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Dawson City bis Prince Rupert

Nach einem kurzen Erholungsaufenthalt in Dawson City fuhren wir am Klondike Highway weiter Richtung Whitehorse. Der erste Einkauf in Kanada war wieder mal relativ teuer – die Lebensmittel, insbesondere frisches Obst und Gemüse kosten 2-4 x soviel wie in Österreich. Dawson liegt halt doch etwas abgelegen. Trotzdem deckten wir uns schon hier mit allem Nötigen ein, da auf den nächsten Kilometern keine größeren Supermärkte zu erwarten waren – genauer gesagt gibts bis Pelly Crossing eigentlich Garnichts.

Die weitere Strecke am Klondike Highway war etwas enttäuschend – man fährt viel durch dichten Wald und hat auf beiden Seiten der Straße nicht viel Aussicht. Die kleineren Orte am Weg – Stewart Crossing und Pelly Crossing an den jeweiligen Flüssen sind kaum als Orte zu bezeichnen und erhalten ihre Daseinsberechtigung hauptsächlich dadurch, dass die riesigen RVs – oft mit einem zusätzlichen (auch nicht kleinen) Auto im Schlepptau, die auf der Strecke unterwegs sind alle paar hundert Kilometer mal eine Tankstelle brauchen. In Pelly Crossing gibts zumindest ein kleines Lebensmittelgeschäft, wo man eine Packung Spaghetti um 10 $ kaufen kann.

Von Pelly Crossing aus gelangt man etwas südlich wieder zum Yukon River und die Landschaft wird allmählich wieder interessanter. Allerdings setzte sobald wir das Tal des Yukon erreichten – entgegen der Prophezeiung einer Belgierin, die wir an der Kreuzung zum Dempster Highway getroffen hatten und die von Vancouver nach Anchorage am Rad unterwegs war – recht heftiger Gegenwind ein, der uns für die nächsten 300 km bis etwas nach Whitehorse zu schaffen machen sollte. Deshalb waren wir – obwohl wir unser Tagesziel noch nicht erreicht hatten – auch ganz froh darüber, dass uns Laura in Carmacks ansprach und uns einen Zeltplatz für die Nacht anbot. Laura war selbst diesen Winter mit ihrem Freund Matt drei Monate in Neuseeland radelnd und wandernd unterwegs und weiß daher über die Bedürfnisse von Reiseradlern (Duschen, sooft es eine Möglichkeit gibt :-)) bestens bescheid.

Wir übernachteten daher im Garten der örtlichen Krankenanstalt, wo Laura gerade als Krankenschwester arbeitete und wurden von ihr auch noch nach Whitehorse eingeladen, was uns auch sehr gelegen kam, da wir dort einen Tag Pause machen wollten.

Die Strecke von Carmacks nach Whitehorse war landschaftlich toll aber wettertechnisch manchmal bösartig (Gegenwind, kalt, regnerisch), bot uns aber doch zumindest zwei mal die Möglichkeit in glasklaren Seen und Flüssen zu baden und hielt auch einige recht schöne Campingplätze mit toller Aussicht für uns bereit. Trotzdem freuten wir uns auf einen verdienten Ruhetag mit chinesischem Smorgasbord und Shopping in Whitehorse.

Lauras Freund Matt war ebenso nett wie sie selbst und wir genossen es, mit den beiden zu Abend zu essen – nicht nur wegen ihrer Gesellschaft sondern auch, weil wir uns echte österreichische Käsespätzle kochten – eine sehr willkommene Abwechslung, wenn man sich meistens von Nudeln und Reis ernährt und nur alle paar Wochen mal eine richtige Küche zur Verfügung hat.

Die Zeit in Whitehorse verging wieder recht schnell und wir schafften es wieder mal nicht, alles zu erledigen, was wir uns eigentlich vorgenommen hatten (Blog schreiben, Räder warten). Dafür deckten wir uns wieder mit reichlich Vorräten für die nächsten Kilometer ein, da bis Teslin oder Dease Lake keine Einkaufsmöglichkeiten zu erwarten waren.

Die zusätzliche Beladung machte sich auf den Rädern in den ersten Tagen nach Whitehorse auch wieder bemerkbar und wir kamen anfangs recht langsam voran (zum ersten mal seit Monaten wieder eine Tagesetappe von unter 50 km), obwohl der Alaska Highway, auf dem wir jetzt wieder südwärts fuhren uns landschaftlich deutlich besser gefiel als der Klondike Highway, auf dem wir nach Whitehorse gekommen waren. Es gibt hier wieder reichlich Bademöglichkeiten, schöne Aussichten, Bäche und Seen aber dafür kaum Siedlungen und Lebensmittelgeschäfte.

An Wildtieren gibt es allerdings hier in Kanada wesentlich weniger zu sehen als wir von Alaska gewohnt sind – von den angeblich so häufigen Bären im Yukon hatten wir bisher keinen gesehen, obwohl wir schon bald nach British Columbia kommen sollten und auch die Elche (Moose), die wir in Alaska alle paar Tage mal gesehen hatten verstecken sich hier offenbar besser und man erkennt nur an ihren charakteristischen Hinterlassenschaften, dass es offenbar doch einige von ihnen gibt. Dafür sahen wir seit kurz vor Whitehorse immer mehr Chipmunks, vor denen wir schon in Dawson City vom Schweizer Radler Stefan gewarnt worden waren, dem sie die Ortlieb Taschen zerbissen hatten.

Einige Km vor der Abzweigung zum Highway 37 – Dem Cassiar Highway, überquerten wir zum ersten mal die Continental Divide – Die Wasserscheide zwischen Bering – und Beaufort See zwischen Swift– und Rancheria River, nicht ohne zuvor noch im Swift River etwas zu schwimmen, was bei 15° Wassertemperatur recht erfrischend, aber bei der Hitzewelle  mit bis zu 45° in der Sonne, die gerade herrschte auch recht angenehm und manchmal  nach den teilweise doch recht anstrengenden Steigungen auch einfach notwendig ist.

Kurz nach der Continental Divide machten wir am Big Creek Campground Mittagspause im Schatten und wurden wieder mal, wie schon so oft von neugierigen RV-Touristen angesprochen und gefragt, woher wir kämen, wo wir gestartet waren und wohin wir führen – die obligatorischen Fragen, die wir oft mehrmals täglich zu beantworten haben. Doch diesmal wurden wir von Ed und seiner Frau am Ende unseres kurzen Gespräches eingeladen, sie in Vancouver zu besuchen und einige Tage bei ihnen zu bleiben – ein Angebot, das wir nicht auslassen werden, da wir schon (von zwei Neuseeländern) gehört haben, dass Couchsurfing Angebote in Vancouver etwas schwer zu finden sind.

Die ersten paar Kilometer des Cassiar Highway, den uns zuvor zwei Kanadierinen, die ihn gerade von Prince Rupert aus geradelt waren, als landschaftlich außerordentlich schön und weniger hügelig als den Alaska Highway beschrieben hatten entpuppten sich als ziemliche Enttäuschung – Dickicht beidseits der Straße, kurze aber sehr steile Steigungen, die wirkungsvoll vermeiden, dass man beim radeln einen angenehmen Rhythmus findet und dazu noch immer  bis zu 30° im Schatten ließen uns schon darüber nachdenken, ob wir nicht vielleicht doch zurückfahren und den Alaska Highway weiterfahren sollten.

Glücklicherweise änderte sich die Landschaft bald und wir erreichten mit zunehmender Seehöhe auch wieder Gebiete mit schöner Aussicht. Ab Boya Lake  kommt man immer wieder an schönen Seen vorbei, die tief blaugrün zwischen den noch immer teilweise schneebedeckten Bergen liegen.

Der erste Ort am Cassiar Highway, wo man Lebensmittel kaufen kann  – Dease Lake ist ein kleines Nest mit einem RV Park, einem Restaurant, einem Gift Shop, zwei Motels und einer Tankstelle mit  angeschlossenem Grocery Store sowie einer Universität – dem Northern Lights College, das aus einer Bibliothek und einem weiteren kleinen Gebäude besteht.

Internetverbindung war in Dease Lake leider keine zu bekommen weil man uns im Northway Motor Inn auch gegen Bezahlung das WiFi Netz nicht nutzen lassen wollte  und der Besitzer des RV Parks auf dem wir für eine Nacht campten war die erste wirklich unsympathische Person, mit der wir auf unserer bisherigen Reise zu tun hatten.

Im Lebensmittelshop bei der Tankstelle wurden wir wieder mal über Herkunft, Start und Ziel unserer Reise befragt und diesmal nach Shelton auf der Olympic Peninsula in Washington eingeladen. Bis auf diese Einladung, eine heiße Dusche und ein neues Glas Nutella hielten sich aber unsere positiven Erfahrungen mit dem Dorf in Grenzen und wir waren froh, am nächsten Tag gut voranzukommen, obwohl wir 2 Pässe zu überqueren hatten.

DSC_4271Am ersten  davon, dem 1245m hohen Gnat Pass wurden wir von einem VW Bus überholt, der vor uns anhielt. Aus dem Bus sprang ein älterer Mann  und rief uns entgegen:” Sad’s es Österrreicher?” – Der seit 40 Jahren in Kalifornien lebende Oberösterreicher Heinz hatte uns die Herkunft an den Löffler Radtrikots angesehen und lud uns natürlich auch nach Kalifornien ein.

Kurz nach Iskut fanden wir einen unserer bisher schönsten Campingplätze  am Eddontenajon Lake nachdem wir schon längere Zeit vergeblich nach einem Platz zum Schlafen gesucht hatten und waren uns auch einig, dass wir uns für die über 1200 Höhenmeter auf 94 km auch einen schönen Platz verdient hatten. Hier verwendeten wir auch zum ersten Mal unsere Stirnlampen, weils tatsächlich mal so dunkel wurde, dass man sie brauchte. Auch die Sterne fielen uns zum ersten Mal auf unserer Reise wieder auf.  Die beiden Tage darauf erreichten wir erstmals Tagesetappen von jeweils über 100km – wieder mit über 1000 Höhenmetern, sahen am Little Bob Quinn Lake zum ersten Mal Nordlichter und änderten unsere Routenplanung aufgrund eines Treffens mit Dave, einem Liegeradler, der gerade von Vancouver nach Inuvik unterwegs war und uns überzeugte, dass es besser wäre, statt über Prince George über Prince Rupert nach Vancouver weiterzufahren. Auf der Strecke von Prince George fährt man laut Dave mehrere Tage durch dichten Wald und hat landschaftlich nichts zu erwarten. Zudem wüteten in der Region gerade mehrere Waldbrände, die das Radeln recht mühsam machten. Wir entschieden uns also dazu, von Prince Rupert die Fähre nach Port Hardy auf Vancouver Island durch die berühmte Inside Passage zu nehmen, und so den Waldbränden zu entgehen und einen Umweg von über 10 Tagen zu vermeiden, der auch die Kosten der Fähre von 155$ pro Person wieder relativierte. Zudem hatte Dave auf der Überfahrt mehrere Wale gesehen, die uns natürlich auch sehr interessierten.

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Nachdem wir kurz vor Bob Quinn Lake unseren ersten Schwarzbären auf der Straße gesehen hatten, der allerdings sofort davonrannte, als er uns sah, trafen wir mitten auf der Straße auch noch einen Luchs, der allerdings mit lautem Pfauchen auch sehr schnell im Wald verschwand. Von hier an waren offenbar die Bären häufiger und wir sahen fast täglich Schwarzbären.

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Bevor wir am Cassiar weiter nach Süden fuhren machten wir allerdings noch einen Abstecher am Highway 37A nach Stewart über den Bear Pass, der uns als sehr schön beschrieben worden war. Tatsächlich genossen wir die Fahrt über die Coast Mountains mit ihren zahlreichen Gletschern und Wasserfällen sehr, obwohl wir zum ersten mal seit dem Top Of The World Highway wieder richtiges Regenwetter hatten.DSC_4517 Die Hitzewelle, die Westkanada Rekordtemperaturen beschert hatte, die teilweise um 6-7° über den früheren Rekordwerten lagen, uns aber im Yukon und im nördlichen British Columbia beim Radeln sehr gelegen kam war offenbar vorbei.

Das Regenwetter dauerte auch auf der Rückfahrt von Stewart und am weiteren Weg bis Kitwanga an und kam offenbar auch den Gelsen sehr gelegen – obwohl uns Dave erklärt hatte, dass es ab Meziadin Junction wesentlich weniger bugs geben würde war die Gelsendichte am ersten Zeltplatz nach dem Meziadin Lake eindeutig die höchste, die wir bisher erlebt hatten und wirklich kaum auszuhalten, da der am Abend einsetzende starke Regen auch das DEET immer wieder von den Händen wusch, bzw. die Gelsen immer wieder Stellen fanden, an denen wir uns nicht richtig damit eingeschmiert hatten. Eigenartigerweise gab es allerdings am Zeltplatz davor – direkt am Meziadin Lake und auf dem danach in Kitwanga fast gar keine Gelsen, obwohl es auch dort überall ausreichend stehende Gewässer gibt.

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In Kitwanga dehnten wir die Nachmittagspause kurzerhand bis zum nächsten Morgen aus, da es dort einen netten Gratiscampground gab und wir ohnehin noch einige Emails und den Blog vorbereiten wollten.

Tags darauf verließen wir den Cassiar Highway, fuhren am Highway 16 westwärts und  erreichten am Abend Terrace, wo wir bei der Bibliothek vorbeischauten, um wieder mal unsere Emails abzurufen. Wieder einmal erregten wir mit unseren voll bepackten Rädern Aufmerksamkeit – diesmal die von Einheimischen – den Reidys, die uns einluden bei ihnen zu übernachten was uns sehr gelegen kam, da wir ohnehin schon wieder 100km gefahren waren und uns so die Zeltplatzsuche ersparten. Zudem bekamen wir noch einen ausgezeichneten Rindssuppen-Gemüseeintopf zu essen und durften das heimische WiFi nutzen – Das alles mitten in Terrace in einem schön eingerichteten und sauberen Häuschen in Gesellschaft sehr netter Gastgeber – was will man mehr!?

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In Terrace buchten wir auch gleich die Fähre von Prince Rupert nach Port Hardy und brachen am nächsten Tag aufgrund der netten Umgebung wieder mal erst am Nachmittag auf, legten aber trotzdem noch über 80 km in Richtung Prince Rupert zurück, bevor wir relativ spät einen geeigneten Zeltplatz fanden, die in diesem Streckenabschnitt relativ spärlich gesät sind, da der Highway zwischen Skeena River links und Bahn rechts zwar durch atemberaubende Landschaft aber sehr eingeengt verläuft.

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Auf der Bahnstrecke sahen wir den ganzen Tag nur zwei Züge, die dafür allerdings beachtliche Ausmaße haben. An einer Ausweiche, an der sich die beiden entgegenkommenden Züge auf der eingleisigen Strecke passieren, konnten wir deren Länge mit 3080m messen und zählten 157 Wagons und 2 Loks pro Zug.

Im Skeena River, der im letzten Abschnitt wie ein Fjord wirkt und auch Gezeitenzonen hat, sahen wir gute 70 km von der Mündung flussaufwärts die ersten Seehunde jagen und auch einen Bieber in einem Creek, der in den Skeena mündet. Entlang des Skeena gibt es Hochwälder, die aus 350-600 Jahre alten Bäumen bestehen und sehr beeindruckend sind, wenngleich wir auch den Kermode Bären – eine weiße Unterart des Schwarzbären, der in diesen Wäldern vorkommt – nicht zu Gesicht bekamen.

Wir erreichten Prince Rupert 1 1/2 Tage vor Abfahrt unserer Fähre und hatten versucht, bei einem Couchsurfer unterzukommen, von dem wir allerdings keine Antwort auf unsere Mail bekamen. Daher setzten wir uns wieder vor die Bibliothek, surften ein wenig im Internet und warteten, ob wir wieder eine Einladung bekommen würden, was dummerweise diesmal aber nicht funktionierte.

Wir suchten uns daher einen Schlafplatz im 8 km von Prince Rupert entfernten Olliver Lake Park und quartierten uns erst für die 2. Nacht am Prince Rupert RV Campground and Park ein, der günstigerweise nahe der Fährenterminals gelegen ist, Laundry sowie gratis Duschen und WiFi hat.

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In Prince Rupert blieb uns, nachdem die Fähre nur jeden zweiten Tag fährt noch ein ganzer Tag Zeit fürs Sightseeing – sprich Safeway und Extra Foods halb leerkaufen und eine kleine Runde durch die nette Hafenstadt zu drehen. Für die Internet–Erledigungen, die wir uns für Prince Rupert vorgenommen hatten war aufgrund von nötigen Einkäufen, Kochen (Steaks sind hier wirklich billig und werden auch am Benzinkocher sehr lecker) , Wäschewaschen und Einpacken für die Fährüberfahrt wieder mal keine Gelegenheit, aber dazu haben wir ja jetzt auf der Fähre ausreichend Zeit.

Die Fotos zum aktuellen Bericht sind diesmal auf Kanada – Yukon und British Columbia aufgeteilt.