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Mesquite/NV bis Las Cruces/NM 3.11.09 – 17.12.09

Schon wieder ist viel zu viel Zeit zwischen unseren Blog-Einträgen vergangen! Unsere Aufenthaltserlaubnis für die USA endet ja am 8.12., was uns ein wenig unter Zeitdruck brachte – da blieb zwischen den anderen Erledigungen, die noch in den USA zu machen waren nicht viel Zeit.

Nevada haben wir relativ schnell hinter uns gelassen – Las Vegas und das Valley of Fire waren die beiden Sehenswürdigkeiten, für die wir uns Zeit genommen haben. Nach Mesquite ging‘s ein kurzes Stück durch Arizona. Über den Virgin River Gorge – eine Schlucht, durch die der Virgin River das um einige hundert Meter höher gelegene Hochplateau um Saint George verlässt, gelangten wir nach Saint George, Washington und schließlich zum Zion National Park in Utah.

Zion war der Beginn einer außergewöhnlich schönen Strecke. Die Schluchten und Canyons aus tiefrotem Sandstein, in denen sich die Straße durch den Park windet und der Kontrast zum dunkelblauen Himmel sowie die herbstlich leuchtend gelb gefärbten Bäume geben dem Park um diese Jahreszeit einen besonderen Reiz. Am Ende der Straße durch den Park jedoch gelangt man an einen Tunnel, der einige Meter hinter einer vertikalen Felswand parallel zu dieser aus dem Zion Canyon hinaus führt, ca. eine Meile lang, nicht beleuchtet und sehr schmal ist. Radfahren? –verboten!

Shuttleservice gibt’s auch keines. Als Radfahrer ist man gezwungen, auf ein ausreichend großes Fahrzeug zu warten, auf das man die Räder und das Gepäck laden kann um sich auf die andere Seite führen zu lassen. Eine der wenigen Gelegenheiten zu der wir froh waren, dass die Amerikaner eine Vorliebe für maßlos überdimensionierte Autos haben. Innerhalb von 10 Minuten hatten wir einen Pickup Truck gefunden, der uns auf die andere Seite brachte.

Nach dem Zion National Park bogen wir Richtung Norden zum Bryce Canyon ab. Glücklicherweise blieben wir zwischen den Parks auf relativ großer Höhe und konnten ohne viel unnötiges Auf und Ab in einem Tag den Dixie National Forest kurz vor dem Bryce Canyon National Park erreichen.

Schon von weitem kann man die roten Sandsteintürme des Dixie National Forest sehen, die am Abend noch eindrucksvoller beleuchtet sind. Unser Zeltplatz war mit 2235 m der bisher höchste unserer Reise, was sich durch relativ frostige -7°C beim Frühstück erkennen ließ.

Der Bryce Canyon bietet nochmal eine eindrucksvolle Steigerung zur ohnehin schon sehr interessanten Landschaft des Dixie National Forest. Vom über 2400m hoch gelegenen Rand des Canyons blickt man über ein Tal mit unzähligen schmalen hellgelb bis dunkelrot gefärbten Steinsäulen zwischen denen sich tiefe Schluchten öffnen. Natürlich wurden wir auch hier wieder von anderen Touristen angesprochen und gefragt, wohin wir mit unserem schweren Gepäck denn unterwegs seien. Eine der Neugierigen meinte sie wäre selbst mit dem Rad auf einer Reise um die Welt unterwegs und war relativ verblüfft als ich sie fragte ob ihr Name Astrid wäre. Tatsächlich war die Radlerin diejenige, die ebenfalls in Kanada die Taylors getroffen hatte und ca. zwei Wochen nach uns in Shelton bei ihnen zu Gast war. Sie hatte ihr Rad in Las Vegas gelassen und war nun mit einem Mietauto durch die Nationalparks unterwegs. Aufgrund ihres Alters (ca. 50) und der Tatsache, dass sie auf eigene Faust mit dem Rad um die Welt unterwegs war, war relativ leicht zu erraten, dass es sich um diejenige Astrid handeln musste, deren Website (www.cyclingfullcircle.com) wir von Kip und Marya erfahren und bereits gelesen hatten.

Nach dem Bryce Canyon führte uns unsere Route durch das Escalante National Monument und auch hier hatten wir wieder eine interessante Begegnung. Kurz nach der Ortschaft Escalante kamen uns zwei Radler entgegen – relativ leicht bepackt, aber wie so viele amerikanische Reiseradler auf Surly Long Haul Trucker Rädern. Die Beiden – Tanya und Michael aus Salt Lake City verbrachten ihren Urlaub in Boulder und waren gerade zum Einkaufen unterwegs – auf ihren Rädern, ca. 50 km von ihrem Hotel entfernt und auf einer Strecke, auf der sie hin und zurück je ca. 1000 Höhenmeter zu bewältigen hatten – keine typischen Amerikaner also. Wir fragten sie, ob es in Boulder einen Campingplatz gäbe, da die letzten paar Campgrounds alle geschlossen waren und wir auf der Suche nach einer Dusche waren und wurden prompt eingeladen, die Dusche in ihrem Hotelzimmer zu benutzen. Dieses Angebot ließen wir uns natürlich nicht entgehen und hatten eigentlich vor, uns nach der Dusche in oder kurz nach Boulder einen Zeltplatz zu suchen. Als wir allerdings in der Boulder Mountain Lodge bei den beiden ankamen meinten sie wir könnten doch gleich bei ihnen im Hotelzimmer schlafen, da sie ohnehin noch ein freies Doppelbett hatten. Unser Gepäck konnten wir über Nacht in ihrem Van verstauen, nur die Räder konnten wir darin nicht mehr unterbringen, da den meisten Platz schon die sechs Räder von Tanya und Michael einnahmen.

Am nächsten Tag brachen wir relativ früh auf, verließen möglichst unauffällig das Hotelgelände und wurden kurz nach dem Frühstück schon wieder von Tanya und Michael eingeholt, die sich diesmal die Strecke über den 2926 m hohen Boulder Mountain Pass nach Torrey ausgesucht hatten. Die beiden scheinen jeden Tag ihres Urlaubs eine Radtour mit über 2000 Höhenmetern und um die 100km Länge zu machen – nicht schlecht auch ohne schweres Gepäck!

Der Boulder Mountain, den wir ebenfalls überquerten war mit seinen 2926 m unser bisher höchster Pass (350 m höher als die Großglockner Hochalpenstraße, die höchste befestigte Passstraße in Österreich!). Auf der Abfahrt auf der Nordseite trafen wir nochmal Tanya und Michael, die gerade am Rückweg waren und suchten uns etwas später kurz vor dem Capitol Reef National Park einen Zeltplatz.

Auch Capitol Reef erschien mir diesmal wesentlich eindrucksvoller als beim letzten Besuch, was wahrscheinlich teilweise an der herbstlichen Färbung der Bäume und daran lag, dass man am Rad einfach viel mehr Zeit hat, die Landschaft zu sehen.

Auf der Strecke durch die San Rafael Wüste ab Hanksville begleitete uns wieder mal ein kleiner Sandsturm aus südlicher Richtung, der zwar anfangs ganz angenehm war, da er uns relativ schnell nach Green River blies, jedoch ab der Richtungsänderung der Straße dort ein wenig mühsam wurde. Trotzdem überboten wir unsere bisher längste Tagesetappe von Vancouver Island und campten nach 126 km etwas abseits einer kleinen dirt road in der Wüste ca. 40 km vor Moab. Schon im Capitol Reef National Park hatten wir gehört, dass für die kommende Nacht etwas Niederschlag und Wind zu erwarten war. Wir verankerten daher unser Zelt so gut wie möglich und hofften auf nicht allzu starken Wind. Tatsächlich war der Wind nicht wirklich schlimm, jedoch hatten wir nicht damit gerechnet, dass ein wenig Regen die Straße an der wir campten in ein derart heimtückisches Schlammloch verwandeln würde. Schon das möglichst saubere Einpacken des Zeltes gestaltete sich als echte Herausforderung und der Schlamm, der sich innerhalb weniger Schritte an den Schuhen ansammelte ließ uns vermuten, dass auch die Räder bald eine gründliche Reinigung nötig haben würden. Zusätzlich wurde uns der Start in den Tag auch noch durch einen Patschen an meinem Hinterrad vermiest, den zu flicken bei leichtem Regen, Schlamm und ca. 5°C auch nicht wirklich ein Vergnügen war.

Was wir nicht geahnt hatten war, dass der Schlamm so klebrig war, dass sich innerhalb weniger Meter eine mehrere cm dicke Schicht davon auf den Reifen festsetzte, die letztendlich die Räder vollständig zum Blockieren brachte. Für die 600 Meter von unserem Zeltplatz zur asphaltierten Straße benötigten wir so fast zwei Stunden, da wir die Räder zu zweit schieben und teilweise das Gepäck abladen und zur Straße tragen mussten.

Der Regen hörte glücklicherweise bald wieder auf und wir suchten uns am Straßenrand einen Platz zum Frühstücken und erholten uns von der morgendlichen Schufterei, nur um nach dem Frühstück zu entdecken, dass ich im Hinterrad schon wieder keine Luft mehr hatte. Ich hatte beim ersten Mal das winzige Drahtstück, das noch im Reifen steckte nicht gefunden, was dem neuen Schlauch und mir natürlich wieder zum Verhängnis wurde. Insgesamt waren wir uns einig, dass die Pannenserie eines Freitags des 13. Novembers durchaus würdig war. Trotzdem sind wir mit unseren Reifen noch mehr als zufrieden, denn insgesamt vier Patschen auf unseren mittlerweile je 10000 gefahrenen Kilometern sind durchaus zu verkraften.

Wegen des ziemlich verzögerten Starts erreichten wir am Abend erst gegen 20 Uhr den Campground im Arches National Park. Wenigstens hatten wir aber noch Gelegenheit, die Park Avenue mit ihren roten Fels-Finnen und –Türmen und einige der Felsbögen im Park bei Sonnenuntergang zu bewundern. In der Park Avenue allerdings trafen wir auf eine ganze Horde Fotografen, die gemeinsam einen Fotoausflug machten und nachdem sie uns gesehen hatten absolut kein Interesse mehr für irgendwelche Felsformationen zeigten. Stattdessen hielten sie uns mindestens eine Viertelstunde damit auf, unsere verdreckten Räder und uns in unserer schlammigen Radkleidung zu fotografieren. Der Anführer der Horde war übrigens ein Steirer aus Leoben, der allerdings schon 40 Jahre in den USA lebt und kaum mehr Deutsch spricht.

Am Devil’s Garden Campground im Arches National Park hatten wir zum ersten Mal auf unserer Reise das Vergnügen, morgens in einem schneebedeckten Zelt aufzuwachen. Glücklicherweise war aber zumindest die Temperatur in der Nacht recht erträglich und die Wolken hatten sich in der Früh auch wieder größtenteils verzogen so dass wir den Park bei Sonnenschein den ganzen Tag genießen konnten.

Erst gegen Abend als wir in Moab ankamen setzte wieder bösartiger Schneeregen ein und die Aussicht darauf, das Zelt im Regen aufbauen und im Freien kochen zu müssen gefiel uns gar nicht. Wir beschlossen also, bevor wir uns einen Zeltplatz suchten noch im Supermarkt einen 10000 km-Jubiläumskuchen und ein Abendessen zu besorgen und hofften insgeheim darauf, dass uns jemand zu sich nachhause einladen würde. Offenbar waren aber unsere schlammigen Räder etwas abschreckend, so dass die ersten drei Leute, die uns ansprachen und über unsere Reise befragten keinerlei Absicht erkennen ließen, uns einzuladen. Erst die vierte Familie bot uns an, in ihrer Garage zu campen. Gut, dass wir uns beim Essen unseres Brathändels und des 10000 km Kuchens vorm Supermarkt so lang Zeit gelassen hatten J!

Die Warrens ( http://thewarrensogden.blogspot.com )waren selbst nur für ein paar Tage und einen 50 km Geländelauf (den sie offenbar recht erfolgreich absolviert hatten) in Moab und die heiße Dusche und beheizte Garage, die sie uns in Ihrem Apartmenthaus anboten waren mehr als willkommen zumal über Nacht gut 10 cm Schnee fielen und die Temperatur um einige Grad absackte.

Die folgenden Tage radelten wir durch schneebedeckte Landschaft südlich von Moab dahin, campten einmal in der Nähe des Wilson Arch und einmal in Verdure bei frostigen Temperaturen von -7°C und -9°C bevor wir endlich in der Nähe von Kayenta wieder mal einen Zeltplatz fanden der deutlich unter 2000 m Höhe lag. Am Weg nach Kayenta, südlich von Blanding war mein mittlerweile vierter Patschen zu verzeichnen – natürlich wieder ein kleines Drahtstück aus einem der zerfetzten LKW- Reifen, die hier alle paar hundert Meter am Straßenrand liegen. Diese Drahtstücke aus den Reifenkarkassen waren bisher das einzige, was an meinen Reifen Patschen verursachte – alle Dornen, Glasscherben usw. stecken die Marathon Plus Reifen relativ locker weg. Weshalb sich aber die Patschen jetzt nach 10000 km plötzlich so häufen haben wir noch nicht herausgefunden.

Nachdem das Ende unserer Aufenthaltsgenehmigung für die USA immer näher rückte entschieden wir uns den Mesa Verde National Park und die Slot Canyons in Page auszulassen und durchs Monument Valley direkt zum Grand Canyon zu fahren.

Im Monument Valley hatten wir zwar Sonnenschein, leider war es aber sehr diesig, so dass die berühmten, hier „Buttes“ genannten roten Felstürme nicht richtig zur Geltung kamen. Zumindest hätten wir uns für ein paar gute Fotos deutlich bessere Sichtverhältnisse gewünscht.

Vom Monument Valley ging’s weiter über Tuba City Richtung Grand Canyon – nicht ohne einige Bedenken das Wetter betreffend, da uns schon mehrere Leute vor den tiefen Temperaturen gewarnt hatten, die dort um diese Jahreszeit oft herrschen. Zu unserer Überraschung campten wir aber im Kaibab National Forest kurz vorm Grand Canyon auf 1800 m bei angenehmen +5°C.

Auch die Besichtigung des South Rim des Canyons auf über 2200 m Höhe konnten wir bei Sonne und angenehmer Temperatur, wenn auch mit kühlem Wind genießen. Richtig kalt wurde es erst südlich vom Grand Canyon in Tusayan am Ten X Campground. -11°C war unsere bisher kälteste Nacht im Zelt, wenngleich durch die trockene Luft auch das Zelt diesmal trocken blieb und das Campen dadurch wesentlich angenehmer war als einige Tage zuvor in Verdure, wo sich im Innenzelt an den Wänden durch die Feuchtigkeit der Atemluft eine ca. 2-3 mm dicke Reifschicht gebildet hatte, die gegen Morgen begann, sich abzulösen und auf unsere Schlafsäcke zu rieseln. Auch unter diesen Bedingungen hielten uns die Schlafsäcke aber angenehm warm, nur das Aufstehen und anschließende Frühstücken bei um die -10° ist etwas gewöhnungsbedürftig, zumal die Temperatur erst 10-20 Minuten nach Sonnenaufgang spürbar ansteigt.

In Flagstaff belohnten wir uns für die zahlreichen Höhenmeter, die wir am Grand Canyon absolviert hatten wieder einmal mit einem chinesischen All You Can Eat Buffet und quartieren uns für zwei Tage beim Couchsurfer Mark und seiner Mitbewohnerin Tabitha ein. Wir hatten eigentlich geplant, nur eine Nacht in Flagstaff zu bleiben, jedoch hatten wir einige Probleme mit den lokalen Postämtern zu überwinden, was einen vollen Tag in Anspruch nahm. Wir hatten uns einige Pakete per General Delivery auf ein Postamt in Flagstaff schicken lassen und waren relativ enttäuscht, als von den 6 erwarteten Paketen (Taucherbrillen von zuhause, Reservereifen von einem Internetshop, Poleholder von Hilleberg sowie Kopfhörer und ein Moskitonetz von Amazon) nur eines am Postamt lagernd war.

Durch umfangreiche Internet-Recherche und Telefoniererei am nächsten Tag war nicht mehr herauszufinden, als dass die Pakete eigentlich am Hauptpostamt liegen müssten, wo wir aber am Vortag schon gewesen waren und nur eines davon bekommen hatten. Relativ hoffnungslos fuhren wir also nochmal zum Postamt – diesmal bewaffnet mit den Tracking–Daten, die wir im Internet für eines der Pakete hatten abrufen können und siehe da – als die Angestellten sich etwas Mühe gaben und nach den Paketen suchten tauchten tatsächlich noch zwei weitere davon auf.

Gänzlich verschollen blieb nur meine Taucherbrille. Die Reservereifen und das Moskitonetz waren zu den Absendern zurückgeschickt worden und wir konnten bei Amazon und www.everybicycletire.com einen erneuten Versand an ein anderes Postamt in Organ, New Mexico veranlassen. Vielleicht haben wir ja beim nächsten Mal mehr Glück.

Mark und Tabitha waren sehr angenehme Gastgeber und es stellte sich heraus, dass wir uns durch die zusätzliche Übernachtung in Flagstaff ein weiteres Frühstück bei -12°C erspart hatten. Um uns auch in den nächsten Tagen neue Kälterekorde zu ersparen beschlossen wir, nicht, wie zunächst geplant direkt nach White Sands zu fahren, sondern zuerst nach Süden Richtung Phoenix und Tucson aufzubrechen, da wir in dieser Richtung schneller aus den Bergen in tiefer gelegene Gegenden kamen. Zudem hatte uns Tabitha die Adresse einer Freundin – Casey – in Tucson gegeben, die in einem Radgeschäft arbeitet und wir hofften dort herausfinden zu können, weshalb Manus Hinterradnabe seit 2000 km komische Geräusche machte. Wir hatten die Nabe zwar in Fresno schon einmal zerlegt, jedoch konnten wir den Freilauf nicht abnehmen, da dazu ein 14 mm Inbusschlüssel nötig ist, den zu finden sich sowohl in Fresno als auch in Las Vegas als unmöglich herausgestellt hatte.

Da die Zeit drängte nahmen wir von Flagstaff aus die Interstate 17 nach Süden, was sich als Fehler herausstellte. Es gibt auf der I17 zwar durchgehend einen breiten Pannenstreifen, den man als Radfahrer benutzen muss, jedoch war dieser genau im Bereich der Abfahrt ins Verde Valley mit extrem grobem Asphalt belegt auf dem zudem noch jede Menge Müll herumlag. Die 13 Meilen mit 6% Gefälle waren somit nicht wirklich zu genießen und bescherten uns stattdessen insgesamt 3 Patschen. Meine beiden waren auf ein Metallteil, das die Karkasse meines Hinterreifens beschädigte und eine Metallplatte aus der ein Stahlstift ragte zurückzuführen. Manus Patschen war von der gewöhnlichen LKW-Karkassen-Draht-Sorte.

Zusätzlich zu unserem Patschenunglück entdeckte ich beim Flicken auch noch einen Riss in meiner hinteren Felge – ca. 3-4 cm lang von einer Speiche beidseits entlang der Mittellinie der Felge verlaufend. Somit war in Tucson also neben Manus Freilauf auch ein neues Hinterrad für mich fällig.

In Phoenix waren wir gerade bei McDonalds mit Internetrecherchen bezüglich Ersatzteilen und Unterkunft für Tucson beschäftigt als wir von zwei älteren Herren angesprochen wurden und wieder einmal die üblichen Fragen gestellt bekamen. Die beiden zeigten großes Interesse an unserer Reise und gaben nach kurzer Verhandlung per Telefon kurzerhand bei ihren Frauen zuhause Bescheid, dass am Abend zwei Gäste zu verköstigen wären. Zunächst boten sie uns an, uns im Auto mitsamt den Rädern mit zu sich nachhause zu nehmen, als wir ihnen erzählten, dass Tucson unser nächstes Ziel wäre fassten sie nach kurzem Telefonat mit einem Freund den Entschluss, diesen am nächsten Tag in Tucson zu besuchen und uns gleich mitzunehmen. Die Angebote – sowohl das Abendessen als auch der Transport nach Tucson kamen wie gerufen, da der Großraum Phoenix extrem ausgedehnt ist und wir wahrscheinlich über einen Tag zur Durchquerung der Stadt gebraucht hätten. Zudem konnten wir so etwas Zeit gewinnen bevor unsere Aufenthaltsgenehmigung ablief.

Die beiden und ihre Familien waren sehr freundlich und auch das Abendessen war ausgezeichnet, jedoch hatten wir, wie sich herausstellte recht unterschiedliche Meinungen bezüglich amerikanischer Politik. Die beiden waren Bush Anhänger, die gerne Sarah Palin als neue Präsidentin gesehen hätten, waren Atomkraftbefürworter und hielten das amerikanische Gesundheitssystem für das beste der Welt und konnten daher public healthcare nichts abgewinnen…

Am nächsten Tag erreichten wir trotz heftigem Sandsturm und Gegenwind innerhalb von zwei Stunden Tucson – und waren heilfroh, nicht auf den Rädern unterwegs zu sein, zumal auch die Landschaft alles andere als interessant war.

In Tucson ließen wir uns direkt bei Bicas, dem Radshop, in dem Casey arbeitet, absetzen und trafen dort zufällig auch einen der Warmshowers-Hosts, die wir aus Phoenix angeschrieben hatten. Ignacio arbeitet zufälligerweise auch bei Bicas und wohnt mit seiner Frau Daniela und Sohn Damiano nur wenige hundert Meter von dort entfernt. Eine besser gelegene Unterkunft hätten wir wohl gar nicht erwischen können.

DSC_9167Bicas ist kein Radgeschäft im eigentlichen Sinne, sondern eher eine öffentliche Werkstatt, in der man gegen Bezahlung am eigenen Rad arbeiten kann. Zudem werden gebrauchte Radkomponenten verkauft und was nicht mehr verkauft werden kann wird zu Kunstwerken zusammengeschweißt, die einmal im Jahr auf einer Auktion verkauft werden.    

Leider war auch bei Bicas kein 14er Inbusschlüssel zu finden, jedoch konnten wir beim Ordinary Bike Shop, wo wir einen neuen Freilauf für Manu und eine neue Felge für mich bestellten, den Freilauf gleich kostenlos montieren lassen.

Die Zeit, die uns blieb während wir auf die bestellten Teile warteten, nutzten wir, um ins ca. 100 km entfernte Nogales an der mexikanischen Grenze zu fahren, um unsere Aufenthaltsgenehmigung zu verlängern. Von der amerikanischen Botschaft in Österreich war uns auf Anfrage zwar geraten worden, nach Mexiko auszureisen und uns bei der erneuten Einreise in die USA eine neue Aufenthaltsgenehmigung ausstellen zu lassen, jedoch weigerten sich die Grenzbeamten bei der Ausreise, die Aufenthaltsgenehmigungen aus unseren Pässen zu entfernen. Stattdessen mussten wir bei der Grenzstation bei der Wiedereinreise eine Verlängerung beantragen, die uns allerdings für 12$ problemlos für ein Monat ausgestellt wurde.

Zurück in Tucson stellte sich heraus, dass wir bei unserem Mexico-Ausflug wahrscheinlich großes Glück gehabt hatten, denn meine Felge hatte auf den nur 240 Kilometern noch einige neue Risse entwickelt und hätte wahrscheinlich nicht mehr allzu lange durchgehalten. Nachdem die weiteren Risse so schnell aufgetaucht waren beschloss ich, auch die vordere Felge auszutauschen und bestellte sie ebenfalls beim gleichen Shop. Während die erste Felge innerhalb von zwei Werktagen geliefert wurde, warteten wir auf die zweite jedoch eine ganze Woche, was uns quasi einen kurzen Urlaub vom Radfahren bescherte, den wir auch sehr genossen, da wir wirklich angenehme Gastgeber hatten. Auch über Mittelamerika konnten wir etwas mehr erfahren, da Daniela mehrere Jahre in Guatemala und Nicaragua gearbeitet hatte. Zudem war Carl Kurz, der für Bikes Not Bombs in den letzten 25 Jahren in El Salvador, Nicaragua und Guatemala gearbeitet hatte mit seiner Familie noch einige Tage zu Gast.

DSC_9276Erwähnenswert ist auch Damiano, das sechsmonatige Baby von Daniela und Ignacio, das eindeutig das bravste und fröhlichste Baby ist, das wir je gesehen haben. In der ganzen Zeit die wir in Tucson verbracht haben, hat er höchstens zwei Mal geschrien und sonst meistens bis über beide Ohren gegrinst – insbesondere wenn Manu sich mit ihm beschäftigte.

Zum ersten Mal auf unserer Reise fiel uns auch das Aufbrechen in Tucson nach der kurzen Pause etwas schwer und wir hoffen Daniela, Ignacio und Damiano einmal in Österreich als Besucher empfangen zu können.

DSC_9285Nachdem wir nun wieder etwas mehr Zeit hatten konnten wir es uns leisten, nicht die direkte Route nach Las Cruces über die Interstate 10 zu nehmen, sondern über Sonoita, Tombstone, Gleeson, Courtland und Pearce die landschaftlich schönere Strecke durch die Berge zu nehmen, die uns Ignacio vorgeschlagen hatte. DSC_9301Erst in Wilcox waren wir gezwungen, wieder auf die I10 zu fahren, da wir die Bergstraße über die Chiricahua Mountains, die schon schneebedeckt waren, vermeiden wollten.

Schon von Sunsites in Arizona schrieben wir einen Warmshowers Host in Las Cruces an, bei dem wir eine Nacht bleiben wollen bevor wir nach Organ und White Sands aufbrechen und bekamen innerhalb von fünf Minuten eine positive Antwort. DSC_9328Auf unserem weiteren Weg nach New Mexico  hatten wir einen weiteren Tag mit Rückenwind, gleich darauf einen mit bösartigem Gegenwind, einen kurzen Regen in der Wüste, wieder ein paar Nächte mit –4 bis -6°C und begegneten erstmals einer Klapperschlange, um die wir einen großen Bogen machten. Mittlerweile sind wir in Las Cruces angekommen und haben endlich Zeit, den Blog zu aktualisieren.

San Francisco bis Mesquite 8.10.09 – 5.11.09

Am Weg von Berkeley zurück zum Highway 1 nahmen wir bis Daly City die BART (Bay Area Rapid Transit – sowas wie unsere Schnellbahn) um uns die erneute Fahrt durch die hügelige Stadt zu ersparen. Von dort ging es weiter über Pacifica an die Küste. Der Highway südlich von Pacifica ist zwar als Pacific Coast Bike Route beschildert, jedoch zum Radfahren ziemlich ungeeignet – kurvig, schmal und ohne befahrbares Bankett – nicht gerade angenehm. Die Küste ist dafür umso schöner – teils weiße Sandstrände, teils steil abfallende Kliffs säumen die Westseite des Highways und die Hügel bleiben natürlich auch hier wieder nicht aus – 1000 Höhenmeter am Tag sind keine Seltenheit. Vor Monterey kamen wir dann wieder in landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet – Kohlsprossen, Erdbeeren und Artischocken werden hier angebaut – Zum Abendessen gab‘s daher frisches Gemüse.

In Santa Cruz fanden wir ein gut sortiertes Radgeschäft, wo wir einige Ersatzteile besorgten, die wahrscheinlich in Mittel- und Südamerika schwer zu bekommen sind – Ersatzkugellager für meine Naben, noch einige Reservespeichen, Schaltzüge und Kettenöl. Geeignete Reifen und Bremsbeläge für unsere Scheibenbremsen sucht man leider auch hier vergeblich. Für Manus SLX Bremsen hätten wir zwar schon einige Male passende Bremsbeläge gefunden, doch kosten diese hier zwei– bis dreimal soviel wie zuhause. Für Formula Bremsen gibt’s überhaupt keine Ersatzteile – die dürften hier nicht sonderlich populär sein – wir werden also einige Dinge noch im Internet bestellen und uns auf ein Postamt am Weg schicken lassen.

Am Weg nach Monterey wurden wir von Einheimischen vor einem größeren Sturm gewarnt, der gerade im Anzug war. Nachdem wir schon in Santa Cruz gesehen hatten, dass die Campgrounds deshalb gesperrt wurden stellten wir uns darauf ein, die Nacht in Monterey in einem Youth Hostel zu verbringen. Kurz vor Monterey in Seaside begannen wir, nach einer günstigen Unterkunft zu suchen und landeten schließlich im Seaside Inn, das erstens günstiger als das einzige Hostel in Monterey war und zudem den Vorteil hatte, dass wir die Räder mit ins Zimmer nehmen durften.

Nachdem die Sturmwarnung auch für den nächsten Tag aufrecht blieb entschieden wir uns, noch eine zweite Nacht im Motel zu bleiben und besichtigten das Monterey Bay Aquarium – angeblich eines der größten Aquarien der Welt und das einzige, dem es bereits mehrmals gelungen ist, einen Weißen Hai für einige Monate erfolgreich zu beherbergen und anschließend wieder auszusetzen. Wir hatten das Glück, dass gerade wieder ein kleiner Weißer Hai ins Aquarium gekommen war, der im Outer Bay Becken neben Hammerhaien, Thunfischen und Delfinfischen seine Runden drehte.

Insgesamt war das Aquarium das schönste, das wir bisher gesehen hatten und ist den relativ hohen Eintrittspreis auf jeden Fall wert.

Von Seaside fuhren wir über Monterey und Carmel weiter nach Süden und bogen kurz nach Big Sur wieder Richtung Inland ab. Die Nacimiento – Fergusson Road, die von der Küste über die Coastal Range führt ist zwar mit dem Rad eine kleine Herausforderung, lohnt sich aber wegen des schönen Ausblicks auf jeden Fall. In engen Serpentinen windet sie sich von der Küste bis auf über 800m Höhe und bietet von mediterranen Graslandschaften über Eichenwälder bis zu Redwoods jede Menge Abwechslung. Auch die Fauna hat einige Überraschungen parat – zum Ersten Mal auf unserer Reise sahen wir eine Tarantel – interessant, diese Tiere mal in freier Wildbahn statt im Terrarium zu sehen. Es blieb auch nicht bei einer Sichtung denn die Viecherln gibt’s da anscheinend haufenweise – Manu hörte jedenfalls am nächsten Tag bei 18 Stück zu zählen auf. Gut zu wissen, dass man die Schuhe in der Früh wohl ab jetzt gut ausschütteln sollte um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Möglichkeiten zum Campen sucht man auf der Westseite der Coastal Range leider vergeblich und wir mussten einen großen Teil der Abfahrt auf der Ostseite schon bei Dunkelheit bewältigen bis wir zum ersten Campground kamen.

Nachdem es weder in Jolon noch in San Lucas eine Möglichkeit gibt, Nahrungsmittel zu kaufen mussten wir am weiteren Weg Richtung Fresno den Umweg über King City in Kauf nehmen, da zwischen King City und Coalinga am Hwy 198 eine längere einsame Strecke zu erwarten war – wir hatten uns schon wieder daran gewöhnt, zumindest einmal alle 100 km an einem Supermarkt vorbeizukommen und daher nicht recht viel Vorräte dabei.

Das nächste Problem am Hwy 198 sollten die Zäune sein, die sich am Straßenrand kilometerweit entlang ziehen und keinen Platz zum Campen lassen – nachdem wir schon ca. 20 km nach einem Schlafplatz gesucht hatten klopften wir daher bei einer Farm an die Tür und fragten, ob wir hinterm Haus campen dürften. Der Besitzer – John stellte sich als sehr freundlich heraus und kaum hatten wir das Zelt aufgebaut kam er nochmal heraus und bot uns an, uns zum Abendessen ein paar Steaks zu braten – ein Angebot, dem wir nicht widerstehen konnten. Irgendwie dürften wir einen mitleiderregenden Eindruck gemacht haben, denn statt nur eines Steaks bekamen wir ein dreigängiges Abendessen serviert – Clam Chowder, Steak mit Kartofferl und Broccoli und dann noch Erdbeeren als Nachspeise und nicht zu vergessen – am nächsten Tag noch ein Frühstück!

Der weitere Verlauf des Hwy 198 war bis Coalinga wieder eine sehr interessante und sehr abwechslungsreiche Strecke. Ab Coalinga beginnt jedoch das Farmland, das das gesamte Tal ausfüllt, größtenteils völlig flach ist und die wohl ödeste Gegend unserer Reise war. Bis Fresno sieht man für über 100 km nichts anderes mehr als quadratische Felder im 2 km Raster. Fresno ist fast genauso öde wie das umgebende Farmland, doch hatten wir das Glück, wieder mal einen sehr netten Gastgeber über Couchsurfing gefunden zu haben. Wir nutzten unseren Aufenthalt um endlich wieder mal richtiges Brot zu backen, Ersatzteile und Landkarten für Mittel- und Südamerika zu kaufen, unseren Blog zu aktualisieren und die Dinge, die in Fresno nicht zu bekommen waren im Internet zu bestellen.

Von Fresno aus ging’s weiter zum Kings Canyon und anschließend zum Sequoia National Park und wir konnten zum zweiten Mal innerhalb einer Woche unseren Tageshöhenmeter-Rekord verbessern – von 1700 hm am Hwy 1 und Nacimiento Fergusson Road auf 2001 hm von Squaw Valley bis zum Fir Campground kurz vorm Sequoia National Park. Für die Anstrengung wurden wir durch die eindrucksvollen Sequoias und den anschließenden Downhill vom Park zurück in die Foothills entschädigt – 1200 Höhenmeter steil bergab, nur unterbrochen durch eine kurze Pause um einen Schwarzbären zu beobachten, der etwas abseits der Straße gerade genüsslich und völlig unbeeindruckt von den zahlreichen Touristen, die ihn fotografierten, sein Abendessen verspeiste.

Die Sequoias – bis zu 311 Fuß hoch und mit Durchmessern bis zu 12 Metern sind nochmal eine eindrucksvolle Steigerung zu den Coast Redwoods, die zwar mit bis zu 376 Fuß etwas höher werden aber einen viel geringeren Durchmesser haben.

Im Sequoia National Park trafen wir auch zufällig Ted, unseren Host aus Berkeley wieder, der gerade mit zwei Couchsurfern eine kleine Runde durch einige Nationalparks machte.

Von den Foothills der Sierra Nevada kamen wir wieder zurück ins San Joaquin Valley mit seinen endlosen Feldern, nur unterbrochen von vereinzelten Orangen-, Zitronen- und Granatapfelplantagen, die wir die nächsten zwei Tage zu durchqueren hatten.

Erst kurz vor Bakersfield beginnt die Landschaft wieder etwas hügeliger zu werden und die Felder weichen Viehweiden – die teilweise mit Unmengen an ohnehin knappem Wasser bewässert werden. Bakersfield ist ungefähr so attraktiv wie Fresno – kein Platz um sich unnötig lange darin aufzuhalten.

Am Hwy 58 verließen wir Bakersfield wieder und nahmen die lange Steigung zum Tehachapi Pass in Angriff. Wir kamen bis Keene, wo uns der Besitzer eines Cafés einlud, im Garten des Cafés zu campen, was uns sehr gelegen kam, da in näherer Umgebung keine anderen Zeltplätze zu finden waren. In der Früh gab‘s dann noch einen Gratis-Kaffee – so stellt man sich einen netten Campground vor!

In Keene konnten wir endlich den stark befahrenen Freeway 58 verlassen und auf der Tehachapi Loop Road weiter bis zum Pass hinauf radeln um auf der anderen Seite des Berges plötzlich eine völlig andere Landschaft vorzufinden – Die Mojave Wüste mit den ersten Joshua Trees erstreckt sich bis zum Horizont. Nach der Mittagspause in Mojave kamen wir am flachen Terrain gut voran und lernten am Abend auch gleich einen Vorzug der Wüste zu schätzen – es gibt alle paar 100 Meter einen geeigneten Zeltplatz mit ebenem Boden – wir campten also einfach einige 100 Meter vom Highway entfernt, schlugen das Zelt bei beginnender Dunkelheit auf und standen rechtzeitig bevor es wieder richtig hell wurde auf um unseren Zeltplatz wieder zu räumen – Eine Vorgangsweise, die wir in den nächsten Wochen wohl öfter anwenden würden.

Am Morgen setzte beim Frühstück in der Wüste ein recht unangenehmer Sandsturm ein, der uns zwang, das Frühstück abzubrechen und aufzubrechen – glücklicherweise kam der Wind von Westen und blies somit in unsere Richtung, was uns bis Barstow eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 km/h und 75 gefahrene km vor der Mittagspause bescherte.

Leider änderte sich unsere Fahrtrichtung am Nachmittag und es ging nur mehr mit ca. 10 km/h am Highway 247 nach Süden weiter Richtung Lucerne Valley – das fühlte sich ungefähr an wie der Wechsel von der Autobahn in die 30er Zone – mit Gegenwind haben wir noch so unsere Probleme auch wenn wir mittlerweile wahrscheinlich relativ fit sind.

Weiter durch die Wüste kamen wir Tags darauf bis kurz vor Yucca Valley und wurden wieder mal unerwartet eingeladen – diesmal von einem technischen Zeichner, dessen Spitznamen (seinen richtigen fanden wir nicht heraus) wir leider beide sofort wieder vergaßen. Wir verbrachten einen netten Abend mit ihm und seiner Frau in Mesa bei veganem Essen und fanden heraus, dass er zu Fuß von Kalifornien bis Kolumbien gewandert war – allerdings schon vor ca. 30 Jahren, weshalb er uns nicht allzu viele nützliche Tipps für die Weiterreise geben konnte.

Durch den Joshua Tree Nationalpark mit seinen beeindruckenden Felshaufen und natürlich den sehr bemerkenswerten Joshua Trees fuhren wir weiter um über fast endlose Wüstentäler und einige kleinere Berge das Mojave National Preserve zu erreichen, in dem wir nun zum dritten Mal zufällig Paul (www.panamericantour.net) trafen. Er hatte sich mittlerweile von seinem Freund Chris getrennt, den wir zufällig auch einige Wochen zuvor an der kalifornischen Küste getroffen hatten nachdem wir die beiden zuletzt noch gemeinsam in Stewart / Britisch Columbia und davor in der Nähe von Dawson City im Yukon getroffen hatten. Die Radlerwelt ist jedenfalls klein – Wahrscheinlich werden wir einen der beiden spätestens im Süden Mexicos wieder treffen.

Das Mojave National Preserve gefiel uns landschaftlich fast genau so gut wie der Joshua Tree National Park und auch hier gibt es in den höheren Lagen wieder Yuccas und Joshua Trees, die der Gegend einen sehr speziellen Eindruck verleihen.

Nach weiteren 100 Kilometern erreichten wir endlich Las Vegas – Die Südeinfahrt, der Hwy 604 setzt sich direkt in den Las Vegas Boulevard, den berühmten Strip mit Unmengen an Casinos fort, die sich seit meinem letzten Besuch hier noch deutlich vermehrt haben. Wir kamen günstiger weise genau zur einbrechenden Dämmerung an, wodurch wir das eindrucksvolle Lichtspektakel, das der Stadt in der Nacht ihre besondere Atmosphäre verleiht erleben konnten.

Eine Unterkunft hatten wir bei Kevin, einem der Administratoren von www.warmshowers.com gefunden. Der Weg durch die Stadt bis zu seinem Haus war diesmal nicht so anstrengend wie bei anderen Städten, da es alle paar Meter irgendein verrücktes oder spektakuläres Gebäude gibt, über das man sich wundern kann. Trotzdem waren wir froh, als wir nach ca. 20 km im dichten Stadtverkehr endlich „zuhause“ angekommen waren.

Kevin stellte sich als sehr freundlich heraus und auch sein Haus ließ nichts zu wünschen übrig – Eigenes Schlafzimmer, Bad, große Küche mit Ausstattung zum Brotbacken – was will man mehr?

Die Zeit in Las Vegas war relativ knapp da wir ja nicht mehr lange in den USA bleiben dürfen und noch mehr als 3000 km zu bewältigen haben – trotzdem konnten wir die meisten Besorgungen, die wir vor Mexico noch machen wollten erledigen – neue Sitzmatten, Permethrin Spray, DEET und Karten von Utah und Arizona bekamen wir bei REI, wohin uns Kevin begleitete. Das überfällige Geburtstagsessen gab’s im „The Orleans“-Casino, das wir übrigens sehr empfehlen möchten – das Buffet ist sehr vielfältig und das Essen ist größtenteils sehr gut – besonders auch die Salate und Desserts. Zudem stimmt der Preis, da das Casino nicht direkt am Strip sondern etwas westlich davon liegt.

Brot wurde natürlich auch wieder gebacken – diesmal wieder mit ausreichend Roggenmehl, das wir in Fresno leider nirgends finden konnten. Nur die Internet-Erledigungen, die auch schon wieder dringend anstanden konnten wir leider nicht machen, da die Modemverbindung, die Kevin nutzt für die meisten Websites, unter Anderem auch für Google Maps, viel zu langsam ist.

Nach einem „Ruhetag“ in Las Vegas brachen wir wieder Richtung Nordosten auf und kamen noch fast bis zum Valley of Fire State Park. Nach dem Trubel in der Stadt ist das Campen in der Wüste wieder sehr angenehm – viel länger als 1-2 Tage hätten wir es in Las Vegas wahrscheinlich ohnehin nicht ausgehalten.

Über das Valley of Fire fuhren wir weiter nach Logandale und holten dort unsere Landkarten und Ersatzteile ab, die wir per general delivery aufs Postamt hatten schicken lassen – bis auf ein Paket für Manu, das wir aus Österreich erwarteten war auch tatsächlich alles rechtzeitig angekommen. Glücklicherweise kann man die Pakete, die man noch erwartet relativ problemlos auf ein anderes post office weiterleiten lassen.

Am Abend hatten wir bei McDonalds in Mesquite nochmal die Gelegenheit, einige Emails zu verschicken, ein Moskitonetz für Malariagegenden zu bestellen und den Versand unserer Reservereifen, auf die wir schon seit Fresno warten zu organisieren. Das alles können wir dann hoffentlich in Flagstaff/Arizona am Postamt abholen.

Von Mesquite aus geht’s jetzt weiter in die Berge zum Zion und Bryce Canyon National Park.

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