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Prince Rupert/BC bis Shelton/WA 15.8.09 – 6.9.09

Die Fährüberfahrt von Prince Rupert nach Port Hardy auf Vancouver Island gestaltete sich weniger spektakulär als wir uns erhofft hatten – Wir sahen zwar Wale, jedoch kam keiner davon dem Schiff so nahe, dass man erkennen hätte können, um welche Spezies es sich handelte. Von den meisten war ohnehin nur der Blas und manchmal eine Rückenflosse zu sehen. Aber zumindest können wir nun behaupten, wir hätten viele Wale gesehen – immerhin waren es um die 20, die am Nachmittag auf der südlichen Hälfte der Überfahrt zu beobachten waren. (Wir vermuten, dass die Erzählungen von anderen Leuten, die von vielen Walen gesprochen hatten auch auf 1 km entfernte Rückenflossen und Atemluftfontänen bezogen waren.)

In Port Hardy gibt es glücklicherweise wenige Kilometer vom Fährhafen entfernt einen Campingplatz, auf dem wir mitten in der Nacht ankamen. Unglücklicherweise sind die Zeltplätze dort aber so klein, dass wir mit unserem Zelt kaum genug Platz fanden und die Heringe in die Büsche spannen mussten. Dafür gibt’s Gratisduschen mit Südamerika-Flair und das alles um 10$ – also durchaus angemessen für kanadische Verhältnisse.

Die Strecke von Port Hardy gen Süden war wenig interessant und recht hügelig, so dass es kein Problem war, pro Tag auf mehr als 1000 Höhenmeter zu kommen, ohne jedoch dafür in den Genuss Schöner Aussichten zu kommen, da die dichten Jungwälder beidseits der Straße recht effizient die Fernsicht beeinträchtigen. Die erste landschaftlich interessantere Passage durchquerten wir am zweiten Tag – Einen kleinen Pass von dem aus man zumindest einige Nachbarhügel und die schneebedeckten Berge in der Ferne sehen konnte. Zudem sind die Wälder, die noch nicht abgeholzt und wiederaufgeforstet wurden sehr bemerkenswert. An Wildcampmöglichkeiten mangelt es allerdings am 19er Highway etwas und so suchten wir teilweise 30-40km nach einem geeigneten Zeltplatz.

Kurz nach Campbell River trafen wir Paul, einen Ausflugsradler und Künstler, der per Segelboot von Vancouver nach Port Hardy gefahren war und nun mit dem Rad nachhause fuhr. Wir unterhielten uns einige Zeit mit ihm und wurden prompt eingeladen, im Garten seiner Tante in Black Creek mit ihm zu campen. Der vermeintlich abwesende Cousine Hannah jagten wir allerdings einen gehörigen Schrecken ein, da sie nicht damit gerechnet hatte, bei ihrer Rückkehr von der Arbeit in ihrem Garten zwei Zelte, drei Räder und drei spaghettikochende, in der Dämmerung unerkennbare Radler vorzufinden. Glücklicherweise hatte sie jedoch noch nicht die Polizei gerufen, sondern nur einen ihrer Nachbarn mitgebracht, um nachzusehen, was die Fahrradgang in ihrem Garten anstellte.

Paul konnte ihrer Verwirrung glücklicherweise schnell Abhilfe verschaffen und wir hatten mit den beiden noch einen sehr lustigen Abend.

Von Qualicum Beach aus fuhren wir nach Westen über Port Alberni nach Ucluelet. Dort hofften wir beim einzigen Couchsurfer im Ort unterzukommen, der laut seinem Profil eine Schlafgelegenheit anbieten konnte. Leider konnten wir jedoch bei ihm nicht übernachten, sondern bekamen nur einen Tipp zum Campen – Fletcher’s Beach sollte angeblich gut zum Wildcampen geeignet sein, und stellte sich tatsächlich als wunderschöne einsame Bucht heraus, die nur von vereinzelten Einheimischen besucht wurde. Leider war es jedoch unmöglich, unsere Räder über den steilen, felsigen und engen Weg bis zur Bucht zu bringen und wir mussten unser Zelt letztendlich wieder mal im Wald ohne Meerblick und Strand aufschlagen.

Tofino, das etwas nördlich von Ucluelet an der Westküste von Vancouver Island nahe am Pacific Rim National Park liegt und von dem uns schon zahlreiche Leute vorgeschwärmt hatten stellte sich als sehr touristisches kleines Dörfchen heraus, in dem man für einen Zeltplatz pro Nacht bis zu 56$ zahlt, das aber außer einem langen Sandstrand nicht viel zu bieten hat, wenn’s wie bei uns den ganzen Vormittag regnet. Am Nachmittag hatten wir zwar noch die Gelegenheit bei Sonnenschein aber trotzdem recht diesigem Wetter die viel gelobte Long Beach – einen kilometerlangen Sandstrand zwischen Tofino und Ucluelet zu erkunden und den Surfern etwas zuzusehen, was jedoch den Gesamteindruck von Tofino auch nicht sonderlich aufwertet, wenn man Sandstränden nicht viel abgewinnen kann.

Wir können den Hype um Vancouver Island nicht ganz nachvollziehen – vielleicht sind wir von den Landschaftlich wirklich sehr schönen Strecken in Alaska, im Yukon und im Norden British Columbias einfach ein bisserl verwöhnt. Ein wenig hat sicher auch das Wetter dazu beigetragen, dass wir keinen so überragenden Eindruck von der Insel gewonnen haben. Zum anderen muss man wahrscheinlich mehr in die weniger dicht besiedelten Gebiete der Insel vordringen – zB. Auf Kajaktouren oder beim Wandern, um einen besseren Eindruck von der Natur Vancouver Islands zu bekommen.

Die Teile der Insel, die uns gefallen haben sollen aber natürlich nicht unerwähnt bleiben: Der Cameron und der Sproat Lake haben wirklich glasklares Wasser, wie man es in Österreich wohl nur am Grünen See oder am Samaranger See zu sehen bekommt und haben dabei trotzdem angenehme Badetemperatur von 22°C. Wir hätten viel dafür gegeben, die beiden Seen mit unseren Tauchausrüstungen zu erkunden – leider ist zum einen das Tauchen in Seen in Kanada nicht sehr verbreitet, weils ja genug Küste gibt und zum anderen mit 200$ pro Tauchtag (am Meer) mit 2 Tauchgängen in Tofino auch unangenehm teuer. Der Kenedy River mit seinen zahlreichen Wasserfällen und Felsbecken, in denen sein unglaublich smaragdgrünes aber klares Wasser zu Geltung kommt hat uns auch sehr beeindruckt, ebenso wie die 800 Jahre alten bis zu 76 m hohen und 9 m im Umfang messenden Douglas-Firs im Cathedral Grove State Park.
In Coombs gibt’s einen netten Farmers Market und ein gar nicht so teures aber gut sortiertes Delikatessen-Geschäft mit Rasen und Ziegen am Dach.

Zurück an der Ostküste, verabschiedeten wir uns in Nanaimo von Vancouver Island und nahmen die Fähre nach Horseshoe Bay, von wo wir über den Marine Drive an der Küste entlang nach Nord Vancouver fuhren. Die wunderschönen Häuser an der Küste lassen einen schon vermuten, warum Vancouver einer der Städte mit der höchsten Lebensqualität der Welt ist – auch wenn die Grundstückspreise in dieser Gegend weit jenseits von gut und böse liegen.

In Nord Vancouver wurden wir von den Bryants, die uns vor langer Zeit im Yukon eingeladen hatten, sie in Vancouver zu besuchen, sehr herzlich empfangen. Wir genossen unser eigenes Zimmer mit eigenem Bad, und nahmen die Gelegenheit wahr die Küche ausgiebig in Anspruch zu nehmen und zwei Leibe richtiges Brot zu backen – Das Brot in Nordamerika hat nämlich den Namen unserer Meinung nach nicht verdient. Speziell das allgegenwärtige Sandwichbrot, von dem ½ Meter ca. ein Pfund wiegt besteht eigentlich zum Großteil aus Luft und wenn man es Vakuumverpackt, würde es sich wahrscheinlich nicht mehr von Tortillas unterscheiden.

Vancouver selbst ist tatsächlich eine sehr schöne und sehr internationale Stadt – der hohe Anteil an asiatischen Einwanderern ist wohl auch für die hohe Qualität des Sushis verantwortlich, das wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Für alle Sushi Fans können wir das Restaurant Toyama in der Seymour Street 757 wärmstens empfehlen – All You Can Eat Sushi für 11.95$ mit einer Qualität, die wahrscheinlich alles, was man in Wien bekommt übertrifft. Zudem bestellt man hier das Sushi so oft man will von der Karte und es wird von den drei Köchen an der Sushitheke frisch hergestellt, anstatt auf Tellern einige runden durchs Restaurant zu drehen, bevor sich einer der Gäste der Vernichtung annimmt.

Weiters empfehlenswert sind das Schweizerhaus (lecker Seafood) sowie der Markt auf Granville Island.

Wir verbrachten 4 Tage in Vancouver und ob der netten Familie und der schönen Stadt fiel es uns etwas schwer, uns wieder auf den Weg zu machen. Trotzdem war etwas Bewegung dringend nötig denn wir hatten in den 4 Tagen ungefähr gleich viel gegessen, wie normalerweise an 100 km Tagen 🙂

Wir verließen Nordvancouver am Vormittag, sollten es allerdings nicht recht weit bringen, denn nach 60 km wurden wir schon wieder vor einem Supermarkt angesprochen und für den Abend zum Spanferkelessen bzw. zur Übernachtung eingeladen. Peter und Johanna, beide holländischer Abstammung wohnten in Surrey, einem der Vororte von Vancouver, knapp an der Staatsgrenze. Das Spanferkel ließen wir sie allerdings alleine essen, da wir weder auf eine große Party mit vielen unbekannten, noch auf deftige Küche Lust hatten.

Am nächsten Tag überquerten wir unsere zweite Staatsgrenze, um erneut in die USA einzureisen. Unsere Aufenthaltsgenehmigung wurde leider nicht verlängert und somit müssen wir spätestens am 8.12.09 nach Mexiko ausreisen.

Unsere Nächste Station war Seattle, das wir auf Empfehlung von Ed, unserem Host in Vancouver besuchten und das uns sogar besser gefiel als Vancouver. Die Vororte waren zwar bei der Anreise etwas mühsam zu durchqueren so dass wir erst gegen 22:00 bei unseren Warmshowers Hosts ankamen, aber Seattle Downtown ist wirklich schön und vor allem der Pike Place Market mit dem ersten Starbucks Coffeshop der Welt hat uns in seinen Bann gezogen. Auch das Aquarium ist durchaus sehenswert und schon wieder verbrachten wir mehr Zeit als geplant in der schönen Stadt. Nach drei Tagen setzten wir unsere Reise endlich fort und machten uns auf den Weg nach Shelton zur nächsten Einladung 🙂 Wir nahmen die Fähre von Seattle nach Bremerton und bemerkten gegen 17:00, dass vermutlich keiner der Campingplätze in der Nähe ohne größere Umwege zu erreichen sein würde. Da Shelton nur mehr 50 km entfernt war, wir uns in der Wartezeit auf die Fähre wieder mal ziemlich vollgegessen hatten, fanden, dass uns etwas mehr Bewegung nicht schaden könnte und für den nächsten Tag schlechtes Wetter angesagt war, beschlossen wir, einen etwas längeren Tag einzulegen und uns nach Shelton durchzukämpfen. Wir absolvierten also trotz der ca. drei Stunden, die wir durch das Warten auf die Fähre und die Überfahrt verloren hatten einen weiteren 100 km Tag – um uns in Shelton wieder 2 Tage auszuruhen. Die Taylors waren wundervolle Gastgeber, erlaubten uns wieder, die Küche mit Brotbacken zu verwüsten und versorgen uns mit wundervollem gebratenem Lachsfilet und selbstgemachtem Brombeerwein. Wir revanchierten uns daher mit Semmelknödeln und Schwammerlsauce, die großen Anklang fanden und auch bei uns wieder ein fast unangenehmes Völlegefühl hinterließen. Wir sind mittlerweile ja der Meinung, dass wir auf der Reise eher an Gewicht zunehmen statt abnehmen werden. Zu lecker sind die kulinarischen Verlockungen, denen wir allerorts ausgesetzt sind!

Die Fotos sind wieder mal aufgeteilt – auf Kanada / BC und USA / WA