Bogotá, Kolumbien bis Leymebamba, Peru – 3.8.10 bis 18.10.10

Bogotá La Candelaria An den letzten Tagen In Bogotá fanden wir glücklicherweise doch noch die Kraft, uns La Candelaria, die Altstadt von Bogotá ein wenig anzuschauen. Bisher hatten wir ja mehr oder weniger nur die Strecke zwischen Hotel Zaragoza und der Ärztin weiter im Norden von Bogotá und das dort befindliche Unicentro – ein modernes Einkaufszentrum in dem das Sicherheitspersonal auf Segways durch die Gänge fährt, gesehen.

Bogotá La CandelariaLa Candelaria gefiel uns sehr – wieder einmal freuten wir uns über alte koloniale Gebäude, die diesmal, wie es sich für eine Hauptstadt gehört, deutlich größer waren als in Cartagena oder Mompos. Mit Mexico City kann die Stadt zwar nicht ganz mithalten, doch einen Besuch ist sie allemal wert.

Von Bogota machten wir uns noch immer recht geschwächt nach 11 Tagen Pause auf nach La Mesa und weiter nach Girardot und waren anfangs froh, wieder einmal unter 2000 m Höhe zu kommen, denn gerade auf der westlichen Ausfahrt, die uns zuerst auf 2800 m hinauf brachte und dann im dichten Nebel über viele Kilometer ins Tal nach La Mesa führte war kälter als uns lieb war.

Rio MagdalenaAb Girardot kamen wir dafür wieder ins Schwitzen, da wir von dort aus wieder dem Magdalena Tal, das dort auf ca. 300 m Höhe liegt, folgten. Über Natagaima und Neiva kamen wir schließlich über zuerst relativ flache und unspektakuläre Strecke wieder in die Berge nach Gigante und Altamira, wo wir auch wieder mit ganz ordentlichen und teilweise unerwarteten Steigungen zu kämpfen hatten, wo aber dafür das Radeln wieder deutlich mehr Spaß machte als im flachen Magdalenatal.

Eine Entdeckung im Magdalenatal sollte sich allerdings als sehr wichtig herausstellen. Bisher hatten wir zu Mittag immer nur Brot mit verschiedenem Dosenfutter, wie Bohnen oder Thunfisch, Marmelade und Früchten gegessen und waren damit nicht wirklich glücklich, da das Brot in Kolumbien wie im Rest vom bisher bereisten Amerika mit Ausnahme vielleicht vom Sour Dough Bread in der San Francisco Bay Area und den Bolillos in Mexiko den Namen Brot nicht verdient. Nachdem wir also das Brot endgültig satt hatten und das Reisen nicht so viel Spaß macht wenn man nichts gescheites zu Essen bekommt probierten wir in Aipe zum ersten Mal, in einem Restaurant zu Mittag zu essen und waren sehr erstaunt, dass wir für 4000 Pesos Suppe, eine ausgezeichnete Hauptspeise und Fruchtsaft mit free refill bekamen. Wir hatten in Mexico einige Male zu Mittag Tacos oder Quesadillas gegessen, waren jedoch schnell zum Entschluss gekommen, dass wir um wirklich satt zu werden zu viel Geld hätten ausgeben müssen und waren schnell wieder auf Bolillos mit selbstgemachter Guacamole, Käse, Gemüse usw. umgestiegen.

Die Entdeckung dass in Kolumbien gutes und ausreichendes Mittagessen (Almuerzo) um ca. zwei € pro Person zu bekommen ist, war also sehr willkommen und wir verzichteten von da an vollständig auf das unnötige Brot und die teuren Konserven.

Casa de Ciclistas San AgustinVon Almirante ging es in einem anstrengenden Tag weiter nach San Agustín, wo wir in der Casa de Ciclistas von Igel und Paola bereits erwartet wurden.

Zufällig war auch Nelson, den wir zuletzt in San Gil gesehen hatten, dort am gleichen Tag eingetroffen und drei andere Radler – Deborah aus der Schweiz, die wir bereits in Cartagena gesehen hatten sowie Paula und Alejandro aus Argentinien (http://www.flickr.com/photos/bicijeando/) waren schon länger zu Gast.

endlich fertigIgel und Paola, die aus Deutschland schon 2001 auf ihre Radreise aufgebrochen waren hatten sich nach ca. 45000 km am Rad in Kolumbien niedergelassen und die Finca la Campesina gekauft, die seither allen Radreisenden als Casa de Ciclistas nach dem berühmten Vorbild der seit 25 Jahren bestehenden Casa de Ciclistas von Lucho in Trujillo, Peru zur Verfügung steht.

Wir genossen nach den anstrengenden Tagen zuvor einige radfreie Tage mit den anderen Radlern, ausgezeichnetem Frühstück, und noch besserer hausgemachter Pizza.

San Agustín Parque ArqueologicoNeben den nötigen Wartungsarbeiten an den Rädern (Bremsen entlüften und Laufräder zentrieren) besuchten wir auch den beeindruckenden Parque arqueológico in San Agustín mit seinen zahlreichen Steinfiguren von einer Kultur, über die so gut wie nichts bekannt ist.

AbschiedNach vier Tagen brachen wir gemeinsam mit den 4 anderen Radlern zur Weiterreise auf, trennten uns allerdings bald wieder, da die anderen über Mocoa und Sibundoy nach Pasto weiterfuhren, während wir den Weg über Isnos, Coconuco und Popayan wählten. Auf der wunderschönen aber anstrengenden Schotterstraße nach Coconuco brachen wir erneut in Kolumbien unseren Höhenrekord und überquerten einen 3202 m hohen Pass.

Von Coconuco fuhren wir direkt nach Rosas, ohne uns in Popayan, das allerdings recht schön zu sein scheint, lange aufzuhalten.

PopayanIn Rosas mussten wir leider schon wieder eine Zwangspause einlegen, da wohl eines der Almuerzos doch nicht so gut gewesen war und mir wieder einmal für zwei Tage die Verdauung durcheinanderbrachte. Zudem hatte ich im Hotelzimmer in Coconuco mein Regengewand liegen lassen, dessen Wiederbeschaffung zwei vierstündige Busreisen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen erforderte, da niemand wusste, wo die Putzfrau, die es gefunden hatte, es verstaut hatte.

Für die folgende anstrengende Strecke nach Pasto benötigten wir vier Tage, durchquerten dabei das angeblich heißeste Gebiet Kolumbiens zwischen Rosas und Remolino, bevor wir uns anschließend wieder auf 2800 m Höhe nach Pasto hinauf kämpften. Die beißenden Sandfliegen, deren Bisse viel länger und schlimmer jucken als jeder Gelsenstich, machten uns hier das Leben etwas schwer und waren oft zahlreicher als in Kanada. Die Landschaft war dafür umso atemberaubender, wenn auch die dunstige Luft leider keine wirklich guten Fotos zuließ.

In Pasto kamen wir im Koala Inn unter, wo wenige Wochen zuvor auch Paul (www.panamericantour.net) und vor ihm die Riding the Spine Leute (www.ridingthespine.com) übernachtet hatten und gönnten uns gleich zwei Pausentage, da das drahtlose Internet schnell und das Essen in der Stadt gut waren.

Auf der Strecke nach Ipiales übernachteten wir in Funes und trafen Pete aus England, den ersten Radler, der uns aus Ushuaia entgegenkam (http://peterhubbard.blogspot.com).

Kurz nach Ipiales überquerten wir die Grenze zu Ecuador, dem 11. Land unserer Reise. Von Anfang an waren wir begeistert von der schönen Bergwelt und genossen das gute Wetter, den Ausblick auf mächtige Vulkane und die gut ausgebauten Straßen. Die Panamerikana ist im Norden Ecuadors glücklicherweise nicht allzu stark befahren und auch die angeblich so steilen Hügel hielten sich in Grenzen und waren größtenteils sogar am mittleren Kettenblatt zu befahren.

Nach zwei Tagen in Ecuador erreichten wir Otavalo mit seinem bekannten Kunstmarkt, wo wir uns Alpacadecken und Handschuhe, die wir wahrscheinlich in Bolivien brauchen werden, kauften.

Rund um den Volcán Imbabura, quasi den Hausberg von Ibarra und Otavalo mit 4609 m Höhe fuhren wir nach halbtägiger Pause in Otavalo weiter nach Cayambe am gleichnamigen Volcán Cayambe, der angeblich, obwohl er „nur“ 5790 m hoch ist, die höchste Erhebung vom Erdmittelpunkt gemessen ist, da er ziemlich genau am Äquator steht und die Erde ja an den Polen abgeflacht ist.

Am Tag darauf überquerten wir den Äquator zwischen Cayambe und Tumbaco, wo an der Straße natürlich auch eines der zahlreichen „Mitad del Mundo“ Monumente aufgebaut wurde. Die Linie, die auf der großen Sonnenuhr den Äquator markieren soll liegt zwar laut meinem GPS ca. 1,5 m nördlich vom echten Äquator, wobei das natürlich auch an der Messungenauigkeit des GPS liegen könnte, doch das braucht ja niemand zu wissen, der sich unsere Fotos, auf denen wir mit einem Bein auf der Nord- und mit dem anderen auf der Südhalbkugel stehen, ansieht ;-) .

In der Casa de Ciclistas in Tumbaco wurden wir von Santiago und seiner Familie sehr freundlich aufgenommen und begannen auch gleich am nächsten Tag mit der Suche nach einer günstigen Tour auf die Galapagos Inseln.

Die Reisebüros in Quito konnten uns zwar nicht wirklich weiterhelfen, da die Preise, die wir genannt bekamen alle viel zu hoch waren, doch bekamen wir zumindest einen ganz guten Überblick über die verfügbaren Boote. Wir beschlossen, unser Glück direkt auf Santa Cruz in Puerto Ayora zu versuchen und buchten auch gleich für den nächsten Tag einen Flug dorthin.

Die Räder und unser Gepäck konnten wir problemlos bei Santiago in Tumbaco unterbringen und fanden auf Galapagos nach problemloser Anreise auch gleich am ersten Tag bei Joybe Tours ein Boot, das uns zusagte um immerhin 380 $ weniger pro Person als das gleiche Boot bei Buchung in Quito gekostet hätte. Die 4 Tage Wartezeit bis das Boot abfuhr hatten wir einkalkuliert und wollten sie mit Tauchen verbringen. Wir klapperten daher alle Tauchbasen in Puerto Ayora ab, verglichen Preise und Ausrüstung und wurden schnell bei Scuba Macarron fündig. Schon nach dem ersten Tauchgang stellte sich allerdings heraus, dass das Tauchen nicht wirklich so war, wie wir uns es von einer der angeblich weltweit besten Tauchdestinationen erwartet hatten. Die Sicht war mit ca. 10 bis maximal 15 m eher bescheiden und die Anzüge, die natürlich nicht so gut passten wie unsere eigenen machten die Sache zu einem sehr kalten Erlebnis. Da half leider auch der zusätzliche Shorty nichts, den wir unter den 7 mm Neoprenanzügen trugen. Schon beim zweiten Tauchgang überlegten wir, ob wir überhaupt noch einmal am gleichen Tag ins Wasser wollten. Glücklicherweise fand sich aber noch ein zweiter 7 mm Anzug, den ich unter dem anderen tragen konnte, was den Tauchgang erträglich, wenn auch nicht gerade komfortabel machte, da 14 mm Neopren doch ziemlich einengen.

Nach dem zweiten Tauchtag beschlossen wir, das Tauchen bleiben zu lassen, da es uns durch die Kälte einfach keinen Spaß mehr machte. Wir hatten zwar auf den 4 Tauchgängen die wir mitgemacht hatten einige seltene Tiere, wie Hammerhaie, Mantas und Seelöwen gesehen, doch alles in allem war das Tauchen durch Kälte und schlechte Sicht eher enttäuschend.

Die achttägige Bootstour auf der „Guantanamera“ stellte dafür alle unsere Erwartungen in den Schatten.

Die Tierwelt auf den Galapagos Inseln ist tatsächlich atemberaubend und besonders der Umstand, dass es keine größeren Raubtiere auf den Inseln gibt, wodurch alle anderen Tiere quasi völlig furchtlos vor Menschen sind, ist sehr interessant.

Jede Insel hat ihre eigene Population an Riesenschildkröten, die sich durch die lange Isolation in verschiedene Unterarten mit sehr unterschiedlichen Panzerformen entwickelt haben. Zudem nisten je nach Insel ganz unterschiedliche Seevögel auf den Felsen und teilweise sogar auf den Wanderwegen, die einen ohne weiteres bis auf einen halben Meter an sich herankommen lassen bevor sie beginnen, anstatt wegzufliegen, ihr Territorium durch Schnabelhacken zu verteidigen.

Beim Schnorcheln konnten wir neben unzähligen Schildkröten auch junge Seelöwen beobachten, die offenbar großen Spaß daran hatten, mit uns im Wasser zu spielen, uns zu verfolgen und uns zu umkreisen – ganz anders als an Land, wo die Ausgewachsenen Exemplare größtenteils Bewegungslos im Sand liegen und bestenfalls ein Auge öffnen wenn sie bemerken, dass man sich ihnen nähert, während die Jungen meistens damit beschäftigt zu sein scheinen, die richtige Mutter für einen Schluck Milch zu finden.

In seltenen Fällen können die Großen Seelöwen wenn sie sich beim Sonnenbad am Bootsanlegesteg gestört fühlen allerdings auch ziemlich aggressiv werden und schnappen dann zur Belustigung aller anderen Touristen zum Beispiel nach Manu die ihnen anscheinend nicht weit genug ausgewichen war.

Die Tiere die uns auf den Inseln am besten gefielen waren wohl die Blue Footed Boobies mit ihrem witzigen Paarungstanz, Die Pelikane und die Seelöwen.

Zur Krönung sahen wir zum Abschluss der Kreuzfahrt noch einige Buckelwale nahe am Boot vorbeiziehen und verfolgten sie einige Minuten mit den Beibooten. Das Kalb sprang einige Male wie, um sein Talent zu beweisen, hoch aus dem Wasser bevor den Walen offenbar die Verfolgung lästig wurde und sie davon schwammen.

Zurück in Puerto Ayora konnten wir problemlos unseren Rückflug um einige Tage vorverschieben und flogen so schon am letzten Tag der Tour nach dem Besuch der Darwin Research Station zurück nach Quito.

In Tumbaco trafen wir dann unerwartet alle vier anderen Radler aus San Agustin sowie Kurt aus den USA und Clemente aus Belgien wieder. Full House mit acht Reisenden also in Tumbaco.

Nach zwei weiteren Tagen in Tumbaco brachen wir gemeinsam mit Nelson, Kurt und Clemente nach Süden auf, während Deborah, Paula und Alejandro noch in Tumbaco blieben.

Innerhalb von zwei Tagen erreichten wir Latacunga, wo, wie schon nach der letzten längeren Pause in Costa Rica Manus Knie (diesmal das linke) zu schmerzen begann, wodurch wir einen weiteren Pausentag einlegen mussten.

Die Strecke auf der Panamericana bis Riobamba war zwar bergig (neuer 3621 m Höhenrekord) aber landschaftlich nicht besonders interessant – vielleicht wär’s besser gewesen, wenn wir den Cotopaxi und den Chimborazo, die direkt an der Straße liegen, jedoch leider immer wolkenverhangen waren, gesehen hätten.

DSC_1773Ab Riobamba, wo anscheinend viel Verkehr Richtung Guayaquil abzweigt, wird die Panamerikana bis kurz vor Cuenca aber angenehm ruhig und verläuft durch grandiose Landschaft.

Leider machten die Berge auch hier wieder Manus Knie etwas zu schaffen und wir mussten vor Cañar einen Tag vorzeitig abbrechen und campen.

Als wir endlich nach Cuenca kamen trafen wir bei der Hotelsuche zum vierten Mal unerwartet auf Paul (Zur Erinnerung: Dawson City, Yukon; Stewart, British Columbia; Mojave Preserve, Kalifornien; Cuenca, Ecuador).

Paul entschied sich spontan, noch einen Tag länger in Cuenca zu bleiben und beschloss, gemeinsam mit uns weiterzufahren.

DSC_1867Wir hatten geplant die Strecke nach Loja in drei Tagen zu fahren, doch machten uns wieder einmal die Berge einen Strich durch die Rechnung. Wir hatten bis Kolumbien immer ziemlich genau einen Höhenmeterschnitt von 1000 hm pro 100 km. Seit wir die Anden in Kolumbien erreicht haben hat sich dieser Wert jedoch auf über 2000 hm auf 100 km mehr als verdoppelt.

DSC_1873Nachdem auf der Strecke nach Loja auch die Ortschaften mit Hotels relativ weit auseinander liegen campten wir wieder häufiger und hatten wieder mal Gelegenheit uns über das massive Kondenswasserproblem in unserem Hilleberg Nallo 2 GT zu ärgern.

Trotzdem genossen wir das campen nach so langer Zeit wieder, da in dem dünn besiedelten Gebiet auch leicht gute Zeltplätze zu finden waren.

DSC_1919 editNachdem es zu regnen begann als wir zum Mittagessen in Loja ankamen beschlossen wir in Loja zu bleiben und dafür den geplanten Pausentag in Vilcabamba auf einen halben Tag zu verkürzen.

In Vilcabamba trafen wir Björn aus Deutschland (http://www.panomoto.com), DSC_2003der seine Motorradweltreise mit seinen Fotos finanziert und mich auf die Idee brachte, auch mehr Panoramafotos zu schießen. Paul hatte mir schon zuvor einige seiner HDR Fotos gezeigt und so begann ich wenige Kilometer nach Vilcabamba damit, HDR Panoramafotos zu machen, die mir momentan sehr gefallen. Ich hoffe, dass ich bald einen passenden Weg finde, die Fotos auch auf der Website zu integrieren, was allerdings eine Umprogrammierung der Galerie-Templates nötig macht und daher etwas dauern könnte.

DSC_2046Die Strecke von Vilcabamba bis zur Grenze von Peru ist Großteils unasphaltiert und war durch die vielen extremen Steigungen und die teilweise hohen Temperaturen eine der bisher anstrengendsten der gesamten Reise und die erste, auf der Manu ihr Rad mehrmals schieben musste.

DSC_2069Auch hier gibt es wenige Unterkünfte, die wir nicht immer erreichten, wodurch wir öfter campen mussten auch wenn uns oft ein Hotel mit Dusche viel lieber gewesen wäre.

Der Grenzübertritt nach Peru war wider Erwarten problemlos und wir wurden nicht wie andere Radler zuvor wegen falsch ausgefüllten Formularen und nicht vorhandener Fahrrad-Unfallversicherung schikaniert.

DSC_2123Während jedoch Ecuador eine recht gute Open Street Map Abdeckung hat und somit die Distanzen zwischen den Orten recht gut planbar sind und mit bikemap.net auch ganz brauchbare Höhenprofile erstellbar sind, endet die Abdeckung an der Grenze von Peru abrupt. Nachdem auch die konventionellen Landkarten von Peru nicht sehr zuverlässig sind erwarteten wir, am ersten Tag bereits San Ignacio zu erreichen, was sich als Fehleinschätzung herausstellte. Wir suchten daher lange nach einem Zeltplatz und fragten schließlich in Sector Mexico – einem winzigen 50 Einwohner Ort an der Straße, ob es irgendwo einen ebenen Platz zum Zelten gäbe. Der Dorfchef bot uns den Volleyballplatz an, den wir etwas zögernd annahmen, da wir uns schon seit Kilometern auf einer Steigung entlang eines steilen Hanges hinaufgearbeitet hatten und kein einziger flacher Zeltplatz in Aussicht war.

IMG_5588Es dauerte nicht lang bis zumindest die Hälfte der Dorfbewohner um uns versammelt war und uns völlig ungeniert bei der Zubereitung des Abendessens beobachtete. Einige der Männer tratschten recht nett mit uns doch der Großteil der Leute Stand einfach nur um uns herum und starrte uns an. Besondere Aufmerksamkeit erweckte neben den voll bepackten Rädern unser Benzinkocher. Die Leute im Dorf kochen nämlich auf Holzfeuer wurde uns gesagt.

Irgendwie dürften wir drei Gringos den Dorfbewohnern aber sympathisch gewesen sein, denn wir bekamen von zwei Familien Kochbananen geschenkt und der Dorfchef scherzte, er müsse jetzt die Damen holen, damit sie lernen wie man Spaghetti mit Tomatensauce kocht.

IMG_5591Als wir nach dem Essen endlich begannen unsere Zelte aufzustellen bot uns eine Familie an, doch in ihrem Haus zu schlafen, was wir danken annahmen da uns der Zeltplatz am Volleyballplatz direkt an der Straße ohnehin etwas sehr exponiert erschien.

Im Haus, wo wir im Erdgeschoß am Boden schlafen durften hörte die Beobachtung natürlich nicht auf und die gesamte Familie stand um uns herum als wir unsere Isomatten auflegten, Schlafsäcke ausrollten und uns die Zähne putzten – ein eigenartiges Gefühl, ständig so angestarrt zu werden ohne, dass jedoch jemand versucht ein Gespräch zu beginnen. Ein anderer Reiseradler hat das ganz treffend formuliert: „Welcome to Peru, where YOU are the main spectacle wherever you go.“

Nachdem wir uns mitsamt Radgewand ins Bett gelegt hatten beschlossen endlich auch die Beobachter, dass es wohl Zeit wäre, uns allein zu lassen und kletterten in den ersten Stock hinauf, was uns endlich die Gelegenheit gab, ins Schlafgewand zu wechseln und es uns bequem zu machen.

IMG_5601Die Entscheidung, im Haus zu übernachten stellte sich als sehr vorteilhaft heraus, da es bald darauf zu regnen begann und die ganze Nacht durchregnete. Am Morgen kamen wir doch noch ein wenig ins Gespräch mit dem jungen Kaffeebauern, der uns eingeladen hatte. Wir tratschten ein wenig über unsere Reise und seine Plantage und fanden heraus, dass er mit seinen zwei Hektar Land einen Verdienst von ca. 1600 € im Jahr erwirtschaftet, was ihn anscheinend zu einem der reicheren Dorfbewohner macht, der sich zumindest ein Motorrad und eines der wenigen 2-stöckigen Adobe Häuser leisten kann.

DSC_2232Nachdem wir schon seit Cuenca ohne Pausentag unterwegs waren beschlossen wir einen kurzen Tag bis San Ignacio einzulegen, das angeblich nur mehr zwischen 20 und 40 Autominuten entfernt war. Die zuvor steinhart festgefahrene Piste nach San Ignacio hatte sich allerdings über Nacht in ein tiefes Schlammband verwandelt und so schafften wir nur mit Hilfe von zwei Peruanern, die uns sehr hilfsbereit beim Schieben der Räder unterstützten die ersten 2,7 km bis zum Ende der Steigung in etwas mehr als einer Stunde.

DSC_2242Nachdem auch in dem kleinen Ort am Berg keine Besserung der Fahrbahnverhältnisse in Sicht war banden wir Manus und mein Rad an das Motorrad der Peruaner und ließen uns bis über den nächsten Hügel abschleppen da der Matsch vor allem die Hinterräder komplett verklebte und zum Blockieren brachte – ein echtes Abenteuer.

Die beiden Peruaner waren zusammen mit Fabian aus Bucaramanga, Kolumbien bisher vielleicht die hilfsbereitesten Menschen, die wir auf unserer Reise getroffen haben und opferten ohne zögern fast zwei Stunden ihrer Zeit um uns aus dem Schlamm zu ziehen.

San Ignacio erreichten wir am frühen Nachmittag, und verbrachten erst mal pro Rad ca. eine halbe Stunde mit der Reinigung in der Autowäscherei – 2 Soles (0,5€) pro Person.

DSC_2311Auf der Strecke nach Bagua Grande trafen wir drei französische Radler, die eine dreijährige Weltumrundung geplant hatten und uns aus Buenos Aires entgegenkamen (www.zarmablog.blogspot.com)

In Bagua Grande legten wir unseren ersten vollen Pausentag seit Cuenca ein, genossen gutes chinesisches Essen und freuten uns, wieder einmal ein Internetcafé zu finden.

DSC_2658Nach zwei weiteren Tagen erreichten wir Tingo, wo wir die Ruinen der Chachapoyas Kultur in Kuelap besuchen wollten, handelten uns aber wahrscheinlich mit den (ausgezeichnet schmeckenden) Forellen, die wir zum Abendessen bekamen unseren ersten peruanischen Durchfall ein, der uns für den nächsten Tag lahm legte. DSC_2866Während Manu am zweiten Tag in Tingo noch nicht ganz fit war besuchte ich mit Paul die Ruinen und hatte Gelegenheit zahlreiche weitere HDR Panoramas zu schießen.

Tags darauf machten wir uns auf nach Leymebamba und obwohl ich mich zuvor in Tingo schon wieder sehr gut gefühlt hatte meldeten sich die Verdauungsprobleme beim Fahren wieder zurück. Paul beschloss, mit uns hier einen Pausentag einzulegen, wird aber wahrscheinlich morgen ohne uns weiterfahren da ich nach dem Pausentag noch immer nicht ganz fit bin.                                    

Neue Fotos online

Die Fotos von Rosas, Kolumbien bis Tumbaco, Ecuador sowie von den Galapagos Inseln sind nun online. Viel Spaß!     -   Galerie

Almirante, Panama bis Bogotá, Kolumbien 15.06.10 – 02.08.10

Schon zwischen Almirante und Chiriqui Grande machte sich auf den steilen Hügeln Manus Knie etwas bemerkbar. Auf der Überquerung der Continental Divide am nächsten Tag zwischen Chiriqui Grande und Chiriqui – einer unserer bisher schwierigsten Strecken – bekam sie abends richtige Schmerzen – zum ersten Mal nach über 20000 km und komischerweise ausgerechnet kurz nach einer über dreiwöchigen Radpause. Düstere AussichtenWir entschieden daher, nicht direkt nach Panama City weiterzufahren, sondern auf der Pazifikseite einige Kilometer auf der Panamerikana zurückzufahren, und in David eine Pause einzulegen, um einen Arzt aufzusuchen. Die Besitzerin des Purple House Hostels dort konnte uns glücklicherweise einen guten Orthopäden empfehlen, der in einer sorgfältigen Untersuchung glücklicherweise gröbere Schäden am Knie ausschließen konnte und nur eine leichte Knorpelabnutzung diagnostizierte.

Antoine kommt am Liegerad von UshuaiaNach zwei Physiotherapie-Sitzungen und fünf Tagen Pause konnten wir daher glücklicherweise wieder weiterfahren.

Im Hostel hatten wir eine Tauchlehrerin aus Santa Catalina kennengelernt und auch Leute getroffen, die bereits dort waren und uns empfohlen hatten, dort auch zu tauchen. Wir nahmen daher den Abstecher zur Küste in Kauf und sollten nicht enttäuscht werden. Das Tauchrevier um die Isla Coiba, die man von Santa Catalina aus nach einstündiger Bootsfahrt erreicht ist tatsächlich außergewöhnlich. Wir sahen so viele Weißspitzenriffhaie, wie noch nie zuvor und Adlerrochen in Schwärmen. Zudem noch jede Menge großer Makrelen, Milchfische und 4 Froschfische. Beim dritten Tauchgang waren die Haie aufgrund ihrer großen Zahl schon so uninteressant, dass wir uns gegenseitig gar nicht mehr darauf hinwiesen, wenn einer irgendwo durch unser Blickfeld schwamm. Die Insel hat den Ruf als bestes Tauchrevier an der mittelamerikanischen Pazifikküste höchstwahrscheinlich verdient. Sichtweiten wie in der Karibik darf man zwar nicht erwarten, doch die zahlreichen Großfische wiegen das locker auf.

Am Tauchboot lernten wir auch Marc Antoine aus Marokko kennen, der in Panama City ein Apartment hat und uns spontan einlud, ihn dort zu besuchen.

Unterwegs nach Panamá City entschieden wir uns, nicht per Boot sondern mit dem Flugzeug nach Kolumbien überzusetzen, da diese Variante günstiger, zuverlässiger und schneller war und buchten auch gleich den Flug für 4.7. nach Cartagena. Marcs Einladung hätte wieder einmal nicht gelegener kommen können, denn wir hatten in Panamá noch einiges zu erledigen – die Räder waren zu zerlegen und flugfertig zu verpacken, was durch die große Wohnung, in der Marc wohnt, sehr viel einfacher wurde, als es in einem kleinen Hotelzimmer gewesen wäre.

Ausblick von Marc's BalkonAm Tag unserer Ankunft führte Marc uns durchs Casco Viejo – die historische Altstadt Panamás. Die nächsten beiden Tage waren wir damit beschäftigt, Fahrradkartons aufzutreiben, was sich als schwieriger herausstellte, als wir vermutet hatten, da die meisten Bikeshops keine alten Kartons hatten und Ciclo Rali nur einen Karton hergeben wollte, da die anderen noch neue Räder enthielten. Glücklicherweise konnten wir am zweiten Tag der Suche bei MotorSport doch noch einen zweiten Karton auftreiben und beginnen, die Räder zu zerlegen und zu verpacken, was auch fast wieder zwei volle Tage in Anspruch nahm, da wir die Räder wesentlich weiter zerlegen mussten als bei der Anreise nach Anchorage, da die Radkartons diesmal viel kleiner waren und offensichtlich nicht zur Aufnahme von zwei Gepäckträgern pro Rad gedacht waren.

Bei Marc in PanamáEtwas Zeit, die Küche zu nutzen blieb natürlich trotzdem und so bedankten wir uns bei Marc mit einer großen Schüssel Lasagne, die ebenso wie die Grillerei am Balkon seiner Wohnung im 12. Stock sehr gut gelang.

links und rechts 0,5 m Platz!Am Tag vor der Abreise besuchten wir mit Marc noch die Miraflores Schleusen des Panamakanals, die uns sehr beeindruckten, bevor wir am 04.07.10 endlich nach Südamerika aufbrachen. Marc brachte uns sogar noch zum Flughafen und nach nur 1 ½ h Flug hatten wir den Darién Gap überquert und befanden uns auf einem neuen Kontinent. Erst hier fanden wir heraus, dass wir eigentlich rückwärts geflogen waren, denn Cartagena liegt tatsächlich nördlicher als Panamá City.

CartagenaCartagena war die erste schöne Kolonialstadt, die wir seit Granada sahen und gefiel uns sogar besser als dieses. Wir verbrachten zwei Tage in Cartagena mit ausgedehnten Stadtspaziergängen und netten Gesprächen mit zwei Schweizern im Hotel Familiar bevor wir Richtung Mompos am Rio Magdalena aufbrachen.

Gerade als wir das Hotel verließen kamen Harald und Inge dahergeradelt, die wir zuletzt in der Nähe von Quepos in Costa Rica getroffen hatten als wir mit dem Mietauto unterwegs waren.

CartagenaWährend in Cartagenas Altstadt kaum Verkehr herrscht ist der Verkehr in den neueren Vierteln, die wir beim Verlassen der Stadt durchquerten, der chaotischste, den wir bisher gesehen haben und selbst mit Fahrrädern ist an ein flottes Vorankommen nicht zu denken.

Die Strecke bis Mompos war relativ flach und heiß und der Husten, den ich in Cartagena schon bekommen hatte machte mir etwas zu schaffen als sich vor Mompos noch leichte Kopfschmerzen dazugesellten. Nach einem Pausentag in Mompos waren die Kopfschmerzen wieder weg, der Husten blieb jedoch.

Mompos war uns als sehr schöne Kolonialstadt beschrieben worden, enttäuschte uns jedoch, da es uns bei weitem nicht so gut gefiel wie Cartagena. Zumindest das Hostel Casa Amarilla ist aber unbedingt empfehlenswert und wird von seinem englischen Besitzer mit viel Liebe zum Detail geführt.

Schlammbad - saugmiadlichWährend wir uns nach Mompos noch bis zur Brücke über den östlichen Arm des Rio Magdalena in El Boton über schönen Asphalt freuen durften, wurde die Strecke auf der anderen Seite bis El Banco recht rumplig und danach zusätzlich sehr schlammig und rutschig, so dass wir einige Male nur mit Glück einem Ganzkörperschlammbad entgingen. Die Schweine, die hier überall auf der Straße herumliefen, teilten unsere Abneigung gegen den Schlamm offenbar nicht.

Nach der langen Schotter/Schlammstrecke waren wir froh, auf der östlichen Seite des Magdalena Tales endlich wieder auf eine schön asphaltierte Straße mit Seitenstreifen zu kommen, die uns über Pelaya, San Martin, und Esperanza schließlich durch die ersten Ausläufer der Anden nach Bucaramanga führte, das wir erst gegen Abend am 16.7. erreichten, da wir nicht erwartet hatten für nur 600 m Nettohöhengewinn 1800 Tageshöhenmeter fahren zu müssen.

Glücklicherweise sprach uns schon bei der Stadteinfahrt ein Motorradler an, der uns letztendlich durch die ganze Stadt bis zu einem sehr netten Hotel führte und uns noch anbot, uns am nächsten Tag in ein Radgeschäft zu führen, wo wir eine weitere Reservefelge für Manu bekommen könnten.

Fabian war Profifotograf, hatte am nächsten Tag offenbar keinen Auftrag und nahm sich den ganzen Vormittag Zeit, uns zuerst zu zwei Radgeschäften zu führen, in denen wir tatsächlich alle Teile bekamen, die wir brauchten, mit uns zu Mittag zu essen, wobei er es sich nehmen ließ, uns einzuladen, und uns durch einen Supermarkt zu führen, um uns die besten kolumbianischen Kaffeesorten, Schokoladen und Früchte zu zeigen.

Diese unglaubliche Freundlichkeit der Leute in Kolumbien ist uns mittlerweile schon öfter aufgefallen und wir sind jedes Mal wieder erstaunt darüber.

Nelson aus Portugal (25000km seit New York)Als wir Bucaramanga wieder verließen trafen wir einige Kilometer außerhalb der Stadt einen anderen Reiseradler, der gerade sein Gewand von der letzten Regennacht im Zelt trocknete. Der Portugiese Nelson war vor ca. einem Jahr in New York gestartet und auch schon mit einigen uns bekannten Radlern verschiedene Strecken gemeinsam gefahren. Er begleitete uns bis zur Mittagspause kurz vor der Abfahrt in den Chicamocha Cañon, wo wir uns wieder trennten, nur um ihn einige Minuten später wieder zu überholen, da er kein Regengewand hatte und sich bei Regen immer irgendwo unterstellte, während wir normalerweise weiterfuhren.

Durch den Regen konnten wir die lange Abfahrt leider nicht richtig genießen doch glücklicherweise endete der Regen ganz unten im Cañon so dass wir die 1200 Höhenmeter Steigung auf der anderen Seite nicht mit Regengewand bewältigen mussten und die wunderschöne Aussicht in den Cañon den ganzen Nachmittag genießen konnten.

Cañón del ChicamochaAm nächsten Tag kam Nelson gerade vorbei als wir unser Hotel kurz vor Aratoca verließen und so fuhren wir mit ihm gemeinsam bis San Gil, wo er einen Pausentag einlegen wollte, während wir noch bis Socorro weiterfuhren. Bis Barbosa ging es noch über zahlreiche kleinere Hügel dahin bevor der richtige Anstieg auf uns wartete. Seit Saboya waren wir nicht mehr weit unter 2600 m Höhe. Die Landschaft erinnert an zuhause, Kühe, die aussehen wie bei uns grasen auf grünen Weiden und es ist gerade Erdbeerzeit.

ZipaquiráDie Städte Chiquinquira, Ubaté und Zipaquirá gefielen uns ganz gut. Zwischen Ubaté und Zipaquirá bewältigten wir unseren ersten 3000 m Pass – 3088 m um genau zu sein.

Catedral de SalIn Zipaquirá besuchten wir die berühmte Salzkathedrale – eine unterirdische Kirche, die bis zu 8000 Leute aufnimmt und in den Salzstock gehauen wurde.

ZiegelbrennereiAm Weg von Zipaquirá nach Bogotá fühlte ich mich relativ schwach, jedoch hatten wir Glück, genau am Sonntag in Bogotá anzukommen wo über 120 km an großen Straßen für Autos gesperrt sind und nur von Fußgängern, Radfahrern und anderen Sportlern benutz werden dürfen. Trotzdem bekam ich nachmittags relativ hohes Fieber und am nächsten Tag bei der Ärztin stellte sich heraus, dass sich mein Husten zur Bronchitis entwickelt hatte. Manu blieb leider auch nicht verschont und deshalb sitzen wir nun schon seit über einer Woche in Bogotá fest und müssen uns auskurieren bevor wir wieder weiterfahren können. 

Neue Fotos online

Die Fotos von Costa Rica ab Heredia, Panama und Kolumbien bis Zipaquira sind ab sofort online: Galerie

Route aktualisiert

Ich habe heute unsere bisherige Route durch Mittelamerika bis zum aktuellen Standort in David/Panama aktualisiert. Der gesamte GPS Track ist hier zu finden: Mexiko bis Kolumbien

El Progresso/Honduras bis Almirante/Panama 26.4.10 – 14.6.10

Auch die Strecke, die wir letztendlich durch Honduras nahmen hatte landschaftlich wesentlich mehr zu bieten, als wir von einer Hauptverkehrsverbindung erwartet hatten. Bis Yojoa hatten wir in der Tiefebene zwar mit hohen Temperaturen zu kämpfen, von dort ging‘s aber wieder in die Berge, und der Beginn der Regenzeit machte sich langsam bemerkbar – immer wieder gab’s unter Tags kurze Schauer und in der Nacht heftige Niederschläge. Tagsüber war der Regen eine willkommen Abkühlung und durch die angenehmen Temperaturen gut auszuhalten. Wir verzichteten sogar meistens darauf, unser Regengewand auszupacken, da man auf den bergigen Etappen auch mit Gore Tex durchs Schwitzen genau so nass wird, wie ohne durch den Regen. Atmungsaktive Regenbekleidung, die unseren Anforderungen gewachsen ist muss erst erfunden werden.

Nass wurden wir übrigens nicht nur beim Radeln sondern auch nachts, denn nur weil man aufs Campen verzichtet heißt das in Honduras noch lang nicht, dass man im Bett keinen Regen abbekommt.

Über Siguatepeque und Zambrano, wo wir jeweils eine Nacht verbrachten, gelangten wir nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, wo wir uns allerdings nur kurz für einige Einkäufe aufhielten, obwohl die Stadt einen wesentlich besseren Eindruck machte, als wir erwartet hatten. Auch in San Antonio del Occidente fanden wir wie in Zambrano eine kleine Hospedaje, obwohl in beiden Orten weder im Lonely Planet noch im Lateinamerika BikeBuch Hotels verzeichnet waren.  

Die gesamte Strecke von Yojoa bis zur Grenze zu Nicaragua ist mit Ausnahme der unmittelbaren Umgebung von Comayagua und Tegucigalpa sehr schön und auch ganz gut zum Radfahren geeignet.

Als wir kurz nach Danli die Grenze nach Nicaragua überquerten, waren wir trotzdem froh, Honduras hinter uns zu lassen. Wir hatten zwar in Honduras nie Probleme und fühlten uns auch nie bedroht, freuten uns aber doch, uns jetzt im angeblich sichersten Land Mittelamerikas zu befinden.

Mit der Grenze änderte sich unerwarteter weise auch die Landschaft – während in Honduras die Landwirtschaft dominierte, war das Gebiet nach der Grenze relativ dünn besiedelt und von tropischer Vegetation geprägt.

Die erhoffte 20km Abfahrt nach der Grenze, von der zwei andere Radler berichtet hatten, stellte sich als maßlose Übertreibung heraus – trotzdem kamen wir ganz gut voran und erreichten mit Stops in Ocotal, Esteli und Tipitapa bald Masaya – die Kunsthauptstadt Nicaraguas, wo wir uns einen Pausentag gönnten.

Unterwegs trafen wir zufällig John aus San Francisco – das einzige Warmshowers-Mitglied in Nicaragua, der uns einlud, ihn an der Pazifikküste in Playa Gigante in seinem Restaurant zu besuchen.

Dummerweise verlor ich zwischen Esteli und Sebaco irgendwo beim Fotografieren meinen GPS Receiver, den wir zum Geotagging unserer Fotos verwenden. Muss wohl unbemerkt aus der Tasche gefallen sein. Somit gingen auch die GPS Tracks von Utila bis Esteli verloren, die ich noch nicht auf den Computer geladen hatte, weshalb die Fotos zwischen Utila und Heredia nun auch keine GPS Koordinaten enthalten.

Die Besteigung oder besser Beradelung des Volcán Masaya war eines der Highlights in Nicaragua. Der aktive Vulkan war der erste, den wir auf unserer Reise besuchten und brachte uns, auch wenn die Anfahrt mit nur ca. 300 Höhenmetern recht leicht war, etwas außer Atem, denn die Schwefeldämpfe, die aus dem Krater aufsteigen sind bei falscher Windrichtung ziemlich unangenehm.

Am Kraterrand trafen wir auch den ersten Panamerikana-Reisenden in Mittelamerika – den Schweizer Markus, der allerdings am Motorrad unterwegs war und mit dem wir uns lange unterhielten. Er hatte uns schon in Honduras einmal vor Zambrano auf der Straße überholt und fast zur gleichen Zeit wie wir in Anchorage seine Reise begonnen. (www.planeshifterx.blogspot.com)

In Masaya deckte sich Manu noch mit Souvenirs vom Kunstmarkt ein – Hängematten, Ledergeldbörsen usw., die zur Heimreise mit Dani, die wir in Costa Rica erwarteten, bestimmt waren. Immerhin eine von wahrscheinlich nur zwei Chancen auf unserer Reise, ein wenig einzukaufen, ohne das zusätzliche Gewicht dann für tausende Kilometer am Rad herumführen zu müssen.

Masaya war seit Mexiko die erste ganz schöne Kolonialstadt, und gefiel uns recht gut, auch wenn es nicht mit den Städten in Mexiko mithalten konnte.

Granada war sogar noch etwas schöner dafür aber auch wesentlich touristischer – und wohl eine der meistbesuchten Städte Nicaraguas. Jedenfalls ist die Auswahl an Unterkünften groß und wir kamen gleich gegenüber vom Markt im Hostal Esfinge, einem der bisher nettesten Hostels unserer Reise unter.

Nachdem wir bereits in Masaya einen ungeplanten Pausentag eingelegt hatten verbrachten wir nur einen Nachmittag und Abend (mit happy hour Cocktails) in Granada und setzten am nächsten Tag von San Jorge aus auf die Isla de Ometepe über, die sich mit ihren zwei Vulkanen Concepción und Maderas bis auf 1610 m aus dem Lago de Nicaragua, dem größten See Mittelamerikas erhebt.

Der Lago de Nicaragua ist außerdem angeblich der einzige See der Welt in dem es eine eigenständige Population von Haien gibt. Es handelt sich dabei nicht um eine richtige Süßwasserspezies sondern um Bullenhaie, die aus der Karibik über den Rio San Juan hier her gekommen sind und sich offenbar im See so gut vermehren, dass während der Somoza Diktatur in Nicaragua bis zu 20000 Haie pro Jahr gefangen und exportiert werden konnten.

Auf der Isla de Ometepe legten wir wieder einen Pausentag ein, an dem wir den Volcán Concepción umrundeten, wobei wir nach genau 11 Monaten Reisezeit die 20.000 km Marke erreichten, was natürlich wieder mit Cocktails gefeiert wurde.

Die Besteigung des Vulkans mit seinen 1610 m Höhe, die uns zwar gereizt hätte, für die wir aber nicht wirklich vorbereitet waren, ließen wir im Hinblick auf weitere Vulkanwanderungen, die wir uns mit Dani in Costa Rica vorgenommen hatten aus, da wir konditionell zwar beim Radfahren recht fit sind, jedoch nur wenig Training beim Wandern haben, was die 1587 Höhenmeter rauf und runter in einem Tag, die die Besteigung beinhaltet hätte, sicherlich zur Tortur hätte werden lassen.

Zurück am Festland überquerten wir die schmale Engstelle zwischen Lago de Nicaragua und Pazifik und besuchten John, der und kurz vor Masaya eingeladen hatte, in Playa Gigante, einem winzigen Dorf mit großem einsamem Sandstrand und vielleicht 20 Häusern. Die wenigen Ausländer, die hier anzutreffen sind, sind Großteils Surfer aus den USA, die von der starken Brandung in der Nachbarbucht angelockt werden.

John war selbst 11 Monate am Rad in Asien unterwegs gewesen und nun schon seit einigen Jahren mit seiner spanischen Frau und Tochter in Playa Gigante, wo sie sich ein Restaurant aufgebaut haben, in dem wir übernachten durften. Die meisten Besucher des Restaurants waren natürlich auch amerikanische Surfer, mit denen wir nur wenig anfangen konnten, da sie für uns einfach zu cool und meistens bekifft waren.

Von Playa Gigante aus erreichten wir in einem Tag La Cruz in Costa Rica, dem achten Land unserer Reise. Schon wieder hatten wir nur 11 Tage im letzten Land verbracht und schon wieder war ab der Grenze alles anders. Der Grenzübergang ist zwar recht unübersichtlich, doch die erste große Überraschung waren die Geldwechsler, die es hier auch zu Hauf gibt, die aber Ausweise umgehängt hatten und uns auf Anhieb den Wechselkurs anboten, den wir am Tag zuvor im Internet ermittelt hatten. Noch an der Grenze von Honduras zu Nicaragua wurde uns bei der ersten Frage nach dem Umrechnungskurs von Lempira auf Cordoba ein Kurs mit 30% Wechselverlust angeboten und war nur mit Mühe auf einen Kurs mit 4% Verlust runterzuhandeln.

Die nächste Überraschung waren die Straßen in Costa Rica, die, trotzdem das Land als das reichste in Mittelamerika gilt, in wesentlich schlechterem Zustand waren als die, die wir in Nicaragua benutzt hatten. Seitenstreifen gibt es fast nirgends, die Straßen sind schmal und die Schlaglöcher tief. Dafür merkt man schon an den Häusern am Straßenrand, dass die Bevölkerung wohlhabender ist. Bettler gibt es zwar auch hier, aber bei weitem nicht so viele wie in Nicaragua.

Schon auf den ersten Kilometern in Costa Rica sahen wir im dichten Urwald am Straßenrand Affen herumspringen, die uns neugierig beobachteten und ankreischten – die bisher ersten, die uns nicht einfach ignorierten, wie die, die wir bisher gesehen hatten.

Die Lebensmittelpreise in den Supermärkten, die hier deutlich mehr Auswahl haben als in Belize, Honduras und Nicaragua, sind wie erwartet relativ hoch, dafür lassen sich ganz nette Unterkünfte auf mexikanischem Preisniveau finden.

In La Cruz fiel uns auch gleich zum ersten Mal eine Musmanni-Bäckerei auf – eine Franchise-Kette, die es in ganz Costa Rica in jedem größeren Dorf gibt und wo wir zum ersten Mal seit Mexiko wieder annehmbares Brot bekamen. Die Baguettes, die hier verkauft werden sind zwar nicht ganz so gut, wie die mexikanischen Bolillos aber doch um Längen besser als die Hamburger und Hotdog- (Perro Caliente) Laberl, die wir seit Belize essen mussten, wenn wir gerade keine Lust auf Tortillas hatten.

Wir entschieden uns, nicht die Panamericana, die CA1, nach San Jose zu nehmen, da wir von bösartigen Winden in der Gegend gelesen hatten und nicht gerade die am stärksten befahrene Straße wählen wollten. Stattdessen bogen wir kurz nach La Cruz auf die CR4 nach Osten ab, wo wir zwar anfangs auch mit starkem Wind kämpften, der aber glücklicherweise bald nachließ und uns erlaubte, uns wieder auf die schöne Landschaft zu konzentrieren. Wir radelten durch Orangen-, Ananas- und Kakaoplantagen über sanfte Hügel dahin und hatten oft Gelegenheit, die zahlreichen Vulkane der Cordillera Guanacaste und Cordillera de Tilaran zu sehen, an deren Nordseite wir entlangfuhren. Auch die Menschen waren in diesem wohl am wenigsten touristischen Teil Costa Ricas sehr freundlich und versorgten uns unterwegs mit frisch aufgeschnittener Ananas oder kamen uns mit einem Sessel zu Hilfe als sie sahen, dass wir Probleme hatten, die Kokosnüsse auf der Palme zu erreichen.

Kurz nach San Rafael de Guateso fiel uns auf einem Baum am Straßenrand ein Fellknäuel auf, das sich als Faultier entpuppte. Leider konnten wir nur wenige Fotos davon machen, da es, kurz nachdem wir das Tier entdeckt hatten, heftig zu regnen begann – ein Vorgeschmack darauf, was uns in den nächsten Wochen noch erwartete, denn ab hier machte sich die beginnende Regenzeit immer mehr bemerkbar. Bis Heredia regnete es fast täglich für 1-2 Stunden. Auf der Bergetappe von Tanque nach Zarcero kam noch dichter Nebel hinzu, der die Sicht auf teilweise nur 10-15 m einschränkte.

vor ZarceroAuch die Berge in Costa Rica machten uns das Leben nicht ganz einfach, denn die Anstiege sind hier steiler als gewohnt und trotzdem relativ lang, so dass wir teilweise nur 27 km mit über 1500 Höhenmetern an einem Tag zurücklegten – Ein Glück, dass wir nun keine Eile mehr hatten.

Am Weg nach Heredia, wo wir bei der Gastfamilie meiner Schwester, die ein halbes Jahr in Costa Rica gelebt hatte, eingeladen waren, bemerkte ich, dass meine „neuen“ Felgen, die ich erst in Tucson/Arizona bekommen hatte schon wieder Risse bekamen. Eigentlich hatte ich bei den neuen Sun Ringlé MTX33 eine längere Lebensdauer als bei meinen alten DTSwiss EX5.1d erwartet, da sie mit 660 g immerhin um 160 g schwerer waren als die alten, was sich allerdings als Fehleinschätzung erwies. Die DT Swiss hatten trotz des geringeren Gewichts um immerhin 2100 km länger gehalten.

Auch bei Manus hinterer Felge konnten wir in Heredia nach 20500 km erstmals drei winzige Risse feststellen und machten uns daher auf die Suche nach neuen möglichst starken Downhillfelgen, was sich allerdings als schwierige Unternehmung herausstellte. Es gibt in San Jose und Umgebung zwar zahlreiche gute Radgeschäfte, die allerdings alle keine geeigneten Felgen hatten. Der Generalimporteur von DTSwiss hätte zwar innerhalb eines Monats Felgen beschaffen können, was uns allerdings zu lang erschien, da ja die lateinamerikanischen Zeitangaben äußerst vorsichtig zu genießen sind. Auch bei Mavic hatten wir kein Glück – Der Distributor meinte, der Markt wäre einfach zu klein, um Downhill-Teile zu importieren.

Zumindest bekamen wir für Manu in Grecia bei Ciclo Cuco einen Satz neuer Ritzel, Kettenblätter und Ketten, die sie auch schon dringend nötig hatte.

Meine Schaltung funktioniert bisher noch ganz gut, was vielleicht am Qualitätsunterschied zwischen Shimano SLX und Deore XT Teilen liegt oder daran, dass ich drei und Manu nur zwei Ketten verwendet, die wir alle 1000 km abwechselnd montieren.

Von unserer Gastfamilie in Heredia wurden wir sehr herzlich aufgenommen, ausgezeichnet verköstigt und in einem eigenen Haus für uns allein untergebracht, dessen Mieter einige Tage vor unserer Ankunft ausgezogen war. Nachdem nur die „Kinder“ Maria Isabel und Juan Pablo Englisch sprachen hatten wir auch ausreichend Gelegenheit Spanisch zu üben.

Am 20.5. kam Dani wie geplant in San Jose an, und wir mieteten uns für die nächsten zwei Wochen ein neues Gefährt. Als ersten Ausflug machten wir eine Coffee-Tour bei Britt – Einem der bekannten Kaffeehersteller Costa Ricas. Wir hatten zuvor auf Tripadvisor die Bewertungen für verschiedene Touren gelesen und die Britt Tour aufgrund der vielen positiven Kritiken ausgesucht, stellten aber leider wieder einmal fest, dass man sich als Europäer nicht ganz auf die Ansichten der US-Amerikaner verlassen kann, die prinzipiell alles awesome finden und offenbar sehr leicht zu begeistern sind. Die Coffee Tour hatte jedenfalls relativ wenig Informationsgehalt und dafür umso mehr flache Unterhaltung in Form einer inszenierten Beziehungsgeschichte zweier Kaffeeplantagenarbeiter zu bieten. Zumindest das Mittagsbuffet war gut, wenn auch die Gesamtleistung die 47 US$ pro Person nicht wert war. Barista Session - VerkostungDer einzig wirklich Interessante Teil war die Barista Session am Ende, wo uns gezeigt wurde, wie man verschiedene Kaffeegetränke herstellt.

Für den ersten richtigen Reisetag mit Dani hatten wir uns vorgenommen den Volcán Poás zu besuchen, der nahe Heredia liegt und dessen Krater man auf einer bis zum Ende asphaltierten Straße erreichen kann. Die Anfahrt bis zum 2500m hoch gelegenen Parkeingang ging ungewohnt flott, jedoch fuhren wir, je höher wir kamen durch immer dichteren Nebel – nicht gerade die beste Voraussetzung um einen Vulkan zu besichtigen, weshalb wir uns dazu entschlossen, den Vulkan vorerst auszulassen und bei unserer Rückkehr nach Heredia nochmal vorbeizuschauen, falls das Wetter dann mitspielte.

El mundo de las serpientesUnterwegs zur nächsten Station, dem Volcán Arenal schauten wir zunächst in Grecia bei der „Mundo de las serpientes“ – einem Schlangenzoo – vorbei, der von einem Österreicher gegründet worden war und viele der einheimischen Giftschlangen beherbergte. Wir genossen eine ausgezeichnete Führung durch die Anlage mit ihren fast 60 Terrarien und bekamen sogar die Gelegenheit, eine der ungefährlichen und friedlichen Schlangen – die braune Regenbogenboa in Händen zu halten, was keiner von uns zuvor je probiert hatte. Besonders Manu konnte man die anfängliche Abneigung deutlich vom Gesicht ablesen.

FortunaAm Nachmittag fuhren wir noch weiter nach Fortuna, von wo aus wir den Volcán Arenal besichtigen wollten, der permanent aktiv ist und dessen kleine Eruptionen man besonders bei Nacht gut beobachten kann – natürlich nur bei klarer Sicht und nicht bei dem strömenden Regen, der uns mit Einbruch der Dunkelheit in Fortuna empfing.

Die Wanderung im Parque Nacional Volcán Arenal am nächsten Tag war ebenfalls wieder eine nasse Angelegenheit denn es begann wieder Mal gerade in dem Moment zu regnen, als wir uns am weitesten vom Auto entfernt hatten, was uns einen recht schlammigen Rückweg durch den interessantesten Teil des Parks und für die nächsten Tage nasse Schuhe bescherte. Am Abend gegen 22:00 war der Berg zum ersten Mal vollständig zu sehen und wir sprangen ins Auto, um vielleicht doch noch die erhofften glühenden Lavaströme zu sehen. Volcán Arenal bei NachtTatsächlich fanden wir eine Stelle an der Straße, wo bereits zahlreiche Schaulustige den Vulkan beobachteten und sahen von der Bergspitze große glühende Felsbrocken ins Tal donnern, was sogar noch aus der relativ großen Entfernung, in der wir uns befanden, zu hören war. Richtige Lavaströme waren zwar nicht dabei, trotzdem war der Mini-Vulkanausbruch aber recht interessant. Wir hatten zwar auch schon am Tag die Felsen gesehen, die immer wieder über das Geröllfeld des Arenal hinunterpurzeln, doch sieht man bei Tageslicht nicht, dass diese tatsächlich glühen, weshalb der Vulkan bei Dunkelheit wesentlich eindrucksvoller ist.

Am nächsten Tag erlebten wir eines der Highlights unserer Costa Rica Rundreise – die Puentes Colgantes Arenal – ein Wanderwegsystem das über einige bis zu beinahe 100 m hohe Hängebrücken durch dichten Primärwald gebaut wurde und etwas westlich des Volcán Arenal liegt. Puentes Colgantes del ArenalHier konnten wir die dichte Vegetation des Urwaldes einmal aus anderer Perspektive bewundern und den Bromelien- und Lianenbewuchs der Bäume bis in große Höhe bestaunen. Zudem sahen wir einige exotische, bunte Vögel, darunter einen Tukan, unsere ersten Brüllaffen, ein Agouti und eine relativ große Schlange zusammengewickelt in einem Baum.

Nachdem wir wesentlich mehr Zeit bei den Hängebrücken verbrachten als wir gedacht hatten erreichten wir abends nicht mehr, wie geplant, Santa Elena sondern nur Tilarán und brachen am nächsten Tag frühmorgens über die Schotterstraße nach Santa Elena auf. Schon bei der Touristeninformation zwei Kilometer vor dem eigentlichen Ort wurde uns das Sunset Hotel empfohlen und ein Nachsaisonsrabatt ausverhandelt. Trotzdem waren wir erst etwas skeptisch, denn wir hatten von einigen noch günstigeren Unterkünften im Reiseführer gelesen. Als wir uns das Hotel ansahen und noch einen niedrigeren Preis ausverhandeln konnten waren aber schnell alle Zweifel verflogen, denn die Aussicht vom Bett aus auf den Golf von Nicoya war tatsächlich etwas Besonderes, wenngleich wir sie auch nur beim Einchecken genießen konnten, da den restlichen Tag dichter Nebel das einzige war, was wir sahen – wie sich das ja für ein Nebelwaldreservat auch gehört.

Kolibris in Santa ElenaDas eigentliche Reservat liegt nochmal um einige hundert Meter höher als der Ort Santa Elena wodurch sich auch die Vegetation dramatisch ändert. Während auf Höhe des Hotels der Laubwald nicht viel anders aussieht als bei uns in Österreich, sind im eigentlichen Nebelwald die Bäume völlig mit Bromelien, Moosen, und Lianen bewachsen, so dass man kaum einmal ein Stück freiliegende Rinde findet. Auch wenn es gerade nicht regnet, tropft der kondensierende Nebel unablässig aus den Baumkronen, und die Moose, die an den Bäumen wachsen, sind mit Wasser getränkt wie Schwämme. Auf der Wanderung durch den Nebelwald hörten wir die unterschiedlichsten Vögel aus den Bäumen pfeifen, bekamen allerdings nur wenige von ihnen tatsächlich zu sehen. Auch mit den Faultieren und Pumas hatten wir hier kein Glück – zu dicht ist die Vegetation, um die gut getarnten Tiere zu finden. Die Chance auf Faultiere scheint hier auch nicht allzu groß zu sein, denn angeblich berichten auch die Guides, die täglich mehrmals Touristen durch den Park führen, nur ca. ein Mal monatlich von einer Sichtung. Manu, die etwas früher zum Auto zurückkehrte, hatte am Rückweg das Glück, ein Gürteltier zu sehen – Tiere, die wir bisher nur in recht flacher Form auf den Straßen gesehen hatten.

Zurück im Hotel fanden wir heraus, dass unsere Zimmernachbarn Margit und Markus aus Salzburg waren, verabredeten uns zum Abendessen in Santa Elenaund bekamen so gerade hier in den Bergen den besten Fisch auf unserer Rundreise serviert.

Parque Nacional Rincón de la ViejaAuch beim nächsten Vulkan, den wir besichtigen wollten machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Rincon de la Vieja war natürlich nicht zu sehen, und der Regen wurde immer stärker, je näher wir dem Parkeingang kamen – ungewöhnliche Bedingungen für die an sich recht trockene Provinz Guanacaste, wie uns versichert wurde.

Nachdem der Regen auch nach einer Stunde Warten nicht weniger wurde, blieb uns nichts anders übrig, als nach Liberia zurückzufahren und den Nachmittag im Kaffeehaus abzusitzen. Glücklicherweise bekamen wir am nächsten Tag noch die Gelegenheit, den Nationalpark in einigen regenfreien Stunden am Vormittag zu besichtigen bevor zur Weiterfahrt nach Playa del Coco wieder der gewohnte Starkregen einsetzte.

In Playa del Coco fanden wir ein nettes Apartment mit Küche und beschlossen, die Unterwasserwelt am Pazifik zu erkunden, da an Badewetter nicht zu denken war. AbendessenDie holländische Tauchbasis Rich Coast Divers machte erst auch einen recht guten Eindruck und wir machten einige schöne Tauchgänge in der näheren Umgebung, wollten aber eigentlich einen Ausflug auf die Islas Murcielago unternehmen, die in der Region die besten Tauchplätze bieten sollen und wo man mit großer Wahrscheinlichkeit Bullenhaie und manchmal Mantas beobachten kann. In der DuscheDie Mindestteilnehmerzahl für die Ausfahrt auf die Islas Murcielago war zwar mit drei Personen angegeben, doch schienen wir drei der Tauchbasis nicht genug finanziellen Anreiz zu bieten, um die Ausfahrt zu organisieren. Das Wetter wurde immer wieder als Ausrede genannt wobei an mindestens drei der vier Tage, die wir in Playa del Coco verbrachten das Wetter eigentlich gut war und eine Ausfahrt sicher möglich gewesen wäre.

Playa FlamingoRelativ enttäuscht über den erneut abgesagten Murcielago Ausflug am vierten Tag, nachdem wir extra einen Tag länger geblieben waren, um doch noch auf die Inseln zu kommen, machten wir uns auf den Weg zum Manuel Antonio Nationalpark. Unterwegs querten wir den Rio Grande de Tarcoles, wo wir zahlreiche Krokodile, faul im Schlamm liegend, beobachten konnten und machten eine kurze Pause in Esterillos Oeste am Strand zum Mittagessen. In Quepos fanden wir relativ schnell eine Unterkunft im Zentrum und hatten noch Zeit für einen Spaziergang durch die Stadt und den Sonnenuntergang am Meer. Die sehr netten Hotelbesitzer empfahlen uns ein gutes und günstiges Fischrestaurant, wo wir zum ersten Mal Dorado (Delphinfisch) probierten, der uns sehr schmeckte, jedoch von den ausgezeichneten Calamari noch übertroffen wurde.

Der Manuel Antonio Nationalpark ist eine große Touristenattraktion was man schon daran merkt, dass schon ca. einen Kilometer vor dem Eingang Parkguides mit gelben Warnwesten alle Autos aufhalten und unter dem Vorwand, die nähren Parkplätze wären alle voll, am Straßenrand zum Parken einweisen. Das ganze dient dazu, den Touristen als erste eine Tour anbieten zu können – noch vor den zahlreichen anderen Guides, die an den drei weiteren Parkplätzen, die natürlich nicht voll sind, das gleiche probieren.

FaultierNachdem die Guides lästig, aufdringlich und teuer waren entschlossen wir uns, den Park auf eigene Faust zu erkunden, was sich nicht als Fehler herausstellte. Durch die zahlreichen Touristen, die sogar jetzt in der Regenzeit den Park besuchen ist es relativ einfach, herauszufinden, wo es etwas zu sehen gibt, da garantiert bei jedem Faultier und Affen schon einen Gruppe von Leuten oder ein Guide mit seiner Gruppe steht, deren Blicken man nur zu folgen braucht, um sogar die unauffälligen Faultiere auszumachen. Insgesamt sahen wir drei Faultiere, zwei Gruppen von Brüllaffen, zahlreiche größere Eidechsen, drei Leguana und Unmengen an schwarz-orangen Landkrabben. Trotzdem hätten wir uns von dem Park eigentlich mehr erwartet, und verstanden nicht ganz, weshalb alle davon so begeistert zu sein scheinen.

Den Nachmittag nach dem Parkbesuch zuhause, denn der Regen wollte wieder einmal nicht aufhören. Das Highlight des Nachmittages war ein Erdbeben, das wir auf der Terrasse unseres Hotels miterlebten und das uns einen gehörigen Schrecken einjagte, denn mit einer Stärke von 6.1 und dem Epizentrum in unmittelbarer Umgebung brachte es unser ohnehin wackliges Hotel gehörig zum Schaukeln. Abends wechselten wir ins Dos Locos – das mexikanische Restaurant im Zentrum, wo’s wieder Fisch (diesmal leider völlig ausgetrocknet) gab.Quepos nach der Sintflut Neben dem Erdbeben war der Sturm, der einsetzte als wir vom Essen wieder zurück im Hotel waren, die zweite Naturkatastrophe des Tages und richtete auch wesentlich mehr Schaden an. Uns hielt er durch das laute Scheppern des Wellblechdaches und durch den waagerechten Regen, der in der Nacht den Weg durch die Ritzen des Fensters über dem Bett fand einige Zeit wach, und an der Strandpromenade war am nächsten Tag gut die Hälfte aller Bäume entwurzelt oder abgebrochen.

Nachdem für die Gegend um San Jose auch für den letzten Tag vor Danis Abreise wieder schlechtes Wetter angesagt war, hatten wir am Nachmittag beschlossen, statt nochmal zum Volcán Poás zu fahren zwei Tauchgänge in Quepos zu machen. Das Tauchcenter Oceans Unlimited hatte einen guten ersten Eindruck hinterlassen – vor allem auch dadurch, dass uns der englische Tauchlehrer ehrlich gesagt hatte, dass wir keine gute Sichtweiten zu erwarten hatten, da wir einfach zur falschen Jahreszeit gekommen waren.

Am Tag nach dem Sturm waren wir uns allerdings nicht mehr so sicher ob sich die Tauchgänge wirklich lohnen würden denn zumindest an der Küste unmittelbar vor Quepos hatte sich die Trübung des Wassers deutlich verstärkt. Nachdem allerdings die Tauchlehrer, die diesmal im Shop waren versicherten, sie würden schon einen guten Platz mit brauchbarer Sichtweite finden vertrauten wir ihnen, was sich diesmal als Fehler herausstellte. Nach dem ersten Tauchgang mit einer Sichtweite von ca. 1,5 bis 2 m, uninteressanter Unterwasserlandschaft und einer ziemlich enttäuschenden Tierwelt beschlossen wir, den zweiten Tauchgang abzusagen. Erst meinten zwar die zahlreichen einheimischen Tauchlehrer, die mit uns an Bord waren, dass wir trotzdem den vollen Preis zu zahlen hätten, der Engländer, mit dem wir schon am Vortag gesprochen hatten, erließ uns aber letztendlich doch fast die Hälfte des Preises noch bevor wir nach einer Ermäßigung fragten. Die einheimischen Tauchlehrer dagegen zeigten weder bei der Diskussion um das unsinnige 45 Minuten Tauchgangslimit, noch bei unserem Wunsch, den zweiten Tauchgang auszusetzen viel Kooperationsbereitschaft.

Regen aussitzenAls Nachmittagsprogramm wollten wir uns ein Schmetterlingshaus ansehen, das allerdings auch aufgrund von Sturmschäden geschlossen war – ebenso, wie das Restaurant Agua Azul, das uns empfohlen worden war.

Am nächsten Tag am Weg zurück nach Heredia waren glücklicherweise die zuvor gesperrten Straßen wieder geräumt, doch die Sturmschäden waren noch überall zu sehen – ganze Alleen waren dem Wind zum Opfer gefallen.

Inge und HaraldKurz vor Tarcoles trafen wir auf der Straße noch zwei Reiseradler – Inge und Harald aus Deutschland, von denen wir zum ersten Mal schon in den USA gehört hatten, da sie mit ihren bunten Radtaschen auch schon anderen Radlern aufgefallen waren.

Für den Abend hatten wir mit unserer Gastfamilie in Heredia ein gemeinsames Abendessen vereinbart und wurden in ein nettes Restaurant mit typisch Costa-ricanischer Küche geführt, von dessen Terrasse man bei regenfreiem Wetter einen schönen Ausblick auf das Lichtermeer San Joses, Alajuelas und Heredias gehabt hätte.

Den Vormittag vor Danis Abreise nutzten wir noch für eine kurze Tour durch San Jose auf der die Mädels noch die wichtigsten Besorgungen (Schuhe und T-Shirts) für Heim- bzw. Weiterreise machten.

Unsere restlichen Pausentage in Heredia verbrachten wir mit der Wartung unserer Räder, Internetsurfen und dem Besuch des Inbioparque in Heredia, wo wir neben einer weiteren kleinen Schlangenaustellung und einigen Pfeilgiftfröschen doch noch einen Schmetterlingspark zu sehen bekamen.

Als wir von Heredia wieder aufbrachen kündigte der Wetterbericht für die gesamte nächste Woche Gewitter – meistens sogar ganztägig – an. So schlimm wurde es glücklicherweise doch nicht und der Regen beschränkte sich die ersten drei Tage auf den Nachmittag. Wir hatten beschlossen, zur Karibikküste hinauf zu fahren und an der Karibikseite Costa Ricas nach Panama zu radeln, da wir die Pazifikseite ja schon kannten und den Verkehr dort teilweise schon im Auto als unangenehm empfunden hatten. Am Weg durch San Jose besorgten wir für Manu noch ein neues Schaltwerk, da seit dem Austausch der Kette, Zahnkränze und Kettenblätter zwar die Kette nicht mehr durchrutschte aber die Schaltpräzision trotzdem noch mangelhaft war.

DSC_6819Die Strecke bis Cartago auf der CA2 war stark befahren und autobahnartig ausgebaut. Ab Cartago gelangt man auf der CA10 durch sehr schöne und bergige Kaffeanbaugebiete nach Turrialba und Siquirres. Immer wieder sahen wir den gerade sehr aktiven Vulkan Turrialba, von dem eine mehrere hundert Meter lange Rauchfahne in immer wechselnde Richtung wehte und wir waren uns einig, dass uns das Radeln durch die Gegend hier eigentlich besser gefällt, als zB. durch den sehr touristischen Manuel Antonio Nationalpark zu wandern. DSC_6824Es war einfach schön, nach so langer Zeit wieder auf der Straße zu sein. Ab der Einmündung der CA10 auf die CA32 bei Siquirres teilten wir uns die Straße bis Puerto Limon, das wir umfuhren, mit unzähligen Bananenlastern. Den netten kleinen Küstenort Cahuita erreichten wir wieder einmal, wie unsere beiden letzten Quartiere in Paraiso und Siquirres bei strömendem Regen.

DSC_6839Schon seit Puerto Limon gab es in der Bevölkerung einen hohen Anteil Schwarzer, die auch wieder Englisch sprechen, wie in Belize und Honduras. Der kreolische Dialekt, den wir in Belize oft hörten fiel uns hier allerdings nicht auf – ca. 1/3 der Bevölkerung stammt von den englischsprachigen Inseln Jamaica oder Barbados.

      DSC_6866Ab Cahuita verließen wir die Küste mit ihren Kokoshainen und fuhren durch dichten und sehr schönen Dschungel und Bananenplantagen nach Sixaola, wo wir die Grenze zu Panama passierten – unser bisher wider Erwarten einfachster Grenzübertritt – denn wir hatten gehört, dass man hier oft lange braucht, ausreichend Bargeld und ein Ausreiseticket vorlegen müsste. Ein Ausreiseflugticket hatten wir uns aus unserem e-Ticket von Frankfurt nach Anchorage durch Datums- und Flugdatenänderung zwar gebastelt, jedoch wurde weder dieses, noch unsere Finanzen überprüft und auch unser Gemüse fürs Abendessen, das man angeblich nicht einführen darf, durften wir behalten.

DSC_6872Panama macht bisher einen ganz guten Eindruck – die Leute sind freundlich, bezahlt wird in Dollar, die Straße ist wesentlich besser ausgebaut als in Costa Rica und der Verkehr ist rücksichtsvoll, wenn auch die zahlreichen Steigungen mit bis zu 15% nach der langen Radelpause relativ hart sind und uns gehörig ins Schwitzen bringen. Die Supermärkte sind wieder fest in chinesischer Hand, es gibt aber zumindest deutlich mehr Auswahl und bessere Preise als in Belize.                             

Neue Fotos online!

Die Fotos unserer zweiwöchigen Mietauto-Rundreise in Costa Rica mit Dani sind nun online. Ab Heredia gibt’s nun auch wieder GPS Koordinaten, da uns Dani jede Menge Ersatzteile und einen neuen GPS Logger aus Österreich mitgebracht hat. Der neue Reisebericht ist in Arbeit, könnte aber noch ein bisserl dauern.

Die neuen Fotos befinden sich in den Kategorien Nicaragua und Costa_Rica.

Neue Fotos online

Die Fotos von Utila (Honduras) bis Playa Gigante (Nicaragua) sind jetzt in den Kategorien Honduras und Nicaragua zu finden. Leider diesmal ohne GPS Koordinaten, da ich meinen GPS Receiver verloren habe.

Außerdem sind die voraussichtliche Route und die Statistikseite jetzt wieder aktuell.

Morgen geht’s weiter nach Costa Rica!

20000 km

DSC_46388.5.10 – genau 11 Monate nachdem wir in Wien aufgebrochen sind erreichten wir auf der Umrundung des Volcan Concepción auf der Isla de Ometepe in Nicaragua nach insgesamt 1246 h Fahrzeit und 7 Ländern die 20000 km Marke – ein Grund zu feiern!

DSC_4652Auf Ometepe gibt’s zwar günstige Cocktails aber wir wollen zum 20000er auch wieder mal gut Fisch essen gehen – und da gibt’s auf Ometepe, das ja im größten See Mittelamerikas – dem Lago de Nicaragua – liegt hauptsächlich Seefisch.  DSC_4739 Deswegen warteten wir mit dem Essen noch einen Tag und radelten zum Pazifik nach Playa Gigante, wo es nun die verdiente Fischplatte am einsamen Sandstrand gibt.

Chiapa de Corzo (Mexiko) bis Danli (Honduras) – 13.3.2010 bis 30.4.2010

Die Steigung nach San Cristobal war wie erwartet hart, aber sehr gleichmäßig mit ca. 5% auf 42 km. 2200 Höhenmeter hatten wir erwartet, wurden aber durch das plötzliche Ende des Berges herb enttäuscht, da offenbar Google wiedermal nicht berücksichtigt hatte, dass die Autobahn durch einige Hügel gesprengt worden war. Daher gab’s auch keinen neuen Rekord sondern nur magere 1975 Höhenmeter und eine relativ frühe Ankunft in San Cristobal.

Im Backpackers Hostel dort trafen wir auch gleich Matt, mit dem wir schon einige Tage zuvor Emailkontakt aufgenommen hatten und verabredeten uns zum Erfahrungsaustausch für den Abend.

Matt war ebenfalls in Alaska gestartet und nach Feuerland unterwegs und wir hatten schon einige Male ganz nützliche Informationen aus seinem Blog (www.pedalpanam.com) bezogen. Am Abend nachdem wir unsere Räder ins Hotel gebracht hatten trafen wir uns in der Innenstadt und genossen Mojitos um 10 Pesos pro Stück, waren allerding durch die lange Steigung doch relativ müde und machten uns daher schon recht früh auf den Weg zurück ins Hotel.

Matt hatte geplant, von San Cristobal direkt Richtung Guatemala aufzubrechen, während wir noch die Yucatan Halbinsel abfahren wollten, weshalb wir leider nicht die Gelegenheit hatten, ein Stück gemeinsam zu radeln.

San Cristobal war seit längerer Zeit die erste richtig touristische Stadt durch die wir kamen. In den Fußgängerzonen des Zentrums reihen sich Bars und Souvenirläden aneinander und man sieht beinahe mehr Touristen als Mexikaner. Trotzdem gefiel es uns dort recht gut und wir blieben zwei Tage um die engen Gassen und Märkte etwas genauer zu erkunden. Viele der Bewohner von San Cristobal und fast alle Einwohner der benachbarten kleinen Dörfer sind Indianer, die noch ihre eigene Sprache sprechen und die traditionelle Kleidung ihrer Stämme tragen. Spanisch hört man auf den Märkten eher selten.

Die Kinder, die uns auf der Strecke zwischen San Cristobal und Ocosingo begegneten fingen schon von weitem an uns „Gringo, Gringo!“ entgegenzurufen, winkten aber dabei und schienen „Gringo“ nicht als beleidigend zu verstehen. Irritierend war das Geschrei allerdings anfänglich trotzdem.

Noch irritierender ist es allerdings, wenn Kinder vor uns auf die Straße springen und uns den Weg absperren, um Maiskolben zu verkaufen, was auf den steilen Abfahrten zu abenteuerlichen Bremsmanövern führte.

Während wir bis Ocosingo noch sehr angenehmes Wetter mit radfahrerfreundlichen Temperaturen hatten und durch sehr schöne Landschaft fuhren, wurden die weiteren Hügel bis Palenque durch extrem hohe Luftfeuchtigkeit ziemlich mühsam, obwohl die Temperatur nicht allzu sehr anstieg.

In Palenque besuchten wir die ersten Maya Ruinen unserer Reise und waren trotz Regen und Kälte sehr beeindruckt. Es ist unvorstellbar, dass die mächtigen Bauwerke dort alle komplett ohne eiserne Werkzeuge und ohne Kenntnis des Rades erschaffen worden waren. Zufällig trafen wir bei den Ruinen auch Lisa und Eric wieder, die wir schon zuvor in Oaxaca kennengelernt hatten, verloren uns allerdings bald wieder, da wir nach zwei Stunden genug vom strömenden Regen hatten und zurück ins Hotel fuhren.

Zwei Tage später sollten wir die beiden auf der Straße zwischen El Aguacatal und Escárcega wieder treffen, wo wir allerdings wieder nicht lange gemeinsam unterwegs waren, da Eric an diesem Tag vier Patschen flicken musste. In Escárcega hätten sich unsere Wege aber ohnehin wieder getrennt, da wir Richtung Campeche und Mérida weiterfuhren, während Eric und Lisa direkt nach Chetumal wollten.

In Escárcega hatten wir uns vorgenommen, Campeche in einem Tag zu erreichen, da wir am Weg dorthin flaches Terrain vermuteten, hatten letztendlich aber trotzdem über 700 Höhenmeter auf 155 km zu bewältigen – unsere bisher längste Tagesetappe.

In Campeche nahmen wir uns dafür zwei Tage Zeit und machten einen Ausflug nach Edzna, um die Ruinen dort zu besichtigen, die zwar sehr gut erhalten sind, aber trotzdem nicht ganz mit Palenque mithalten konnten.

Campeche selbst ist beinahe zu perfekt restauriert – die bunten Häuschen sind frisch gestrichen und selten sieht man irgendwo den Putz von den Wänden bröckeln – ungewohnt für Mexiko. Die Stadt ist trotzdem sehr schön, wenngleich leider das Meer nicht mehr bis an die Stadtmauern mit ihren Baluartes reicht, da die flachen Küstengewässer für Industrie und Hotels trocken gelegt wurden. Man hat dadurch nicht mehr den Eindruck, sich in einer Hafenstadt zu befinden, wie zB. in Mazatlán.

Bis Mérida hatten wir wieder mit Gegenwind zu kämpfen, der uns mittlerweile wesentlich unangenehmer ist als alle Berge. Auch die Landschaft war nicht recht spektakulär und Mérida selbst war nicht ganz so schön, wie wir erwartet hatten – zu viel Lärm und Verkehr, wenn auch die Kolonialbauten im Zentrum sehr schön sind. Campeche ist trotzdem wesentlich attraktiver.

Auch in Mérida ließen wir uns wieder etwas Zeit und besuchten per Bus die Ruinen von Uxmal, die zwar nicht von Urwald umgeben sind wie jene in Palenque, sondern in einem relativ trockenen Buschgebiet liegen, und wahrscheinlich deshalb wesentlich besser erhalten sind und von unzähligen Iguanas bewohnt werden, die sich alle paar Meter auf den Steinen sonnen und sich nur widerwillig vertreiben lassen, wenn man beim Fotografieren zu nahe kommt. Auch nachdem wir nun die Ruinen von Tulum und Tikal gesehen haben gehört Uxmal noch immer zu unseren Favoriten.

Nach Mérida machten wir uns auf nach Tulum, einen Ort auf den wir uns schon lange gefreut hatten. Wir hatten schon oft beeindruckende Bilder von den Cenotes dort gesehen und uns bereits im Vorfeld per Internet bei verschiedenen Tauchbasen nach guten Angeboten erkundigt. So landeten wir schließlich bei Marco und Min von H2OProdiving direkt in Tulum und gönnten uns zum ersten Mal auf unserer Reise für sechs Tage ein richtig schönes Hotel – das direkt an der Tauchbasis angeschlossene H2O Villas, für das wir einen sehr guten Preis ausverhandeln konnten.

Einige der Tauchgänge in den Cenotes gehören zu den schönsten, die ich bisher gemacht habe. Das klare Wasser mit Sichtweiten bis 140m ist atemberaubend und der Blick aus den Höhlen durch die Stalaktiten und Stalakmiten Richtung Eingangsbereich, wo das Sonnenlicht einfällt, ist noch viel beeindruckender als die ohnehin schon außergewöhnlichen Fotos, die man öfter in Tauchzeitschriften sieht. Unsere Lieblingsplätze von den neun Tauchgängen waren Dos Ojos, Bat Cave und Calavera. Die Tauchgänge dort machten uns Lust auf einen vollen Höhlentauchkurs denn was man beim sogenannten Cavern Diving sieht ist nur der Bereich bis 60m vom Eingang, während die eigentlichen Höhlensysteme gigantische Ausmaße haben. So sind zB. Im Sistema Sac Actun, das man von der Grand Cenote aus erreicht bereits über 175 km an unterirdischen Passagen erforscht und kartographiert. Das Sistema Ox bel Ha ist mit über 180 km Länge das längste Unterwasserhöhlensystem der Welt.

Die Ruinen von Tulum waren die überlaufensten, die wir bisher gesehen hatten. Während wir in Uxmal für die ersten 1 ½ Stunden das gesamte Gelände fast für uns allein hatten, drängten sich in Tulum die Massen auf den engen Wegen zwischen den abgesperrten Ruinen und wir waren froh, dass wir Chichen Itza, das noch stärker besucht sein soll, ausgelassen hatten. Die kleinen Bauten in Tulum sind nichts Besonderes, die Lage der Ruinen direkt am Karibikstrand mit Palmen, türkisem Meer und weißem Sand ist dafür einzigartig.

Am Tag unserer Abreise von Tulum begann der Ostertourismus der Semana Santa, die in Mittelamerika groß gefeiert wird. Am Freitagabend bekamen wir in Felipe Carillo Puerto noch ein Quartier, am Samstag in Bacalar waren jedoch alle Hotels völlig ausgebucht, und wir mussten trotz unangenehm heißem Wetter auf einem Campingplatz im Zelt übernachten.

Kurz nach Bacalar verließen wir nach etwas über drei Monaten Mexiko und radelten ohne viel Aufwand über die mexikanische Grenze nach Belize.

Der Unterschied zwischen Belize und Mexiko war gewaltig. Während wir erwartet hatten, Belize wäre vielleicht etwas fortschrittlicher, da wir von den hohen Preisen dort gehört hatten und daher annahmen, dass auch die Bevölkerung etwas wohlhabender wäre, fanden wir bald heraus, dass das genaue Gegenteil zutraf. Man fühlt sich, wenn man von Mexiko einreist plötzlich um 20-30 Jahre zurückversetzt. Es gibt keine Supermärkte, keine Oxxo Läden oder ähnliches, die in Mexiko allgegenwärtig waren und leider auch keine Fruterias, wo man frisches Obst und Gemüse bekommen könnte. Die kleinen Geschäfte, die fast ausschließlich von Chinesen geführt werden sind teuer und die Auswahl ist mager. Auch Trinkwasser, das wir in Mexiko meist um 10-15 Pesos für 20 l bekommen hatten kostete hier plötzlich 5 bis 6 Belize Dollar (31-37 Pesos).

Obst war fast nur auf Märkten zu bekommen, Bäckereien hatten zwar ganz gute Mehlspeisen aber kein brauchbares Brot sondern nur Hamburger-Weckerl und Hotdogs mit McDonalds-Konsistenz. MacDonalds gibt’s übrigens auch noch nicht in Belize – nicht dass er uns gefehlt hätte, aber die Tatsache seiner Abwesenheit ist interessant. Hotelzimmer mit mexikanischem Preisniveau sind zwar zu finden, dann aber meist unkomfortabler als in Mexiko. Unsere Route führte uns über Corozal nach Orange Walk und Belize City. Die Landschaft auf dieser Strecke ist flach und wenig interessant. Zuckerrohrfelder säumen den Weg und wir sehen zum ersten Mal, dass Frauen die Wäsche händisch in nicht gerade sauberen Bächen waschen.

Belize City hatten wir uns schlimmer vorgestellt als es war – schon zuvor waren wir von mehreren Radlern gewarnt worden, die Stadt sei unattraktiv und gefährlich. Zu sehen gab‘s wirklich nicht recht viel aber die Leute die wir trafen waren alle sehr freundlich. Mehrmals sprachen uns Einheimische an und fragten, ob sie uns den Weg erklären sollten.

Chicken Chow Mein in den zahlreichen Chinesischen Restaurants gehört zum günstigsten Essen, das man in Belize bekommen kann – oft so günstig, dass man für selbstgekochte Spaghetti mit Gemüsetomatensauce mehr bezahlen müsste.

Am Weg von Belize City nach San Ignacio kamen wir nach Belmopan erstmals in ein ansprechenderes und hügeliges Gebiet. Es gibt hier viele nette, bunt bemalte Holzhäuschen. Unter den Kokos- und Ölpalmen grasen Rinder und wo das Land nicht bewirtschaftet wird wächst dichter Dschungel.

Von San Ignacio, wo wir bei einer kreolischen Familie im Gästezimmer unterkamen, machten wir ohne Räder einen Ausflug nach Tikal zu den schönsten Maya-Ruinen die wir bisher gesehen hatten. Die Tempel dort sind so hoch, dass sie selbst die höchsten Bäume des umgebenden Regenwaldes fast ums Doppelte überragen. Leider sind die Stiegenaufgänge, die immer in der Mitte des Tempels bis zur obersten begehbaren Etage führen, alle gesperrt, seit es vor wenigen Jahren zwei Todesopfer gab, die über die Stiegen hinunter gepurzelt waren.

Ob die hölzernen Leitern, die nun an den Seiten der Tempel nach oben führen, so viel sicherer sind, wage ich zu bezweifeln – nachdem sie seitlich hinauf führen sind sie noch wesentlich steiler als die Haupttreppe und in den flacheren Bereichen haben die ca. 15 cm breiten Stufen einen horizontalen Abstand von bis zu 50 cm – man muss also ziemlich aufpassen, dass man nicht durch die Treppe fällt.

Vom Templo II hat man einen guten Ausblick über den Gran Plaza, Templo I und die Acrópolis del Norte. Templo IV und V stehen eher isoliert im Wald. Man sieht von ihnen aus endlosen Dschungel, aus dem die Spitzen der anderen Tempel emporragen.

Sehr beeindruckend ist auch die Tierwelt von Tikal. Kurz nach dem Eingang schon kam uns eine Gruppe von ca. 20 Coatis entgegen. In der Nähe von Tempel V turnten Spinnenaffen in den Bäumen, denen wir uns bis auf wenige Meter nähern konnten. Petén Truthähne, die eher einem Pfau als einem Truthahn ähneln spazieren auf dem Gran Plaza herum und über uns sahen wir Tukane, die mit ihrem überdimensionalen Schnabel die Früchte von den Bäumen zupften.

Am Weg auf den Tempel IV sprachen uns zwei Burschen an und fragten ob wir Tourenradler wären – sie hatten meine Lenkertasche gesehen und erkannt und es stellte sich heraus, dass die beiden ebenfalls am Rad durch Mittelamerika unterwegs waren. Sie waren beide in den USA gestartet und gerade unterwegs von Guatemala nach Belize. Wir unterhielten uns einige Zeit mit ihnen und fanden heraus, dass wir gemeinsame radelnde Bekannte hatten. Pete (www.crazyguyonabike.com/worldroamer) und Dylan hatten in San Cristobal sowohl Roland und Belinda getroffen, die wir schon in San Miguel de Allende kennengelernt hatten als auch Scott, dem wir in der Nähe von Whitehorse begegnet waren.

Zurück in San Ignacio trafen wir noch Eric und Lisa (zum 4. Mal) und Hanna aus Schweden (www.hannamijakobson.com), die die letzten paar Tage mit den beiden gemeinsam unterwegs war. Fünf Reiseradler an einem Tag hatten wir schon seit Oregon nicht mehr getroffen – die Welt wird wieder kleiner in Mittelamerika!

Nach zwei Nächten in San Ignacio machten wir uns auf den Weg nach Dangriga. Frühmorgens trafen wir noch einmal Hanna, Lisa und Eric, die weiter Richtung Guatemala fuhren vor einer Bäckerei, verabschiedeten uns wohl diesmal für längere Zeit und erreichten bald Belmopan – die Hauptstadt von Belize, die allerdings nur einen Bruchteil der Einwohner von Belize City hat und 1962 künstlich erschaffen wurde, da Belize City von einem Hurrikan verwüstet worden war.

In Belmopan beginnt der Hummingbird Highway, der seit der Strecke von San Cristobal nach Palenque unser schönster Reiseabschnitt war. Es ist hier im Vergleich zum nördlichen Belize relativ hügelig und zwischen Abschnitten mit dichtem Regenwald gibt’s immer wieder Kokos-, Bananen- und Orangenplantagen.

Die Kokosnüsse direkt von der Palme sind zwar sehr erfrischend, jedoch dauert die Bearbeitung mit dem Taschenmesser einige Zeit bis man die Kokosmilch endlich genießen kann. Wie beschlossen daher, uns demnächst eine kleine Machete zuzulegen.

Dangriga erreichten wir nach einem harten aber schönen Tag und 126 km durch die Hügel der Maya Mountains. Am nächsten Tag wollten wir nach Placencia, kamen aber ca. 7 km vor unserem Ziel in Seine Bight an einem Restaurant vorbei, das außergewöhnlich war für Belize – Danube Austrian Restaurant – Eat Drink Relax war auf dem Schild zu lesen und Herbert aus Wien war gerade mit dem Gießen der Kokospalmen im Garten beschäftigt.

Die Gelegenheit konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und bekamen so zum ersten Mal seit über 10 Monaten wieder mal österreichisches Essen serviert. Sowohl Wienerschnitzel mit Erdäpfelsalat als auch die Topfenknödel waren ausgezeichnet, wenngleich der Preis für die Delikatessen ca. 5x so hoch war wie für unser übliches Chicken Chow Mein, das man übrigens hier jeden Tag essen kann, ohne dass es jemals fad wird, da die Zutaten und der Geschmack bei jedem Restaurant das wir probierten völlig verschieden waren.

Wir tratschten lange mit Simone und Herbert, die seit zwei Jahren hier in Belize wohnten nachdem sie zuvor in Sydney als Tauchlehrer gearbeitet hatten. Die Beiden waren offenbar ebenso froh wie wir, wieder einmal Österreicher mit gemeinsamen Interessen zu treffen. Netterweise durften wir bei ihnen Im Restaurant auf der Veranda unsere Isomatten auflegen und mussten uns nicht noch in Placencia ein Hotel suchen.

Von Placencia gibt es glücklicherweise ein Wassertaxi ans Festland, denn die Straße entlang der schmalen Halbinsel war gerade in Arbeit und der grobe Schotter, der uns für ca. 20 km gequält hatte machte uns keine Lust, den gleichen Weg wieder zurückzufahren.

Nach einem weiteren schönen Tag am Southern Highway erreichten wir schließlich Punta Gorda – unseren letzten Stop in Belize bevor wir nach Puerto Barrios in Guatemala übersetzten. Die einstündige Überfahrt war unkompliziert und die See relativ glatt.

In Guatemala fühlten wir uns sofort wohl – die Sprache und das bunte Treiben auf den Straßen waren uns noch von Mexiko vertraut. Die Geschäfte haben wieder offene Türen statt Gittern, durch die man die Waren hinausgereicht bekommt nachdem man mühsam klar gemacht hat, was man aus dem hintersten Regal kaufen will. Auch die Landschaft gefiel uns hier besser als in vielen Teilen Mexikos und Belizes.

Leider blieben wir nur wenige Stunden in diesem schönen Land, denn die Grenze zu Honduras ist nur ca. 35 km von Puerto Barrios entfernt. Glücklicherweise endete die attraktive Landschaft nicht an der Grenze sondern setzte sich in Honduras fort. Alles um uns herum war sattgrün und zum ersten Mal seit Oregon gab es wieder klare Bäche, die zum Baden einluden und aus denen man problemlos Trinkwasser hätte filtern können, was in Mexiko nahezu völlig unmöglich gewesen wäre.

Von anderen Radlern hatten wir gehört, die Menschen in Honduras wären Touristen nicht gewohnt und daher misstrauisch, was wir allerdings nicht bestätigen können. Alle unsere bisherigen Kontakte waren sehr freundlich, wenngleich man in kleinen Dörfern mit zwei vollbepackten Tourenrädern und einer blonden Gringa natürlich die Blicke auf sich zieht.

In Omoa fanden wir endlich in einer Eisenwarenhandlung eine Machete, die kürzer als ein Meter war und waren seither ständig auf der Suche nach kleinen Kokospalmen. Ein bis zweimal am Tag gibt’s seither frische Kokosmilch.

Je näher wir San Pedro Sula – der zweitgrößten Stadt Honduras‘, kamen desto weniger fühlten wir uns auf der Straße wohl. Schon weit außerhalb begannen sehr heruntergekommene Siedlungen und der Verkehr nahm ständig zu. Wir beschlossen daher, nicht in San Pedro zu übernachten sondern nach La Lima weiterzufahren. Wir hatten vermutet, es sollte in einer Stadt mit 60000 Einwohnern zumindest einige günstige Hotels geben, wurden aber bei der Ankunft von allen Leuten die wir fragten immer nur ins Banana Inn geschickt, dessen Preis ganz und gar nicht honduranischen Verhältnissen entsprach. Nach über einer Stunde des Suchens und Herumfragens fanden wir letztendlich doch noch ein normales Hotel zu einem Siebentel des Preises und waren heilfroh, nach fast 130 km am Rad nicht noch weiter suchen zu müssen.

Die nächsten beiden Tage bis La Ceiba hatten wieder schönere Aussichten als die Umgebung von San Pedro zu bieten. Wir radelten durch Ölpalmen- und Bananenplantagen sowie durch Ananasfelder zwischen den Ausläufern der küstennahen Berge dahin und konnten ab und zu auch kurze Abstecher an schöne Karibikstrände machen.

Von La Ceiba nahmen wir die Fähre nach Utila, worauf wir uns schon lange gefreut hatten. Schon mehrere Reisende hatten uns die Tauchbasis Captain Morgan’s auf Pigeon Cay, einer kleinen Insel südwestlich von Utila, empfohlen, die wir auch problemlos per Tauchboot erreichten.

Während die Insel und das Hotel Kayla, das zur Tauchbasis gehört sehr nett sind, waren die ersten beiden Tauchgänge eher abschreckend. Nachdem wir erst am Morgen kurz vor Abfahrt zu den Tauchgängen auf die Insel kamen, war sämtliches neueres Equipment bereits vergeben. Wir mussten beide erst zwei Regler probieren bevor wir einen dichten fanden und Tauchcomputer gab’s prinzipiell nicht für Gäste zu mieten.

Beim ersten Tauchgang wurde eine Gruppe von 12 Tauchern von Divemaster Libby angeführt durchs Riff getrieben, beim zweiten fanden sich alle 12 an einem unspektakulären kleinen Wrack zum kurzen 30 minütigen Rudeltauchen zusammen und wir überlegten, ob wir nicht noch am selben Nachmittag mit dem Tauchboot zurück nach Utila fahren und uns eine bessere Tauchbasis suchen sollten.

Glücklicherweise wurden die nächsten Tauchgänge besser organisiert und es gab nur mehr deutlich angenehmere Fünfergruppen, wenn auch das Ausrüstungsproblem trotzdem recht unangenehm war.

Wir bekamen hier nicht, wie bei vielen Tauchbasen üblich, einen Satz Ausrüstung, den man dann für die Dauer des Aufenthalts verwendet, zugewiesen sondern mussten uns jeden Tag die Ausrüstung neu zusammensuchen – jeden Tag andere Regler und wen man Pech hat andere Anzüge und Jackets.

Speziell die Regler hätten bessere Wartung dringen nötig gehabt, denn die Atemwiderstände, die zwei Mal so hoch waren, dass ich auf den Oktopus wechseln musste weil der Hauptregler unangenehm anstrengend zu verwenden war, sind für die große Zahl an Anfängern, die hier zum Tauchen herkommt sicher nicht ganz optimal.

DSC_6949 editWas uns dazu bewegte trotzdem bei Captain Morgan zu bleiben, war die Tatsache, dass die anderen Tauchbasen, die alle direkt im Ort Utila stationiert sind mit dem Boot eine ca. 20 Minuten längere Anfahrtszeit zur Nordseite der Insel mit ihren Steilwänden, Canyons und der Chance auf Walhaie haben und daher hauptsächlich auf der Südseite tauchen, sowie das schöne und günstige Hotel direkt am Wasser mit nettem überdachtem Dock, wo man in Hängematten oder Liegestühlen die kühlende Briese am Meer genießen konnte.

Nach drei Tagen auf der Insel gab’s unseren zweiten Krankheitsfall auf der Reise – Diesmal hatte Manu mit Fieber und Durchfall zu kämpfen. Nachdem uns der Reisemediziner in Österreich empfohlen hatte, bei jedem Fieber über 38°C in Malariagebieten mit der Einnahme von Malarone zu beginnen, wenn nicht innerhalb von 24 h eine Malaria durch Blutausstrich auszuschließen ist, machten wir uns mit dem ersten Boot am Morgen auf den Weg nach Utila zu Dr. John – dem amerikanischen Arzt im Ort, der uns schon zuvor als echter „Charakter“ beschrieben worden war.

Dr. John McVay sollte uns nicht enttäuschen – schon allein Dr. John’s Eardrops für Taucher, die er in der Praxis verkauft und deren Verpackung sein Konterfei ziert sind sehenswert. Sein Auftritt, der zuverlässig, wie von anderen Arztbesuchern prognostiziert ca. 4 ½ Stunden nach Beginn der Öffnungszeit der Praxis erfolgte, rief bei uns beiden ein unterdrücktes Lachen hervor.

Knallrote Kunststoffsonnenbrille, Hawaiihemd, Quicksilver Badehose und Camouflage-Kapperl verliehen ihm zusammen mit dem Stethoskop um den Hals und den Schulterlangen Locken ein recht belustigendes Aussehen.

Seiner Meinung nach handelte es sich bei Manus Erkrankung um einen gewöhnlichen Reisedurchfall, was wir zwar vermutet hatten, aber trotzdem überprüfen lassen wollten, da wir in den Lehrbüchern der Inneren Medizin, die wir am Computer mithaben, gelesen hatten, dass die ersten Symptome einer Malaria auch denen einer gastrointestinalen Infektion gleichen können.

Auf spätere Anfrage beim Traveldoc in Wien, den wir zuvor nicht erreicht hatten da ihm die Vulkanaschewolke über Europa einen verlängerten Urlaub in Delhi beschert hatte, erhielten wir die Auskunft, dass man eigentlich bei 38° Fieber trotzdem mit der Malarone Behandlung beginnen sollte, auch wenn ein Arzt vor Ort, ohne geeignete Diagnostik gemacht zu haben, meint, es handle sich nicht um Malaria, da das nicht anhand der klinischen Untersuchung auszuschließen wäre.

Glücklicherweise war Manu nach Antibiotikaeinnahme bald wieder so fit, dass sie zumindest zum Schnorcheln mit aufs Tauchboot kommen konnte, denn gerade am Tag nach unserem Arztbesuch tauchten die Walhaie auf. Unser Captain Luis bewies großes Geschick im Finden der Boils – der Stellen, wo Tunfischschwärme angelockt durch kleinere Fische, die planktonreichen Strömungen folgen, die Wasseroberfläche zum Kochen bringen indem sie bei der Jagd wild aus dem Wasser springen. In den Boils finden sich nach kurzer Zeit auch die Walhaie ein, die kleine Fische und Plankton filtern und wahrscheinlich vom Lärm der Tunfische angelockt werden.

Wir hatten das Glück an nur einem Tag zuerst mit ca. 50 Delfinen zu schnorcheln und anschließend durch Luis‘ scharfe Augen insgesamt 9 Walhaibegegnungen zu erleben, von denen wir bei acht die Walhaie tatsächlich beim Schnorcheln mit einem Abstand von teilweise nur 1-2 Metern sahen. Es handelte sich dabei um mindestens drei verschiedene Fische, die wir jeweils mehrere Male sahen und anhand der Markierungen, die sie wohl von der Walhaiforschungsstation auf Utila bekommen hatten, unterscheiden konnten. Am nächsten Tag hatten wir weniger Glück und konnten „nur“ drei Mal mit Walhaien schnorcheln.

Auch einige interessante Leute trafen wir auf der Tauchbasis – Dan aus Kanada, der gerade sein Divemaster-Training abgeschlossen hatte, bescherte uns einen ganz speziellen Tauchgang – seinen einhundertsten, den er traditionsgemäß nackt absolvierte. Außerdem war er 2008 von San Diego nach Panama geradelt (www.dancorbett.ca).

DSC_3995Auch eine weitere Radlerin war im Hotel Kayla zu Gast – die Schweizerin Daya hatte auf ihrer letzten Radtour mit zwei Freundinnen vier Monate in Zentralasien verbracht und war nun mit Seth auf der Suche nach den Walhaien.

Seth war der einzige Taucher, der auch eine Kamera mit Unterwassergehäuse dabei hatte und war so nett, uns seine Fotos für unseren Blog zur Verfügung zu stellen. Dass ich selbst keine Kamera beim Tauchen dabei hatte war nicht nur ungewohnt sondern nun schon zum zweiten Mal sehr ärgerlich, denn sowohl die Cenotes als auch die Walhaie hätten sehr gute Motive abgegeben. Ein Grund, Mittelamerika später nochmal den einen oder anderen Besuch abzustatten!

Auch mit den zahlreichen Divemaster Trainees hatten wir viel Spaß. Die Argentinierin Lula lud uns sogar ein, sie in Buenos Aires zu besuchen und auch nach London und Israel konnten wir neue Kontakte mit Aviad, Yair und Matan knüpfen.

DSC_4024Nachdem Manu wieder einigermaßen fit war brachen wir vom Pigeon Cay wieder ans Festland auf. Wir hatten geplant von La Ceiba eine kleine Straße über die Berge nach Olanchito zu nehmen. Die Strecke stellte sich als schwieriger heraus, als wir vermutet hatten und wir kamen bis zum Abend nur bis Yaruca, wo wir für eine Nacht bei einer sehr netten Familie eingeladen wurden als wir gerade auf der Suche nach der Polizeistation waren, neben der man angeblich campen konnte. Wir bekamen ein gesamtes Stockwerk des Hauses für uns und sogar noch ausgezeichnete Baleadas zum Abendessen. DSC_4025 editDen ganzen Tag waren wir bis Yaruca durch ein wunderschönes Flusstal erst am Rio Canarejal und später am Rio Yaruca entlanggefahren und waren überzeugt, eines der schönsten Gebiete Honduras‘ gefunden zu haben. Umso mehr ärgerten wir uns, als wir am Tag darauf im nächsten Ort gleich von mehreren Leuten angesprochen und gewarnt wurden, nicht Richtung Olanchito weiterzufahren, da die Gegend rund um den Pass der einige Kilometer vor uns lag als sehr gefährlich galt.

Widerwillig beschlossen wir also, unsere gesamte Reiseplanung für die nächsten Wochen zu verwerfen und die angeblich sicherere Route über El Progresso und Comayagua zu wählen.

Nachdem wir zumindest nicht allzu viel Zeit verlieren wollten und die Strecke zurück schon kannten, da wir sie bereits am Weg nach La Ceiba gefahren waren, beschlossen wir, bis El Progresso den Bus zu nehmen, mit dem wir in die gesamte Strecke, für die wir am Hinweg über drei Tage gebraucht hatten, in einem Nachmittag zurücklegten.

Von El Progresso schafften wir es – nun wieder am Rad – nur bis Yojoa, da Manu noch etwas geschwächt war und die Hitze ihr noch zusätzlich zu schaffen machte. Tags darauf ging’s schon wesentlich besser bis Siguatepeque, wo wir nach langer Zeit zum ersten Mal wieder in die Berge kamen und die schöne Landschaft genießen konnten. In der Nacht im Hotel gab’s eine unerwartete Dusche, denn es regnete wie schon am Tag davor relativ heftig und die Stelle, an der das Dach undicht war befand sich dummerweise genau über dem Bett, das noch dazu einbetoniert uns somit nicht verschieblich war.

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Von Siguatepeque nach Comayagua, das wieder ca. 600 m tiefer liegt gab’s eine ganz nette Abfahrt, nur um am Gegenhang wieder 900 m bergauf zu radeln, bevor wir Zambrano erreichten, wo wir kurz vor Tegucigalpa – Honduras‘ Hauptstadt – übernachteten.

Auch nach Tegucigalpa hinein und auf der anderen Seite wieder hinaus ging‘s hügelig weiter wobei es uns aber nicht störte, dass wir in den letzten paar Tagen immer um die 1200-1400 Höhenmeter geradelt waren, denn wir merkten einmal mehr, dass uns die schönen Aussichten in den Bergen wesentlich besser gefallen als die meisten flachen Abschnitte.

In Tegucigalpa hielten wir uns nur kurz für einen größeren Lebensmitteleinkauf auf und waren froh, die Stadt relativ schnell durchqueren zu können, denn obwohl sie einen wesentlich netteren Eindruck als San Pedro Sula machte hat sie angeblich ein großes Kriminalitätsproblem. Das scheint allerdings auf weite Teile Honduras‘ zuzutreffen und wurde uns von Einheimischen immer wieder gesagt. „En mi pais la vida vale nada.“ Haben wir zB. zu hören bekommen – in meinem Land ist das Leben nichts wert. Auf die Frage ob die Polizei nichts dagegen unternähme wurde uns erklärt, dass diese korrupt und auch selbst in den Drogenhandel verstrickt wäre.

Wir haben uns zwar bisher noch nie direkt bedroht gefühlt, haben aber trotzdem Hemmungen auf offener Straße zB. Die Kamera herauszuholen wenn Leute in der Nähe sind. Auch die Einheimischen sind auf der Hut, so haben wir schon in Tela gesehen, dass um 20:00 sämtliche Geschäfte schließen und fast niemand mehr auf der Straße ist, während in Mexiko bis weit in die Nacht noch reges Treiben herrscht. Auch die vergitterten Lebensmittelgeschäfte, die man als Kunde gar nicht betreten kann und die uns zum ersten Mal in Belize aufgefallen waren gibt es hier wieder häufig.

Trotzdem haben wir keinen negativen Eindruck von Honduras denn abgesehen von den beschriebenen Problemen ist das Land sehr schön und die Leute hier mindestens so freundlich wie in Mexiko. Wir sind überzeugt, dass das Land großes touristisches Potential hat sobald es die hohe Kriminalität in den Griff bekommt.