke über den 2926 m hohen Boulder Mountain Pass nach Torrey ausgesucht hatten. Die beiden scheinen jeden Tag ihres Urlaubs eine Radtour mit über 2000 Höhenmetern und um die 100km Länge zu machen – nicht schlecht auch ohne schweres Gepäck!

Der Boulder Mountain, den wir ebenfalls überquerten war mit seinen 2926 m unser bisher höchster Pass (350 m höher als die Großglockner Hochalpenstraße, die höchste befestigte Passstraße in Österreich!). Auf der Abfahrt auf der Nordseite trafen wir nochmal Tanya und Michael, die gerade am Rückweg waren und suchten uns etwas später kurz vor dem Capitol Reef National Park einen Zeltplatz.

Auch Capitol Reef erschien mir diesmal wesentlich eindrucksvoller als beim letzten Besuch, was wahrscheinlich teilweise an der herbstlichen Färbung der Bäume und daran lag, dass man am Rad einfach viel mehr Zeit hat, die Landschaft zu sehen.

Auf der Strecke durch die San Rafael Wüste ab Hanksville begleitete uns wieder mal ein kleiner Sandsturm aus südlicher Richtung, der zwar anfangs ganz angenehm war, da er uns relativ schnell nach Green River blies, jedoch ab der Richtungsänderung der Straße dort ein wenig mühsam wurde. Trotzdem überboten wir unsere bisher längste Tagesetappe von Vancouver Island und campten nach 126 km etwas abseits einer kleinen dirt road in der Wüste ca. 40 km vor Moab. Schon im Capitol Reef National Park hatten wir gehört, dass für die kommende Nacht etwas Niederschlag und Wind zu erwarten war. Wir verankerten daher unser Zelt so gut wie möglich und hofften auf nicht allzu starken Wind. Tatsächlich war der Wind nicht wirklich schlimm, jedoch hatten wir nicht damit gerechnet, dass ein wenig Regen die Straße an der wir campten in ein derart heimtückisches Schlammloch verwandeln würde. Schon das möglichst saubere Einpacken des Zeltes gestaltete sich als echte Herausforderung und der Schlamm, der sich innerhalb weniger Schritte an den Schuhen ansammelte ließ uns vermuten, dass auch die Räder bald eine gründliche Reinigung nötig haben würden. Zusätzlich wurde uns der Start in den Tag auch noch durch einen Patschen an meinem Hinterrad vermiest, den zu flicken bei leichtem Regen, Schlamm und ca. 5°C auch nicht wirklich ein Vergnügen war.

Was wir nicht geahnt hatten war, dass der Schlamm so klebrig war, dass sich innerhalb weniger Meter eine mehrere cm dicke Schicht davon auf den Reifen festsetzte, die letztendlich die Räder vollständig zum Blockieren brachte. Für die 600 Meter von unserem Zeltplatz zur asphaltierten Straße benötigten wir so fast zwei Stunden, da wir die Räder zu zweit schieben und teilweise das Gepäck abladen und zur Straße tragen mussten.

Der Regen hörte glücklicherweise bald wieder auf und wir suchten uns am Straßenrand einen Platz zum Frühstücken und erholten uns von der morgendlichen Schufterei, nur um nach dem Frühstück zu entdecken, dass ich im Hinterrad schon wieder keine Luft mehr hatte. Ich hatte beim ersten Mal das winzige Drahtstück, das noch im Reifen steckte nicht gefunden, was dem neuen Schlauch und mir natürlich wieder zum Verhängnis wurde. Insgesamt waren wir uns einig, dass die Pannenserie eines Freitags des 13. Novembers durchaus würdig war. Trotzdem sind wir mit unseren Reifen noch mehr als zufrieden, denn insgesamt vier Patschen auf unseren mittlerweile je 10000 gefahrenen Kilometern sind durchaus zu verkraften.

Wegen des ziemlich verzögerten Starts erreichten wir am Abend erst gegen 20 Uhr den Campground im Arches National Park. Wenigstens hatten wir aber noch Gelegenheit, die Park Avenue mit ihren roten Fels-Finnen und –Türmen und einige der Felsbögen im Park bei Sonnenuntergang zu bewundern. In der Park Avenue allerdings trafen wir auf eine ganze Horde Fotografen, die gemeinsam einen Fotoausflug machten und nachdem sie uns gesehen hatten absolut kein Interesse mehr für irgendwelche Felsformationen zeigten. Stattdessen hielten sie uns mindestens eine Viertelstunde damit auf, unsere verdreckten Räder und uns in unserer schlammigen Radkleidung zu fotografieren. Der Anführer der Horde war übrigens ein Steirer aus Leoben, der allerdings schon 40 Jahre in den USA lebt und kaum mehr Deutsch spricht.

Am Devil’s Garden Campground im Arches National Park hatten wir zum ersten Mal auf unserer Reise das Vergnügen, morgens in einem schneebedeckten Zelt aufzuwachen. Glücklicherweise war aber zumindest die Temperatur in der Nacht recht erträglich und die Wolken hatten sich in der Früh auch wieder größtenteils verzogen so dass wir den Park bei Sonnenschein den ganzen Tag genießen konnten.

Erst gegen Abend als wir in Moab ankamen setzte wieder bösartiger Schneeregen ein und die Aussicht darauf, das Zelt im Regen aufbauen und im Freien kochen zu müssen gefiel uns gar nicht. Wir beschlossen also, bevor wir uns einen Zeltplatz suchten noch im Supermarkt einen 10000 km-Jubiläumskuchen und ein Abendessen zu besorgen und hofften insgeheim darauf, dass uns jemand zu sich nachhause einladen würde. Offenbar waren aber unsere schlammigen Räder etwas abschreckend, so dass die ersten drei Leute, die uns ansprachen und über unsere Reise befragten keinerlei Absicht erkennen ließen, uns einzuladen. Erst die vierte Familie bot uns an, in ihrer Garage zu campen. Gut, dass wir uns beim Essen unseres Brathändels und des 10000 km Kuchens vorm Supermarkt so lang Zeit gelassen hatten J!

Die Warrens ( http://thewarrensogden.blogspot.com )waren selbst nur für ein paar Tage und einen 50 km Geländelauf (den sie offenbar recht erfolgreich absolviert hatten) in Moab und die heiße Dusche und beheizte Garage, die sie uns in Ihrem Apartmenthaus anboten waren mehr als willkommen zumal über Nacht gut 10 cm Schnee fielen und die Temperatur um einige Grad absackte.

Die folgenden Tage radelten wir durch schneebedeckte Landschaft südlich von Moab dahin, campten einmal in der Nähe des Wilson Arch und einmal in Verdure bei frostigen Temperaturen von -7°C und -9°C bevor wir endlich in der Nähe von Kayenta wieder mal einen Zeltplatz fanden der deutlich unter 2000 m Höhe lag. Am Weg nach Kayenta, südlich von Blanding war mein mittlerweile vierter Patschen zu verzeichnen – natürlich wieder ein kleines Drahtstück aus einem der zerfetzten LKW- Reifen, die hier alle paar hundert Meter am Straßenrand liegen. Diese Drahtstücke aus den Reifenkarkassen waren bisher das einzige, was an meinen Reifen Patschen verursachte – alle Dornen, Glasscherben usw. stecken die Marathon Plus Reifen relativ locker weg. Weshalb sich aber die Patschen jetzt nach 10000 km plötzlich so häufen haben wir noch nicht herausgefunden.

Nachdem das Ende unserer Aufenthaltsgenehmigung für die USA immer näher rückte entschieden wir uns den Mesa Verde National Park und die Slot Canyons in Page auszulassen und durchs Monument Valley direkt zum Grand Canyon zu fahren.

Im Monument Valley hatten wir zwar Sonnenschein, leider war es aber sehr diesig, so dass die berühmten, hier „Buttes“ genannten roten Felstürme nicht richtig zur Geltung kamen. Zumindest hätten wir uns für ein paar gute Fotos deutlich bessere Sichtverhältnisse gewünscht.

Vom Monument Valley ging’s weiter über Tuba City Richtung Grand Canyon – nicht ohne einige Bedenken das Wetter betreffend, da uns schon mehrere Leute vor den tiefen Temperaturen gewarnt hatten, die dort um diese Jahreszeit oft herrschen. Zu unserer Überraschung campten wir aber im Kaibab National Forest kurz vorm Grand Canyon auf 1800 m bei angenehmen +5°C.

Auch die Besichtigung des South Rim des Canyons auf über 2200 m Höhe konnten wir bei Sonne und angenehmer Temperatur, wenn auch mit kühlem Wind genießen. Richtig kalt wurde es erst südlich vom Grand Canyon in Tusayan am Ten X Campground. -11°C war unsere bisher kälteste Nacht im Zelt, wenngleich durch die trockene Luft auch das Zelt diesmal trocken blieb und das Campen dadurch wesentlich angenehmer war als einige Tage zuvor in Verdure, wo sich im Innenzelt an den Wänden durch die Feuchtigkeit der Atemluft eine ca. 2-3 mm dicke Reifschicht gebildet hatte, die gegen Morgen begann, sich abzulösen und auf unsere Schlafsäcke zu rieseln. Auch unter diesen Bedingungen hielten uns die Schlafsäcke aber angenehm warm, nur das Aufstehen und anschließende Frühstücken bei um die -10° ist etwas gewöhnungsbedürftig, zumal die Temperatur erst 10-20 Minuten nach Sonnenaufgang spürbar ansteigt.

In Flagstaff belohnten wir uns für die zahlreichen Höhenmeter, die wir am Grand Canyon absolviert hatten wieder einmal mit einem chinesischen All You Can Eat Buffet und quartieren uns für zwei Tage beim Couchsurfer Mark und seiner Mitbewohnerin Tabitha ein. Wir hatten eigentlich geplant, nur eine Nacht in Flagstaff zu bleiben, jedoch hatten wir einige Probleme mit den lokalen Postämtern zu überwinden, was einen vollen Tag in Anspruch nahm. Wir hatten uns einige Pakete per General Delivery auf ein Postamt in Flagstaff schicken lassen und waren relativ enttäuscht, als von den 6 erwarteten Paketen (Taucherbrillen von zuhause, Reservereifen von einem Internetshop, Poleholder von Hilleberg sowie Kopfhörer und ein Moskitonetz von Amazon) nur eines am Postamt lagernd war.

Durch umfangreiche Internet-Recherche und Telefoniererei am nächsten Tag war nicht mehr herauszufinden, als dass die Pakete eigentlich am Hauptpostamt liegen müssten, wo wir aber am Vortag schon gewesen waren und nur eines davon bekommen hatten. Relativ hoffnungslos fuhren wir also nochmal zum Postamt – diesmal bewaffnet mit den Tracking–Daten, die wir im Internet für eines der Pakete hatten abrufen können und siehe da – als die Angestellten sich etwas Mühe gaben und nach den Paketen suchten tauchten tatsächlich noch zwei weitere davon auf.

Gänzlich verschollen blieb nur meine Taucherbrille. Die Reservereifen und das Moskitonetz waren zu den Absendern zurückgeschickt worden und wir konnten bei Amazon und www.everybicycletire.com einen erneuten Versand an ein anderes Postamt in Organ, New Mexico veranlassen. Vielleicht haben wir ja beim nächsten Mal mehr Glück.

Mark und Tabitha waren sehr angenehme Gastgeber und es stellte sich heraus, dass wir uns durch die zusätzliche Übernachtung in Flagstaff ein weiteres Frühstück bei -12°C erspart hatten. Um uns auch in den nächsten Tagen neue Kälterekorde zu ersparen beschlossen wir, nicht, wie zunächst geplant direkt nach White Sands zu fahren, sondern zuerst nach Süden Richtung Phoenix und Tucson aufzubrechen, da wir in dieser Richtung schneller aus den Bergen in tiefer gelegene Gegenden kamen. Zudem hatte uns Tabitha die Adresse einer Freundin – Casey – in Tucson gegeben, die in einem Radgeschäft arbeitet und wir hofften dort herausfinden zu können, weshalb Manus Hinterradnabe seit 2000 km komische Geräusche machte. Wir hatten die Nabe zwar in Fresno schon einmal zerlegt, jedoch konnten wir den Freilauf nicht abnehmen, da dazu ein 14 mm Inbusschlüssel nötig ist, den zu finden sich sowohl in Fresno als auch in Las Vegas als unmöglich herausgestellt hatte.

Da die Zeit drängte nahmen wir von Flagstaff aus die Interstate 17 nach Süden, was sich als Fehler herausstellte. Es gibt auf der I17 zwar durchgehend einen breiten Pannenstreifen, den man als Radfahrer benutzen muss, jedoch war dieser genau im Bereich der Abfahrt ins Verde Valley mit extrem grobem Asphalt belegt auf dem zudem noch jede Menge Müll herumlag. Die 13 Meilen mit 6% Gefälle waren somit nicht wirklich zu genießen und bescherten uns stattdessen insgesamt 3 Patschen. Meine beiden waren auf ein Metallteil, das die Karkasse meines Hinterreifens beschädigte und eine Metallplatte aus der ein Stahlstift ragte zurückzuführen. Manus Patschen war von der gewöhnlichen LKW-Karkassen-Draht-Sorte.

Zusätzlich zu unserem Patschenunglück entdeckte ich beim Flicken auch noch einen Riss in meiner hinteren Felge – ca. 3-4 cm lang von einer Speiche beidseits entlang der Mittellinie der Felge verlaufend. Somit war in Tucson also neben Manus Freilauf auch ein neues Hinterrad für mich fällig.

In Phoenix waren wir gerade bei McDonalds mit Internetrecherchen bezüglich Ersatzteilen und Unterkunft für Tucson beschäftigt als wir von zwei älteren Herren angesprochen wurden und wieder einmal die üblichen Fragen gestellt bekamen. Die beiden zeigten großes Interesse an unserer Reise und gaben nach kurzer Verhandlung per Telefon kurzerhand bei ihren Frauen zuhause Bescheid, dass am Abend zwei Gäste zu verköstigen wären. Zunächst boten sie uns an, uns im Auto mitsamt den Rädern mit zu sich nachhause zu nehmen, als wir ihnen erzählten, dass Tucson unser nächstes Ziel wäre fassten sie nach kurzem Telefonat mit einem Freund den Entschluss, diesen am nächsten Tag in Tucson zu besuchen und uns gleich mitzunehmen. Die Angebote – sowohl das Abendessen als auch der Transport nach Tucson kamen wie gerufen, da der Großraum Phoenix extrem ausgedehnt ist und wir wahrscheinlich über einen Tag zur Durchquerung der Stadt gebraucht hätten. Zudem konnten wir so etwas Zeit gewinnen bevor unsere Aufenthaltsgenehmigung ablief.

Die beiden und ihre Familien waren sehr freundlich und auch das Abendessen war ausgezeichnet, jedoch hatten wir, wie sich herausstellte recht unterschiedliche Meinungen bezüglich amerikanischer Politik. Die beiden waren Bush Anhänger, die gerne Sarah Palin als neue Präsidentin gesehen hätten, waren Atomkraftbefürworter und hielten das amerikanische Gesundheitssystem für das beste der Welt und konnten daher public healthcare nichts abgewinnen…

Am nächsten Tag erreichten wir trotz heftigem Sandsturm und Gegenwind innerhalb von zwei Stunden Tucson – und waren heilfroh, nicht auf den Rädern unterwegs zu sein, zumal auch die Landschaft alles andere als interessant war.

In Tucson ließen wir uns direkt bei Bicas, dem Radshop, in dem Casey arbeitet, absetzen und trafen dort zufällig auch einen der Warmshowers-Hosts, die wir aus Phoenix angeschrieben hatten. Ignacio arbeitet zufälligerweise auch bei Bicas und wohnt mit seiner Frau Daniela und Sohn Damiano nur wenige hundert Meter von dort entfernt. Eine besser gelegene Unterkunft hätten wir wohl gar nicht erwischen können.

DSC_9167Bicas ist kein Radgeschäft im eigentlichen Sinne, sondern eher eine öffentliche Werkstatt, in der man gegen Bezahlung am eigenen Rad arbeiten kann. Zudem werden gebrauchte Radkomponenten verkauft und was nicht mehr verkauft werden kann wird zu Kunstwerken zusammengeschweißt, die einmal im Jahr auf einer Auktion verkauft werden.    

Leider war auch bei Bicas kein 14er Inbusschlüssel zu finden, jedoch konnten wir beim Ordinary Bike Shop, wo wir einen neuen Freilauf für Manu und eine neue Felge für mich bestellten, den Freilauf gleich kostenlos montieren lassen.

Die Zeit, die uns blieb während wir auf die bestellten Teile warteten, nutzten wir, um ins ca. 100 km entfernte Nogales an der mexikanischen Grenze zu fahren, um unsere Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Von der amerikanischen Botschaft in Österreich war uns auf Anfrage zwar geraten worden, nach Mexiko auszureisen und uns bei der erneuten Einreise in die USA eine neue Aufenthaltsgenehmigung ausstellen zu lassen, jedoch weigerten sich die Grenzbeamten bei der Ausreise, die Aufenthaltsgenehmigungen aus unseren Pässen zu entfernen. Stattdessen mussten wir bei der Grenzstation bei der Wiedereinreise eine Verlängerung beantragen, die uns allerdings für 12$ problemlos für ein Monat ausgestellt wurde.

Zurück in Tucson stellte sich heraus, dass wir bei unserem Mexico-Ausflug wahrscheinlich großes Glück gehabt hatten, denn meine Felge hatte auf den nur 240 Kilometern noch einige neue Risse entwickelt und hätte wahrscheinlich nicht mehr allzu lange durchgehalten. Nachdem die weiteren Risse so schnell aufgetaucht waren beschloss ich, auch die vordere Felge auszutauschen und bestellte sie ebenfalls beim gleichen Shop. Während die erste Felge innerhalb von zwei Werktagen geliefert wurde, warteten wir auf die zweite jedoch eine ganze Woche, was uns quasi einen kurzen Urlaub vom Radfahren bescherte, den wir auch sehr genossen, da wir wirklich angenehme Gastgeber hatten. Auch über Mittelamerika konnten wir etwas mehr erfahren, da Daniela mehrere Jahre in Guatemala und Nicaragua gearbeitet hatte. Zudem war Carl Kurz, der für Bikes Not Bombs in den letzten 25 Jahren in El Salvador, Nicaragua und Guatemala gearbeitet hatte mit seiner Familie noch einige Tage zu Gast.

DSC_9276Erwähnenswert ist auch Damiano, das sechsmonatige Baby von Daniela und Ignacio, das eindeutig das bravste und fröhlichste Baby ist, das wir je gesehen haben. In der ganzen Zeit die wir in Tucson verbracht haben, hat er höchstens zwei Mal geschrien und sonst meistens bis über beide Ohren gegrinst – insbesondere wenn Manu sich mit ihm beschäftigte.

Zum ersten Mal auf unserer Reise fiel uns auch das Aufbrechen in Tucson nach der kurzen Pause etwas schwer und wir hoffen Daniela, Ignacio und Damiano einmal in Österreich als Besucher empfangen zu können.

DSC_9285Nachdem wir nun wieder etwas mehr Zeit hatten konnten wir es uns leisten, nicht die direkte Route nach Las Cruces über die Interstate 10 zu nehmen, sondern über Sonoita, Tombstone, Gleeson, Courtland und Pearce die landschaftlich schönere Strecke durch die Berge zu nehmen, die uns Ignacio vorgeschlagen hatte. DSC_9301Erst in Wilcox waren wir gezwungen, wieder auf die I10 zu fahren, da wir die Bergstraße über die Chiricahua Mountains, die schon schneebedeckt waren, vermeiden wollten.

Schon von Sunsites in Arizona schrieben wir einen Warmshowers Host in Las Cruces an, bei dem wir eine Nacht bleiben wollen bevor wir nach Organ und White Sands aufbrechen und bekamen innerhalb von fünf Minuten eine positive Antwort. DSC_9328Auf unserem weiteren Weg nach New Mexico  hatten wir einen weiteren Tag mit Rückenwind, gleich darauf einen mit bösartigem Gegenwind, einen kurzen Regen in der Wüste, wieder ein paar Nächte mit –4 bis -6°C und begegneten erstmals einer Klapperschlange, um die wir einen großen Bogen machten. Mittlerweile sind wir in Las Cruces angekommen und haben endlich Zeit, den Blog zu aktualisieren.