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Almirante, Panama bis Bogotá, Kolumbien 15.06.10 – 02.08.10

Schon zwischen Almirante und Chiriqui Grande machte sich auf den steilen Hügeln Manus Knie etwas bemerkbar. Auf der Überquerung der Continental Divide am nächsten Tag zwischen Chiriqui Grande und Chiriqui – einer unserer bisher schwierigsten Strecken – bekam sie abends richtige Schmerzen – zum ersten Mal nach über 20000 km und komischerweise ausgerechnet kurz nach einer über dreiwöchigen Radpause. Düstere AussichtenWir entschieden daher, nicht direkt nach Panama City weiterzufahren, sondern auf der Pazifikseite einige Kilometer auf der Panamerikana zurückzufahren, und in David eine Pause einzulegen, um einen Arzt aufzusuchen. Die Besitzerin des Purple House Hostels dort konnte uns glücklicherweise einen guten Orthopäden empfehlen, der in einer sorgfältigen Untersuchung glücklicherweise gröbere Schäden am Knie ausschließen konnte und nur eine leichte Knorpelabnutzung diagnostizierte.

Antoine kommt am Liegerad von UshuaiaNach zwei Physiotherapie-Sitzungen und fünf Tagen Pause konnten wir daher glücklicherweise wieder weiterfahren.

Im Hostel hatten wir eine Tauchlehrerin aus Santa Catalina kennengelernt und auch Leute getroffen, die bereits dort waren und uns empfohlen hatten, dort auch zu tauchen. Wir nahmen daher den Abstecher zur Küste in Kauf und sollten nicht enttäuscht werden. Das Tauchrevier um die Isla Coiba, die man von Santa Catalina aus nach einstündiger Bootsfahrt erreicht ist tatsächlich außergewöhnlich. Wir sahen so viele Weißspitzenriffhaie, wie noch nie zuvor und Adlerrochen in Schwärmen. Zudem noch jede Menge großer Makrelen, Milchfische und 4 Froschfische. Beim dritten Tauchgang waren die Haie aufgrund ihrer großen Zahl schon so uninteressant, dass wir uns gegenseitig gar nicht mehr darauf hinwiesen, wenn einer irgendwo durch unser Blickfeld schwamm. Die Insel hat den Ruf als bestes Tauchrevier an der mittelamerikanischen Pazifikküste höchstwahrscheinlich verdient. Sichtweiten wie in der Karibik darf man zwar nicht erwarten, doch die zahlreichen Großfische wiegen das locker auf.

Am Tauchboot lernten wir auch Marc Antoine aus Marokko kennen, der in Panama City ein Apartment hat und uns spontan einlud, ihn dort zu besuchen.

Unterwegs nach Panamá City entschieden wir uns, nicht per Boot sondern mit dem Flugzeug nach Kolumbien überzusetzen, da diese Variante günstiger, zuverlässiger und schneller war und buchten auch gleich den Flug für 4.7. nach Cartagena. Marcs Einladung hätte wieder einmal nicht gelegener kommen können, denn wir hatten in Panamá noch einiges zu erledigen – die Räder waren zu zerlegen und flugfertig zu verpacken, was durch die große Wohnung, in der Marc wohnt, sehr viel einfacher wurde, als es in einem kleinen Hotelzimmer gewesen wäre.

Ausblick von Marc's BalkonAm Tag unserer Ankunft führte Marc uns durchs Casco Viejo – die historische Altstadt Panamás. Die nächsten beiden Tage waren wir damit beschäftigt, Fahrradkartons aufzutreiben, was sich als schwieriger herausstellte, als wir vermutet hatten, da die meisten Bikeshops keine alten Kartons hatten und Ciclo Rali nur einen Karton hergeben wollte, da die anderen noch neue Räder enthielten. Glücklicherweise konnten wir am zweiten Tag der Suche bei MotorSport doch noch einen zweiten Karton auftreiben und beginnen, die Räder zu zerlegen und zu verpacken, was auch fast wieder zwei volle Tage in Anspruch nahm, da wir die Räder wesentlich weiter zerlegen mussten als bei der Anreise nach Anchorage, da die Radkartons diesmal viel kleiner waren und offensichtlich nicht zur Aufnahme von zwei Gepäckträgern pro Rad gedacht waren.

Bei Marc in PanamáEtwas Zeit, die Küche zu nutzen blieb natürlich trotzdem und so bedankten wir uns bei Marc mit einer großen Schüssel Lasagne, die ebenso wie die Grillerei am Balkon seiner Wohnung im 12. Stock sehr gut gelang.

links und rechts 0,5 m Platz!Am Tag vor der Abreise besuchten wir mit Marc noch die Miraflores Schleusen des Panamakanals, die uns sehr beeindruckten, bevor wir am 04.07.10 endlich nach Südamerika aufbrachen. Marc brachte uns sogar noch zum Flughafen und nach nur 1 ½ h Flug hatten wir den Darién Gap überquert und befanden uns auf einem neuen Kontinent. Erst hier fanden wir heraus, dass wir eigentlich rückwärts geflogen waren, denn Cartagena liegt tatsächlich nördlicher als Panamá City.

CartagenaCartagena war die erste schöne Kolonialstadt, die wir seit Granada sahen und gefiel uns sogar besser als dieses. Wir verbrachten zwei Tage in Cartagena mit ausgedehnten Stadtspaziergängen und netten Gesprächen mit zwei Schweizern im Hotel Familiar bevor wir Richtung Mompos am Rio Magdalena aufbrachen.

Gerade als wir das Hotel verließen kamen Harald und Inge dahergeradelt, die wir zuletzt in der Nähe von Quepos in Costa Rica getroffen hatten als wir mit dem Mietauto unterwegs waren.

CartagenaWährend in Cartagenas Altstadt kaum Verkehr herrscht ist der Verkehr in den neueren Vierteln, die wir beim Verlassen der Stadt durchquerten, der chaotischste, den wir bisher gesehen haben und selbst mit Fahrrädern ist an ein flottes Vorankommen nicht zu denken.

Die Strecke bis Mompos war relativ flach und heiß und der Husten, den ich in Cartagena schon bekommen hatte machte mir etwas zu schaffen als sich vor Mompos noch leichte Kopfschmerzen dazugesellten. Nach einem Pausentag in Mompos waren die Kopfschmerzen wieder weg, der Husten blieb jedoch.

Mompos war uns als sehr schöne Kolonialstadt beschrieben worden, enttäuschte uns jedoch, da es uns bei weitem nicht so gut gefiel wie Cartagena. Zumindest das Hostel Casa Amarilla ist aber unbedingt empfehlenswert und wird von seinem englischen Besitzer mit viel Liebe zum Detail geführt.

Schlammbad - saugmiadlichWährend wir uns nach Mompos noch bis zur Brücke über den östlichen Arm des Rio Magdalena in El Boton über schönen Asphalt freuen durften, wurde die Strecke auf der anderen Seite bis El Banco recht rumplig und danach zusätzlich sehr schlammig und rutschig, so dass wir einige Male nur mit Glück einem Ganzkörperschlammbad entgingen. Die Schweine, die hier überall auf der Straße herumliefen, teilten unsere Abneigung gegen den Schlamm offenbar nicht.

Nach der langen Schotter/Schlammstrecke waren wir froh, auf der östlichen Seite des Magdalena Tales endlich wieder auf eine schön asphaltierte Straße mit Seitenstreifen zu kommen, die uns über Pelaya, San Martin, und Esperanza schließlich durch die ersten Ausläufer der Anden nach Bucaramanga führte, das wir erst gegen Abend am 16.7. erreichten, da wir nicht erwartet hatten für nur 600 m Nettohöhengewinn 1800 Tageshöhenmeter fahren zu müssen.

Glücklicherweise sprach uns schon bei der Stadteinfahrt ein Motorradler an, der uns letztendlich durch die ganze Stadt bis zu einem sehr netten Hotel führte und uns noch anbot, uns am nächsten Tag in ein Radgeschäft zu führen, wo wir eine weitere Reservefelge für Manu bekommen könnten.

Fabian war Profifotograf, hatte am nächsten Tag offenbar keinen Auftrag und nahm sich den ganzen Vormittag Zeit, uns zuerst zu zwei Radgeschäften zu führen, in denen wir tatsächlich alle Teile bekamen, die wir brauchten, mit uns zu Mittag zu essen, wobei er es sich nehmen ließ, uns einzuladen, und uns durch einen Supermarkt zu führen, um uns die besten kolumbianischen Kaffeesorten, Schokoladen und Früchte zu zeigen.

Diese unglaubliche Freundlichkeit der Leute in Kolumbien ist uns mittlerweile schon öfter aufgefallen und wir sind jedes Mal wieder erstaunt darüber.

Nelson aus Portugal (25000km seit New York)Als wir Bucaramanga wieder verließen trafen wir einige Kilometer außerhalb der Stadt einen anderen Reiseradler, der gerade sein Gewand von der letzten Regennacht im Zelt trocknete. Der Portugiese Nelson war vor ca. einem Jahr in New York gestartet und auch schon mit einigen uns bekannten Radlern verschiedene Strecken gemeinsam gefahren. Er begleitete uns bis zur Mittagspause kurz vor der Abfahrt in den Chicamocha Cañon, wo wir uns wieder trennten, nur um ihn einige Minuten später wieder zu überholen, da er kein Regengewand hatte und sich bei Regen immer irgendwo unterstellte, während wir normalerweise weiterfuhren.

Durch den Regen konnten wir die lange Abfahrt leider nicht richtig genießen doch glücklicherweise endete der Regen ganz unten im Cañon so dass wir die 1200 Höhenmeter Steigung auf der anderen Seite nicht mit Regengewand bewältigen mussten und die wunderschöne Aussicht in den Cañon den ganzen Nachmittag genießen konnten.

Cañón del ChicamochaAm nächsten Tag kam Nelson gerade vorbei als wir unser Hotel kurz vor Aratoca verließen und so fuhren wir mit ihm gemeinsam bis San Gil, wo er einen Pausentag einlegen wollte, während wir noch bis Socorro weiterfuhren. Bis Barbosa ging es noch über zahlreiche kleinere Hügel dahin bevor der richtige Anstieg auf uns wartete. Seit Saboya waren wir nicht mehr weit unter 2600 m Höhe. Die Landschaft erinnert an zuhause, Kühe, die aussehen wie bei uns grasen auf grünen Weiden und es ist gerade Erdbeerzeit.

ZipaquiráDie Städte Chiquinquira, Ubaté und Zipaquirá gefielen uns ganz gut. Zwischen Ubaté und Zipaquirá bewältigten wir unseren ersten 3000 m Pass – 3088 m um genau zu sein.

Catedral de SalIn Zipaquirá besuchten wir die berühmte Salzkathedrale – eine unterirdische Kirche, die bis zu 8000 Leute aufnimmt und in den Salzstock gehauen wurde.

ZiegelbrennereiAm Weg von Zipaquirá nach Bogotá fühlte ich mich relativ schwach, jedoch hatten wir Glück, genau am Sonntag in Bogotá anzukommen wo über 120 km an großen Straßen für Autos gesperrt sind und nur von Fußgängern, Radfahrern und anderen Sportlern benutz werden dürfen. Trotzdem bekam ich nachmittags relativ hohes Fieber und am nächsten Tag bei der Ärztin stellte sich heraus, dass sich mein Husten zur Bronchitis entwickelt hatte. Manu blieb leider auch nicht verschont und deshalb sitzen wir nun schon seit über einer Woche in Bogotá fest und müssen uns auskurieren bevor wir wieder weiterfahren können.